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Chefduzer und Betriebspolitik

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admin:

--- Zitat von: counselor am 19:21:22 Do. 10.Oktober 2019 ---War heute zum Einzelgespräch. Die Firma hat ihre zwei lukrativsten Aufträge verloren. Mein Lohn soll...

--- Ende Zitat ---

Ich finde, solche Beschreibungen gibt es viel zu selten im Forum.
BGS und counselor bringen noch am häufigsten Berichte aus ihrer Arbeitsrealität mit der Beschreibung des Spanungsfelds zwischen der Haltung der Kollegen und der des Managements. Oft ist die Situation schwierig und das Resultat deprimierend. Wir müssen aber das schwierige Klima im Betrieb kennen, um es zu verändern.

Ich möchte zu mehr persönlichen Berichten aus dem Betrieb aufrufen!
Sie sind wichtig.

counselor:
Nochmals zu der Geschichte mit der Lohnsenkung: Gestern waren nach Ansicht meiner Kollegen an der Misere wieder die Flüchtlinge schuld. Heute kam dann raus, dass der Betriebsrat der Lohnsenkung vorab zugestimmt hatte. Vom Tisch ist allerdings die Streichung der Betriebsausflüge, weil es dagegen Protest in Form einer Unterschriftenliste gab. Nun dämmert es den Kollegen, dass sie sich organisieren müssen, um aus der Opferrolle rauszukommen. Zumindest haben sie realisiert, dass die Unterschriftenliste was gebracht hat. Es kam bei der Diskussion heraus, dass sich viele nicht so Recht trauen, zB auf eine Demonstration zu gehen. Das alles ist ihnen völlig fremd.

Nächste Woche ist dann Betriebsversammlung. Die Lohnkürzung und die Zustimmung des Betriebsrat wird dort sicher thematisiert. Weiterer Klärungsbedarf besteht über die Anhebung der Kantinenpreise. Vielleicht läßt sich da auch was machen.

tleary:

--- Zitat von: Kuddel am 15:52:03 Mo. 14.Oktober 2019 ---Dann stehen sie da, die satten Bürger und zeigen mit dem Finger auf die Prolls, die nicht "demokratiefähig" sind.

--- Ende Zitat ---
Die satten Bürger interessieren solche Meldungen am allerwenigsten.


--- Zitat von: counselor am 15:20:02 Fr. 25.Oktober 2019 ---Vom Tisch ist allerdings die Streichung der Betriebsausflüge, weil es dagegen Protest in Form einer Unterschriftenliste gab. Nun dämmert es den Kollegen, dass sie sich organisieren müssen, um aus der Opferrolle rauszukommen.

--- Ende Zitat ---
Das ist ja fast schon Realsatire! - Den lächerlichen Betriebsausflug, wo dann so ein Geschäftsleitungs-Ausbeuter womöglich noch neben einem im Bus sitzt, und man Smalltalk mit dem machen muß, will man sich nicht nehmen lassen. - Aber die 10 % Lohnsenkung, die tausendmal mehr Auswirkungen auf euer privates Leben und eueren jetzigen und späteren Lebensstandard (Rente!) haben wird, geht dagegen in Ordnung, oder wie? Die Verblödung der Arbeiterklasse ist schon weit, weit fortgeschritten...

Aber, Counselor, wieso tust du dich nicht mit ein paar Gleichgesinnten zusammen - und die gibt es immer, weil unmöglich alle verblödet sind - ihr setzt einen offenen Brief auf (mit Unterschriftenfeldern, lasst den rumgehen), in dem der Betriebsrat aufgefordert wird, dieser Lohnsenkung nicht nachzugeben?

Ich mein', ich war ja auch mal sowas wie "Arbeitnehmer" (zu lange sogar), und ich z.B. opponierte damals gegen den Betriebsrat, als der das Outsourcing unserer Abteilung damals unterstützte. Setzte damals ein Schreiben auf, das ihn aufforderte, das zu unterlassen. Einige der Kollegen (vielleicht so 20-25 %) unterschrieben das damals sogar. Allerdings war ich halt zu der Zeit unbeholfen und unsicher, wie's dann weitergehen sollte. Das Schreiben bekam dann zwar der Betriebsrat ausgehändigt - aber der warf es natürlich postwendend in den Papierkorb. Sowas hätte er natürlich nicht abziehen können, wenn man die Korruptheit dieser Arbeiterverräter öffentlich gemacht hätte. Leider war's damals so, daß die Geschäftsleitung wie immer die Salamitaktik anwandte, und unsere Abteilung nur ca. 10 - 15 % der Gesamtbelegschaft ausmachte und wir nur ein Zweigbetrieb weit weg vom Hauptbetrieb waren. Die Branche in der ich damals arbeitete, war EDV (also mehr oder weniger "New Economy"), wo's abteilungsübergreifend auch kaum Solidarität gab. Die Masse hielt sich auch immer für etwas "besseres". Sahen sich also gar nicht als Proleten, sondern wurden sehr gut bezahlt, und hätten nie gegen "ihre Firma" gestreikt.


--- Zitat von: counselor am 15:20:02 Fr. 25.Oktober 2019 ---Weiterer Klärungsbedarf besteht über die Anhebung der Kantinenpreise. Vielleicht läßt sich da auch was machen.

--- Ende Zitat ---
"Betriebsausflug" und "Kantinenpreise" sind nur Nebenkriegsschauplätze. - Wetten, daß darüber bei der Betriebsversammlung bis zum Erbrechen diskutiert wird, und die Lohnsenkung zwischen Betriebsrat und Geschäftsleitung in 1 Minute abgehandelt ist? - Falls sie überhaupt thematisiert wird.


--- Zitat von: ManOfConstantSorrow am 18:11:40 Di. 22.Oktober 2019 ---
* Opel Rüsselsheim: 6 Monate Kurzarbeit
* Saarland: Massenentlassungen in der Stahlbranche
* Handelskrieg bremst Industrie aus
* Continental schließt Werke
* BMW kürzt Gehälter
* Bei Opel: Statt 220 Autos pro Schicht nur etwa 90
--- Ende Zitat ---
Naja, jedenfalls wird's beim Arbeitsamt demnächst wieder etwas "kuscheliger"...

Kuddel:

--- Zitat von: tleary am 04:04:56 Mo. 28.Oktober 2019 ---Das ist ja fast schon Realsatire! - Den lächerlichen Betriebsausflug...

"Betriebsausflug" und "Kantinenpreise" sind nur Nebenkriegsschauplätze.
--- Ende Zitat ---

Es ist völlig richtig, daß man ständig auf Zusammenhänge und Ursachen hinweisen muß und versuchen sollte, die Diskussion in diese Richtung zu lenken.

Aber linke Schlaumeier sollten im Betrieb nicht zu überheblich werden mit ihrer Durchblickerei. Kämpfe werden nicht "gemacht", sondern sie entstehen meist spontan und es beginnt fast immer an Nebenkriegsschauplätzen. Bei den Gelbwesten war es der Spritpreis, der zu einer Massenbewegung um die Soziale Frage führte, in Chile entwickelte sich ein Protest um eine Erhöhung der U-Bahntickets um 4 Cent zu einem Volksaufstand gegen die herrschenden Eliten.

Wir sollten als Linke nicht glauben, es läge in unserer Hand, wann und wo gekämpft wird. Das entscheiden die Leute immernoch selbst. Wir können solche Auseinandersetzungen/Kämpfe nur mit Rat und Tat unterstützen und auf Fehler hinweisen und vor Spaltunglinien warnen und sollten uns jegliche Überheblichkeit verkneifen.

counselor:
Ganz so lächerlich sind der Betriebsausflug und die Kantinenpreise auch nicht. Der Betriebsausflug war schon eine kleine Reise mit zwei Übernachtungen. Dieses Jahr waren wir drei Tage in Lam im Bayerischen Wald. Die Firma hat Übernachtungen und das Essen bezahlt. Und auch die geplante Verdoppelung der Kosten des Mittagessens trifft viele hart.

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