Autor Thema: Chefduzer und Betriebspolitik  (Gelesen 807 mal)

counselor

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 5292
  • Sapere aude!
Chefduzer und Betriebspolitik
« am: 16:04:33 Mi. 09.Oktober 2019 »
"Betriebspolitik" hört sich irgendwie nach 70er Jahre oder DGB an. Aber jeder von uns, der irgendwo arbeitet, kann unverhofft damit konfrontiert werden. Plötzlich kann sich die Situation am Arbeitsplatz ändern und man ist gezwungen, irgendwie damit umzugehen. Man muß sich positionieren, man kann versuchen die Kollegen zu einem gemeinsamen Verhalten zu bewegen, man muß sich entscheiden. Wir sollten uns nicht nur rein theoretisch mit dem Kapitalismus auseinandersetzen, denn wir leben mitten drin. Wir müssen uns zunehmend darüber austauschen, wie wir mit unserem Alltag umgehen, ob wir nur Spielfiguren in einem bitteren Spiel sind, oder Menschen, die bereit sind, sich gemeinsam zu wehren. Ich fand dieses praktische Beispiel so interessant, daß ich die entsprechenden Beiträge aus dem Thread zur Weltwirtschaftskrise herausgetrennt und in den Praxisbereich verschoben habe.

admin




So, die Überproduktionskrise ist jetzt auch bei mir angekommen. Heute morgen im Betrieb kam die Betriebsleitung in die Abteilung. Die Umsätze sind eingebrochen. Ab November werden die Löhne gesenkt, entlassen wird aber niemand. Wer nicht genug zum Leben hat, soll zum Amt. Wer die Lohnsenkung ablehnt, kann kündigen. Außerdem werden Kantinenpreise erhöht und die Betriebsausflüge fallen weg. Die neue Lohnhöhe wird morgen im Einzelgespräch in der Personalabteilung offen gelegt. Mit der nächsten Lohnabrechnung am 15.10.19 erfolgt dann das Schriftliche.

Eine Kollegin brach in Tränen aus. Ihre Miete würde kürzlich erhöht. Sie weiß nicht, wovon sie ihre Rechnungen zahlen soll und meint, sich gleich den Strick nehmen zu können. Andere meinen, sie müssten den Gürtel enger schnallen. Manche finden es ungerecht, dass Flüchtlinge alles bezahlt kriegen oder H4-Empfänger acht Euro mehr kriegen ab Januar. Ein Kollege sagt, er kann kein H4 beantragen, weil seine Wohnung zu groß ist. Er würde dann vom Amt gezwungen auszuziehen und die Katastrophe am Wohnungsmarkt wäre ja bekannt.

Alles ist in Bewegung. Nichts war schon immer da und nichts wird immer so bleiben!

tleary

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 905
  • Yellow Submarine
Re: Chefduzer und Betriebspolitik
« Antwort #1 am: 15:09:09 Do. 10.Oktober 2019 »
Wer die Lohnsenkung ablehnt, kann kündigen.
Kündigen muß schon noch der Arbeitgeber. Denn du hast ja (hoffentlich) einen Arbeitsvertrag, in dem dein Lohn in irgendeiner Form fixiert ist. Und der kann bestenfalls nur gesenkt werden, wenn beide Parteien damit einverstanden sind.

Zitat
Die neue Lohnhöhe wird morgen im Einzelgespräch in der Personalabteilung offen gelegt. Mit der nächsten Lohnabrechnung am 15.10.19 erfolgt dann das Schriftliche.
In solche "Einzelgespräche" solltet ihr euch gar nicht verwickeln lassen. Denn da gehen alle dann als Verlierer raus. Da sitzen dann 3 oder 4 Leute von der Arbeitgeberseite vor dir, und du wirst als das "arme Würstchen" behandelt, dem der "Sachzwang" der Lohnsenkung verklickert wird.

Wie wär's wenn ihr euch dazu weigert, und nur als Gruppe bereit seid, mit den Arbeitgebern zu verhandeln? Bzw. die Lohnsenkung gleich ganz ablehnt. - Wo ist überhaupt euer Betriebsrat? Hat der seine Stimme verloren? Oder gibt's den bei euch gar nicht?

Zitat
Die neue Lohnhöhe wird morgen im Einzelgespräch
Dazu wird noch die Überrumpelungstaktik angewandt. Damit niemand Zeit hat, nachzudenken - und ihr nicht, euch abzusprechen und dagegen zu organisieren.

Manche finden es ungerecht, dass Flüchtlinge alles bezahlt kriegen oder H4-Empfänger acht Euro mehr kriegen ab Januar.
Die Debilität ist schon weit fortgeschritten unter Teilen der Arbeiterschaft. Naja, "nach oben buckeln, nach unten treten". Ist wohl die grundsätzliche Lebenseinstellung vieler Malocher. Nur NIE nach oben treten, denn derjenige weiß, daß ihm das nicht bekommt.
»Wir wissen, so wie es ist, kann es nicht weiter gehen. Aber es geht weiter.«
(Autor unbekannt)

counselor

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 5292
  • Sapere aude!
Re: Chefduzer und Betriebspolitik
« Antwort #2 am: 19:21:22 Do. 10.Oktober 2019 »
War heute zum Einzelgespräch. Die Firma hat ihre zwei lukrativsten Aufträge verloren. Mein Lohn soll um etwa 10 Prozent gekürzt werden. Man wolle weiterhin alle Arbeitsplätze anbieten und wolle sich nicht wegen der Löhne Verschulden. Daher sei die Kürzung unausweichlich. Der Betriebsrat ist auf Tauchstation. Unterschrieben habe ich nichts, aber das Schriftliche soll noch kommen. Bin gerade am Überlegen, nächste Woche zur Verdi-Gewerkschaft zu gehen.

Die Kollegen sind halt wütend darauf, dass die Merkel-Regierung Milliarden für Flüchtlingsdeals mit der Türkei und afrikanischen Staaten ausgibt, aber für uns nie Geld da ist. Manche meinen auch, H4-Empfänger könnten dreimal im Jahr auf Staatskosten Urlaub machen und die Flüchtlinge würden alles kriegen, ohne dass sie dafür einen Finger krumm machen müssen. Teilweise widerspiegelt sich in den Aussagen die jahrelange Medienhetze.
Alles ist in Bewegung. Nichts war schon immer da und nichts wird immer so bleiben!

tleary

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 905
  • Yellow Submarine
Re: Chefduzer und Betriebspolitik
« Antwort #3 am: 10:44:43 Fr. 11.Oktober 2019 »
War heute zum Einzelgespräch. Die Firma hat ihre zwei lukrativsten Aufträge verloren. Mein Lohn soll um etwa 10 Prozent gekürzt werden.
Ich hoffe, daß du dann wenigstens auch deine Arbeitszeit um 10 % reduzieren "darfst". - Denn wenn nach Aussage der Geschäftsleitung 10 % weniger Aufträge da sind, kannst du ja auch 10 % weniger anwesend sein. Ansonsten (wenn nicht kürzer Arbeiten) wäre die Aussage "keine Aufträge mehr" von der Geschäftsleitung ja eine glatte Lüge, und nur der Versuch, die Löhne der Arbeiter zu senken.

Zitat
Man wolle weiterhin alle Arbeitsplätze anbieten und wolle sich nicht wegen der Löhne Verschulden. Daher sei die Kürzung unausweichlich.
"Unausweichlich".... der berühmte "Sachzwang" kommt da wieder in Form von Lohnkürzungen daher. Muß ich an die Merkel denken mit ihrem "alternativlos"-Gerede.

Zitat
...wolle sich nicht wegen der Löhne Verschulden.
Außerdem: Kredit gehört zum Geschäft. Das sind schlechte Geschäftsleute, die nicht mit Krediten ihr Geschäft befeuern.

Zitat
Der Betriebsrat ist auf Tauchstation.
Dem Betriebsrat gehört in den Arsch getreten. UND: Sofort abesetzt und/oder bei der nächsten Wahl abgewählt.

Zitat
Unterschrieben habe ich nichts, aber das Schriftliche soll noch kommen. Bin gerade am Überlegen, nächste Woche zur Verdi-Gewerkschaft zu gehen.
Aber du wirst das noch tun, oder? ;)

Zitat
Die Kollegen sind halt wütend darauf, dass die Merkel-Regierung Milliarden für Flüchtlingsdeals mit der Türkei und afrikanischen Staaten ausgibt, aber für uns nie Geld da ist.
Was haben betriebliche Kürzungen mit den Staatsausgaben zu tun? - Richtig: Gar nichts! Aber ich höre das auch immer wieder, daß argumentativ "Haken geschlagen" werden. Das Unrecht, das einem zugefügt wird, wird richtig benannt, nur der Schuldige (in dem Fall deine Geschäftsleitung) wird von den Arbeitern nicht bekämpft, sondern der Haß umgeleitet auf irgendwelche Unbeteiligte (Flüchtlinge und Hartz IV-Empfänger). - Welche Schuld haben denn Hartz-IV-Bezieher und Flüchtlinge an den sozialen Sauereien, die die Unternehmer in euerem Betrieb veranstalten?

Ich hoffe nur, du unterschreibst nichts. Bin mir aber zugleich sicher, daß ALLE dieser Erpressung der Geschäftsleitung nachgeben werden.
»Wir wissen, so wie es ist, kann es nicht weiter gehen. Aber es geht weiter.«
(Autor unbekannt)

counselor

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 5292
  • Sapere aude!
Re: Chefduzer und Betriebspolitik
« Antwort #4 am: 17:07:27 Sa. 12.Oktober 2019 »
Ja, ich bin mir auch sicher, dass es keinen Widerstand gegen die Lohnkürzung geben wird. Die Denkweise, die das vereitelt, habe ich ja dargestellt. Ich denke, das Ganze ist ein Testballon. Man wollte testen, inwieweit die Belegschaft Widerstand leistet. Es werden weitere Angriffe folgen.
Alles ist in Bewegung. Nichts war schon immer da und nichts wird immer so bleiben!

admin

  • Administrator
  • *****
  • Beiträge: 2954
Re: Chefduzer und Betriebspolitik
« Antwort #5 am: 18:04:56 Sa. 12.Oktober 2019 »
War heute zum Einzelgespräch. Die Firma hat ihre zwei lukrativsten Aufträge verloren. Mein Lohn soll...

Ich finde, solche Beschreibungen gibt es viel zu selten im Forum.
BGS und counselor bringen noch am häufigsten Berichte aus ihrer Arbeitsrealität mit der Beschreibung des Spanungsfelds zwischen der Haltung der Kollegen und der des Managements. Oft ist die Situation schwierig und das Resultat deprimierend. Wir müssen aber das schwierige Klima im Betrieb kennen, um es zu verändern.

Ich möchte zu mehr persönlichen Berichten aus dem Betrieb aufrufen!
Sie sind wichtig.

counselor

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 5292
  • Sapere aude!
Re: Chefduzer und Betriebspolitik
« Antwort #6 am: 15:20:02 Fr. 25.Oktober 2019 »
Nochmals zu der Geschichte mit der Lohnsenkung: Gestern waren nach Ansicht meiner Kollegen an der Misere wieder die Flüchtlinge schuld. Heute kam dann raus, dass der Betriebsrat der Lohnsenkung vorab zugestimmt hatte. Vom Tisch ist allerdings die Streichung der Betriebsausflüge, weil es dagegen Protest in Form einer Unterschriftenliste gab. Nun dämmert es den Kollegen, dass sie sich organisieren müssen, um aus der Opferrolle rauszukommen. Zumindest haben sie realisiert, dass die Unterschriftenliste was gebracht hat. Es kam bei der Diskussion heraus, dass sich viele nicht so Recht trauen, zB auf eine Demonstration zu gehen. Das alles ist ihnen völlig fremd.

Nächste Woche ist dann Betriebsversammlung. Die Lohnkürzung und die Zustimmung des Betriebsrat wird dort sicher thematisiert. Weiterer Klärungsbedarf besteht über die Anhebung der Kantinenpreise. Vielleicht läßt sich da auch was machen.
Alles ist in Bewegung. Nichts war schon immer da und nichts wird immer so bleiben!

tleary

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 905
  • Yellow Submarine
Re: Chefduzer und Betriebspolitik
« Antwort #7 am: 04:04:56 Mo. 28.Oktober 2019 »
    Dann stehen sie da, die satten Bürger und zeigen mit dem Finger auf die Prolls, die nicht "demokratiefähig" sind.
    Die satten Bürger interessieren solche Meldungen am allerwenigsten.

    Vom Tisch ist allerdings die Streichung der Betriebsausflüge, weil es dagegen Protest in Form einer Unterschriftenliste gab. Nun dämmert es den Kollegen, dass sie sich organisieren müssen, um aus der Opferrolle rauszukommen.
    Das ist ja fast schon Realsatire! - Den lächerlichen Betriebsausflug, wo dann so ein Geschäftsleitungs-Ausbeuter womöglich noch neben einem im Bus sitzt, und man Smalltalk mit dem machen muß, will man sich nicht nehmen lassen. - Aber die 10 % Lohnsenkung, die tausendmal mehr Auswirkungen auf euer privates Leben und eueren jetzigen und späteren Lebensstandard (Rente!) haben wird, geht dagegen in Ordnung, oder wie? Die Verblödung der Arbeiterklasse ist schon weit, weit fortgeschritten...

    Aber, Counselor, wieso tust du dich nicht mit ein paar Gleichgesinnten zusammen - und die gibt es immer, weil unmöglich alle verblödet sind - ihr setzt einen offenen Brief auf (mit Unterschriftenfeldern, lasst den rumgehen), in dem der Betriebsrat aufgefordert wird, dieser Lohnsenkung nicht nachzugeben?

    Ich mein', ich war ja auch mal sowas wie "Arbeitnehmer" (zu lange sogar), und ich z.B. opponierte damals gegen den Betriebsrat, als der das Outsourcing unserer Abteilung damals unterstützte. Setzte damals ein Schreiben auf, das ihn aufforderte, das zu unterlassen. Einige der Kollegen (vielleicht so 20-25 %) unterschrieben das damals sogar. Allerdings war ich halt zu der Zeit unbeholfen und unsicher, wie's dann weitergehen sollte. Das Schreiben bekam dann zwar der Betriebsrat ausgehändigt - aber der warf es natürlich postwendend in den Papierkorb. Sowas hätte er natürlich nicht abziehen können, wenn man die Korruptheit dieser Arbeiterverräter öffentlich gemacht hätte. Leider war's damals so, daß die Geschäftsleitung wie immer die Salamitaktik anwandte, und unsere Abteilung nur ca. 10 - 15 % der Gesamtbelegschaft ausmachte und wir nur ein Zweigbetrieb weit weg vom Hauptbetrieb waren. Die Branche in der ich damals arbeitete, war EDV (also mehr oder weniger "New Economy"), wo's abteilungsübergreifend auch kaum Solidarität gab. Die Masse hielt sich auch immer für etwas "besseres". Sahen sich also gar nicht als Proleten, sondern wurden sehr gut bezahlt, und hätten nie gegen "ihre Firma" gestreikt.

    Weiterer Klärungsbedarf besteht über die Anhebung der Kantinenpreise. Vielleicht läßt sich da auch was machen.
    "Betriebsausflug" und "Kantinenpreise" sind nur Nebenkriegsschauplätze. - Wetten, daß darüber bei der Betriebsversammlung bis zum Erbrechen diskutiert wird, und die Lohnsenkung zwischen Betriebsrat und Geschäftsleitung in 1 Minute abgehandelt ist? - Falls sie überhaupt thematisiert wird.

    • Opel Rüsselsheim: 6 Monate Kurzarbeit
    • Saarland: Massenentlassungen in der Stahlbranche
    • Handelskrieg bremst Industrie aus
    • Continental schließt Werke
    • BMW kürzt Gehälter
    • Bei Opel: Statt 220 Autos pro Schicht nur etwa 90
    Naja, jedenfalls wird's beim Arbeitsamt demnächst wieder etwas "kuscheliger"...
    »Wir wissen, so wie es ist, kann es nicht weiter gehen. Aber es geht weiter.«
    (Autor unbekannt)

    Kuddel

    • Hero Member
    • *****
    • Beiträge: 15286
    • Fischkopp
    Re: Chefduzer und Betriebspolitik
    « Antwort #8 am: 09:48:40 Mo. 28.Oktober 2019 »
    Das ist ja fast schon Realsatire! - Den lächerlichen Betriebsausflug...

    "Betriebsausflug" und "Kantinenpreise" sind nur Nebenkriegsschauplätze.

    Es ist völlig richtig, daß man ständig auf Zusammenhänge und Ursachen hinweisen muß und versuchen sollte, die Diskussion in diese Richtung zu lenken.

    Aber linke Schlaumeier sollten im Betrieb nicht zu überheblich werden mit ihrer Durchblickerei. Kämpfe werden nicht "gemacht", sondern sie entstehen meist spontan und es beginnt fast immer an Nebenkriegsschauplätzen. Bei den Gelbwesten war es der Spritpreis, der zu einer Massenbewegung um die Soziale Frage führte, in Chile entwickelte sich ein Protest um eine Erhöhung der U-Bahntickets um 4 Cent zu einem Volksaufstand gegen die herrschenden Eliten.

    Wir sollten als Linke nicht glauben, es läge in unserer Hand, wann und wo gekämpft wird. Das entscheiden die Leute immernoch selbst. Wir können solche Auseinandersetzungen/Kämpfe nur mit Rat und Tat unterstützen und auf Fehler hinweisen und vor Spaltunglinien warnen und sollten uns jegliche Überheblichkeit verkneifen.

    counselor

    • Hero Member
    • *****
    • Beiträge: 5292
    • Sapere aude!
    Re: Chefduzer und Betriebspolitik
    « Antwort #9 am: 15:48:00 Mo. 28.Oktober 2019 »
    Ganz so lächerlich sind der Betriebsausflug und die Kantinenpreise auch nicht. Der Betriebsausflug war schon eine kleine Reise mit zwei Übernachtungen. Dieses Jahr waren wir drei Tage in Lam im Bayerischen Wald. Die Firma hat Übernachtungen und das Essen bezahlt. Und auch die geplante Verdoppelung der Kosten des Mittagessens trifft viele hart.
    Alles ist in Bewegung. Nichts war schon immer da und nichts wird immer so bleiben!

    tleary

    • Hero Member
    • *****
    • Beiträge: 905
    • Yellow Submarine
    Re: Chefduzer und Betriebspolitik
    « Antwort #10 am: 23:53:10 Mo. 28.Oktober 2019 »
    Ganz so lächerlich sind der Betriebsausflug und die Kantinenpreise auch nicht. Der Betriebsausflug war schon eine kleine Reise mit zwei Übernachtungen. Dieses Jahr waren wir drei Tage in Lam im Bayerischen Wald. Die Firma hat Übernachtungen und das Essen bezahlt. Und auch die geplante Verdoppelung der Kosten des Mittagessens trifft viele hart.
    Trotz allem ist das gegen die geplante 10 %-ige Senkung euerer Löhne "Peanuts". Die beiden obigen Posten (Betriebsausflug + Kantinenpreise) machen vielleicht 10 % der geplanten Einsparungen aus, die restlichen 90 % entfallen auf die Lohnsenkung. Ich bin überzeugt, die Geschäftsleitung wäre zufrieden, Betriebsausflug und Kantinenpreise unangetastet zu lassen, wenn nur ihr (und der Betriebsrat) die Kröte mit den Lohnsenkungen schluckt.

    In eine Verhandlung geht man eben immer mit einer Maximalforderung, und wenn man davon 90 % durchbekommt, ist man in jedem Fall auch zufrieden. Mehr wollte die GL insgeheim wohl gar nicht erreichen.
    »Wir wissen, so wie es ist, kann es nicht weiter gehen. Aber es geht weiter.«
    (Autor unbekannt)

    counselor

    • Hero Member
    • *****
    • Beiträge: 5292
    • Sapere aude!
    Re: Chefduzer und Betriebspolitik
    « Antwort #11 am: 07:01:14 Di. 29.Oktober 2019 »
    Das mag sein. In meiner Abteilung schlucken die Kollegen die Kröte mit der Lohnsenkung. Wie die Stimmung in der gesamten Belegschaft ist, werde ich auf der Betriebsversammlung sehen.
    Alles ist in Bewegung. Nichts war schon immer da und nichts wird immer so bleiben!

    Kuddel

    • Hero Member
    • *****
    • Beiträge: 15286
    • Fischkopp
    Re: Chefduzer und Betriebspolitik
    « Antwort #12 am: 11:11:14 Di. 29.Oktober 2019 »
    Könnte es nicht Sinn machen, daß ein Aussenstehender ein Flugblatt an die Beschäftigten verteilt?

    counselor

    • Hero Member
    • *****
    • Beiträge: 5292
    • Sapere aude!
    Re: Chefduzer und Betriebspolitik
    « Antwort #13 am: 16:11:25 Di. 29.Oktober 2019 »
    Könnte es nicht Sinn machen, daß ein Aussenstehender ein Flugblatt an die Beschäftigten verteilt?
    Das habe ich mir auch schon überlegt. Wäre sinnvoll. Derjenige, den ich da im Auge hatte, ist aber im Moment krank.
    Alles ist in Bewegung. Nichts war schon immer da und nichts wird immer so bleiben!

    counselor

    • Hero Member
    • *****
    • Beiträge: 5292
    • Sapere aude!
    Re: Chefduzer und Betriebspolitik
    « Antwort #14 am: 17:01:05 Mi. 30.Oktober 2019 »
    Heute war Betriebsversammlung. Die Kröte mit der Lohnsenkung schlucken die Kollegen offensichtlich. Es gab aber kritische Nachfragen an die anwesende Geschäftsleitung. Diese begründete die Maßnahme damit, dass man nicht mehr als 70% der Produktionserlöse an die Mitarbeiter ausschütten könne, weil die Firma ansonsten bezüglich Gebäuden und Maschinen auf Verschleiß gefahren würde am man spätestens in fünf Jahren dicht machen könne. Und die Produktionserlöse wären eben eingebrochen. Man hätte wertvolle Aufträge ins Ausland verloren, wo billiger produziert wird. Ich hatte das Gefühl, dass die sich am Anfang des Jahres kräftig verkalkuliert haben.

    Bezüglich des Mittagessens hat die Geschäftsleitung ihre Preisvorstellungen genannt. Auch das bisher kostenlose Frühstück soll einen Preis erhalten. Es soll aber so sein, dass wer das Mittagessen bezahlt, das Frühstück weiter kostenlos erhält und nur diejenigen das Frühstück bezahlen müssen, die nicht zu Mittag essen. Hierüber ist.aber das letzte Wort noch nicht gesprochen. Der Betriebsrat würde beauftragt, eine Unterschriftensammlung dagegen durchzuführen.

    Außerdem hat die Firma ein Grundstück für €900000 gekauft und will nächstes Jahr anfangen, dort eine neue Zweigstelle zu bauen. Dort sollen dann Kollegen einziehen, die bisher in einem angemieteten Gebäude arbeiten.

    Ich werde morgen sehen, wie der Rest meiner Kollegen in der Abteilung die Neuigkeiten aufnimmt.

    PS: Habe gerade mit einer Kollegin telefoniert. Die war heilfroh, dass die Geschäftsleitung keine Entlassungen durchzieht. Alles andere könne man ja schultern.
    Alles ist in Bewegung. Nichts war schon immer da und nichts wird immer so bleiben!