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Migrantischer Widerstand

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ManOfConstantSorrow:
Aus der Geschichte der US ArbeiterInnenbewegung:

5 Beispiele für Streiks der Latinocommunity in den USA in den letzten 100 Jahren:
https://www.history.com/news/latino-labor-movement-strikes-cesar-chavez

Kuddel:


Werner Rügemer (Aktion Arbeitsunrecht) übt scharfe Kritik an "Faire Mobilität".


--- Zitat ---Die Kehrseite der „vorübergehenden“ Wanderarbeit als Dauerzustand: Das Reservoir in den unterentwickelt gehaltenen neuen EU-Staaten soll erhalten bleiben. Zeitlich begrenzte Billigarbeit in den reichen EU-Gündungsstaaten, wie auch mit den Spargelstechern und sonstigen Saisonarbeitern praktiziert – gleichzeitig werden die armen EU-Staaten in Osteuropa in volkswirtschaftlicher Unterentwicklung gehalten. So bleibt das erpressbare, stumme Reservoir für die mobile, austauschbare Reservearmee erhalten.
(...)
EU-finanzierte Komplizenschaft des DGB

In den Eckpunkten lobt das Bundeskabinett das Projekt „Faire Mobilität“. Es soll zur Durchsetzung des neuen Schutzprogramms fortgeführt werden. Es wird aus dem Sozialfonds der EU finanziert. Der DGB betreibt damit seit mehreren Jahren Beratungsstellen für ausländische Wanderarbeiter.

Die Mittel werden über das Bundesministerium für Arbeit und Soziales zugeteilt. In 9 regionalen Beratungsstellen des DGB sollen „mobile Arbeitnehmer/innen aus den mittel- und osteuropäischen EU-Staaten bei der Durchsetzung von gerechten Löhnen und fairen Arbeitsbedingungen auf dem deutschen Arbeitsmarkt unterstützt“ werden.

Die Beratungsstellen gehen nicht offensiv in die Betriebe, sondern warten auf verängstigte Werkvertragler, die es wagen, sich an die Beratungsstellen zu wenden. Die Beratung der wenigen Betroffenen beschränkt sich auf das Unmittelbare. Aber die individuelle Stärkung für den Gang vor Gericht oder die kollektive Stärkung etwa durch praktische Heranführung an die Mitgliedschaft in einer Gewerkschaft werden in diesem Gewerkschaftsprojekt nicht gefördert. Betriebsratsgründung? Noch nie gehört.

Die in der Schlachtindustrie praktizierten Rechtsbrüche werden von den DGB-Beratungsstellen nicht zur Anzeige gebracht – einmal, 2017, wurden zwei Arbeiter gegen die Tönnies-Werkvertragsfirma Besselmann vor Gericht vertreten, eine Ausnahme.[9] Dass der Status als Werkvertragler ein Rechtsbruch, ein Betrug ist, weil es sich in Wirklichkeit um Leiharbeiter handelt – keine Kampagne beim DGB.
--- Ende Zitat ---
https://www.nachdenkseiten.de/?p=61638

Es gibt auch Stimmen, die Rügemers Kritik für übers Ziel hinausgeschossen halten. Trotz der Nähe ist "Faire Mobilität" nicht gleich DGB. Es gibt dort gute und engagierte Leute, die nicht nur auf "auf verängstigte Werkvertragler" warten, sondern aktiv den Kontakt zu ihnen an ihren Arbeitsplätzen oder Unterbringungen suchen.

Die Kritik am DGB ist völlig berechtigt.

Kuddel:

--- Zitat ---Arbeitsmarkt
Vielen Unternehmen fehlen Bewerber mit Migrationshintergrund
--- Ende Zitat ---
https://www.faz.net/aktuell/karriere-hochschule/buero-co/studie-vielen-unternehmen-fehlen-bewerber-mit-migrationshintergrund-17068767.html

Kuddel:

--- Zitat ---Der Luxus der Anderen
Ausgebeutet in Berlin – 550 Euro für drei Wochen harte Arbeit

Als Arbeiter kam er nach Deutschland, baute mit an der glitzernden „Mall of Berlin“ – und wurde nicht bezahlt. Heute lebt Nicolae Molcoasa auf der Straße.



(...) Seit es in der EU einen gemeinsamen Arbeitsmarkt gibt, sind hunderttausende Menschen nach Deutschland gekommen. Gut 400.000 Beschäftigte mit rumänischer Staatsangehörigkeit wie Molcoasa zählte die Bundesagentur für Arbeit dieses Jahr – und das sind noch diejenigen, die zumindest sozialversicherungspflichtig angestellt sind.

Die Menschen sind anfällig für Ausbeutung, nehmen oft übelste Bedingungen in Kauf, weil sie keine Wahl haben. „Wer aufmuckt, der fliegt raus“, sagt Justyna Oblacewicz vom Deutschen Gewerkschaftsbund. 8000 Menschen haben sich bundesweit allein in der ersten Hälfte des Jahres 2020 an die Beratungsstellen für „Faire Mobilität“ der Gewerkschaft gewandt.

Vor gut sechs Jahren betritt Nicolae Molcoasa zum ersten Mal das Areal in der Mitte Berlins, wo heute die Mall steht. Er schleppt schweres Baumaterial. „Von Anfang an war die Arbeit hart, übertrieben.“ Zehn Stunden habe er am Tag gearbeitet, an sechs Tagen in der Woche. „Aber es wurde schlimmer.“

Bullige Typen tauchten auf der Baustelle auf, verboten Pausen, aus angeblich „technischen Gründen“, brüllten Molcoasa und seine Kollegen an, wenn sie Wasser trinken wollten. Aber Molcoasa will an diese Sache lieber nicht mehr so viel denken. „Das würde meine jetzige Lage noch schlimmer machen.“

(...) „Die Anwälte haben so viele Beweise vorgebracht, trotzdem haben wir verloren“

Die verantwortlichen Subfirmen kommen davon. Openmallmaster ist pleite, der Geschäftsführer wurde per Haftbefehl gesucht, weil er die Insolvenz verschleppte. Der Befehl ist verjährt.



(...) Fälle wie der Molcoasas zeigen: Gleiche Rechte bringen nur dann etwas, wenn Menschen sie durchsetzen können, wenn sie ihre Rechte überhaupt kennen. Oft ist das bei Menschen aus dem Osten der EU nicht so, sagt Gewerkschafterin Oblacewicz.

Auch die Obdachlosigkeit ist als Gefahr im System angelegt: Auf dem Bau, in der Landwirtschaft und der häuslichen Pflege ist die Unterkunft für Ausländer teilweise an den Arbeitsplatz gekoppelt. Wer den Job verliert, ist dann gleichzeitig ohne Dach über dem Kopf. „In solchen Fällen bleibt den Menschen nichts anderes übrig als den Weg nach Hause anzutreten oder so schnell wie möglich eine neue Anstellung zu finden.“
--- Ende Zitat ---
https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/der-luxus-der-anderen-ausgebeutet-in-berlin-550-euro-fuer-drei-wochen-harte-arbeit/26781212.html

Kuddel:
Twittermeldung aus Österreich:



Marya, 24h-Betreuerin aus Rumänien hat eine Rede gehalten:


--- Zitat ---Hallo, mein Name ist Marya und ich bin eine rumänische 24-Stunden-Betreuerin.

Heute vertrete ich meine Kolleginnen und Kollegen von den Vereinen DREPT und IG24, aber auch alle anderen BetreuerInnen, die mit uns für bessere Arbeitsbedingungen kämpfen.
Wir werden genauso ausgebeutet und ignoriert wie immer. Wir müssen noch immer in einem System mit offensichtlicher Scheinselbstständigkeit arbeiten.
In der Praxis sind wir jedoch von den schrecklichen Ausbeutungspraktiken der Vermittlungsagenturen abhängig, die uns dazu bringen, ungerechte Verträge zu unterschreiben und sich auf unserem Rücken bereichern.

Obwohl die Pandemie des letzten Jahres glasklar gezeigt hat, dass die 24h-Betreuung für unsere Gesellschaft unverzichtbar ist, dass die Gesellschaft zusammenbrechen würde, wenn wir nicht da wären und uns um die kümmern würden, die am Ende ihres Lebens stehen und obwohl alle in Panik geraten, wenn die Grenzen geschlossen werden und wir nicht mehr zu unserer Arbeit anreisen können, haben sich unsere Arbeitsbedingungen trotzdem kein bisschen verbessert! Nicht ein bisschen!

Heute ist unser Tag. Aber nicht, um beklatscht, gelobt und gefeiert zu werden. Nein! Es ist unser Tag, um unsere Wut herauszuschreien. Denn ja, wir werden immer wütender.

Obwohl die Pandemie des letzten Jahres glasklar gezeigt hat, dass die 24h-Betreuung für unsere Gesellschaft unverzichtbar ist, dass die Gesellschaft zusammenbrechen würde, wenn wir nicht da wären und uns um die kümmern würden, die am Ende ihres Lebens stehen und obwohl wir haben keine Möglichkeit, uns zu schützen, um uns kümmert sich der Staat Österreich nicht. Und in unseren Heimatländern gibt es ganze Familien, die von unserer Arbeit und von unserem Einkommen abhängen.
--- Ende Zitat ---

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