Autor Thema: Unpassende Vermittlungsvorschläge  (Gelesen 11941 mal)

chromoxidgruen

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Re: Unpassende Vermittlungsvorschläge
« Antwort #45 am: 19:49:39 So. 23.Januar 2022 »
Hallo Schicksalsgenossen/innen,

das scheint hier der "Fachkräfte-Ü50-Thread" zu sein, da springe ich mal rein...  Bin Mitte 50 und gerade dabei, mich ohne Geld aus der Erwerbslosigkeit heraus selbständig zu machen. Demnächst hab ich einen Termin beim Spottcenter deswegen + bin mal gespannt, ob man mich machen lässt, oder ob man versucht mir Knüppel zwischen die Beine zu werfen.

Auch ich sehe das Problem auf der Seite der Arbeitgeber (wobei Arbeitgeber an sich schon ein Unwort ist, denn die Arbeit geben ja wir, die Firma streicht sie ein, zahlt uns ein wenig Gehalt und behält den Mehrwert  ;) ). Bei den Firmen sehe ich die Ursache im neoliberalen Profitmaximierungs-Fetisch der Controller. Falls nämlich einer von denen zu dem Schluss kommt, dass jüngere Mitarbeitende 50 Cent weniger kosten als ältere, wird stur darauf beharrt, jemand jüngeres einzustellen um die 50 Cent zu sparen. Diese kurzsichtige Denke hat sich leider verselbständigt. Mit €uro-Zeichen in den Augen wird der Blick aufs Ganze ausgeblendet, wie z.B. dass gemischte Teams bessere Leistungen erbringen, weil sich die Verschiedenheit ergänzt, wie die "Dynamik" der Jüngeren mit der Erfahrung der Älteren. Eine weitere Ursache sehe ich in der angebotsorientierten neoliberalen Politik. Die (sogenannten) Arbeitgeber sind seit der Agenda 2010 halt sehr verwöhnt und gehen häufig davon aus, dass es ihr Anrecht ist, aus einer großen Anzahl von Bewerbern/innen nach Belieben auszuwählen und selber möglichst nichts in deren Weiterbildung investieren zu müssen. 

Deshalb versucht man diesen Leuten beim JC auch in Vermutung auf einen noch bestehendem Arbeitsethos ein schlechtes Gewissen einzureden, um Sie für (billigere) Sinnlosmaßnahmen/BufDi/EEJ "fit zu machen".
Wobei das schlechte Gewissen in Anbetracht der Steuern, die man bzw. frau über Jahrzehnte gezahlt hat, mehr als deplaziert ist  8)

Übrigens setzt die CDU - Merz voran - auf eine Erhöhung des Rentenalters bis zu 72 Jahren wegen Fachkräftemangel. Passt doch alles bestens zusammen ::)
Auch, dass die Industrie einerseits jammert wegen angeblichem Fachkräftemangel, andererseits aber Geflüchtete, die schon seit Jahren hier leben und arbeiten (und deren Kinder hier geboren sind), abgeschoben werden, passt "hervorragend" zusammen   >:(  Mal ganz abgesehen von der humanitären Frage, wären die Kinder dieser Leute schonmal ein paar Fachkräfte von morgen... wenn sie denn die Chance bekommen auf gute Bildung und Ausbildung.
 

DoSsy

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Re: Unpassende Vermittlungsvorschläge
« Antwort #46 am: 12:10:50 Mo. 24.Januar 2022 »
 :) Willkommen, chromoxidgruen.

Hallo Schicksalsgenossen/innen,

das scheint hier der "Fachkräfte-Ü50-Thread" zu sein, da springe ich mal rein...  Bin Mitte 50 und gerade dabei, mich ohne Geld aus der Erwerbslosigkeit heraus selbständig zu machen. Demnächst hab ich einen Termin beim Spottcenter deswegen + bin mal gespannt, ob man mich machen lässt, oder ob man versucht mir Knüppel zwischen die Beine zu werfen.

Drücke ganz fest die Daumen! Wünsche Dir sehr, dass Du grünes Licht und Unterstützung bekommst.




chromoxidgruen

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Re: Unpassende Vermittlungsvorschläge
« Antwort #47 am: 20:29:39 Mo. 24.Januar 2022 »
:) Willkommen, chromoxidgruen. Drücke ganz fest die Daumen! Wünsche Dir sehr, dass Du grünes Licht und Unterstützung bekommst.


Danke für die guten Wünsche :)  (Wo hast Du den tollen Kleeblatt-Smiley her?)

Ich mache mich als Dozent in meinem Fachbereich selbständig. Da wird mich aber nicht der Rubel überrollen, sondern ich werde Kleinunternehmer sein. Sollte das Amt mich nicht unterstützen, gehöre ich demnächst auch zu denjenigen, die unpassende Vermittlungsvorschläge auf den Tisch bekommen...

Hartz4?SOWHAT!

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Re: Unpassende Vermittlungsvorschläge
« Antwort #48 am: 20:49:20 Mo. 24.Januar 2022 »
nabend chromodixid,

lass dich wegen der Selbstständigkeit bloß nicht ins Boxhorn jagen, da viele JC diese Art der Tätigkeit nicht gerne sehen und stattdessen lieber in ZAF, EEJ und Sinnlosmaßnahmen vermitteln wollen. Das Gewerbe darfst du auf jeden Fall ausüben wegen der Gewerbefreiheit. Viel andere vernünftige Optionen stehen Elos Ü50 leider auch nicht mehr offen.
Die Frage wird sein, ob das Jobcenter diese Tätigkeit langfristig als tragend ansieht. Falls ja, bekommst du ggf. Zuschüsse und wirst auch mit Vermittlungsvorschlägen verschont, zumindest kurzfristig. Falls sich allerdings dann keine schnellen Erfolge einstellen, könnte es passieren, dass man dir jemanden zur Seite stellt, der die Tragfähigkeit deines Gewerbes analysiert und an das JC meldet. Falls dieser dem nicht positiv eingestellt ist, kann man dich zwar nicht zur Aufgabe zwingen, du musst dich dann allerdings vorrangig auf Stellen bewerben und darfst nicht mehr als 15 Std. die Woche dem Nebengewerbe widmen.

Ich selber habe ebenfalls ein Nebengewerbe am Laufen, dass mich allerdings nicht vom JC befreien wird. Zumindest habe ich dadurch Ruhe vor Versuchen, mich in EEJ oder Sinnlosmaßnahmen abzuschieben, was vorher der Fall war.

chromoxidgruen

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Re: Unpassende Vermittlungsvorschläge
« Antwort #49 am: 21:20:43 Mo. 24.Januar 2022 »
Danke für die Rückmeldung @Hartz4?SOWHAT!

Ich selber habe ebenfalls ein Nebengewerbe am Laufen, dass mich allerdings nicht vom JC befreien wird. Zumindest habe ich dadurch Ruhe vor Versuchen, mich in EEJ oder Sinnlosmaßnahmen abzuschieben, was vorher der Fall war.
Damit ist schon das wichtigste Teilziel erreicht, um die Nerven zu schonen  8)

Falls sich allerdings dann keine schnellen Erfolge einstellen, könnte es passieren, dass man dir jemanden zur Seite stellt, der die Tragfähigkeit deines Gewerbes analysiert und an das JC meldet. Falls dieser dem nicht positiv eingestellt ist, kann man dich zwar nicht zur Aufgabe zwingen, du musst dich dann allerdings vorrangig auf Stellen bewerben und darfst nicht mehr als 15 Std. die Woche dem Nebengewerbe widmen.

Ich hoffe mal bzw. werde das auch so kommunzieren, dass man mir erstmal zumindest 3 Monate gibt um zu schauen, wie der Hase läuft. Hab die Vorbereitungen fast fertig und kann im Februar durchstarten. Allerdings ist momentan der Einfluss von Corona noch nicht abschätzbar, deshalb könnte ich jetzt noch keinen Businessplan schreiben. Nach 3 Monaten sehe ich da hoffentlich klarer. Übrigens überprüft z.B. die IHK hier in Köln für zukünftige Mitglieder kostenlos die Tragfähigkeit. Das könnte neutraler sein als die Prüfung durch einen Gutachter, den das Jobcenter möglicherweise dafür bezahlt, Selbständige rauszuekeln. Falls dann die IHK die Tragfähigkeit bescheinigt, aber das Jobcenter nicht, könnte man klagen.

Zuschüsse würde ich aber nur bekommen, wenn ich VOR Aufnahme der Tätigkeit einen Antrag stelle. Dazu müsste ich direkt den Businessplan vorlegen, was ich aus obigen Gründen derzeit noch nicht kann, zumindest nicht seriöserweise. Somit fallen die Zuschüsse wohl flach für mich.

Kuddel

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Re: Unpassende Vermittlungsvorschläge
« Antwort #50 am: 09:28:47 Mi. 26.Januar 2022 »
Ich mache mich als Dozent in meinem Fachbereich selbständig. Da wird mich aber nicht der Rubel überrollen, sondern ich werde Kleinunternehmer sein...

Mit entsprechenden Voraussetzungen, würde ich in deiner Situation vielleicht ähnliches machen.
Als politisch denkender Mensch, der Klassenkampf für das wichtigste Mittel im Kampf gegen die herrschenden Verhältnisse hält, frage ich mich, wohin das führt. Wenn wir alle Soloselbständige werden, hat man uns da, wo man uns will.
Wir sind alle vereinzelt und wehrlos.
Klar, wenn man ne Festanstellung in dem gleichen Bereich hätte, würde wohl auch nicht gerade die Wutz abgehen. Keine Kampfestraditionen. Verschnarchte Gewerkschaften.

Trotzdem: Arbeit und die Arbeitsbedingungen sind politischen Themen. Können Soloselbständige sich organisieren? Können sie gemeinsam kämpfen?

tleary

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Re: Unpassende Vermittlungsvorschläge
« Antwort #51 am: 02:41:12 Do. 27.Januar 2022 »
Können Soloselbständige sich organisieren? Können sie gemeinsam kämpfen?
Gegenfrage:
Können Hartz-IV-Empfänger sich organisieren? - Antwort: JA!
Können Hartz-IV-Empfänger gemeinsam kämpfen? - Antwort: ebenfalls JA!
Beides geschieht aber nicht. - Insofern besteht zwischen Hartz-IV-Empfängern und Soloselbstständigen wohl nur ein marginaler Unterschied.

Wenn jemand ein bestimmtes Alter (spätestens 50) erreicht hat, ist er nun einmal aus dem deutschen Arbeitsmarkt inoffiziell schon ausgeschieden. Es sei denn, JC buttert viel Steuergelder rein, und bietet denjenigen zum Nulltarif den Arbeitgebern an. Aber das ist dann schon "Marktverzerrung", was der Staat damit praktiziert.

Da bleibt vielen eben nur die Flucht in die Kleinselbstständigkeit. Schlimmer als Hartz-IV ist das auch nicht. Oft eben das berühmte "kleinere Übel" für denjenigen.
»Wir wissen, so wie es ist, kann es nicht weiter gehen. Aber es geht weiter.«
(Autor unbekannt)

Onkel Tom

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Re: Unpassende Vermittlungsvorschläge
« Antwort #52 am: 14:13:10 Fr. 28.Januar 2022 »
Moin cromoxydgruen und willkommen im Forum der Ausgebeuteten.


Ich hoffe mal bzw. werde das auch so kommunzieren, dass man mir erstmal zumindest 3 Monate gibt um zu schauen, wie der Hase läuft. Hab die Vorbereitungen fast fertig und kann im Februar durchstarten. Allerdings ist momentan der Einfluss von Corona noch nicht abschätzbar, deshalb könnte ich jetzt noch keinen Businessplan schreiben. Nach 3 Monaten sehe ich da hoffentlich klarer. Übrigens überprüft z.B. die IHK hier in Köln für zukünftige Mitglieder kostenlos die Tragfähigkeit. Das könnte neutraler sein als die Prüfung durch einen Gutachter, den das Jobcenter möglicherweise dafür bezahlt, Selbständige rauszuekeln. Falls dann die IHK die Tragfähigkeit bescheinigt, aber das Jobcenter nicht, könnte man klagen.

Zuschüsse würde ich aber nur bekommen, wenn ich VOR Aufnahme der Tätigkeit einen Antrag stelle. Dazu müsste ich direkt den Businessplan vorlegen, was ich aus obigen Gründen derzeit noch nicht kann, zumindest nicht seriöserweise. Somit fallen die Zuschüsse wohl flach für mich.

Deine Ansichten klingen sehr gut. Mit IHK-Stempel und ohne dazwischen gefummel des Mobcenters dürfte der
Energieaufwannd mit Sicherheit deutlich geringer ausfallen, sich selbständig zu machen.
Gerade das Verlangen des Mobcenter eines Businessplan, bevor es überhaupt los geht, zeugt doch schon davon, das
das Mobcenter etwas "unserieses in die Hand bekommen will"..

Eine Prognose auf Erfolgaussichten und zu erwartender Umsätze runden das ganze ab, das jederzeit das Mobcenter
ihre Leistungen a la "unrentabel" einstellen können. Das Mobcenter Eigeninitative des Elos auch gerne zerstört, um sie
wieder unter Vollverfügbarkeit zu bekommen, ist ja leider auch nix neues.

Ich finde deine Überlegungen sehr gut, zu Papieren zu kommen, die wirklich anerkannt werden (IHK) und das Mobcenter
so weit wie möglich auf Abstand halten zu wollen. Hoffe ma, das dein Geldbeutel dich nicht dazu zwingt, dich zu sehr
in dem Mobcenter-Tango einlassen zu müssen. Diese halbjährliche Überprüfung des Mobcenters auf "Rentabilität des
Unternehmen" ist schon fies genug, der Bürozeit extrem erhöht..

Daumendrück, das es bei deinen Vorhaben klappt  ;)
Lass Dich nicht verhartzen !

DoSsy

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Re: Unpassende Vermittlungsvorschläge
« Antwort #53 am: 09:10:56 Mo. 31.Januar 2022 »
@chromo
Die Greensmilies gibt es auf der Seite, wo die wilden Kerle wohnen. Greensmilies mit dot und com sowie der Adresse des jeweiligen (beim Kleeblatt-Smiley Rechtsklick Grafikadresse kopieren und dann hier mit dem "Bild einfügen" wieder platzieren - weißt Du bestimmt sowieso, schreib es einfach zur Sicherheit :) ).

Die Idee mit dem IHK-Gutachten finde ich auch gut.