Autor Thema: Basisgewerkschaften  (Gelesen 237 mal)

Kuddel

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Basisgewerkschaften
« am: 18:58:15 Mo. 03.Februar 2020 »
Es war phasenweise schon nervig, wie das Forum von Mitgliedern und Unterstützern der Basisgewerkschaften FAU und IWW heimgesucht wurde. Es schien die Lösung all unserer Probleme zu sein und die basisdemokratischen Gewerkschaftsmodelle wurden wie das Evangelium gepriesen. Irgendwann wurde es still um sie. Die optimistischen Postings ließen nach, bis sie ganz ausblieben. Noch nicht einmal das mitgliederstärkste Syndikat in Berlin hält es noch für nötig bei chefduzen seine Veranstaltungen zu veröffentlichen.

In dem Buch "Syndikalismus und neue Klassenpolitik" zieht Torsten Bewernitz nach 20 Jahren Aktivität in der FAU ein vernichtendes Resümee. Warum gibt es keinen Aufschrei der Empörung, keinen Widerspruch von den zuvor noch so Begeisterten? Wo sind sie? Haben sie aufgehört von einer besseren Gesellschaft zu träumen, haben sie aufgehört zu kämpfen? Sind sie heute in völlig anderen Kämpfen eingebunden? Ist das Interesse an den Ausgebeuteten und dem Arbeitsplatz als Ort der Auseinandersetzung verschwunden?

Wer will wie kämpfen? Die Basisgewerkschaften FAU und die in D noch kleinere IWW funktionierten als Durchlauferhitzer. Die Leute traten begeistert ein und die Organisationen konnte die Mitglieder nicht lange halten. Viele Tausend Leute sind da in wenigen Jahren durchmarschiert. Was denken sie heute? Was bedeuten ihre Erfahrungen und Enttäuschungen für sie? Was sollten die politschen Konsequenzen jenseits von Resignation oder "weiter so" sein?

Ferragus

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Re: Basisgewerkschaften
« Antwort #1 am: 11:56:03 So. 19.April 2020 »
Das Buch von Bewernitz wurde FAU-intern von wenigen Mitgliedern diskutiert und zu recht kritisiert, gegenwärtig scheint das Bedürfnis nach theoretischer Analyse aber nicht im Zentrum zu stehen. Man versucht halt die Gewerkschaftsarbeit, die Aufrechterhaltung und den Ausbau der Organisation und die anfallende Bürokratie zu bewältigen, teilweise sich erst anzueignen und hat damit genug zu tun - es fehlt an Leuten, die sich sich reinknien. Diese trockenen und notwendig etwas langweiligen Tätigkeiten haben auch schon einige aktive Mitglieder verheizt. Andererseits kann man auch sagen, das politische Tätigkeit für die meisten Leute ein Durchgangsphänomen ist, und sie sich mit Anfang 30 und dem Beginn der aktiven Familienplanung eher zurückziehen. Also es ist nicht so einfach - die Stagnation bzw. langwierige Entwicklung der FAU und die Passivität der arbeitenden Klasse beeinflussen sich wechselseitig. Erschwerend: die gebundene, verwaltete Form des heutigen Klassenkampfes, der sich überwiegend vor Gericht und im Verhandlungs-zimmer abzuspielen scheint.
Bewernitz Ungeduld kann ich verstehen, aber sein Rezept von einem linken Flügel in den DGB-Gewerkschaften hat wenig Anziehungskraft und seine Analyse der Misere reicht nicht aus.
Insofern gibt es eben keinen Grund für Optimismus.

Kuddel

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Re: Basisgewerkschaften
« Antwort #2 am: 13:15:46 Di. 21.April 2020 »
Hallo Ferragus,
schön eine Reaktion aus dem FAU Umfeld zu kriegen. Es ist recht still um die FAU geworden. Im Lauf meines Arbeitslebens war ich aus symbolischen Gründen Mitglied in drei verschiedenen sozialpartnerschaftlichen Gewerkschaften, doch ich halte das Konzept der Basisgewerkschaften für das bessere. Ich habe versucht im Rahmen/in Zusammenarbeit von/mit sozialpartnerschaftlichen- und Basis-Gewerkschaften, Beratung zu bekommen oder Protest und Widerstand in der Arbeitswelt anzuschieben. Die Liste der Enttäuschungen ist lang, bei den Basisgewerkschaften noch länger als bei den DGB Gewerkschaften. Das liegt aber wohl daran, daß ich mich nach einer Weile bei den DGB Gewerkschaften weniger bemüht habe, weil ich gesehen hatte, wie wenig Interesse sie an klassenkämpferischen Aktivtäten haben. Umso schmerzlicher war die Erfahrung, daß es bei der sympathischeren Organisation in der Praxis hinten und vorn nicht klappt. Ich kann vielleicht später einige dieser Erfahrungen schildern.

Bei den Auszügen aus der Broschüre von Torsten Bewernitz, die ich zu lesen bekam, war ich von den Socken. Sein ernüchterter Blick auf die FAU entsprach meinen Erfahrungen. Ich habe mir die Broschüre dann bei der Buchhandlung meines Vertrauens bestellt, da wurde ich jedoch enttäuscht. Ich kann seine Schlüsse aus der Enttäuschung und aus der realen Schwäche der FAU nicht nachvollziehen. Den Vorschlag, "Workers Center" zu etablieren, finde ich gut. Aber da hört es schon auf. Auch wenn der bisherige Weg der FAU vielleicht gescheitert sein mag, halte ich das Konzept von Bassisgewerkschaften keineswegs für gescheitert. Das beweisen meiner Meinung nach die IP in Polen, die SUD Solidaires in Frankreich und SI Cobas in Norditalien.

Ich finde seinen Vorschlag zur "Professionalisierung" mit bezahlten Funktionären nicht gut. Ich halte durchaus eine Reformierung der FAU Strukturen für sinnvoll und da sollte man weniger dogmatisch und stattdessen lebensnäher sein. Ich denke schon, daß gewisse Aktivitäten honoriert und finanziell entschädigt werden sollten, denn sonst wäre es z.B. für alleinerziehen Mütter unmöglich auch noch Gewerkschaftsarbeit zu machen. Das ist sonst ein Privieg derjenigen, die ausreichend freie Zeit und eine gute ökonomische Absicherung haben. Ein Funktionärstum wäre keine Lösung, sondern eher der Versuch einen Fehler durch einen anderen zu ersetzen.

Torsten Bewernitz hat scheinbar die FAU ganz aufgegeben. Das halte ich für falsch. Ich denke schon, daß die eigenen Fehler und das Scheitern an vielen Fronten diskutiert werden müßten. Ich sehe durchaus das Potential für eine Erneuerung.

Seine Hoffnungen auf die DGB Gewerkschaften kann ich nicht nachvollziehen. Ich bin auch hier für einen undogmatischen Umgang und halte es für wichtig, mit den Mitgliedern dieser Gewerkschaften nicht nur Kontakt zu halten, sondern auch zusammenzuarbeiten. Das gilt auch für einzelne Funktionäre, die in Ordnung sind. Man kann hier und da einiges ausrichten innerhalb der DGB Strukuren, doch dieser verkrustete Apparat ist nicht ernsthaft reformierbar, egal wie viele Leute sie aus der Antifa- und linksradikalen Szene als Jugendsekretäre und Organizer rekrutieren mögen. Das ist nur junge, moderne Tünche, weiter nichts.

Ferragus

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Re: Basisgewerkschaften
« Antwort #3 am: 13:31:40 Mi. 22.April 2020 »
Hallo Kuddel,
was Bewernitz angeht: die Workers-center-Strategie hatte ich schon wieder vergessen und ich glaube, er ist noch in der FAU Mannheim, schreibt auch weiterhin für den Express.
Zur Reform der FAU: in Berlin steht sie im Fokus (auch Bezahlung wurde diskutiert, dafür ist Berlin quantitativ aber noch zu klein) und in zwei bis vier größeren Städten im Osten der Republik wird sie sich bald aufdrängen. Es gibt große regionale Unterschiede in der FAU und in einigen Städten kann man noch nicht zur gewerkschaftlichen Arbeit übergehen, muss man erst einmal den Polit-Gruppe-Charakter hinter sich lassen. Diese Reformen stoßen aber auf Schwierigkeiten (welchen Prinzipien soll man folgen?, ich plädiere da für Zweckgebundenheit d.h. Orientierung an den Bedingungen der Kämpfe, größtmögliche Übersichtlichkeit und Durchsichtigkeit, geringe Anstrengung für die Aktiven - es gibt aber eine andere Fraktion, die pedantisch alles mit Satzungen und Richtlinien abdecken will, Stichwort Kontrolle-Fetisch), weil eben nur ein kleiner Kern aktiv die Gestaltung der Strukturen beeinflusst, die Mitglieder einzeln in kleinen betrieben ohne Betriebsgruppen sind(wie die Atomisierung überwinden?), die allein-erziehende Mutter ist sicherlich kaum dabei. Viele Mitglieder bringen auch ihre Vorstellungen von einer Dienstleistungsgewerkschaft mit, bei der man nichts machen muss - ein weiteres Hindernis.
Die demokratische Praxis der Basisgewerkschaften ist der Tat um einiges besser als die starren Apparate, wenn man aber die alten syndikalistischen Vorbilder überflügeln möchte, muss noch einiges mehr dazu kommen als von der Bais gesteuerte Gewerkschaftstätigkeiten, nämlich der Angriff auf die Klassengesellschaft bzw wenigstens ihre Vorbereitung (das war ja ein wichtiger Impuls in Frankreich, keine Arbeitsteilung zwischen Partei und Gewerkschaft). Ein weiteres und damit zusammenhängendes Problem: Viele sehen die  FAU als ein Projekt von Anarchisten, obwohl der Syndikalismus in Deutschland zuerst mit der SPD verknüpft war. Die anarchistischen und syndikalistischen Theorien, die definitiv innerhalb der FAU im Umlauf sind, sind nicht sehr produktiv, haben enge Grenzen und drohen ein Hemmschuh zu werden.
Grüße Ferragus

Kuddel

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Re: Basisgewerkschaften
« Antwort #4 am: 11:35:56 Di. 19.Mai 2020 »
Die anarchistischen und syndikalistischen Theorien, die definitiv innerhalb der FAU im Umlauf sind, sind nicht sehr produktiv, haben enge Grenzen und drohen ein Hemmschuh zu werden.

Die polnische Basisgewerkschaft IP (Inicjatywa Pracownicza) begann auf Basis dieser Theorien, doch in ihrer gewerkschaftlichen Praxis verließen die diesen dogmatischen Weg und bezeichnen heute ihre Arbeit als "von Anarchosysndikalistischen Ideen inspiriert".

Ich bin beeindruckt von dem Engagement der FAU im Arbeitskampf am Bornheimer Spargelhof Ritter. Es ist also bei der FAU noch nicht Hopfen und Malz verloren.

Kuddel

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Re: Basisgewerkschaften
« Antwort #5 am: 15:02:06 Sa. 23.Mai 2020 »
Zitat
Basisgewerkschaften rufen zu Streik- und Aktionstagen auf

Die Ver­ei­ni­gung der Basis­ge­werk­schaf­ten (USB) hat für den 20., 21. und den heu­ti­gen 22. Mai zu natio­na­len Akti­ons- und Streik­ta­gen auf­ge­ru­fen. Am 20. Mai jähr­te sich der Beschluss des Geset­zes zum Schutz der Arbei­ten­den zum 50. Mal. Am 21. Mai rief USB zu einem lan­des­wei­ten Streik der Ern­te­hel­fer und Land­ar­bei­ter auf, am 22. Mai zu einem Streik im Ver­sor­gungs­sek­tor für den Schutz der Gesund­heit am Arbeits­platz.


Ita­li­en. Am 20. Mai 1970 wur­de in das Gesetz zum Schutz der Arbei­ten­den (sta­tu­to dei lavora­ti) beschlos­sen. Die Ver­ei­ni­gung des Basis­ge­werk­schaf­ten (USB) in Ita­li­en erklär­te, dass Jubi­lä­en wie die­se immer ein Zeug­nis ver­gan­ge­ner Kon­flik­te sind. Das sta­tu­to dei lavora­ti ist eine Moment­auf­nah­me des dama­li­gen Kräf­te­ver­hält­nis­ses im Klas­sen­kampf. USB warnt vor den Debat­ten um ein neu­es sta­tu­to dei lavora­ti im Rah­men eines neu­en Sozi­al­pak­tes, viel­mehr müss­te das bestehen­de als Aus­gangs­punkt für wei­te­re Kämp­fe für die Rech­te, Ein­kom­men, Sicher­heit und Garan­ti­en der arbei­ten­den Men­schen genutzt wer­den.

Die Ver­ei­ni­gung der Basis­ge­werk­schaf­ten rief für den 20. Mai unter der Losung „Lasst uns die Rech­te neu bele­ben“ zur ita­li­en­wei­ten Mobi­li­sie­rung auf, um den Blick­win­kel auf den soge­nann­ten neu­en Sozi­al­pakt zu ver­än­dern. Zu zei­gen, dass die­ser im Inter­es­se der EU und des ita­lie­ni­schen Arbeit­ge­ber­ver­ban­des (Con­fin­dus­tria) eine ver­stärk­te Aus­beu­tung, eine Sen­kung der Schutz­maß­nah­men, einen schar­fen Wett­be­werb und sozia­le Aus­gren­zung bedeu­tet. Ver­hin­dern lässt sich das nur durch eine Ver­än­de­rung des Kräf­te­ver­hält­nis­ses im Klas­sen­kampf in Ita­li­en, so die USB.

Aus die­sem Grund rief die Ver­ei­ni­gung der Basis­ge­werk­schaf­ten für den gest­ri­gen 21. Mai zum ita­li­en­wei­ten Streik der Tage­löh­ner auf. Die USB Land­wirt­schaft berich­tet ita­li­en­weit davon, dass ver­las­se­ne Fel­der zu sehen waren, eben­so wie Soli­da­ri­tät von Bau­ern, die ihre Trak­to­ren abstell­ten, und Ver­brau­cher, die die Lkw anhiel­ten und den Streik unter­stütz­ten. Die USB erklär­te die Ableh­nung des soge­nann­ten „Decre­to Rilan­cio“, da es sich nicht um Men­schen küm­mert, son­dern sie ledig­lich als Werk­zeug zur Ret­tung der Ern­te betrach­tet. Sie macht die Land­ar­bei­te­rin­nen und Land­ar­bei­ter in der Gesell­schaft unsicht­bar und mar­gi­na­li­siert, wie das auch mit Logis­tik­ar­bei­te­rin­nen und ‑arbei­tern, Pfle­gen­den und vie­len ande­ren gesche­hen ist. Men­schen, die ille­gal auf den Fel­dern arbei­ten, ver­wei­gert die Regie­rung eine Auf­ent­halts­ge­neh­mi­gung und Arbeits­er­laub­nis, statt­des­sen gibt es nur stark befris­te­te und mit stren­gen Auf­la­gen ver­bun­de­ne Arbeits­er­laub­nis­se. Dies ist die Fort­set­zung der sal­vi­ni­schen Sicher­heits­de­kre­te, die noch immer in Kraft sind und unsicht­ba­re Fabri­ken, in denen ille­ga­le ohne Rech­te und Schutz arbei­ten, geschaf­fen, kri­ti­siert die USB.

Für den heu­ti­gen 22. Mai ruft die Ver­ei­ni­gung der Basis­ge­werk­schaf­ten zu einem zwei­stün­di­gen Hygie­nest­reik auf. Anlass ist das Vor­ge­hen der ita­lie­ni­schen Garan­tie­kom­mis­si­on, die zwi­schen Arbeit und Kapi­tal ver­mit­teln soll, gegen Arbei­ter, die die Arbeit ver­wei­ger­ten auf Grund feh­len­der Schutz­aus­rüs­tung und sani­tä­rer Ein­rich­tun­gen. Para­do­xer­wei­se kam die Garan­tie­kom­mis­si­on im Vor­feld des heu­ti­gen Streiks nicht umhin, ein Ver­trags­ver­let­zungs­ver­fah­ren gegen die Arbeit­ge­ber­ver­bän­de ein­zu­lei­ten, da die­se nicht zu einem Schlich­tungs­ge­spräch beim Arbeits­mi­nis­te­ri­um erschie­nen mit der Begrün­dung, dass sie die USB nicht als Gesprächs­part­ner aner­ken­nen wür­den. Die Kom­mis­si­on ergriff aller­dings erst Maß­nah­men gegen die Arbeit­ge­ber­ver­bän­de, nach­dem USB eine Beschwer­de bei der Regie­rung, dem Prä­si­den­ten des Reprä­sen­tan­ten­hau­ses und des Senats ein­ge­reicht hat­te. Die USB ruft heu­te in jedem Fall zu einem zwei­stün­di­gen Streik am Ende jeder Schicht gegen die Schi­ka­nen und die Ver­nach­läs­si­gung der Gesund­heit der Beschäf­tig­ten auf, aber vor allem gegen die Natio­na­le Garan­tie­kom­mis­si­on, die die Unter­neh­men immer ver­tei­digt hat, nie gegen sie vor­ge­gan­gen ist, aber immer bereit war, die Gewerk­schaft und die Beschäf­tig­ten zu bestra­fen.
https://www.redglobe.de/europa/italien/76278-italien-basisgewerkschaften-rufen-zu-streik-und-aktionstagen-auf

Kuddel

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Re: Basisgewerkschaften
« Antwort #6 am: 11:08:31 Do. 28.Mai 2020 »
Neben der vorbildlichen Unterstützung der rumänischen ErntearbeiterInnen eines Spargelhofs in Bornheim (bei Bonn), ist die FAU auch im Bereich der Leiharbeit umtriebig:

Zitat
Das Arbeitsgericht Kaiserslautern hat heute entschieden, den Fall eines ehemaligen Leiharbeiters, der gegen seine schlechtere Bezahlung geklagt hatte, dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) vorzulegen. Der Leiharbeiter, ein Mitglied der Freien Arbeiterinnen und Arbeiter Union (FAU) Kaiserslautern, hatte für seine Tätigkeiten in der Entsorgung 4€ in der Stunde weniger bezahlt bekommen als fest angestellte Kollegen, und nach einigen Monaten Klage dagegen eingelegt.(...)Der Fall aus Kaiserslautern ist der erste, bei dem eine Vorlage an den EuGH erreicht wurde.
https://pfalzsaar.fau.org/2020/05/26/wichtiger-etappensieg-bei-leiharbeitsklage/

Zitat
Der EuGH muss jetzt entscheiden, ob die deutsche Rechtslage, die die systematische Unterbezahlung von Leiharbeitern ermöglicht, Bestand haben kann. "Das heutige Ergebnis vor dem Arbeitsgericht ist ein wichtiger Schritt," freut sich David Jung, Pressesprecher der FAU Kaiserslautern. "Wir sind der Ansicht, dass innerhalb eines Betriebes der Grundsatz 'Gleiche Arbeit - Gleicher Lohn' gelten muss. Wir hoffen, dass der EuGH unserer Argumentation folgt und der Ausbeutung durch Leiharbeit in Deutschland einen Riegel vorschiebt."
Zufrieden äußerte sich im Anschlus auch Thomas Backes, der Anwalt des Klägers: "Das ist ein wichtiger Etappensieg. Der EuGH wird jetzt entscheiden, ob das deutsche System der Ausbeutung der Leiharbeiter weiter aufrecht erhalten bleibt oder ob das auf europäischer Ebene nicht mehr haltbar ist."
https://www.wochenblatt-reporter.de/kaiserslautern/c-lokales/arbeitsgericht-legt-fall-dem-eugh-vor_a200149

Zitat
Der Kläger gehört überdies zu einer kleinen Gewerkschaft, die das bestehende Wirtschaftssystem nicht als Sozialpartner mittragen will. (...) Manchmal gibt´s auch im politischen Leben Grund zur Freude.
Kommentar von Prof. Dr. Wolfgang Däubler vom 26. Mai 2020

Hut ab! Die FAU könnte sich tatsächlich zu einer kleinen, aber ernstzunehmenden Gewerkschaft entwickeln.