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Organizing

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Kuddel:
Top of the Pops. Der neueste Megatrend:
ORGANIZING
Eine weitere Sau wird durchs gewerkschaftliche und linke Dorf getrieben.
Alle sind dabei. Wobblies. FAU und DGB. Auch die aus der "Stadtteilarbeit".

--- Zitat ---Torsten Bewernitz: »Die Gewerkschaft von morgen?« – Die IG Metall Mannheim stellt die Weichen auf »gesamthaftes« Organizing
--- Ende Zitat ---
http://express-afp.info/express-01-2020-erschienen

Aha. Wir haben nun das Erfolgsrezept.

Jetzt mal ein paar Fragen:

Wem sagt "Organizing" etwas?
Wer hat praktische Erfahrung damit?
Wie schätzt ihr das Projekt ein?

Fritz Linow:
Die Artikel zum Organizing gibt es dann hier:
https://www.mannheim.igm.de/news/meldung.html?id=94214

Da kommen auch die Schwachpunkte zur Sprache.

NachbarArsch:

--- Zitat von: Fritz Linow am 14:43:51 Do. 06.Februar 2020 ---Die Artikel zum Organizing gibt es dann hier:
https://www.mannheim.igm.de/news/meldung.html?id=94214

Da kommen auch die Schwachpunkte zur Sprache.

--- Ende Zitat ---

Jo, ganz nett da was drüber zu lesen. Hört sich so ja ganz positiv an.

Ich hab eigentlich nur Vorurteile gegen "Organizing" von Gewerkschaften gehabt. Ich dachte da immer an Werbekampagnen der Gewerkschaften mit Werbeagenturen und Quaksalbern die Events schaffen und so die Gewerkschaft hip machen wollen.

Am UKSH in Kiel gabs ja auch so nen Organizing von Verdi. Die kamen von extern und haben nen Haufen Leute dazu gebracht in die Gerwerkschaft einzutreten und dann Leute eingebunden irgendwelche Aktion mitzumachen um Forderunegn nach Entlastung usw mehr Druck zu verleiehen. Evtl ist das zum Teil ganz cool, aber ich dachte immer eher da gehen jetzt irgendwelche Promoter in den Betrieb und quatschen die Leute voll. Sowas erzählten mir zumindest einige, auch wenn die das weit positiver gesehen haben als ich

Jetzt zum Streik gabs da dann so Verdi Animateure. Die haben Stimmung und einige Spielchen gemacht. Die hatten das schon einigermaßen drauf. Aber richtig Stimmung kam doch eher durch Azubis die das auch ohne Vorturner (oder eben eigene) noch weit besser hinbekommen haben.
So nen bischen dacht ich mir aber schon, so sieht das aus wenn die FDP nen Streik o.ä. organisieren würde.

Was so in den Texten über IGM Kram in Mannheim steht ist natürlich schon was ganz anderes. Aber sind das sind zum einen Eigendarstellungen (da gibts immer auch Zweckoptimismus) und zum anderen kann ich mir vorstellen das so etwas aufgenommen, schlecht von oben herab kopiert und dann in Kampagen angewendet wird.

In Mannheim hatten die ja wohl einiges an Erfolg und dabei nicht nur plump auf Mitgliederzahlen geschiehlt. Und selbst in Kiel hat  da ja irgendwas gefunzt (mehrere hundert Neueintritte innerhalb eines Jahres).

Das alles kommt da ja auch immer von Oben. Damit es Nachhaltig zu einer Stärkung der Arbeiterbewegung kommt müssen Leute sich selbstermächtigen und nicht nur irgendwas mitmachen oder begeistert nen Gewerkschaftsplan ausführen.

Ich bin skeptisch, tue den aber wahrscheinlich unrecht...

Fritz Linow:
Mitgliedergewinnung ist eigentlich was Feines. Mit den Mitgliedern und den Beiträgen könnte jede Menge gemeinsam gemacht werden und nicht nur der Wasserkopf der Hauptamtlichen versorgt werden. Solange jede kämpferische Stimmung und Streikbereitschaft durch Satzungen und Arbeitskampfrichtlinien von Oben abgewürgt werden kann, läuft dieses Organizing irgendwie ins Leere.

Onkel Tom:

--- Zitat von: Kuddel am 11:48:05 Do. 06.Februar 2020 ---Top of the Pops. Der neueste Megatrend:
ORGANIZING
...
Aha. Wir haben nun das Erfolgsrezept.
...

--- Ende Zitat ---

Hmm. In modernen "Hip-zeiten" nicht verkehrt, mal darüber nach zu denken, sehe jedoch
bei "Instutitionen" weniger eine Chance, das sich dann letztendlich alle Beteiligten auch an
iherm "Fahrplan" halten..

Eine sogenannte "Bedarfsanalyse" was Mitstreiter_innen wollen, wie man es bei der
Metaplanmetode ermitteln kann, finde ich ganz ok, jedoch macht es nur sichtbar, wohin
die Reise gehen müsste, um so viel Interessen abdecken zu können wie möglich..


--- Zitat ---
Jetzt mal ein paar Fragen:

Wem sagt "Organizing" etwas?
Wer hat praktische Erfahrung damit?
Wie schätzt ihr das Projekt ein?


--- Ende Zitat ---

Habe Erfahrungen dazu damals beim Euromayday gemacht und versucht, bei einer
Vorbereitung einer Aktion (Agenturschluss III) durch Orginizing Mitstreiterschaft so
zu mobillisieren, das sich jede_r Mistreiter_in sich selbst anbei entfalten kann.

Vorbereitend wurde dazu nur auf einen sogenannten "Ablaufplan" gesetzt, in dem
erst jeder Teilnehmer sich vorstellt und was er sich erhofft, beziehungsweise gerne
machen möchte..

Diese verschiedenen Ansichten und Vorstellungen wurden gesammelt. Dann wurde
darüber diskutiert, was sinn machen würde und was zur Umsetzung weniger
Arbeitsintensiv erscheint, damit Kapatziäten berücksichtigt sind..

Die erste Sitzung im Buttclub sah wirklich vielversprechend aus doch es kamen auch
Sprüche "Wenn ich das politisch nicht ausschlachten kann, bin ich nicht dabei"..

Somit wurde mir klar, das Orginizing in Kreisen, wo man sich "nach oben arbeiten oder
profilieren kann" fehl am Platze ist.

Orginizing funzt m.E. nur in außerparlermentarischen Bewegungen, wo Gleichberechtigung
und Basisdemokratie angesagt ist..

Die Gewerkschaft kann es ja gern versuchen, sollten jedoch erst mal eine Bedarfsanalyse
(Umfrageformular von allen Mitarbeitern) wuppen und daraus ergibt sich, was gewollt ist..

Leider wird so was gern übersprungen und Vorstellungen zu dem "wie setzen wir was durch"
von den Gewerkschaftsfunktionären aufgepropft a la "Die Mehrheit der Belegschaft müsste
ja eigendlich dafür sein"..

Ob das wirklich so ist, weiß man nicht, solange Orginizing nicht im gesammten Rahmen, sprich
Austausch und Sammeln von Vorstellungen bis hin zu Konzepten, in der sich so viel Beteiligte
wie möglich wieder finden und die Motivation deswegen nicht verlieren, durch akkert.

Unsere CD-Sitzungen waren kein Orginizing in dem Sinne, jedoch durch ellenlange
Auseinandersetzungen ein Konsenz ermittelt, was einem Orginizing doch schon sehr nahe
kommt.  :)

Im Kreise hirachicher orientierter Bewegungen passt Orginizing, so wie ich es beim
Euromayday erfahren habe, nicht wirklich..

Soll die Gewerkschaft doch erst per Metaplan oder Fragebögen ermitteln, was die Anhängerschaft
will und dann ließe sich Orginizing konstruktiv nutzen, ohne den Geruch von Instrumentallisierung
zu verbreiten.

Wenn "Organisierer_innen" wissen, was auf der Wunschliste deutlich wird, kommt der nächste
Schritt, wer könnte was von selbst aus dazu beitragen beziehungsweise Fähigkeiten, Begabungen
miteinander ergänzen.. Doch da harperts meistens daran, weil Kräfte aussteigen oder vereinzelte
die Speerspitze ergreifen wollen.. Orginizing muss mit dem "Wir gemeinsam" harmonieren..

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