Autor Thema: Den Knast in Frage stellen  (Gelesen 1322 mal)

ManOfConstantSorrow

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 7480
Den Knast in Frage stellen
« am: 17:18:23 Mi. 26.Februar 2020 »
Es gibt also noch Leute, die sich interessante Gedanken machen.

Zitat
"Menschenfeindlich und menschenunwürdig"
Dieser Kriminologe will die Gefängnisstrafe abschaffen
Der Bremer Jurist Johannes Feest hält es für falsch, Straftäter einzusperren. Stattdessen fordert er einen völlig neuen Umgang mit Kriminalität.
https://www.spiegel.de/panorama/justiz/johannes-feest-dieser-kriminologe-will-die-gefaengnisstrafe-abschaffen-a-e2edbcf4-2b2b-4bf1-a35c-c885877badec

https://strafvollzugsarchiv.de/

https://twitter.com/johannesfeest?lang=de
Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!

Frauenpower

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 1159
Re: Den Knast in Frage stellen
« Antwort #1 am: 10:51:44 Fr. 28.Februar 2020 »
Ein Thema, dass ich auch interessant finde.
vor allem Wiederholungs-Schwarzfaher_innen sollten nicht mehr eine Gefängnisstrafe erdulden müssen. Wo nichts zu holen ist, ist nichts zu holen. Eher soll man sich um gratis-ÖPNV kümmern, was auch der Umwelt vermutlich zu Gute käme. Und Knast macht meiner Ansicht nach nichts besser. Also, die gesellschaftlichen bzw. sozialen Möglichkeiten werden dadurch nicht verbessert sondern eher im Gegenteil was entspr. einen Teufelskreis bewirken kann.

ich hatte hier ja mal einen interessanten Artikel gefunden:
https://gegen-kapital-und-nation.org/das-staatliche-strafen/


Kuddel

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 16936
  • Fischkopp
Re: Den Knast in Frage stellen
« Antwort #2 am: 11:51:42 Fr. 28.Februar 2020 »
Weitergehende Gedanken sind in dumpfen Zeiten wichtig.

Die Black Lifes Matter Bewegung hat sich im letzen Jahr Gedanken zur Polizei gemacht. Sie sind zu dem Schluß gekommen, daß die Polizei in den USA mehr Probleme schafft als löst und machten sich deshalb Gedanken darüber, wie man alternative Strukturen schaffen kann, die die Polizei ersetzen und überflüssig machen.

Es haben ja (nicht nur) die Springermedien und die Law & Order Poltiker ganze Arbeit geleistet und viele Leute quatschen diesen Scheiß nach, von wegen "Einsperren und den Schlüssel wegewerfen!", als wenn das die Probleme lösen würde...


Frauenpower

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 1159
Re: Den Knast in Frage stellen
« Antwort #3 am: 10:22:24 Mo. 23.März 2020 »
Veranstaltung Anfang März
https://www.facebook.com/events/s/veranstaltung-zum-thema-strafe/617309969025528/

Die Autorin schrieb auch dieses Buch
http://www.schmetterling-verlag.de/page-5_isbn-3-89657-088-9.htm

jetzt ist Coroona und Veranstaltungen liege alle auf Eis

Kuddel

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 16936
  • Fischkopp
Re: Den Knast in Frage stellen
« Antwort #4 am: 11:10:44 Mo. 23.März 2020 »
Dabei ist das Thema wärend der Pandemie besonders brisant:
Zitat
Gefängnisse in Corona-Pandemie:
„Das ist ein Pulverfass“
https://taz.de/Gefaengnisse-in-Corona-Pandemie/!5671910/

Zitat
Coronavirus in Italien: Gefängnisrevolte mit sechs Toten
In Italien löste ein neues Besuchsverbot Revolten aus. Es soll die Ausbreitung des Coronavirus eindämmen. Sechs Häftlinge starben
https://www.morgenpost.de/vermischtes/article228657221/Coronavirus-in-Italien-Gefaengnisrevolte-mit-sechs-Toten.html

Quarantäne als "Knast":
Zitat
Hilferufe aus dem Berliner Corona-Knast
 16 Erwachsene und 4 Kinder sollen dort zwei Wochen in Quarantäne bleiben. Isoliert von der Außenwelt, getrennt von Familien und Freunden. Massive Beschwerden der Betroffenen.
Zwei Toiletten für 20 Menschen: „Am schlimmsten ist diese Angst. Die Angst, sich deshalb gegenseitig doch noch mit dem Corona-Virus zu infizieren!“ Diesen Hilferuf schickten Wuhan-Rückkehrer jetzt aus dem Isolierbereich der DRK-Kliniken in Köpenick an die B.Z.
https://www.bz-berlin.de/berlin/treptow-koepenick/hilferufe-aus-dem-berliner-corona-knast

ManOfConstantSorrow

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 7480
Re: Den Knast in Frage stellen
« Antwort #5 am: 08:55:09 Sa. 16.Mai 2020 »
Zitat
Thomas Galli
Weggesperrt
Warum Gefängnisse niemandem nützen   


Wem nützen Gefängnisse und wo richten sie Schaden an? Der Rechtsanwalt und ehemalige Gefängnisdirektor Thomas Galli zeichnet ein differenziertes Bild des Strafvollzugs und zeigt Alternativen zu sinnlosen Haftstrafen auf.

Unbestreitbar gibt es ein Bedürfnis der Gesellschaft nach Strafe: Wer gegen Gesetze verstößt, soll nicht ungeschoren davonkommen. Den Täter zur Verantwortung zu ziehen, ihn zur Reue anzuhalten, abzuschrecken, den Opfern Genugtuung zu verschaffen und die Gesellschaft vor Gefahren zu schützen – das sind die Hoffnungen, die sich an Gefängnisstrafen knüpfen. Aber aus seiner jahrzehntelangen Erfahrung weiß Thomas Galli: Selten wird auch nur eins dieser Ziele erreicht.

In seiner Streitschrift fordert er daher den weitgehenden Verzicht auf Haftstrafen. Anhand vieler Beispiele aus seiner Praxis zeigt Galli, welche Alternativen bereits existieren, und diskutiert, wie wirkungsvolle Prävention, wie aber auch alternative Überwachung z. B. mittels elektronischer Fußfesseln funktionieren könnte. Den Täter-Opfer-Ausgleich und die Idee der Sühneleistung etwa durch soziale Arbeit beschreibt Galli als Möglichkeit, die Schuld gegenüber Opfern und Gesellschaft abzutragen.

Notorische und hochgefährliche Straftäter sollten auch weiterhin inhaftiert werden, argumentiert Galli, doch für alle anderen brauchen wir einen alternativen, wirkungsvollen Strafvollzug. Welche Schritte dafür nötig sind und wie die Gesellschaft von weniger Gefangenen profitiert, zeigt er in diesem engagierten Buch.
https://www.koerber-stiftung.de/publikationen/shop-portal/show/weggesperrt-256
Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!

Nao

  • Full Member
  • ***
  • Beiträge: 249
Re: Den Knast in Frage stellen
« Antwort #6 am: 15:45:08 So. 05.Juli 2020 »
Es ist inzwischen eine weltweite Bewegung, die das Knastsystem in Frage stellt:

Zitat
Ankündigung der weltweiten Koalition der Gefängnisabolitionisten

Die Abschaffung von Gefängnissen ist ein globaler Kampf. Wir stehen mit inhaftierten Menschen auf der ganzen Welt gegen Rassenkapitalismus und Autoritarismus.


Im Mai 2020 entstand die Globale Koalition der Gefängnisabolitionisten aus Dialogen zwischen Organisationen wie der Alliance of Middle Eastern and North African Socialists, dem Notfallkomitee für Rojava, der Socialist Workers Alliance of Guyana, Abolitionist Collective, Movimento Negro Unificado, Black and Pink und Lausan sowie einzelnen Aktivisten aus fünf Kontinenten. Prominente Wissenschaftler/Aktivisten der Abolitionisten wie Dr. Romarilyn Ralston und Dr. Joy James.
Die Koalition entstand durch die Notwendigkeit, Verbindungen zwischen nationalen und internationalen Kämpfen sowie zwischen politischen Gefangenen und sozialen Gefangenen herzustellen, die meist aus der Arbeiterklasse stammen und Opfer von Armut, Rassismus, Marginalisierung und Vernachlässigung sind. Die Massenaufstände gegen anti-schwarze Polizeigewalt, zusammen mit der COVID-19-Pandemie und der drohenden Todesgefahr für die Gefangenen beschleunigten diese Bemühungen. Unsere Position zur Abschaffung der Gefängnisse ist von der Notwendigkeit einer Alternative zum Kapitalismus geprägt, denn der Kapitalismus ist karzinomatisch und autoritär.

Unsere grundlegenden Ziele sind folgende: 
  • Sofortige Freilassung der Gefangenen auf der Grundlage von Praktiken der restaurativen und transformativen Justiz.
  • Eintreten für sichere Unterbringung, Gesundheitsversorgung, Notwendigkeiten und Dokumentation für alle, einschließlich Migranten und Flüchtlinge.
  • Bekanntmachung der Fälle von politischen und sozialen Gefangenen, einschließlich der gewaltsam Verschwundenen.
  • Widerstand gegen Hinrichtung und Folter einschließlich Polizeibrutalität/Mord.
  • Sich gegen die Ausbeutung von Gefangenen als Arbeitskräfte aussprechen.
  • Förderung der Debatte über eine alternative Gesellschaft, die frei von entfremdeter Arbeit und der Logik des Kapitals ist.
  • Sich eine Welt ohne Gefängnisse und andere Formen der Gefangenschaft vorzustellen und darauf hinzuarbeiten.

Diese Koalition ist eine Form der politischen Praxis und des Wissensaustauschs, die darauf abzielt, bestehende regionale Kämpfe zu verstärken und ihre Selbstorganisation zu unterstützen, während wir globale Netzwerke fördern.

Um mehr über die Globale Koalition der Gefängnisabolitionisten zu erfahren, besucht:
http://www.worldwithoutprisons.org
https://lausan.hk/2020/announcing-the-global-prison-abolitionist-coalition/

Kuddel

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 16936
  • Fischkopp
Re: Den Knast in Frage stellen
« Antwort #7 am: 09:46:08 So. 27.September 2020 »
Dabei ist das Thema wärend der Pandemie besonders brisant:
Zitat
Gefängnisse in Corona-Pandemie...
...

Iran:

Zitat
Fast 50 Tage hat Nasrin Sotudeh für bessere Haftbedingungen in der Corona-Pandemie gehungert. Nun hat sie ihren Streik aus gesundheitlichen Gründen abgebrochen.
https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2020-09/nasrin-sotudeh-iran-menschenrechtlerin-hungerstreik-beendet

Petra9

  • Newbie
  • *
  • Beiträge: 6
Re: Den Knast in Frage stellen
« Antwort #8 am: 11:35:52 Mo. 28.Dezember 2020 »
Knäste anschaffen? Interessante Idee. Schließlich ist das Verbrechen ja schon passiert und im Knast werden viele erst richtig kriminell (siehe Wiederholungstäter).

ManOfConstantSorrow

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 7480
Re: Den Knast in Frage stellen
« Antwort #9 am: 12:14:33 Mo. 04.Januar 2021 »
Es findet demnächst eine internationale Diskussion über Unterdrückungsmechanismen wie Entführung und Zwangsverschleppung statt. Sie wird organisiert von der internationalen Koalition zur Abschaffung von Knästen.



Zitat
Entführung und Zwangsverschleppung werden von unterdrückerischen Regimen weltweit immer häufiger eingesetzt. Folter und gewaltsames Verschwindenlassen sind ein strukturelles Problem staatlicher Bestrafung und Unterdrückung und keine Ausnahmeerscheinungen. Diese Techniken wurden von Kolonialmächten und liberalen Demokratien angewandt und sind zwischen den Staaten weit verbreitet, um Geständnisse zu erpressen. In vielen dieser Fälle waren Menschen willkürlichen Verhaftungen, Inhaftierungen ohne Haftbefehl und sexueller Gewalt ausgesetzt. Diese Strategie wurde häufig in Ländern wie Argentinien, China, Ägypten, Kaschmir und der Türkei angewandt. Die Referenten sprechen zu dieser Politik aus ihren Erfahrungen in Ägypten, Kaschmir und "Xinjiang".

Referenten:

Ahmed Said ist ein ägyptischer antiautoritärer Linker, ein Menschenrechtsverfechter, ein Dichter, ein Schriftsteller und ein beratender Chirurg. Er war vor einigen Jahren selbst ein Gefangener, wo er nach Verschwindenlassen und Folter ein Jahr in einem Hochsicherheitsgefängnis verbrachte. Derzeit ist er Mitglied des Bundestagsprogramms "Parlamentarier schützen Parlamentarier" und Koordinator für die ägyptische Kommission für Rechte und Freiheiten in Deutschland. Dies ist zusätzlich zu seiner Rolle als Koordinator und Produzent in der MENA Prison Forum Initiative sowie als Mitbegründer und Geschäftsführer der Open Data Bank.

 
Ather Zia ist Dichterin und ein politischer Anthropologin. Ather lehrt Anthropologie und Gender Studies an der University of Northern Colorado Greeley und hat kürzlich "Resisting Disappearance: Military Occupation and Women's activism in Kashmir". Sie ist Gründerin und Herausgeberin von Kashmir Lit und Mitbegründerin des Critical Kashmir Studies Collective. Ihre Forschungsinteressen konzentrieren sich auf militärische Besatzung, Menschenrechte, bewaffnete Konflikte, Widerstand, Siedlerkolonialismus, Gender, muslimische Frauen und den Islam.

Vincent Wong. Menschenrechtsanwalt und Mitglied des Lausan-Kollektivs. (Hongkong)

Moderatorin:

Mahavish Ahmad ist Mitbegründerin der Archives of the Disappeared, einer Forschungsinitiative, die sich mit der Archivierung und Dokumentation von Gemeinschaften befasst, die durch Akte der Gruppengewalt zerstört wurden (mit Mezna Qato, Yael Navaro und Chana Morgenstern). Sie hat als Journalistin über militärische und aufständische Gewalt in der Region Pakistan-Afghanistan berichtet. Gemeinsam mit Madiha Tahir gründete sie das zweisprachige Urdu/Englisch-Magazin Tanqeed. Derzeit ist sie Assistenzprofessorin für Menschenrechte und Politik an der LSE.
   
Freitag, 8. Januar 2021 19°°

die englischprachige Diskussion kann verfolgt werden über
https://www.youtube.com/watch?v=O4ZKZ8zkL7Q

Facebook: https://www.facebook.com/105889894485652/posts/212170290524278/
Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!

ManOfConstantSorrow

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 7480
Re: Den Knast in Frage stellen
« Antwort #10 am: 18:46:28 Mi. 17.März 2021 »
Zitat
Auf die Frage einer Journalistin, was der Jurist und damalige Gefängnisdirektor Thomas Galli mit den Gefangenen in seiner Justizvollzugsanstalt machen würde, wenn es nach ihm ginge, antwortet er: „Ich würde alle freilassen“. Aber wie genau stellt Galli sich das vor, eine Gesellschaft ohne Gefängnisse? Wäre das überhaupt zu verantworten? Welche Auswirkungen hätte das auf die Sicherheit der Allgemeinheit?
Untergrund Blättle
Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!