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Corona: Brennpunkt Gesundheitswesen

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admin:
In Italien ist die Zahl der Todesopfer aufgrund einer Coronainfektion weitaus höher als in China, weil das Gesundheitswesen zusammengebrochen ist und die Infizierten nicht angemessen behandelt werden können. Kein Albtraum, sondern grauenhaft real: Italienische Ärzte sind seit dem 10. März 2020 gezwungen, zu entscheiden, welcher Corona-Patient behandelt wird und welcher sterben muss.

Seit Jahren wird kritisiert, daß das Gesundheitwesen zu einem profitablen Geschäft gemacht werden soll. Es geht dabei nicht um eine ideologische Auseinandersetzung, sondern um die Verteidigung des Grundrechts auf eine gute Gesundheitsversorgung. Die Überbelastung des Pflegepersonals und die Welle an Krankenhausschließungen gehört zu den verheerenden Auswirkungen der neoliberalen Politik.

Die Coronakrise zeigt, daß diese Politik gescheitert ist und eine Gefährdung der Gesundheitversorgung bedeutet.

Die Diskussion ist wieder entflammt und hier können Meldungen und Kommentare zum Thema gepostet werden.

counselor:
Nicht ganz so gravierend, aber dennoch ein gesundheitspolitisches Thema: Die Versorgung mit Arzneimitteln. Ich habe letzte Woche die Erfahrung gemacht, dass ein Medikament, das ich aufgrund chronischer Krankheit benötige, nur noch unter Schwierigkeiten zu beschaffen war. Sollten hier die Liefer- und Produktionsketten abreißen, wäre das verheerend.

Die Corona-Krise zeigt, dass der Kapitalismus abgewirtschaftet hat. Er ist nicht in der Lage, unsere Gesundheit zu schützen.

admin:
Gesundheitswesen vor dem Bankrott


--- Zitat ---Der Verband der Krankenhausdirektoren Deutschlands befürchtet eine flächendeckende Insolvenz von Kliniken, wenn in der Coronakrise nicht schnell staatliche Hilfen fließen.

Viele Krankenhäuser könnten nur weiter betrieben werden, wenn sie spätestens im April Finanzhilfen erhielten, sagte der Präsident des Verbandes, Düllings, im Deutschlandfunk. Dass die entsprechenden Entscheidungen schnell genug getroffen würden, sehe er noch nicht. Derzeit fahre man mit Vollgas auf die Wand zu.

Nach Informationen des Redaktionsnetzwerks Deutschland will das Bundeskabinett Hilfen im Volumen von zunächst drei Milliarden Euro auf den Weg bringen. Hintergrund ist, dass Krankenhäuser wegen der Corona-Krise auf planbare Behandlungen und Operationen verzichten müssen. Die dadurch fehlenden Erlöse könnten die Häuser in finanzielle Schwierigkeiten bringen.
--- Ende Zitat ---
https://www.deutschlandfunk.de/corona-krise-krankenhaeuser-brauchen-dringend-staatliche.2932.de.html?drn:news_id=1112794

Fritz Linow:
Schulden bei Krankenkassen müssen sofort weg. Die gehen manchmal in den fünfstelligen Bereich, die Leute ziehen sich zurück, warten auf die Pfändung und trauen sich nicht mehr zum Arzt.

Kuddel:

--- Zitat --- Austerität* ist tödlich
Europa Die Krise des Gesundheitssystems in Italien ist Folge der Bankenrettung nach der Finanzkrise. Dass dafür Krankenhäuser geopfert wurden, wird jetzt zur Gefahr

Rom, August 2011: In das Postfach der italienischen Regierung flattert ein Brief der Europäischen Zentralbank. Was dem Brief folgen wird, ist eine drastische Kürzungswelle, die auch das Gesundheitswesen erfasst. Die EZB erklärt in ihrem Schreiben, dass Schutz vor steigenden Zinsen auf italienische Staatsanleihen nur unter der Bedingung harter Einschnitte gewährt würde. Sie hatte in der Troika die EU-Kommission und den Internationalen Währungsfonds hinter sich. Die italienische Regierung führte diese Einschnitte durch – in der Folge sank die Anzahl von Krankenhäusern im Land um 15 Prozent. Die Krise des Gesundheitssystems in der aktuellen Pandemie ist eine Folge dieser Austeritätspolitik.

Und als das südeuropäische Land nun im Angesicht der Corona-Pandemie Ende Februar über den Zivilschutzmechanismus der EU (EU Civil Protection Mechanism) um sofortige Unterstützung bat, folgte: Nichts. Kein einziger EU-Staat schickte medizinisches Material oder Personal. Diese unterlassene Hilfeleistung kommt nicht von Ungefähr, sondern hat eine Vorgeschichte. Das Corona-Virus trifft in der EU auf gesellschaftliche Infrastrukturen, die von mindestens einer Dekade scharfer Austeritätspolitik erschöpft sind. In der auf den Finanzcrash von 2007 und 2008 einsetzenden Krise der Eurozone setzten EU-Kommission und EZB alles daran, die Banken und andere Finanzmarktakteure als systemrelevant zu deklarieren und mit hohen Milliardenbeträgen zu retten. Öffentliche Ausgaben für soziale Belange, so hieß es, würden das Wachstum hemmen. Deshalb wurden entsprechend neoliberaler Konzepte die Gesundheitssysteme umgebaut und öffentliche Budgets gekürzt.

Das traf nicht nur Italien; auch die spanische Regierung sah sich gezwungen, ein Kürzungsprogramm zu unterzeichnen. Daraufhin wurden die Ausgaben für das Gesundheitssystem allein im Jahr 2012 um 5,7 Prozent gedrückt. Aber am härtesten traf es bekanntlich Griechenland: Die staatlichen Mittel wurden zwischen 2009 und 2016 von 16,2 Milliarden auf 8,6 Milliarden fast halbiert. Mehr als 13.000 Ärzte und über 26.000 sonstige im Gesundheitswesen angestellte wurden entlassen. 54 der 137 Krankenhäuser wurden geschlossen und das Budget der übriggebliebenen um 40 Prozent gesenkt. Insgesamt fielen zwischen 2011 und 2016 bei etwa elf Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern mehr als drei Millionen Menschen völlig aus dem Schutz einer Krankenversicherung. Das griechische Gesundheitsministerium erklärte die gesunkenen Kosten „als eine Folge von Effizienzsteigerungen im Finanzmanagement“.
(...)
Der von der Großen Koalition in Berlin mit durchgesetzte Kahlschlag sozialer Infrastruktur in der Eurozone während der letzen Dekade ist ein Faktor, der die Bekämpfung der Corona-Pandemie schwieriger macht und Leben kosten wird. „Austerity kills!“ war in Südeuropa der Slogan im Widerstand gegen die Kürzungspolitik der Troika, noch immer ist er an einer Hauswand im Athener Stadtzentrum zu lesen. Derzeit wird mehr als deutlich, was damit gemeint ist.
--- Ende Zitat ---
https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/austeritaet-ist-toedlich

*Austerität: strenge staatliche Haushaltspolitik, Politik des "Sparens" und der Kürzungen.

Die Sparpolitik beenden! Die Privatisierungen rückgängig machen!
Die völlige Neuordnung des Gesundheitssystems ist das Gebot der Stunde!

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