Autor Thema: Corona: Brennpunkt Gesundheitswesen  (Gelesen 3998 mal)

Kuddel

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Re: Corona: Brennpunkt Gesundheitswesen
« Antwort #105 am: 09:00:56 Sa. 13.Februar 2021 »
Zitat
Gesundheitspolitik
Jobabbau mit links
Die kommunalen Kliniken in Bremen wollen 440 Vollzeitstellen streichen. Die Gesundheitssenatorin von der Partei Die Linke findet das in Ordnung


Den deutschen Krankenhäusern geht es schlecht. Als Wirtschaftsunternehmen müssen sie Erlöse generieren. Doch diese sind – darauf wies die Deutsche Krankenhausgesellschaft am Donnerstag erneut hin – im Zuge der Coronapandemie stark eingebrochen. So auch in Bremen, wo die vier im Klinikverbund Gesundheit Nord (Geno) zusammengeschlossenen städtischen Krankenhäuser schon zuvor mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu kämpfen hatten. Die einzige Antwort, die dem Management und der »rot-grün-roten« Landesregierung laut einem Bericht des Weserkuriers vom Dienstag darauf einfällt, ist die Vernichtung von 440 Vollzeitstellen bis Ende 2024. Unterstützt wird der Plan auch von der Aufsichtsratsvorsitzenden und Bremer Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard von der Linkspartei.

Enorme Arbeitsbelastung


Die kommunalen Krankenhäuser stünden »vor großen strukturellen Problemen und Herausforderungen«, erklärte Bernhard am Donnerstag auf jW-Nachfrage. Der Personalbestand sei für eine medizinische Auslastung kalkuliert worden, die »weit über dem liegt, was wir real erwarten«, weshalb beim Personal eine »Anpassung« notwendig sei. Von dieser sei die Pflege »ausdrücklich ausgenommen, betriebsbedingte Kündigungen werden ausgeschlossen«. Dem Weserkurier zufolge könnten wegen der hohen Teilzeitquote bis zu 700 der aktuell rund 8.000 Arbeitsplätze gestrichen werden. Dies betreffe vor allem Ärzte, aber auch Verwaltungsangestellte und Beschäftigte in nichtmedizinischen Bereichen wie den Klinikküchen. Zugleich will die Geschäftsleitung die zuletzt sinkenden Umsätze wieder erhöhen.

»Erlös- und Fallzahlsteigerungen zu planen und gleichzeitig Personal abzubauen funktioniert nur mit einer erheblichen Arbeitsverdichtung«, kritisierte der zuständige Verdi-Sekretär Jörn Bracker am Mittwoch in einer Mitteilung. »Dabei arbeiten heute schon viele Kolleginnen und Kollegen am Limit.« Ein »kurzsichtiger Abbau von Stellen im Gießkannenprinzip« sei keine erfolgversprechende Strategie, betonte der Gewerkschafter. »Schon gar nicht, wenn dies teilweise damit begründet wird, dass es wegen der Coronapandemie zu Ausfällen bei planbaren Operationen und Behandlungen gekommen ist.« Schließlich müsse auch nach einem Abklingen der Pandemie genug Personal zur Verfügung stehen, um im Vollbetrieb zu bestehen.

Der Betriebsratsvorsitzende des Bremer Klinikums Links der Weser, Roman Fabian, hält es für »vollkommen verrückt, mitten in der Pandemie Arbeitsplätze in Krankenhäusern abzubauen«. Am Donnerstag widersprach er gegenüber jW der Darstellung, die Pflege sei von den Kürzungen komplett ausgenommen. »Das gilt nur für examinierte oder mindestens einjährig ausgebildete Pflegekräfte, die von den Krankenkassen ohnehin vollständig refinanziert werden und fest angestellt sind«, so der Belegschaftsvertreter. Andere Hilfskräfte und Leihbeschäftigte seien sehr wohl gefährdet. Von letzteren sollen ihm zufolge Dreiviertel »abgemeldet« werden. »Wer soll denn dann die ganze Arbeit machen?« fragte der Betriebsrat. Schon jetzt würden zum Teil nicht einmal in den Dienstplänen die Pflegepersonaluntergrenzen eingehalten, die die Bundesregierung in einigen Bereichen eingeführt hat und die Verdi für völlig unzureichend hält. »Die Arbeitsbelastung ist am Anschlag. Wir bekommen von den Kolleginnen und Kollegen ordnerweise Gefährdungsanzeigen – und jetzt soll auch noch abgebaut werden?«

Dass die Gesundheitssenatorin der Linken die Personalstreichung dennoch befürwortet, kann Fabian – der selbst für Die Linke im Ortsbeirat aktiv ist – nicht nachvollziehen. »Es kann nicht sein, dass eine linke Senatorin da mitmacht«, kritisierte er. »In der Partei wurde das nicht diskutiert, es gibt dazu keine Beschlüsse. Ich fürchte, dass uns das bei der nächsten Wahl einholen wird.«

Entschuldung der Kliniken


Auch das »Bremer Bündnis für mehr Personal im Krankenhaus« ist empört über die geplanten Kürzungen. Der Zusammenschluss, in dem auch viele Linke-Mitglieder aktiv sind, hat eine Onlinepetition gestartet, die in den ersten Tagen von mehr als 500 Menschen unterzeichnet wurde. Darin wird die Gesundheitssenatorin aufgefordert, die Stellenstreichungen abzulehnen. Die Kliniken müssten entschuldet und von der Gewinnorientierung befreit werden. Zudem müsse das Land Bremen den Krankenhäusern, wie vorgeschrieben, die Investitionskosten zur Verfügung stellen und für eine Abschaffung des Fallpauschalensystems eintreten, »das die Profitlogik in die Krankenhäuser geschleppt hat«.

Für Bernhard sind die Fallpauschalen ebenfalls »das Kernproblem der Finanzierung der Krankenhäuser«. Daher müssten nach der Pflege »weitere Bereiche aus den Fallkostenpauschalen herausgenommen werden, zum Beispiel die Geburtshilfe und die Notaufnahme«, erklärte sie gegenüber dieser Zeitung. Mit dieser Formulierung bleibt die Senatorin allerdings weit hinter den Linke-Vorsitzenden Bernd Riexinger und Katja Kipping zurück, die in ihrem am Montag präsentierten Programmentwurf zur Bundestagswahl die komplette Abschaffung der Fallpauschalen fordern. Vor allem aber dürfte der konkrete Umgang mit den Folgen dieses Finanzierungssystems in den Bremer Kliniken noch für Kontroversen in der Partei sorgen.
https://www.jungewelt.de/artikel/396305.gesundheitspolitik-jobabbau-mit-links.html

Kuddel

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Re: Corona: Brennpunkt Gesundheitswesen
« Antwort #106 am: 12:50:59 Sa. 20.Februar 2021 »
In der Partei gibt es wohl reichlich dicke Luft.
Die aktiven Mitglieder der Partei sind gegen die Unterstützung der Entlassungspolitik, diejenigen, deren Lebensunterhalt von der Partei kommt, unterstützen diese Politik.

Kuddel

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Re: Corona: Brennpunkt Gesundheitswesen
« Antwort #107 am: 18:26:24 Do. 25.Februar 2021 »

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Re: Corona: Brennpunkt Gesundheitswesen
« Antwort #108 am: 10:16:17 Sa. 27.Februar 2021 »
Corona-Impfung: Erlösung oder Risiko?


Via NDS
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Re: Corona: Brennpunkt Gesundheitswesen
« Antwort #109 am: 15:53:13 Do. 11.März 2021 »
Die Beschäftigten des Gesundheitswesens gingen in Barcelona auf die Straße, um angesichts der Pandemie bessere Arbeitsbedingungen zu fordern, nachdem sechs verschiedene Gewerkschaften zu einem Streik aufgerufen hatten.






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Re: Corona: Brennpunkt Gesundheitswesen
« Antwort #110 am: 16:21:19 Do. 11.März 2021 »
Zitat
So langsam ist es mal an der Zeit für Bashing, findet ihr nicht?

So von Kapitalismus und Big Pharma?
...

Quelle: Fefes Blog

Ein Patent freier Impfstoff, so geht es nun wirklich nicht, die Wirksamkeit kann man da nicht mal am Börsenwert ermitteln.
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Re: Corona: Brennpunkt Gesundheitswesen
« Antwort #111 am: 19:49:47 Sa. 13.März 2021 »
Die Bundesregierung hat kein Interesse daran, die Pandemie zu bekämpfen. Es geht um Konzerninteressen, es geht um Pfründe politischen Kaste.

Zitat
Deutschland verliert in der Corona-Pandemie tausende Pflegekräfte

... unter Berufung auf bislang unveröffentlichte Zahlen der Bundesagentur für Arbeit (BA), die die Linken-Bundestagsfraktion anfragte.

Demnach ging die Zahl der Beschäftigten in der Pflege zwischen Anfang April und Ende Juli 2020 um mehr als 9000 zurück - dies entspreche einem Rückgang um 0,5 Prozent. Insgesamt waren demnach in Deutschland zuletzt rund 1,8 Millionen Menschen in der Pflege tätig. Vor der Pandemie seien die Beschäftigtenzahlen in der Pflegebranche dagegen leicht gestiegen.

Besonders von dem jüngsten Rückgang betroffen war dem Bericht zufolge die Krankenpflege in den Kliniken. Das Minus bei den Beschäftigtenzahlen lag demnach in der ersten Hochphase der Corona-Krise bei 5124. In der Altenpflege sei die Zahl der Beschäftigten im Zeitraum von Anfang April bis Ende Juli um 3885 zurückgegangen - in der Summe 9009 Pflegekräfte weniger.
https://rp-online.de/panorama/coronavirus/corona-pandemie-deutschland-verliert-in-der-krise-rund-9000-pflegekraefte_aid-56683531

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Re: Corona: Brennpunkt Gesundheitswesen
« Antwort #112 am: 19:49:23 Fr. 19.März 2021 »
Mitarbeiter schockiert: Klinik dankt Personal mit fünf Euro

In der Pandemie gehen viele Klinik-Mitarbeiter an ihre Grenzen. Die Heliosklinik Meiningen will sich deshalb bei ihrem Personal bedanken. Die dafür gewählte Aktion kommt bei den meisten Angestellten jedoch nicht gut an – denn statt einer ordentlichen Prämie erhalten sie einen Gutschein im Wert von fünf Euro.
Quelle: n-tv

Via NDS

Beschämend, ähnlich beschämend wie Beifall klatschen.
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Re: Corona: Brennpunkt Gesundheitswesen
« Antwort #114 am: 09:07:50 Sa. 20.März 2021 »
Das kann doch alles nicht wahr sein!
Es herrschen hier Zustände wie in einem Entwícklungsland.
Es gibt wirklich keine Strategie zur Bewältigung der Pandemie.
Man macht irgendwas. Völlig unkoordiniert. Und kosten darf es auch nix.

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Re: Corona: Brennpunkt Gesundheitswesen
« Antwort #115 am: 10:36:46 Sa. 20.März 2021 »
Nein, ein Entwicklungsland könnte sich so etwas wie Biontech Pfizer und alle anderen Hitech Pharma Lebensretter nicht leisten, deshalb bekommen sie auch nur, wie in anderen Bereichen auch, unseren EU Dekadenzabfall, daß was wir nicht brauchen, eigentlich unseren Müll.
Entwicklungsländer sind die Entsorgungsstationen der EU, auf das unsere künstlich generierten EU-Werte steigen wie Börsenkurse.
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Re: Corona: Brennpunkt Gesundheitswesen
« Antwort #116 am: 19:10:02 So. 28.März 2021 »

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Re: Corona: Brennpunkt Gesundheitswesen
« Antwort #117 am: 12:39:30 So. 04.April 2021 »
Sonntagsfrage vom Postillion:

Warum geht die Ausbeutung in den Pflegeberufen einfach weiter?
https://www.der-postillon.com/2021/04/sonntagsfrage-pflegerinnen.html

Kuddel

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Re: Corona: Brennpunkt Gesundheitswesen
« Antwort #118 am: 19:05:31 Di. 13.April 2021 »
Zitat
Keine Anzeichen für Meuterei

Bericht aus dem Maschinenraum


Der folgende Erfahrungsbericht eines Berliner Physiotherapeuten beschreibt den ganz normalen Wahnsinn im Gesundheitssektor. Es geht um unversorgte Kranke, überlastete Gesundheitsarbeiter, die vorenthaltene Extraportion Rum und die verpassten Chancen, gegen diese Zustände zu rebellieren. Dem Verfasser reicht es nicht, lediglich die Pandemie einzudämmen und zum tristen Status Quo zurückzukehren. Anstatt an Politiker und träge Gewerkschaftsapparate zu appellieren, setzt er auf die Selbstorganisierung der Lohnarbeiterinnen und will einen Beitrag dazu leisten, sich über die eigenen Erfahrungen auszutauschen und eine kollektive Praxis zu entwickeln. Nicht von oben, nicht von außen, sondern von unten.
Ich schreibe euch Anfang 2021 als Physiotherapeut, angestellt in Berlin...
https://kosmoprolet.org/de/keine-anzeichen-fuer-meuterei

ManOfConstantSorrow

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Re: Corona: Brennpunkt Gesundheitswesen
« Antwort #119 am: 17:22:09 Do. 15.April 2021 »
Zitat
Covid-19: Gesundheitskräfte im weltweiten sozialen Widerstand

Ob in New York, Johannesburg oder auch in Séoul – weltweit bewiesen Pflegekräfte Kampfgeist und protestierten gegen gegen schlechte Arbeits- und Transportbedingungen sowie schlechte Entlohnung und Personalmangel während der Covid-19-Pandemie. Die Kamfformen ähnelten sich: Es gab Versammlungen, Demonstrationen, Arbeitsverweigerungsrecht und sogar Streiks. Gelegentlich haben Gewerkschaftsorganisationen Klage wegen Körperverletzung eingereicht. Oft wurde die Bewegung gewaltsam unterdrückt: Drohungen, Entlassungen, Dienstenthebungen, brutales Eingreifen der Polizei...
https://www.labournet.de/?p=188929
Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!