Autor Thema: Krisenmodus im Transportgewerbe - Lenk und Ruhezeiten in Europa angepasst  (Gelesen 822 mal)

Sunlight

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News-Ticker zur Corona-Krise - Auswirkungen auf die Logistik


Zitat
Krisenmodus im Transportgewerbe - Lenk und Ruhezeiten in Europa angepasst


Die Verkehrsministerien in ganz Europa beginnen im Moment, das geltende
EU-Recht für die Versorgung in der Corona-Krise aufzuweichen. Lkw-Fahrer
dürfen teilweise wesentlich länger auf den Straßen unterwegs sein.

In Zusammenarbeit mit Journalisten aus ganz Europa haben wir diesen Zwischenstand zusammengetragen.

Belgien:

Bis zum 31. März hat Belgien die Lenkzeiten für Fahrer von 56 auf 60 Stunden erhöht. Innerhalb von zwei Wochen erhöht sich die Stundenzahl von 90 auf 96 Stunden. Gleichzeitig darf die wöchentliche Ruhezeit verschoben werden.
Bulgarien:

Ab sofort steigt die maximale tägliche Lenkzeit von 9 auf 11 Stunden. Erst nach 5,5 Stundne ist eine Pause von 45 Minuten nötig. Die regelmäßige wöchentliche Ruhezeit schrumpft von 45 auf 24 Stunden.
Dänemark:

Die Regeln zur wöchentlichen Ruhezeit sind ausgesetzt. Zudem dürfen alle Lkw in den Großstädten in die beschränkten „grünen Zonen“ einfahren.

Deutschland:

Alles zur deutschen Sonderregelung

Finnland und Frankreich:           ..........

Die deutsche Regelung und es klingt abschließend zynisch:

Zitat
Die Ausnahmeregelung auf Kabotageseite gilt laut DIHK aktuell bis zum 30.9.2020.

Hier präzisiert das BAG die neuen Regelungen nochmals.


Auszug aus der Änderung:

Sozialvorschriften im Straßenverkehr zugelassen:

• die tägliche Lenkzeit darf höchstens fünfmal in der Woche auf zehn Stunden verlängert werden (Abweichung von Artikel 6 Absatz 1 der Verordnung (EG) Nr. 561/2006). Weiter zu beachten sind die Bestimmungen zur höchstzulässigen Lenkzeit in der Woche (56 Std.) und Doppelwoche (90 Std.), die in Artikel 6 Absätze 2 und 3 geregelt sind.

• es dürfen zwei aufeinanderfolgende reduzierte wöchentliche Ruhezeiten eingelegt werden, sofern in vier jeweils aufeinanderfolgenden Wochen mindestens vier wöchentliche Ruhezeiten eingelegt werden, von denen mindestens zwei regelmäßige wöchentliche Ruhezeiten sein müssen. Wurden zwei reduzierte wöchentliche Ruhezeiten nacheinander eingelegt, ist die nächste Ruhezeit- als Ausgleich für diese zwei reduzierten wöchentlichen Ruhezeiten - vor der darauffolgenden wöchentlichen Ruhezeit einzulegen (Abweichung von Artikel 8 Absatz 6 der Verordnung (EG) Nr. 561/2006).

Die Ausnahme darf ausschließlich unter der Voraussetzung in Anspruch genommen werden, dass die Verkehrssicherheit dadurch nicht beeinträchtigt wird. Insbesondere ist vor Antritt einer Fahrt zu prüfen, ob der Fahrer in der Lage ist, die vorgesehene Beförderung durchzuführen.

Achtung: Diese Flexibilisierung entbindet allerdings die Fahrer nicht von ihrer ständigen Verantwortung aus der Straßenverkehrsverordnung, ein Fahrzeug weiterhin sicher zu lenken. Trotz dieser befristeten Ausnahme sind sie jederzeit für Ihr Handeln voll verantwortlich, sollte es aus Übermüdung zu einem Unfall kommen!


Kuddel

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Ein ziemlicher Hammer!
Die Lenk- und Ruhezeiten dienen der Sicherheit.
Der Arbeitsdruck in der Branche ist auch ohne Krise enorm.
Und jetzt wird noch die Sicherheit geopfert.

Davon hört man in der Presse nichts.

Kuddel

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  • Fischkopp
Zitat
Offener Brief an Herrn Gesundheitsminister #JensSpahn und Herrn Verkehrsminister #AndreasScheuer

Sehr geehrter Herr Minister Spahn, sehr geehrter Herr Minister Scheuer,

die Coronakrise ist „eine große Herausforderung für uns alle“, wie die Bundeskanzlerin in ihrer Rede sagte. Dabei gibt es Berufsgruppen, die nun besonders gefordert sind. Ob medizinisches Personal, Personal im Einzelhandel, im öffentlichen Dienst, Polizei oder Feuerwehr und dem Technischen Hilfswerk. Sie alle leisten Übermenschliches, um die Herausforderungen der Coronakrise zu bewältigen.
Es gibt aber noch eine weitere Berufsgruppe, die jetzt besonders gefordert ist: Die Berufskraftfahrer und Berufskraftfahrerinnen. Sie sorgen dafür, dass die Versorgung der Bevölkerung, Institutionen und wichtiger Betriebe nicht zusammenbricht.

In den sozialen Medien werden diese Berufsgruppen momentan besonders hervorgehoben. Dort dankt man ihnen für ihre Leistungen. Das war in der Öffentlichkeit besonders gegenüber den Fahrern/innen nie so. Vielleicht begreift die Öffentlichkeit in der aktuellen Krise nun doch endlich, dass wir ein sehr wichtiges Rad im Getriebe der Wirtschaft sind.

Im Zuge der Coronakrise wird ganz besonders auf die Einhaltung der Hygienestandards hingewiesen. Wichtiger noch, es wird auf besondere Hygiene hingewiesen, was mit Sicherheit auch berechtigt und notwendig ist.

Als Kraftfahrer/innen mussten wir allerdings in der Vergangenheit oft feststellen, dass viele Betriebe, bei denen wir be- oder entladen, mit den Hygienestandards für Kraftfahrer/innen sehr gleichgültig sind. Da wurde der Zutritt zu sanitären Räumen teilweise oder ganz verwehrt. Da werden Dixi-Toiletten für uns bereitgestellt, ohne fließend Wasser, Seife oder Desinfektionsmittel.
Bei Firmen mit einem großen Transportaufkommen sind die Dixi-Toiletten nach kurzer Zeit auf Grund ihres Zustandes nicht mehr benutzbar.
Allerdings waren diese Zustände bisher noch relativ selten, aber es gab sie. Viele große Firmen haben, ausschließlich für Fahrer, sanitäre Einrichtungen mit Toilette, fließend Wasser und sogar Dusche. Oder wir konnten die dortigen sanitären Räume mitbenutzen.

Mit der Coronakrise hat sich die Situation in den meisten Betrieben nun aber völlig verändert.
Um die eigenen Mitarbeiter zu schützen, wird den anliefernden Fahrern und Fahrerinnen der Zugang zu sanitären Räumen ganz verwehrt. Es werden Dixi-Toiletten für Fahrer/Fahrerinnen aufgestellt, ohne fließendes Wasser, Seife und Desinfektionsmittel. Die Fahrer/innen sollen oft selbst be- oder entladen, mit Lademitteln der jeweiligen Firmen und können sich dann nicht die Hände waschen.
Selbst Raststätten und Autohöfe sperren plötzlich die Duschen für Fahrer und es gibt sogar auf einigen nur noch Dixi-Toiletten, wie zum Beispiel Raststätte Samerberg an der A8 bei Rosenheim.

Raststätten und Autohöfe sind für Fahrer/innen, die die ganze Woche im LKW leben, die einzige Möglichkeit, sich zu waschen und zu Duschen. Der Coronavirus kann nicht die Entschuldigung dafür sein, das LKW-Fahrer/innen nun ganz auf Hygiene verzichten müssen.
Die Kosten dafür sind in den letzten Jahren schon teilweise ins Unermessliche gestiegen (Dusche über 4,- €). Aber was nun im Zuge der Coronakrise geschieht, ist eindeutig Missachtung einer ganzen Berufsgruppe. Da hilft es auch nicht, wenn man in den Medien Dank heuchelt!

In Ihren Funktionen als Minister sorgen Sie bitte dafür, dass die Menschen am Steuer nicht ihrem Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit beraubt werden. Denn nichts anderes geschieht, wenn man ihnen mit Vorsatz die Möglichkeit zum Einhalten von körperlicher Hygiene verwehrt.

Ingo Schulze
Kraftfahrer-Clubs Deutschland e.V.
https://de-de.facebook.com/KraftfahrerClubsDeutschlandEv/

Sunlight

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Der offene Brief ist gut. Die Berufskraftfahrer hatte wirklich niemand auf dem Plan. DocStop hat eine Aktion



Zitat
Versorgung der Berufskraftfahrer - Es tut sich was an der Autobahn

Zusatzangebote für Duschen abseits der Autobahn sammelt auch DocStop und nennt die Aktion SaniStop. Hier sind vor allem Unternehmen gefragt, also auch die Verlader, die bisher Fahrer teilweise übel abweisen. Alle SaniStop-Stellen sind übrigens auch in der FERNFAHRER-Truck Stops-App zu finden. Wir sind mit den Kollegen von DocStop in engem Austausch und halten die Liste aktuell.

Kuddel

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Zitat
Sorge vor Streik der Lkw-Fahrer
Scheuer verspricht "Helden" WC-Container


Die Versorgung Deutschlands hängt auch von einem reibungslosen Lkw-Verkehr ab. Doch die Fahrer arbeiten wegen des Anti-Corona-Kampfes unter unzumutbaren Zuständen. Verkehrsminister Scheuer hofft, einen Streik abwenden zu können - mit warmen Worten und Wasch-Containern.

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer hat zugesagt, die Situation von Lkw-Fahrern in der Corona-Krise zu verbessern. "Ich akzeptiere nicht, dass die Brummi-Fahrer schlecht behandelt werden. Sie müssen immer die Möglichkeit haben, sich die Hände zu waschen", sagte der CSU-Politiker den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Daher habe er gemeinsam mit der Logistikwirtschaft eine Initiative gestartet. "Wir wollen Wasch- und WC-Container da aufstellen, wo sie besonders benötigt werden, aber zurzeit keine Waschgelegenheiten vorhanden sind."

Lkw-Fahrer stehen aufgrund der staatlichen Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie vor zahlreichen Problemen. Teilweise bildeten sich wegen der eingeführten Grenzkontrollen extreme Staus, in denen die Fahrer manchmal mehrere Tage warten mussten. Zudem sind die meisten Rasthöfe geschlossen, auf deren Sanitäreinrichtungen sie vor allem angewiesen sind. Den Lkw-Verkehr aufrecht zu erhalten, ist zentral für die Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln und anderen Lebensnotwendigen Waren.

Scheuer appellierte an die Lkw-Fahrer, die bereits mit Streik drohen, durchzuhalten und ihre Arbeit trotz aller Schwierigkeiten fortzusetzen. An der Initiative beteiligt seien der Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung und die Logistics Alliance Germany, ein Partnerschaftsprojekt des Verkehrsministeriums und der Logistikwirtschaft. Mehrere Speditionen hätten schon Spenden zugesagt.

Lkw-Fahrer seien "echte Helden des Alltags", sagte Scheuer.  "Sie halten den Waren- und Güterverkehr am Laufen, sorgen für eine stabile Versorgung. Dafür müssen sie selbst ebenfalls gut versorgt werden, mit Essen, Toiletten und Duschen an Autobahnen und in Logistikzentren."
https://www.n-tv.de/politik/Scheuer-verspricht-Helden-WC-Container-article21675468.html

counselor

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  • Sapere aude!
Und Andreas Scheuer ist einer der schlechtesten Politiker, die Deutschland je als Minister hatte.
Alles ist in Bewegung. Nichts war schon immer da und nichts wird immer so bleiben!

Kuddel

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  • Fischkopp
Die Beschäftigten dieser zentralen Branche werden wie Dreck behandelt. Systemrelvant? Scheißegal. Die Könige der Landstraße sind prekäre Malocher. Und so werden sie auch behandelt.


Kuddel

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  • Fischkopp
Corona ist die Ausrede für jede Schweinerei.
Der Preisdruck aufs Transportgewerbe geht weiter:

Zitat
Corona-Folgen
Trucker aus Osteuropa: Es geht ums Überleben

Ein stilles Heer von Polen, Bulgaren, Weißrussen sorgt auch während der Coronakrise dafür, dass der Fluss der Waren nicht abreißt. Vielen von ihnen werden Sozialstandards und faire Bezahlung vorenthalten.



Viele der Lkw-Fahrer leben über Wochen oder Monate praktisch ununterbrochen in ihren Lkw. Sie schlafen in den Kabinen und kochen auf Gaskochern.
(...)
„Das System ist darauf angelegt, Arbeitnehmerrecht zu brechen“, sagt Michael Wahl, der für das Beratungsprojekt „Faire Mobilität“ arbeitet, eine Initiative des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB). An diesem Tag ist er auf dem Rastplatz unterwegs, um die Trucker über ihre Rechte zu informieren. Er deutet auf Wozniaks Lkw und sagt: „Die Situation ist eindeutig, der Arbeitnehmer ist nur in Deutschland beschäftigt. Der Subunternehmer bringt ihn für die Arbeit hierher.“ Wie er es sieht, müsste der polnische Fahrer damit Anspruch auf den deutschen Mindestlohn haben.

Aber die Realität sieht anders aus. In aller Regel erhalten die Osteuropäer nur den Mindestlohn ihres Heimatlandes, in Polen rund 570 Euro im Monat, in Bulgarien 280 Euro. Der wird jeweils aufgestockt mit Spesen, die eigentlich für die Verpflegung der Fahrer unterwegs gedacht sind. Wahl sagt: „Das ist das Normale. Es gibt keine Chance auf fair bezahlte Arbeit für diese Menschen.“

Viele Unternehmen in Deutschland beauftragen Speditionen in Osteuropa: Paketdienste, Versandhändler, praktisch die gesamte Automobilwirtschaft.
(...)
Nach Einschätzung von Branchenexperten ist es kaum möglich, unter einem Preis von 1,25 Euro pro Kilometer kostendeckend zu fahren und die Fahrer anständig zu bezahlen. Aber die Preise liegen mitunter um 80 Cent. Und jetzt, in Zeiten von Covid-19, spitzt sich der Preiskampf auf den Autobahnen weiter zu: Auf den Frachtbörsen sind die Tarife bis auf 51 Cent heruntergegangen.

„Wir müssen dieses Sozialdumping schnellstens bekämpfen“, sagt Dirk Engelhardt, Chef des Bundesverbands Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung (BGL). „Damit wir nach der Krise eine Situation haben, in der der deutsche Mittelstand weiterbestehen kann.“

Im BGL sind vor allem mittelständische Unternehmen registriert, die mit den Billigstpreisen nicht mithalten können. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass viele große deutsche Speditionen selbst Filialen in Osteuropa gegründet haben, um Trucker zum Dumpinglohn beschäftigen zu können.
(...)
Die Bußgelder kalkulierten die Frachtführer ein, sagt der belgische Polizeihauptkommissar Raymond Lausberg, der sich als unerbittlicher Gegner ausbeuterischer Firmen einen Namen gemacht hat. „Alle Großen, alles, was Rang und Namen hat, spielen in diesem miesen Spiel mit. Je größer, desto unverschämter.“ Er begegnet häufig Truckern, die seit Monaten unter miserablen Bedingungen in ihren Lkw leben, in der Kabine schlafen, auf Gaskochern ihr Essen erwärmen. „Es ist erschreckend, was wir bei den Kontrollen vorfinden.“
https://www.berliner-zeitung.de/wirtschaft-verantwortung/fuer-osteuropaeische-trucker-geht-es-um-die-schiere-existenz-li.81579

Kurz mal zusammengefaßt:
Was da passiert, ist nicht die Folge einer "(Corona)Krise", sondern eine bewußte und aggressive Preispolitik der Großspediteure und der Autoindustrie. Mittelständische deutsche Unternehmen können da nicht mehr mithalten und werden geopfert. Die Transporte werden kostendeckend nur mit sklavenähnlichen Bedingungen des osteuropäischen Fahrpersonals möglich.

Diese Bedingungen sind bei Verdi kein größeres Thema, denn LKW Fahrer sind nicht (kaum) gewerkschaftlich organisiert und kaum organisierbar. Die sind vereinzelt, zerstreut und erhalten kaum Unterstützung. Die wenigen positiven Ausnahmen sind hier zu nennen: "Faire Mobilität" ist erstaunlich positiv, unter dem Dach des DGB und finanziert mit Geldern der Bundesministerums für Arbeit und Soziales, ein merkwürdiges Konstrukt. Es gibt ein paar kirchliche Unterstützer und engagierte Journalisten. Sogar ein Verband kleiner und mittlerer Spediteure da positiv zu erwähnen. Das war's auch schon.

Kuddel

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BGS

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  • Polarlicht
Herzlichen Dank für diesen wichtigen Film!

"...50 Cent/ Kilometer...". Durch u.a. die verdammten Handelsketten erzwungen. 2002 lagen die Kosten für einen LKW-Kilometer in Deutschland bei um einem Euro. Ohne Fahrerlohn. Auch wenn es schon damals reichlich LKW-Fahrer z. B.  aus Chisinow, Moldawien gab.

MfG

BGS
"Ceterum censeo, Berolinensis esse delendam"

https://forum.chefduzen.de/index.php/topic,21713.1020.html#lastPost
(:DAS SINKENDE SCHIFF DEUTSCHLAND ENDGÜLTIG VERLASSEN!)

Kuddel

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  • Fischkopp


Diese Doku ist sehr mäßig recherchiert. Spannend sind jedoch die konkreten Zahlen der Dumpingangebote, mit denen Großspediteure wie Schenker massiven Preisdruck auf die gesamte Branche ausüben.

Den Aussagen über die osteuropäischen Spediteure, die durch das niedrigere Lohnniveau dort günstigere Frachtpreise anbieten können, stimmt so nicht. Diese Spediteure halten sich nicht einmal an das lokale Arbeitsrecht, sie brechen bei Internationalen Fahrten auch das EU Recht, sie plündern ihre Beschäftigten mit mafiösen Methoden aus, das Ganze mit dem Wissen der deutschen Wirtschaft und Behörden und auch unter den Augen der EU.

Zitat
Schenker AG
Schenker ist eine 100-prozentige Tochter der Deutsche Bahn AG.
Die Schenker AG beschäftigt weltweit rund 76.000 Mitarbeiter an rund 2.000 Standorten in 130 Ländern und erwirtschaftete einen Gesamtumsatz von rund 17,09 Milliarden Euro im Jahr (Stand: 2019).
In den Kriegsjahren 1939–1945 war das Gesamtunternehmen als Teil der Deutschen Reichsbahn am Transport von beschlagnahmten Haushalten von jüdischen Opfern des Holocausts beteiligt.
...soll er von Schmiergeld-Zahlungen an den russischen Zoll in Höhe von wenigstens fünf Millionen US-Dollar gewusst haben. Im Juli 2015 verhängte die Europäische Kommission eine Geldstrafe von 31,8 Millionen Euro gegen DB Schenker wegen Beteiligung des Unternehmens an einem Kartell für Ganzzugladungen in den Jahren 2004 bis 2012.
https://de.wikipedia.org/wiki/Schenker_AG

Ich schätze mal, es sind viel mehr Schmankerl in der Unternehmensgeschichte dieses Verbrecherkonzerns zu finden, wenn man etwas gräbt.


Sunlight

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Re: Krisenmodus im Transportgewerbe - Lenk und Ruhezeiten in Europa angepasst
« Antwort #11 am: 15:09:25 Mo. 24.Januar 2022 »
Hallo!

Kann einem nur ein verständnisloses Kopfschütteln entlocken.

Zitat
Kein Corona-Plan für die Logistik - Omikron-Welle - Gefahr für die Versorgung

Was passiert, wenn coronabedingt in einer fünften Welle 30 Prozent des Personals in der Logistik ausfällt, hatte die Bundesregierung in der Branche angefragt. In einem solchen Fall könne der Gütertransport nicht mehr alle seine Aufgaben gewährleisten, so die Antwort des Bundesverbands Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung (BGL). Bestimmte Transportaufträge müssten abgelehnt werden.

Engpässe durch Fahrerknappheit

Engpässe entstünden dabei zuvorderst durch das Fehlen von Fahrern, heißt es in einer Stellungnahme, die der Verband bereits vor einer Woche abgegeben hat. „Wir sollten eigentlich genug Lehren aus den ersten Corona-Wellen gezogen haben, um in der fünften Welle rechtzeitig Vorkehrungen zu treffen“, sagte BGL-Chef Prof. Dirk Engelhardt. „Wir müssen gewappnet sein, um kurzfristig auf die Situation reagieren zu können“, sagte er. ........

Aber das, was dann kommt ....

Zitat
Kein Corona-Plan für die Logistik - Omikron-Welle - Gefahr für die Versorgung

PCR-Test für Fahrer streichen

Wichtig sei es auch, die Freizügigkeit des Lkw-Fahrpersonals uneingeschränkt zu gewährleisten, betont der BGL. Die bei der Rückkehr aus Virusvariantengebieten vorgeschriebenen PCR-Tests müssten für das Transportpersonal wieder durch Antigen-Tests ersetzt werden, da das Warten auf die Ergebnisse die Rückkehr der Fahrer erheblich verzögere und die Fahrerknappheit verstärke. Fahrer, die im oder auf dem Weg zum Einsatz seien, müssten ungehinderte Freizügigkeit genießen und dürften ohne konkrete Anzeichen einer Viruserkrankung nicht in Quarantäne geschickt werden.

.. unglaublich.  ::) Man nennt das wohl "angeordnete Durchseuchung" durch die Hintertür, unausgesprochen, aber nicht anders zu interpretieren.

Gruß

dagobert

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Re: Krisenmodus im Transportgewerbe - Lenk und Ruhezeiten in Europa angepasst
« Antwort #12 am: 15:44:23 Mo. 24.Januar 2022 »
.. unglaublich.  ::) Man nennt das wohl "angeordnete Durchseuchung" durch die Hintertür, unausgesprochen, aber nicht anders zu interpretieren.
Das läuft doch schon seit zwei Jahren so.

Es sollten von Anfang an und sollen auch jetzt nicht Infektionen verhindert werden, sondern nur zu viele Infektionen auf einmal. Erkenne den Unterschied.
"Ich glaube, daß man nichts vom Krieg mehr wüßte,
wenn wer ihn will, ihn auch am meisten spürt."
Udo Jürgens (Ich glaube, 1968)

Sunlight

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Re: Krisenmodus im Transportgewerbe - Lenk und Ruhezeiten in Europa angepasst
« Antwort #13 am: 17:45:48 Mo. 24.Januar 2022 »
Hallo!

.. unglaublich.  ::) Man nennt das wohl "angeordnete Durchseuchung" durch die Hintertür, unausgesprochen, aber nicht anders zu interpretieren.
Das läuft doch schon seit zwei Jahren so.

Es sollten von Anfang an und sollen auch jetzt nicht Infektionen verhindert werden, sondern nur zu viele Infektionen auf einmal. Erkenne den Unterschied.

Das planlose, kopflose Gezetere unserer Bundesregierung zieht weite Kreise und findet sich auch in dieser Branche wieder. Da hat sich nichts verändert. Nur der Anstrich jetzt Rot, Gelb, Grün!  ::)

Das wäre auch meine Forderung:

Zitat
Kostenloses Testen und Impfen für alle Fahrer

Zur Vermeidung des 30-Prozent-Szenarios muss es laut BGL zugleich bundesweit für Lkw-Fahrer gut erreichbare Testmöglichkeiten sowie Angebote zum barrierefreien Impfen geben. Der Bund sollte die Branche daher unterstützen, dem heimischen wie auch dem in Deutschland aktiven ausländischen Fahrpersonal Test- und Impfangebote an den Autobahnen zu machen, heißt es weiter. "Hierfür muss verlässlich genügend Impfstoff bereitstehen, und zwar auch für Personen, die über keine deutsche Krankenversicherung verfügen."

In der Branche ist schon Impfen für deutsche Fahrer ein zeitliches Problem. In
den Städten, wo Samstags Impfangebote ohne Anmeldung sind, klappt das ganz gut. Aber wo bleibt der Rest?

Gruß






Kuddel

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  • Fischkopp
Re: Krisenmodus im Transportgewerbe - Lenk und Ruhezeiten in Europa angepasst
« Antwort #14 am: 18:17:41 Mo. 24.Januar 2022 »
Es gab seit dem Coronaausbruch ja große Probleme mit dem Sanitärbereich.
Fahrer durften bei angefahrenen Unternehmen oftmals die Toiletten nicht benutzen.
An Raststätten wurden Duschen gesperrt.
Hat sich die Situation gebessert?