Autor Thema: Corona Freestyle  (Gelesen 23002 mal)

Kuddel

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Re: Corona Freestyle
« Antwort #825 am: 10:48:09 Mo. 24.Mai 2021 »
Völliger Dachschaden:
Zitat
Trump-Anhängerin Greene vergleicht Maskenpflicht mit Holocaust - „Ich habe nichts Falsches gesagt“
Marjorie Taylor Greene, Abgeordnete

https://www.fr.de/politik/donald-trump-coronavirus-marjorie-taylor-greene-maskenpflicht-holocaust-vergleich-kritik-90658094.html

Kuddel

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Re: Corona Freestyle
« Antwort #826 am: 17:26:09 Mo. 24.Mai 2021 »
Ich kenne hier Linke, mit denen ich in einigen Bewertungen im Coronazusammenhang uneins bin. Einig sind wir uns aber darin, Ausgangssperren und Bundeswehr in der "Pandemiebekämpfung" scharf abzulehnen.

Ich wundere mich, daß es zu diesem Thema noch keinen Aufschrei der Empörung gegeben hat:

Zitat
1000 Soldaten sind in Bayern gegen Corona im Einsatz

Knapp die Hälfte der 1000 Soldaten der Bundeswehr, die derzeit in Bayern im Einsatz sind, unterstützt bei der Kontaktnachverfolgung von Infizierten.
https://www.sueddeutsche.de/bayern/corona-bayern-news-soldaten-kontaktnachverfolgung-1.5295837

Troll

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Re: Corona Freestyle
« Antwort #827 am: 17:53:07 Mo. 24.Mai 2021 »
 :o
Die bayrische Marine nehme ich an  ;D
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counselor

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Re: Corona Freestyle
« Antwort #828 am: 19:38:02 Mo. 24.Mai 2021 »
@tleary behauptete
Zitat
Das klappt deshalb "ganz gut", weil ihr ein Häufchen einzelner verstreuter seid, ohne jegliche Massenwirkung. Wenn ihr zu zehntausenden (oder hunderttausenden) demonstrieren wolltet, würde das allein an den Abstandsregeln der Seuchengesetzgebung (oder wie sich das schimpft) scheitern. => Keine Genehmigung, da Gefahr für die "Volksgesundheit" ("Seuchenverbreitungsgefahr").
Diese Behauptung ist falsch. Bis zu 10.000 Menschen protestierten am Pfingstsonntag in Berlin mit einer Kundgebung und anschließender Demonstration, ausgehend vom Potsdamer Platz unter dem Motto "Gemeinsam gegen Verdrängung und #Mietenwahnsinn!". Das zeigt, dass linke Demonstrationen Massenwirkungen haben und dass das Demonstrieren unter Hygiene-Auflagen klappt.
https://www.rf-news.de/2021/kw21/10-000-auf-der-strasse-gegen-wohnungsnot-und-mietwucher
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Kuddel

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Re: Corona Freestyle
« Antwort #829 am: 08:41:36 Fr. 28.Mai 2021 »
Zitat
Die Grundrechtseinschränkungen in der Corona-Pandemie betreffen vor allem sozial benachteiligte Bevölkerungsgruppen.

Dies ist die zentrale Aussage des sogenannten Grundrechte-Reports, den Bürgerrechtsorganisationen in Berlin vorgestellt haben. Darin heißt es, Einschränkungen von Grundrechten träfen meist die schwächsten und vulnerabelsten Gruppen in unserer Gesellschaft. Sie können sich am wenigsten dagegen wehren. Kritisiert werden zudem die Einschränkungen der Versammlungsfreiheit während der Pandemie, die Zumutungen der Coronakrise für Beschäftigte im Gesundheitssektor und die ungleichen Auswirkungen der Pandemie im Bildungsbereich.
https://www.deutschlandfunk.de/grundrechtereport-sozial-benachteiligte-von-eingriffen-in.1939.de.html?drn:news_id=1263046

Kuddel

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Re: Corona Freestyle
« Antwort #830 am: 09:45:47 Fr. 28.Mai 2021 »
Interessante Artikel sind nichts für den Pöbel. Der hat hinter der Paywall zu bleiben.
Soviel ist jedoch zu erfahren:

Zitat
Coronavirus und Asylbewerber
Warum Herr Stummeyer begann, Zäune um Unterkünfte zu ziehen. (...) In Neumünster lässt ein Abteilungsleiter manche von ihnen rund um die Uhr bewachen
https://www.spiegel.de/gesundheit/coronavirus-und-asylbewerber-in-neumuenster-mit-bauzaeunen-gegen-die-pandemie-a-0380b63d-2ebd-4800-ab40-3cf81434ed4f

Da hat sich die Landesregierung von Schleswig-Holstein ja den Richtigen ausgesucht:
Zitat
Stummeyer weiß: Je größer die Langeweile der Bewohner ist, umso größer ist die Gefahr, dass es zu „Alltagsproblemen“ mit der Bevölkerung im Ort kommt. (...) Solche Konflikte will er verhindern – ebenso wie das rein subjektive Unsicherheitsgefühl von Bürgern, wenn Migranten sich an WLAN-Hotspots tummeln. (...) Das Wachpersonal wurde wie in allen Landesunterkünften auch in Rendsburg verstärkt. Fünf Polizeibeamte sind in zwei Büros präsent.
https://www.kn-online.de/Nachrichten/Schleswig-Holstein/Fluechtlinge-Schleswig-Holstein-Rendsburg-hat-aus-Fehlern-in-Boostedt-gelernt

Nikita

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Re: Corona Freestyle
« Antwort #831 am: 11:02:36 Fr. 28.Mai 2021 »
Fullquote des Spiegel-Artikels:

Coronavirus und Asylbewerber
Warum Herr Stummeyer begann, Zäune um Unterkünfte zu ziehen

Wie schützt man Menschen, die in Gemeinschaftsunterkünften eng beieinander leben, vor Covid-19? In Neumünster lässt ein Abteilungsleiter manche von ihnen rund um die Uhr bewachen – aus mehreren Gründen.
Von Heike Klovert
28.05.2021, 08.12 Uhr

Als die chinesischen Behörden im Januar 2020 damit anfingen, Wuhan und weitere Großstädte abzuriegeln, begann auch Delf Stummeyer im schleswig-holsteinischen Neumünster, an einem Plan zu arbeiten. Von der Front, an der Menschen gegen das Virus Sars-CoV-2 kämpfen, trennten den Abteilungsleiter damals noch 8000 Kilometer. In Deutschland hatte sich bisher nur ein Mann angesteckt, in Bayern.

Stummeyer, 50, im Landesamt für Zuwanderung und Flüchtlinge in Schleswig-Holstein zuständig für rund 1400 Menschen aus Syrien, Afghanistan, Eritrea und vielen weiteren Nationen in vier großen Unterkünften, hatte trotzdem schon das Gefühl, »sich kümmern zu müssen«, wie er heute sagt. Er machte sich daran, eine Taskforce zu gründen, Schutzmasken und Bauzäune zu beschaffen, ein Testlabor zu suchen. »Ich war angefixt«, sagt er, »ich habe mich Tag und Nacht informiert.«

Es sollte nicht lange dauern, bis Gemeinschaftsunterkünfte für Geflüchtete, wie sie das Land Schleswig-Holstein derzeit in Neumünster, Boostedt, Rendsburg und Bad Segeberg betreibt, im Schlagzeilenwust der Pandemie auftauchten. »Der fehlende Abstand wird zum tödlichen Risiko«, schrieb der »Tagesspiegel« im April vergangenen Jahres. »Die Angst vor dem Hotspot Asylbewerberheim« stand im Oktober über einem SPIEGEL-Artikel.

Zwei Wochen Quarantäne für Neuankömmlinge
Mehrbettzimmer, Gemeinschaftsküchen, geteilte Bäder: Ein Bielefelder Epidemiologe rechnete im Mai 2020 mit einem Forscherteam aus, dass Bewohnerinnen und Bewohner von Aufnahmezentren und Gemeinschaftsunterkünften im Schnitt ein Ansteckungsrisiko von 17 Prozent hätten, sobald sich in ihrer Einrichtung jemand mit dem Virus infiziert habe. Einheitliche Schutzkonzepte und Vorgaben gebe es nicht. Vielerorts werde die gesamte Unterkunft kollektiv unter Quarantäne gestellt, wenn eine Sars‐CoV‐2‐Infektion auftrete. Flüchtlingsinitiativen und kirchliche Träger forderten, die Menschen dezentraler zu verteilen.

In Neumünster sind derzeit noch rund 350 Menschen untergebracht. Rund 80 von ihnen wohnen in einem dreistöckigen Klinkergebäude, unten die alleinreisenden Frauen, in der Mitte Familien, oben alleinreisende Männer. Es sind Neuankömmlinge, die ihre 14-tägige Quarantäne absitzen.

Delf Stummeyer steht vor dem Bauzaun, der das Haus umringt, ein Laptop klemmt unter seinem Arm, damit er jederzeit überall arbeiten kann. Der Wind zerrt an dem rot-weißen Flatterband, das anderthalb Meter vor dem Bauzaun hängt. In zwei Zelten, postiert an den Gebäudeecken, sitzt rund um die Uhr Wachpersonal.

Quarantäne kommt hier in Neumünster einem Arrest gleich. Die Bewohner müssen einen PCR-Test am Anfang und einen am Ende machen lassen. Mitarbeiter des Deutschen Roten Kreuzes kümmern sich um ihre Betreuung und bringen das Essen, in voller Schutzmontur.

Wer positiv getestet wird, zieht in ein anderes Haus um, ebenfalls mit Bauzaun, Flatterband und Wachposten gesichert, oben die Infizierten, darunter die Kontaktpersonen, im Erdgeschoss die Gehbehinderten. Sollte sich jemand entscheiden, das abgesperrte Areal eigenmächtig zu verlassen, suchen Gesundheitsamt und Polizei nach ihm oder ihr. Das passiere jedoch nicht häufig, berichtet Stummeyer.

Die Pandemie wird in der ehemaligen Kaserne, in der das Landesamt für Zuwanderung und Flüchtlinge sowie die Landesunterkunft untergebracht sind, weitaus härter bekämpft als in der restlichen Stadt. »Was wir tun, ist richtig«, sagt Stummeyer, »wenn das alle anderen auch getan hätten, könnten wir längst wieder ein normales Leben führen.« Es stört ihn, dass Infizierte anderswo ihr Haus verlassen können, ohne dass das groß auffalle, und dass höchstens alle zwei Tage jemand vom Gesundheitsamt anrufe, um sich nach ihrem Wohlergehen zu erkundigen, vielleicht aber auch nicht.

Coronavirus aus Pappmaschee
Zum 50. Geburtstag im vergangenen Juli bekam Stummeyer ein Coronavirus aus Pappmaschee geschenkt, eine Kollegin hatte es gebastelt. Es ist grün und groß wie ein Sitzball und trägt eine Krone, auf der in Großbuchstaben »Corona« steht. Es hing unter der Decke in seinem Büro, bis es vor einigen Tagen herunterfiel. Seither breche immer mal wieder ein Spike-Protein ab, wenn die Putzhilfe daran stoße, erzählt Stummeyer. »Ich sehe das als gutes Zeichen.«

Stummeyer hat Jura studiert, weil seine Noten nicht reichten, um Richter zu werden, machte er sich danach als Messe- und Bühnenbauer selbstständig, »80 Stunden waren damals eine lockere Woche«, sagt er. Ende der Neunzigerjahre wechselte er in die öffentliche Verwaltung, weil dort die Arbeitszeiten familienfreundlicher sind. 2016 fing er im Landesamt für Flüchtlinge und Zuwanderung an, er leitet dort die Abteilung 2, Erstaufnahme und Verteilung.

Die Koordination der Coronamaßnahmen sei zu etwas wie einem »persönlichen Hobby« geworden, er habe sich in alle möglichen Fragen »reingefuchst«, sagt Stummeyer. Ist es sinnvoll, zwischen den Stockwerken in den Quarantänehäusern Folien zu spannen, damit sich die Menschen nicht besuchen? Welches Labor kann PCR-Tests an sieben Tagen die Woche auswerten? Wie vermittelt man am besten, wie wichtig die Impfungen sind?

Stolz erklärt Stummeyer die Excel-Liste, die er wöchentlich fortführt. Drei aktuelle Kennzahlen:
Isolierte gesamt, in allen vier Landesunterkünften: 177,
Covid-19-Positive: 8,
Anteil Erstimpfungen an der Gesamtbelegung: 42,3 Prozent.

»Wir hatten bisher keine schweren Fälle und keine Krankenhauseinweisungen«, sagt Stummeyer. Nur 3,8 Prozent aller Bewohnerinnen und Bewohner, die seit vergangenem März in den Landesunterkünften gewohnt hätten, seien positiv getestet worden, »ohne Dunkelziffer, weil wir ständig PCR-Abstriche machen«.

Einmal, im April vor einem Jahr, stellte das Gesundheitsamt die gesamte Unterkunft in Neumünster für zwei Wochen unter Quarantäne, weil eine Helferin, die viele Kontakte gehabt hatte, positiv getestet worden war. Als die Quarantäne für einige Dutzend Menschen danach noch einmal verlängert werden musste, kam es zu Tumulten.

»Wir hatten die Bewohner nur kurz informiert und uns nicht genug Zeit genommen, um mit ihnen darüber zu sprechen«, sagt Andreas Hinrichs, DRK-Chef in der Landesunterkunft, rückblickend. »Das war ein Fehler.« Doch noch bevor die Polizei mit einem Großaufgebot vor Ort eintraf, habe man die Lage wieder beruhigen können. Auch seither sei es friedlich geblieben, die meisten Bewohner seien froh über die Maßnahmen, die sie vor Ansteckung schützen sollen.

Pari Akbari, 29, aus Afghanistan, ist seit zwei Monaten hier und hat gerade ihre zweite Impfung bekommen. Die braucht sie, um den DRK-Mitarbeitern dabei helfen zu können, Bettwäsche zu verteilen und Zimmer zu reinigen. »Ich wollte so gern arbeiten, und ich bin froh, dass ich geimpft werden konnte«, sagt sie. Vorbehalte gegen die Impfstoffe habe sie nicht gehabt. »Ich vertraue in die Wissenschaft.«

Ganz anders geht es Mosa Zangana aus Bagdad. Der 25-Jährige hilft in der Kleiderkammer aus und möchte sich nicht impfen lassen. »Meine Freundin ist noch im Irak, wir möchten später mal Kinder haben«, sagt er. Sein Arzt zu Hause habe ihn gewarnt, dass das schwierig werden könne, wenn sie nicht beide denselben Impfstoff bekämen. »Dieser Arzt kümmert sich seit vielen Jahren um meine Familie, er hat meinem kranken Bruder sehr geholfen.« Das Vertrauen in ihn wiegt schwerer als die Erkenntnisse aus dem Aufklärungskurs übers Impfen, an dem er kürzlich teilgenommen hat.

Das DRK-Team und die Ärztinnen und Ärzte, die auf dem Gelände arbeiten, versuchen in vielen persönlichen Gesprächen, Ängste wie die von Mosa Zangana auszuräumen. Sie bekommen dabei Hilfe von einem Übersetzungsbüro, das ihnen rund um die Uhr und notfalls auch sehr kurzfristig Dolmetscherinnen und Dolmetscher in zahlreichen Sprachen vermittelt.

Meistens gelinge es so, Vorbehalte gegen das Impfen zu beseitigen, sagt die Medizinerin Andrea Marquardt. Doch unter Menschen aus den Balkanstaaten kursiere beispielsweise das Gerücht, dass die Impfungen gehäuft zu Todesfällen geführt hätten. »Dagegen kommt man manchmal nur schwer an.«

Trotzdem ist die Impfquote hier etwas höher als in der gesamten Bevölkerung, vielleicht weil alle, die sich impfen lassen wollen, das auch können: Geflüchteten in Gemeinschaftsunterkünften hat die Bundesregierung eine hohe Priorität eingeräumt. Vielleicht liegt es auch daran, dass der Coronabeauftragte Stummeyer allen Bewohner einzeln einen Arzttermin in der Praxis auf dem Gelände verordnet hat, wo sie sich – jenseits von etwaigen Bedenken ihrer Familienmitglieder – zur Not auch heimlich impfen lassen können.

Stummeyer steht selten an den Bauzäunen oder in den Wohntrakten, um mit den Menschen zu sprechen, deren Gesundheitsschutz er organisiert. Er ist stattdessen derjenige, der Argumente fürs Impfen zusammenfasst und an den medizinischen Dienst und das DRK-Team sendet. »Bester und teuerster Impfstoff der Welt Biontech/Pfizer wird verimpft«, stand unter anderem in seiner Mail von Anfang April.

Impfneid in der Nachbarschaft
In seinem Job ist es fast unmöglich, keine Menschen gegen sich aufzubringen. Als das Landesamt Ende März verkündete, Asylsuchende fortan zu impfen, hätten sich zahlreiche Anrufer beschwert, dass sie selbst noch nicht dran seien, erzählt Stummeyer. Diese Protestwelle habe der Pressesprecher abbekommen. Doch es ist ihm bewusst, dass ihn so etwas auch persönlich treffen kann. »Für die Rechten sind wir die, die die Geflüchteten ins Land holen, und für die Linken die, die sie abschieben«, sagt Stummeyer. Wenn er privat mit dem Auto unterwegs sei, achte er darauf, seinen dienstlichen Parkausweis im Handschuhfach zu verstauen.

Trotzdem mag er seine Arbeit, das spürt man, etwa wenn er erzählt, wie er den NDR-Corona-Podcast abends vor dem Einschlafen hört, »die komplizierten Folgen auch mehrmals«. Er habe bis zu seiner eigenen Impfung Sorge gehabt, sich mit Sars-CoV-2 anzustecken, weil er nicht ausfallen wollte, sagt er. »Ich bin hier nicht der Kapitän, aber ich bin so etwas wie der Steuermann, jedenfalls ein wichtiges Rädchen.« Es mache Spaß, eine Aufgabe zu haben.

Und da ist noch etwas: Stummeyer sorgt sich um die Menschen, die in den vier Landesunterkünften entweder auf ihre Abschiebung warten oder darauf, auf die Kommunen verteilt zu werden. »Wenn es bei uns zu einem Ausbruch kommt, kann das dazu führen, dass in ganz Neumünster die Inzidenz hochgeht und die Menschen ihre Kinder nicht mehr zur Schule schicken können«, sagt er. »Die Wut darüber bekomme nicht ich ab, sondern die Geflüchteten.«

Er habe beobachtet, dass Leute um die Menschen aus dem »Camp« beim Einkaufen einen Bogen machten, weil sie vermeintlich häufiger infiziert seien. »Dabei fühlen wir uns hier alle sicherer als draußen auf der Straße, weil wir das Virus so gut im Griff haben«, sagt Stummeyer. In diesem Fall kommen ihm die Vorbehalte einiger Neumünsteraner aber gerade recht. »Dann brauche ich weniger Angst haben, dass sich unsere Bewohner bei ihnen anstecken.«

Kuddel

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Re: Corona Freestyle
« Antwort #832 am: 19:39:41 Fr. 28.Mai 2021 »
Die Anticoronapolitik, ein Wirtschaftskrimi.
Die Gesundheit der Bevölkerung steht dabei definitiv nicht im Vordergrund.
Der Maskenskandal war kaum die Spitze des Eisbergs. Er warf nur ein Schlaglicht auf die Qualität der Volksvertreter. Käufliche Hampelmänner, korruptes Pack.
Das eine breite Impfkampagne Wirkung zeigt, können wir gerade beobachten. Sie hätte bereits viel früher Wirkung gezeigt haben können und schon längst abgeschlossen sein, wenn man sich um die Produktion und Verteilung der Impfstoffe gekümmert hätte.

Ich erinnere, daß man vor etwa 6 Wochen gesagt hat, man wolle jetzt ganz schnell Sputnik V gehemigen, da es damit gute Erfahrungen gäbe. Seit dem habe ich nichts mehr davon gehört. Ich vermute mal, die Konkurrenz übt entsprechenden Druck aus.

Nikita

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Re: Corona Freestyle
« Antwort #833 am: 20:50:32 Fr. 28.Mai 2021 »
Heute gibt es Berichte über den Betreiber von Corona-Test-Zentren MediCan, der wohl im großen Maße falsche Testzahlen weitergibt. Dabei zeigt sich, dass Testzentren einfach nur die Anzahl der Tests, die sie gemacht haben wollen, weitergeben müssen, keine Belege nichts. Daraufhin wird dann ohne Kontrolle ein Betrag von 12-18 Euro pro Test an den Betreiber überwiesen. Eine Spielwiese für Betrüger. Allerdings haben die berichtenden Reporter etwas geleistet, was seit Corona aus der Mode gekommen ist: Sie haben mit einfachen Mitteln nachgeprüft.

https://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/corona-schnelltests-abrechnungsbetrug-und-hohe-margen-a-95f33781-8cc8-4879-a989-20121757b311

Zitat
Betreiber von Corona-Testzentren
»Es ist ein lukratives, opportunistisches Geschäft«
Mit Coronatests machen viele Betreiber hohe Profite. Und manche rechnen offenbar weit mehr Tests ab, als sie durchführen. Der Staat kontrolliert das nur sporadisch.
...
Wie die »Süddeutsche Zeitung«, der NDR und der WDR recherchiert haben, rechnen manche viel mehr Schnelltests ab, als sie wirklich durchgeführt haben. Das Unternehmen MediCan etwa stellte für einen Standort in Münster an einem Brückentag gleich 422 Tests in Rechnung. Dumm nur, dass Reporter des Rechercheteams den ganzen Tag vor Ort waren und mitzählten, wie viele Testwillige wirklich vorbeikamen. Sie kamen nur auf rund hundert. Der Staat überwies MediCan trotzdem brav das Geld für 422 Tests. Kontrolle? Fehlanzeige.
...
Der Hamburger Unternehmer Heiko Fuchs, der selbst 65 Testzentren betreibt, bestätigt dem SPIEGEL dieses Prozedere. »Wer will, kann tatsächlich irgendeine Fantasiezahl eintragen, wenn er die Formulare bei den Sozial- oder Gesundheitsämtern der Länder ausfüllt«, sagt er. Belege müsse man nicht einreichen. »Das Geld wird erst einmal ungeprüft überwiesen.«
...
Offenbar gibt es noch einen zweiten Trick, mit dem Betreiber von Testzentren ihre Bilanzen aufbessern. Zusätzlich zur Aufwandsentschädigung von zwölf Euro können die Testzentren für den Einkauf von Schnelltests maximal sechs Euro an Materialkosten abrechnen. Doch inzwischen kosten die Tests im Einkauf teils nur noch 2,50 Euro.
...


Kuddel

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Re: Corona Freestyle
« Antwort #834 am: 11:08:55 Sa. 29.Mai 2021 »
Zitat
...Um dies einhalten zu können, müsse der Bund jedoch für ausreichend Impfstoffmengen sorgen, betonte die SPD-Politikerin. Dass dies bisher nicht geschehen sei, sei ärgerlich.
https://www.deutschlandfunk.de/corona-pandemie-niedersaechsische-gesundheitsministerin.2932.de.html?drn:news_id=1264109


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Re: Corona Freestyle
« Antwort #835 am: 17:15:26 So. 30.Mai 2021 »
In Stuttgart kam es zu Auseinandersetzungen zwischen feiernden Jugendlichen und der Polizei
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Re: Corona Freestyle
« Antwort #836 am: 12:24:14 Fr. 11.Juni 2021 »
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Nikita

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Re: Corona Freestyle
« Antwort #837 am: 22:16:12 Fr. 11.Juni 2021 »
Der Tabakindustrie ist nichts heilig.
Von Fefes Blog:

Zitat
Habt ihr das auch gehört? Rauchen könnte gut für weniger schlimme Covid-Verläufe sein?
Setzt euch mal stabil hin. Was jetzt kommt, könnte euch sonst schockieren.

Das Paper musste zurückgezogen werden. Erstens stimmt es nicht. Zweitens gab es Verbindungen zur Tabakindustrie. Drittens haben sie das nicht gesagt, dass es die Verbindungen gab.

Nur falls jemand dachte, die Tabak- oder Ölindustrie sind reformierbar.

https://www.faz.net/aktuell/wissen/nikotin-forschung-zu-corona-verbindung-zur-tabakindustrie-enthuellt-17378094.html

Zitat
DESINFORMATION ZUM RAUCHEN?:
Wie die Tabakbranche ins Corona-Fieber fiel

Raucher sind vor Covid-19 geschützt? Diese abwegige Idee wurde monatelang in der Corona-Forschung verbreitet. Inzwischen sind die Verbindungen zur Tabakindustrie enthüllt – und der Schaden ist da.

den perfidesten Mitteln betrieben. Auch aus den wissenschaftlichen Schützengräben heraus gibt es immer wieder Rückendeckung für die abstrusesten Thesen, wie sich nach einer Recherche des British Medical Journal (BMJ) zur „Nikotin-Hypothese“ einmal mehr zeigt.

Im April vor einem Jahr waren kurz hintereinander zwei viel beachtete Preprints – noch nicht begutachtete Vorveröffentlichungen – erschienen, die geeignet waren, jedem Zigarettenraucher die Freude am Rauchen wieder zu geben. Eine Medizinergruppe aus Paris zählte vor, dass lediglich fünf Prozent der Covid-19-Opfer der ersten Welle zu den Rauchern zählten. Alles halb so wild, so konnte das gedeutet werden, wer seine Lungen regelmäßig mit Tabakqualm schützt. Eine doppelte Verharmlosung quasi.
...


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Re: Corona Freestyle
« Antwort #838 am: 09:57:13 Sa. 12.Juni 2021 »
Au ja, womöglich als erstes verscheibungsfähiges "Medikament" gegen Covid zugelassen.
Politik ist der Spielraum, den die Wirtschaft ihr lässt.
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Re: Corona Freestyle
« Antwort #839 am: 12:04:30 Sa. 12.Juni 2021 »
Au ja, womöglich als erstes verscheibungsfähiges "Medikament" gegen Covid zugelassen.

Die Fluppen gibt es dann für 18 Euro pro Schachtel in Apotheken. Krankenkassen und Steuerzahler bezahlen es. Die Hausärzte kontrollieren durch Lunge abhören, ob auch wirklich geraucht wurde. Das geht nächsten Montag los. Durchführungsverordnungen kommen Mittwoch. Spahn geht in den Aufsichtsrat von Philip Morris. Zigaretten werden steuerbefreit.