Autor Thema: Zur Migrationsfrage  (Gelesen 697 mal)

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Zur Migrationsfrage
« am: 11:24:27 Mo. 25.Mai 2020 »
Natürlich schafft Migration Probleme. Diese haben ihre Grundlage in nationalen Eigenarten und kulturellen Gegensätzen wie Sprache, familiärer Strukturen und religiöser Gebräuche. Deutsche und ausländische Kollegen stehen auch in Konkurrenz um Arbeitsplätze und Wohnungen. Diese Probleme halte ich für grundsätzlich lösbar. Zum Beispiel durch sozialen Wohnungsbau und radikale Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich. Desweiteren sind die meisten Migranten Partner im Kampf um die Verbesserung der Arbeitsbedingungen in den Betrieben. Daher sehe ich nicht die genannten Probleme als das Wesentliche an der Migration, sondern die Assimilation, die Verschmelzung der Nationalitäten.

Wir müssen uns immer wieder vor Augen führen, dass es innerhalb der Migranten -wie auch bei den Deutschen- fortschrittliche und rückschrittliche Menschen gibt. Die rückschrittlichen Menschen müssen wir für fortschrittliche Ideen gewinnen.

Darüber hinaus dürfen wir nicht vergessen, dass die imperialistische Politik der EU, die aus Ausplünderung und Unterdrückung der Herkunftsländer der Migranten besteht, die Hauptursache für die Migration darstellt. Es ist halt auch die Politik der Bundesregierung, die die konkreten Ursachen der Flucht, wie wirtschaftliche Zerrüttung, Umweltzerstörung, politische Verfolgung und Kriegswirren schafft.

Wir sollten einerseits in den Herkunftsländern die Kämpfe für die Abschaffung des Elends und die nationale und soziale Befreiung unterstützen, andererseits bei uns die Annäherung der Arbeiter verschiedener nationaler Herkunft durch die Mitgliedschaft in gmeinsamen kulturellen, gewerkschaftlichen und sonstigen Vereinen fördern.
Alles ist in Bewegung. Nichts war schon immer da und nichts wird immer so bleiben!

Kuddel

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Re: Zur Migrationsfrage
« Antwort #1 am: 16:31:41 Mi. 08.Juli 2020 »
Ein superwichtiges Thema. Ich gehe davon aus, daß die kommenden Kämpfe aus der Migrantenszene zu erwarten sind. Die Kontakte zu Migranten und deren internen Strukturen sind bei deutschen Linken kaum vorhanden. Es ist auch ein schwieriges Feld.

Der FAU (von der man sonst wenig hört) ist es immerhin in zwei spektakulären Fällen gelungen, einen Schulterschluß und gemeinsame Kämpfe mit Arbeitsmigranten zu organisieren.

Beim "Mall of Shame" in Berlin, wird seit 2015 gemeinsam gekämpft:
https://de.labournet.tv/mall-shame-stand-der-dinge-2015
https://de.labournet.tv/video/6737/mall-shame-aufruf-zur-demo-am-6122014
https://de.labournet.tv/mall-shame

Und vor wenigen Wochen was es der Spargelhof in Bornheim bei Bonn.
https://www.radiobonn.de/artikel/wieder-streiks-auf-spargelhof-596281.html
https://jungle.world/artikel/2020/22/wild-streiken-statt-spargel-ernten



Ansonsten halte ich nicht viel von linken Vorstellungen von Rassismus und Antirassismus. Die sind verkopft und verkorkst. Linke Theorien sind so weit entfernt von der Realität von Rassismus und Antirassismus in der Gesellschaft und in den Unterschichten.

Ich war in den 80er Jahren oft im Wendland bei Widerstandsaktionen gegen die Atomindustrie. Man fand die Wendländler ja so toll in ihrer Widerständigkeit. Es waren die Wendländer nicht nur gespalten in ihrer Haltung zur Atomindustrie, viele waren auch ansonsten reaktionär. Es haben sich gegen Ende des Krieges Flüchtlinge aus Ostpreußen und Schlesien in den Dörfern niedergelassen und denen gab man auch noch in den 80ern zu verstehen, daß sie nicht dazugehörten zur Dorfgemeinschaft.

Letzt hab ich Interviews gehört mit Kriegsflüchtlingen, die damals aus Ostpreußen und Schlesien gekommen sind, heute aber keine syrischen Kriegsflüchtlinge akzeptieren wollen.

Ich diskutiere auch online mit deutschen LKW Fahrern, die ausgewandert sind und einen Job in den USA, Kanada oder Südostasien gefunden haben. Alle haben erzählt, wie knallhart es ist, die Einwanderunghörden zu nehmen. Und dann sagen sie, die Hürden können nicht hoch genug sein, man sollte nicht so viele Ausländer ins Land lassen.  :o Und gestern bin ich im Taxi vom Fahrer in gebrochenem Deutsch vollgelabert worden über kriminelle Ausländer, die sich nicht an deutsche Regeln halten könnten, "diese Arschlöcher!".

Natürlich sind Migranten nicht automatisch gut drauf oder unsere Freunde. Es gibt türkische Faschisten und wohl auch Faschisten aus jedem anderen Land der Welt. Zum Teil haben sie die Feindschaften aus den Bürgerkriegen ihrer Heimatländer mitgebracht, zum Teil die Vorurteile, die in der ländlichen Bevölkerung (überall auf der Welt) gepflegt werden. Aber das ist nicht das Ende der Welt und es muß nicht alles so bleiben. Menschen können sich ändern und wenn es erst mit ihren Kindern in der nächsten Generation passiert.

Menschen sind crazy, bekloppt, komisch, haben Bedürfnisse, Witz, sind manchmal berechenbar und manchmal undurchschaubar. Wenn man diese faschstoiden, rassistischen oder frauenverachtenden Alltäglichkeiten, Ideologien und Traditionen durchbrechen will, kann man nicht einfach "gegen Faschisten kämpfen", sondern man muß sich ins Getümmel schmeißen und sich mit den anderen Verrückten auseinandersetzen und auch ihren Alltag teilen. Die Leute sind nicht zu bekämpfen, sondern falsche und menschenverachtende Vorstellungen und Ideologien. Man muß sich da durchaus streiten. Man muß dazu aber ernstgenommen werden. Man sollte sich schon ein wenig kennen und es hilft, wenn man gemeinsam gefeiert oder sich irgendwo im Alltag gegenseitig geholfen hat. Aber niemand kann Klugscheißer ab.

Die linke Szene wird sol lange völlig wirkungslos bleiben, so lange sie eine "Szene" bleibt, die nur den Zusammenhalt mit ihresgleichen sucht und sich deshalb diverse subkulturelle Mode- und Sprachcodes zugelegt, um einander zu erkennen. So lange sie vor den schmuddeligen und politisch unkorrektem Proletariat (egal ob migrantisch oder deutsch) Schiß haben und nur unter Gleichgesinnten klarkommen, stellen sie keinerlei Gefahr für das System dar. Der Staat hat sich darauf eingerichtet, der linken Subkultur ein wenig Hauerei mit den Bullen am Wochenende zu bieten, wodurch sich die Szene wichtig und voll ausgelastet fühlt.

Warum sollten sich Migranten einer solchen Szene anschließen wollen? Es sind die Parties und Konzerte der Linksradikalen denkbar unattraktiv für Migranten. Diese Szene ist verkrampft, unerotisch und hat nen Stock im Arsch. Man quatscht von Antirassismus, ist aber nicht in der Lage antirassistisch zu leben. Man labert und labert, ein besonders bescheuertes aktuelles Steckenpferd linker Laberrunden ist "Critical Whiteness", worauf ich nicht näher eingehen möchte.

Anfang der 70er entstanden in UK die Skinheads als Gegenbewegung von Kids der Arbeiterklasse gegen die Hippies, deren endloses Gelaber und die ebenso endlosen Getarrensoli ihrer Musik einfach nur als totlangweilig empfunden wurden. Sie schnitten sich die Haare radikal kurz und hatten Spaß daran, gemeinsam mit den afrokaribischen Einwandererkids gegen Bullen zu kämpfen und zu Skamusik zu tanzen. Leider gelang es den Rechten, diese vielversprechende proletatrische Jugendbewegung für sich zu kapern. Die Linken konnten das Phänomen nicht verstehen und überließen den Faschos das Feld.

Im Ernst: Ich halte die migrantischen Szenen für entscheident für die Kämpfe der näheren Zukunft.
Ob Linke darin eine Rolle spielen, hat damit zu tun, ob sie von den Migranten ernstgenommen werden, ob sie als Freunde und Mitstreiter erlebt wurden. Ich denke schon, daß wir uns überlegen müssen, wie wir gemeinsam feiern und gemeinsam kämpfen können.

Ich war auf einer Geflüchtetenveranstaltung, auf der sich einige Migranten massiv über die herablassende Haltung von "Helfern" beschwert haben, von kopftätschelnden Muttis bis hin zu Leuten, die ihre Altkleider abgeladen haben und Dankbarkeit dafür erwarteten. Sie erwarten, daß man ihnen zuhört und erst einmal fragt, was die Bedürfnisse und Probleme sind.

Wir haben da wohl noch einen weiten Weg vor uns.

Kuddel

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Re: Zur Migrationsfrage
« Antwort #2 am: 12:30:14 Sa. 11.Juli 2020 »
Nachtrag. Für viele Probleme im Zusammenhang mit Rassismus gibt es keine Patentrezepte und Antifaparolen greifen nicht.

Von den vielen Menschen, die faschistoiden Müll und rassistische Scheiße labern, sind nur die wenigsten überzeute Faschisten. Man plappert diesen Mist nur nach, weil er eine Möglichkeit bietet, seinen Frust abzureagieren und anderen die Schuld zu geben. Ich habe schon viele erlebt, die das über die Jahre wieder abgelegt haben.

Diejenigen, die nach dem Einzug der "Gastarbeiter" aus der Türkei, Italien oder Spanien sich rassistisch gegeben haben, haben es allmählich aufgegeben, als sie mit ihnen in den gleichen Betrieben arbeiteten, in den gleichen Wohnblocks lebten und irgendwann Kleingartenparzellen nebeneinder hatten und zusammen grillten.

Ich kenne auch Leute, die durch rassistische Sprüche glänzten, das aber abgelegt haben, als ihre Kinder sich auf Weltreisen verliebt und dann in Australien, Neuseeland, Asien oder sonstwo eingeheiratet haben. Manchmal liefert das wirkliche Leben die überzeugendsten Argumente.

Kuddel

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Re: Zur Migrationsfrage
« Antwort #3 am: 16:16:47 Fr. 24.September 2021 »
Man sollte wohl nicht unterscheiden, ob Leute wg. der Hoffnung auf eine bessere Arbeit nach Deutschland gekommen oder vor Diktatur und Krieg geflüchtet sind.

Es sind Menschen, die jetzt hier sind mit Hoffnungen und Sehnsüchten. Sie wollen nicht wie Dreck behandelt werden. Es sind nicht Migranten, die man bemitleiden sollte, es sind Menschen, die selbst für ihre Rechte kämpfen können. Diese Kämpfe sollte man unterstützen.

Zitat
Asylbewerber in Schneeberg protestieren gegen Erstaufnahmeeinrichtung

In Schneeberg haben am Sonntag die Bewohner der Erstaufnahmeeinrichtung für bessere Lebensbedingungen demonstriert. Sie forderten unter anderem das Recht auf Bildung, Arbeit, Internet und bessere Krankenversorgung. Außerdem forderten sie, dass speziell diese Erstaufnahmeeinrichtung geschlossen wird.


https://www.mdr.de/nachrichten/sachsen/chemnitz/annaberg-aue-schwarzenberg/proteste-erstaufnahmeeinrichtung-asylbewerber-schneeberg-100.html

Kuddel

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Re: Zur Migrationsfrage
« Antwort #4 am: 21:35:40 Fr. 29.Oktober 2021 »
Frankreich:

Zitat
Streik der Arbeiter ohne Papiere: "Sie sind mit organisierter Ultra-Präkarisierung konfrontiert




Mehrere hundert Arbeitnehmer ohne Papiere haben am Montag in der Ile-de-France einen Streik in den Bereichen Reinigung, Catering und Zustellung begonnen. Die CGT prangert die extrem prekären Arbeitsbedingungen an.


https://www.nouvelobs.com/social/20211025.OBS50271/travailleurs-sans-papiers-en-greve-ils-font-face-a-une-ultraprecarite-organisee.html

Kuddel

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Re: Zur Migrationsfrage
« Antwort #5 am: 09:43:33 So. 31.Oktober 2021 »
Eine Studie der Wirtschaftsuniversität (WU) Wien hat die Arbeitsbedingungen migrantischer und geflüchteter Zusteller beim US-Onlinekonzern Amazon hierzulande untersucht:

https://wien.orf.at/stories/3127807/

Kuddel

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Re: Zur Migrationsfrage
« Antwort #6 am: 12:58:17 Mo. 01.November 2021 »
Zitat


Ausbeutungs-Wildwest in Kiel-Gaarden

Der „Stammtisch der Ausgebeuteten“ vom chefduzen-Forum unterwegs im Sumpf von Tagelöhnerei, Slum Landlords und rassistischen Behörden.


Kiel-Gaarden ist ein Stadtteil mit langer rebellischer Tradition. Als 1918 die Lebensmittel rationiert wurden, plünderten Jugendliche und Hausfrauen ein Gaardener Lebensmittellager. Am folgenden Tag beschlossen die Arbeiter der Germania Werft die Arbeit niederzulegen. Das gehörte zu den Unruhen im Vorfeld der Revolution.

Die Werft war Zentrum vieler Kämpfe. Erwähnenswert ist der 114 Tage dauernde Streik im Winter 1956/57, nicht nur auf der Werft, sondern in Metallbetrieben in ganz Schleswig-Holstein. 34.000 Arbeiter setzten damit die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall durch. Mit den 60er Jahren wuchs der Hunger der Wirtschaft nach Arbeitskräften und man holte „Gastarbeiter“. Sie wurden oft ghettoisiert in Baracken untergebracht. Da die Werftarbeiter sich für Kieler Verhältnisse ungewöhnlich hohe Löhne erkämpft hatten, verließen viele den Stadtteil, um sich wohnlich zu verbessern. In den 70ern prägten die (meist türkischen) Migranten mehr und mehr das Stadtbild von Gaarden. Sie wurden auch eine treibende Kraft in den Arbeitskämpfen.

Mit dem Verschwinden der Arbeiter der Stammbelegschaften der Werft und ihrer Zulieferer aus dem Stadtteil, wuchs der Anteil der alten, migrantischen und armen Menschen.

Die Situation der Osteuropäischen Migranten heute, erinnert an die der Gastarbeiter in den 60ern. Sie werden von Ausbeutern als billige Arbeitskräfte betrachtet. Sie werden in unwürdigen heruntergekommenen Wohnungen oftmals überteuert untergebracht. An verschiedenen Ecken Gaardens gibt es einen „Arbeiterstrich“, Orte an denen sich morgens Arbeitswillige sammeln, in der Hoffnung von einem Kleintransporter eingesammelt zu werden zu einer Arbeit auf einer Baustelle, in einer Reinigungskolonne oder zur Landarbeit. Es wird ausgenutzt, dass sie kaum Deutsch können und ihre Rechte nicht kennen.



Wenn man sich mit der sozialen Situation in Gaarden auseinandersetzen will, kommt man an diesen Formen extremer Ausbeutung nicht vorbei. Wir begaben uns mit mehrsprachigen Flyern und einer Kontaktmailadresse auf den Vinetaplatz und hatten auch zwei Transparente dabei. Auf einem wird auf rumänisch gefordert: „Gleiche Rechte und gleicher Lohn für alle!“. Das andere Transparent wurde als Reaktion auf sich häufende polizeilich Maßnahmen gegen Migranten gefertigt. In den Medien klingt es positiv, wenn von Razzien gegen Ausbeutung berichtet wird. Wenn es dort heißt, Zoll und Polizei seien gegen skrupellose Vermieter und abgebrühten Ausbeuter vorgegangen, stellt sich oft heraus, dass die Ausbeuteten von diesen Maßnahmen betroffen sind. Es werden ihre Sozialleistungen gestrichen, Verfahren wegen Schwarzarbeit oder angeblicher Untervermietung eingeleitet, sie werden wegen fehlender Aufenthaltspapiere angezeigt, oft werden sie abgeschoben.

Wir hatten ein Transparent mit folgender Aufschrift: „Razzien gegen Ausbeutung? Hört auf Arbeitsmigranten zu kriminalisieren und zu deportieren, geht gegen Ausbeuter vor!“ in bulgarischer Übersetzung.



In den Gesprächen beim Verteilen wurden auch die Spaltungen unter den Ausgebeuteten spürbar, Vorurteile gegen verschiedene Nationalitäten. Auf Englisch konnten wir uns mit einer Gruppe bulgarischer Arbeiter verständigen. Sie sind wegen der Sprachbarriere auf sich gestellt. Auch das erinnert an die Zeit der Gastarbeiter.

https://linx01.sozialismus-jetzt.de/linx-november-2021.html

ManOfConstantSorrow

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Re: Zur Migrationsfrage
« Antwort #7 am: 17:08:08 Sa. 20.November 2021 »
Migration ist eines der bedeutendsten Themen der heutigen Zeit.
Noch nie waren so viele Menschen unterwegs. Sie wollen nicht alle nach Deutschland oder in die USA. Es gibt eine riesige Inlandsmigration. In Deutschland sind 4 Millionen Menschen vom Osten in den Westen gezogen. In China sind es rund 270 Millionen Menschen, die vom Land in die Städte ziehen (und zum Neujahrsfest zurück aufs Dorf reisen), die größte Inlandsmigration weltweit.

Es gibt Migration in Nachbarländer, in Afrika genauso wie im asiatischen Raum. Die Menschen in palästinensichen "Flüchtlingslagern" sind seit Generationen dort, bzw. wurden dort geboren.

Hier eine weitere Migrationsgeschichte:
Zitat
Afghanische Flüchtlinge im Iran
Zwischen Ausbeutung und Abschiebung

Täglich kommen im Iran Tausende Menschen an, die aus dem Nachbarland Afghanistan geflohen sind. Dann stehen sie buchstäblich auf der Straße. Selbst wer Arbeit findet, lebt in Angst - denn der Iran ist selbst am Limit.
https://www.tagesschau.de/ausland/asien/iran-flucht-afghanistan-101.html

Deshalb kriege ich so nen Hals, wenn Rassisten wie Seehofer sagen, man werde Menschen in "ihre Heimat" abschieben. Sie haben keine "Heimat", bzw. sie liegt dort, wo sie leben wollen.
Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!

Kuddel

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Re: Zur Migrationsfrage
« Antwort #8 am: 20:04:15 Di. 22.März 2022 »
Zitat
Die Ausbeutung von Wanderarbeitern in Deutschland

Armut hat viele Gesichter. Ausbeutung auch. Und es gibt sie auch in einem reichen Land wie Deutschland. Betroffene schildern, wie ihnen grundlegende Rechte vorenthalten werden. Und wie im Ernstfall keiner etwas davon wissen will.


Die Datenlage ist schwierig. Wie viele Millionen Menschen in Europa ihr Land verlassen, um in einem anderen Land zu arbeiten, ist schwer zu erfassen. In der Pandemie kehrten zudem viele Wanderarbeitende gezwungenermaßen zurück in ihre Heimatländer. Eines aber lässt sich sagen: Die Lebens- und Arbeitsbedingungen sind oft schlecht. (...)

Aber, nichts ist in Ordnung in Frankfurt am Main für Constatin. Er sagt: Er hätte nie geglaubt, dass auf einer deutschen Baustelle Menschen körperlich verschlissen werden um einen Kran, der eigentlich nötig wäre, einzusparen: „Um diesen Mangel auszugleichen, muss er richtig anpacken. Genau mit seinen Worten: Wieso noch einen Kran mieten, weil sie haben diese dummen Rumänen, die ihren Rücken krummmachen.“ (...)

Rund 50.000 rumänische Bauarbeiter, so schätzt Alexandru Firus, arbeiten zurzeit auf deutschen Baustellen – häufig ohne den Schutz von Tarifverträgen. Firus beobachtet, dass die nicht selten von Serben kontrollierten Firmen den rumänischen Arbeitern etwa Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, sowie Urlaubs- oder Kindergeld verweigern. (...)

Die Haupt-Leidtragenden dieser Kriminalität sind die Wanderarbeitenden. Denen werde bisweilen auch körperliche Gewalt angedroht, wenn sie mit dem Zoll zusammenarbeiten, schildert Alexandru Firus vom PECO-Institut. Er übersetzt das, was ein rumänischer Bauarbeiter schildert, der unerkannt bleiben möchte: „Ein Serbisch-Stämmiger habe ihm gesagt: Hey, wir sind seit 20 Jahren hier, ihr seid Neuankömmlinge, mit dem Zweck, ihm deutlich werden zu lassen, wer hier herrscht. Auf dieser Baustelle.“ (...)

Gerade die EU-Länder profitieren stark von den Wanderarbeitenden auf dem Kontinent, so Löbel: „24 Prozent der Arbeitsmigrantinnen und Migranten sind in Nord-, West- und Südeuropa angesiedelt. Sie machen dort 18,4 Prozent der Erwerbsbevölkerung aus. Und sie haben auch eine viel höhere Arbeitskraft-Beteiligung als die erwerbsfähige Bevölkerung hier.  (...)

Ein Bauarbeiter, der seinen Namen nicht nennen will: „Er meint, wir Rumänen sind hier in Deutschland, um Geld an die Familien zu überweisen. Und deswegen nehmen wir auch, was uns schwarz angeboten wird. Wir brauchen das Geld, deswegen sind wir hier. Das ist auch ein Grund, warum sie sich nicht dagegen wehren.“
Gegen die Arbeitgeber, die ihnen etwa eine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall verweigern oder ausreichende Arbeitssicherheit auf der Baustelle. „Er meint: Wir bauen Deutschland auf, aber was haben wir davon? Er fühlt sich wie im Krieg, weg von der Familie, nur unter Männern, weit weg, in sehr prekären Umständen.“ (...)

Die Bauarbeiter waren zuerst in einer leeren Fabrikhalle untergebracht, in der sich 50 Arbeiter eine Toilette teilten, anschließend übernachteten die 13 in einer einzigen Dreizimmerwohnung.“
Dann legten sie die Arbeit nieder. Heute wird Wanderarbeitenden in Frankfurt am Main in kargen Wohnheimen ein Schlafplatz für 300 Euro vermietet – im Mehrbettzimmer. Bad und Toilette auf dem Gang müssen sich die Arbeiter elf Monate mit acht anderen Männern teilen. Bevor sie dann einmal im Jahr für ein paar Wochen nach Hause fahren – ohne Urlaubsgeld. Dennoch sind die vielleicht 1.000 bis 1.500 Euro, die monatlich an die Familien in Rumänien überwiesen werden können, so wichtig, dass die Arbeiter die meist lange Abwesenheit von zuhause ertragen – oft aber nur mit viel Alkohol. Alexandru Firus führt mich in ein Zimmer mit zwei Betten, in dem ein angetrunkener Bauarbeiter auf die Frage antwortet, wie sein Leben hier ist: „Traurig und bitter.“ – „Warum?“ Der Bauarbeiter antwortet auf Deutsch: „Keine Familie hier, keine Kinder. Und die Chefs vom Rohbau – alles Arschlöscher, ja! Für mich ist Deutschland nicht mein Haus.“ (...)
https://www.deutschlandfunk.de/ausbeutung-wanderarbeiter-100.html

Kuddel

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Re: Zur Migrationsfrage
« Antwort #9 am: 09:18:45 Sa. 21.Mai 2022 »
Gegen Zwangsarbeit und miese Löhne: Protest von Wander-Fischer:innen vor dem irischen Parlament für Überprüfung von Arbeitsrichtlinien für atypische Beschäftigung



https://www.labournet.de/?p=200945

ManOfConstantSorrow

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Re: Zur Migrationsfrage
« Antwort #10 am: 16:49:32 Sa. 21.Mai 2022 »
Migranten sind oft die treibende Kraft bei Arbeitskämpfen jenseits der ritualisierten Tarifauseinandersetzungen.
Rassismus ist ein Mittel, die Migranten unter zusätzlichen Druck zu setzen. Den wild streikenden Essenskuriere in den vereinigten Emiraten wurde damit gedroht, sie abzuschieben.

In London ging es vor einigen Tagen auch zur Sache:



Zitat
Am vergangenen Samstag führte die Londoner Metropolitan Police eine brutale Razzia gegen Lieferfahrer in Dalston, Hackney, durch. Daraufhin haben sich Hunderte von Mitgliedern der örtlichen Community für die Sache der Fahrer eingesetzt und die Versuche der Polizei, diese Arbeiter einzuschüchtern und abzuschieben, vereitelt.
https://www.socialist.net/dalston-raid-class-solidarity-hinders-racist-deportation-attempt.htm

https://twitter.com/charmiddle/status/1525567020577742849

https://twitter.com/MyUsernameRocks/status/1525556706297663488

https://twitter.com/missdemenor/status/1525594848732098562



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ManOfConstantSorrow

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Re: Zur Migrationsfrage
« Antwort #11 am: 19:51:57 Mo. 23.Mai 2022 »
Aufruf zum Protest gegen die rassistischen Polizeiaktionen gegen Riders in London:

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Kuddel

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Re: Zur Migrationsfrage
« Antwort #12 am: Gestern um 21:35:59 »
Zitat
Forderung nach gleichen Wettbewerbsbedingungen:
Großer Streik auf Dänemarks größter Baustelle

300 polnische Bauarbeiter an der Fehmarnbelt-Querung fordern den gleichen Lohn wie ihre dänischen Kollegen. Streik überrascht Generalunternehmer: "Wir haben gerade neue Tarifverträge ausgehandelt.




Rund 300 Bauarbeiter haben ein Machtwort gesprochen und wollen erst dann wieder zur Arbeit gehen, wenn sie den gleichen Lohn wie ihre dänischen Kollegen erhalten.

Das ist die Botschaft der polnischen Arbeiter des Konsortiums Femern Link Contractors (FLC), das die neue Fehmarnbelt-Querung zwischen Dänemark und Deutschland baut.

Die Baustelle in Rødby auf Lolland ist das größte Bauprojekt in der dänischen Geschichte.

- Sie wollen den gleichen Lohn wie ihre dänischen Kollegen bei FLC und sind unzufrieden, dass sie in den letzten zwei Monaten keine Prämie erhalten haben, wie sie ausgehandelt und vom Unternehmen versprochen worden war, sagt Rasmus Pedersen, Teamleiter bei der Femern-Aktion für 3F Lolland.

Zu FLC gehören u. a. die französische Vinci Construction und die dänische Per Aarsleff. Das Konsortium wird den 18 Kilometer langen Femern-Tunnel und die Fabrik zum Gießen der gigantischen Tunnelelemente bauen.

Derzeit arbeiten 700-800 Personen an dem Projekt für FLC.

Dänische Arbeiter unterstützen Forderung nach gleichem Lohn


Laut Rasmus Pedersen von 3F Lolland ist es den polnischen Arbeitern gelungen, einige ihrer dänischen Kollegen dazu zu bringen, ihren Protest gegen die ungleiche Bezahlung bei dem Projekt zu unterstützen.

- Sie ist ziemlich historisch. Wir haben sie gedrängt, die Arbeit wieder aufzunehmen, aber sie scheinen sehr stur zu sein, und es ist schwer vorstellbar, dass sie die Arbeit wieder aufnehmen, wenn es keinen Durchbruch in den Verhandlungen zwischen den polnischen Arbeitnehmern und FLC gibt, sagt Rasmus Pedersen.

Unter anderem verhandeln zwei polnische Gewerkschaftsvertreter im Namen der polnischen Bauarbeiter bei FLC.

Bei dem Streit geht es angeblich darum, dass die dänischen FLC-Beschäftigten rund 185 Kronen pro Stunde erhalten, während ihre polnischen Kollegen rund 140 Kronen verdienen.

FLC verteidigt die ungleiche Entlohnung damit, dass die Polen im so genannten "Village" leben, einem Arbeitsquartier in der Nähe der Baustelle, das speziell für die von weit her kommenden Projektarbeiter eingerichtet wurde.

Allerdings hat der Projekteigentümer, Femern A/S, die Kosten für den Bau der Werkswohnungen übernommen, und die polnischen Bauarbeiter sind bereit, diese selbst zu bezahlen, wenn sie den gleichen Lohn wie die dänischen Arbeiter erhalten können.

Bauunternehmer vom Streik überrascht

Beim Generalunternehmer FLC hat man wenig Verständnis dafür, dass sich die Beschäftigten des Unternehmens zu diesem Zeitpunkt für einen Streik entscheiden.

In den letzten Monaten hat FLC zwei neue lokale Tarifverträge mit den Gewerkschaftsvertretern der polnischen Arbeitnehmer abgeschlossen, sagt Jess Hansen, Industrial Relations Manager bei FLC.

- Wir haben im Mai und rückwirkend verhandelt, so dass die Lohnerhöhung in Kürze ausgezahlt wird. Daher ist es für uns eine große Überraschung, dass die Arbeiter streiken", sagt er.

Nach Angaben von Jess Hansen haben die polnischen Arbeiter ihre Forderungen nach einer Lohnerhöhung auf rund 25 Kronen pro Stunde angehoben, statt der ausgehandelten Lohnerhöhung, die geringer ausfiel.

Er selbst hat bereits mehrere Treffen mit Gewerkschaftsfunktionären, der Gewerkschaft und seiner eigenen Geschäftsleitung gehabt.

- Aber im Moment sind wir von Arbeitsniederlegungen und Blockaden betroffen. Und es ist schwer zu kontrollieren, was vor sich geht, wenn 300 Leute schreien, dass sie die Ergebnisse ihrer eigenen Gewerkschaft nicht akzeptieren", sagt er.

Nach Angaben von Jess Hansen sind weitere Treffen zwischen den Parteien geplant.

Die FLC hat eine klare Forderung nach allen Treffen, bevor sie wieder einen Dialog zur Änderung der Bedingungen für die Beschäftigten führen wird.

- Es ist eine Bedingung von unserer Seite, dass die Arbeitsniederlegung aufhören muss", sagt Jess Hansen.
https://fagbladet3f.dk/artikel/kaempe-strejke-paa-danmarks-stoerste-byggeplads?utm_campaign=28062022&utm_medium=email&utm_source=Newsletter

Kuddel

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Re: Zur Migrationsfrage
« Antwort #13 am: Heute um 12:01:36 »
Zitat
Heftiger Konflikt: 500 Streikende auf der Fehmarnbeltquerung sollen zurück an die Arbeit

Der Streit um die Löhne der polnischen Arbeiter beim Fehmarnbelt-Projekt könnte bereits am Donnerstag vor dem Arbeitsgericht landen, wenn die 500 Streikenden nicht am Mittwochnachmittag zur Arbeit zurückkehren.


Der Streit um die Löhne der polnischen Arbeiter beim Fehmarnbelt-Projekt könnte bereits am Donnerstag vor dem Arbeitsgericht landen, wenn die 500 Streikenden nicht am Mittwochnachmittag zur Arbeit zurückkehren.
Die polnischen Arbeitnehmer des Fehmarnbelt-Auftragnehmers FLC wollen dänische Löhne für ihre Arbeit in Dänemark. Deshalb streiken sie nun schon den zweiten Tag und haben den Eingang zur Baustelle blockiert.

Der Konflikt zwischen Bauarbeitern und dem Generalunternehmer des Fehmarnbelt-Baus spitzt sich immer mehr zu.

Am gestrigen Dienstag streikten die Beschäftigten von Femern Link Contractors (FLC), weil die polnischen Mitarbeiter des Unternehmens deutlich schlechter bezahlt werden als die dänischen.

Am Mittwoch wurde der Streik fortgesetzt. Fast 500 FLC-Beschäftigte blockierten die Zufahrt zu einer der Baustellen der Fehmarnbelt-Querung und verhinderten die Anlieferung und den Zugang für andere Arbeiter auf der Baustelle.

Am Mittwochmorgen wurden die Parteien zu einer gemeinsamen Sitzung beim Dänischen Arbeitgeberverband (DA) in Kopenhagen einberufen.

Die Arbeitgeber wurden durch FLC und DA vertreten, während die Arbeiter durch 3F und ihre Gewerkschaftsvertreter vertreten wurden.

Zurück zur Arbeit

Die Botschaft der Arbeitgeber lautete, dass die Beschäftigten ihren Streik beenden und am Mittwochnachmittag wieder an die Arbeit gehen sollten.

- Man hat uns Papiere ausgehändigt, auf denen steht, dass die Beschäftigten um 17.30 Uhr, wenn die nächste Schicht kommt, wieder anfangen müssen", erklärt Rasmus Pedersen, Gewerkschaftssekretär bei 3F Lolland.

- Wir sind also auf dem Weg zurück nach Lolland, um den Mitarbeitern mitzuteilen, dass sie zur Arbeit gehen müssen (...).

Rasmus Pedersen betont, dass 3F die Mitarbeiter ermutigt, der Empfehlung zu folgen.

- Aber ich muss ehrlich sein und sagen, dass ich nicht sicher bin, dass es so enden wird, sagt er.

3F wird erneut versuchen, zu verhandeln

Die Fehmarnbelt-Querung zwischen Dänemark und Deutschland ist das größte Bauprojekt in der dänischen Geschichte, und im Streit zwischen den FLC-Beschäftigten und ihrem Arbeitgeber geht es um mehrere Dinge.

Während die dänischen Beschäftigten bei FLC angeblich einen Stundenlohn von 185-190 Kronen erhalten, bekommen ihre polnischen Kollegen rund 140 Kronen. Gleichzeitig erhalten die dänischen Arbeitnehmer angeblich einige Zulagen, die den polnischen nicht zustehen.

FLC verteidigt die ungleiche Entlohnung damit, dass die Polen im so genannten "Village" wohnen - einem Arbeitsquartier in der Nähe der Baustelle, das speziell für die von weit her kommenden Projektarbeiter eingerichtet wurde - und dass der Lohnunterschied auf die Kosten für Unterkunft, Verpflegung und Reinigung zurückzuführen ist.

Die polnischen Bauarbeiter sind jedoch mit dem Standard und dem Preis der Wohnungen unzufrieden und sind bereit, selbst für andere Wohnungen zu zahlen, wenn sie den gleichen Lohn wie ihre dänischen Kollegen erhalten können.

Der Arbeitgeber FLC war nicht bereit, darauf einzugehen, und so bleibt der Streit vorerst ungelöst.

Heute hatten einige der Streikenden Campingstühle mitgebracht und ihr Lager am Eingang der Fabrik aufgeschlagen, in der die riesigen Tunnelelemente gegossen werden - der größte Auftrag beim Bau des Fehmarnbelts.

Rasmus Pedersen von 3F Lolland sagt, dass FLC nicht verhandeln wird, solange gestreikt wird.

Wenn die streikenden Arbeiter nicht bis heute Nachmittag um 17.30 Uhr wieder an die Arbeit gehen, wird der Fall an das Arbeitsgericht weitergeleitet.

Arbeitgeber ist positiv

Der FLC hofft, dass sich die Arbeiter für eine Rückkehr zur Arbeit entscheiden werden.

- Sie haben zugegeben, dass der Streik gegen den Tarifvertrag verstößt, und deshalb muss die Arbeit so schnell wie möglich wieder aufgenommen werden - und das ist heute Nachmittag, wenn die nächste Schicht eintrifft, sagt Jess Hansen, Industrial Relations Manager bei FLC.

Er sagt, dass FLC in direktem Kontakt mit 3F steht und dass sich die Parteien am späteren Mittwoch und am Donnerstagmorgen erneut treffen werden.

Jess Hansen betont, dass die Verhandlungen fortgesetzt werden können, sobald die Beschäftigten wieder zur Arbeit gehen.

- Wir hoffen, dass wir gemeinsam diese Arbeitsniederlegung beenden und mit den konkreten Verhandlungen weitermachen können", sagt Jess Hansen.
https://fagbladet3f.dk/artikel/500-strejkende-paa-femern-byggeri-beordres-tilbage-paa-arbejde?utm_campaign=29062022&utm_medium=email&utm_source=Newsletter

Mich erreichte auch folgender Aufruf eines dänischen Gewerkschafters:

Zitat
KOMMT UND UNTERSTÜTZT DIE STREIKENDEN IN RØDBY

Færgevej 40, 4970 Rødby

Dänische und polnische Arbeiter streiken, damit die Polen den gleichen Lohn wie ihre dänischen Kollegen erhalten.


Dänische und polnische Gewerkschaftsaktivisten unterstützten die streikenden Polen und Dänen von FLC im Rahmen des Fehmarnbelt-Projekts, als heute eine Schlichtungssitzung beim Arbeitgeberverband DA stattfand.

Während der heutigen Schlichtungssitzung forderte der Arbeitgeber die polnischen und dänischen Streikenden auf, bis 17.30 Uhr an ihren Arbeitsplatz zurückzukehren.  Tun sie dies nicht, müssen sie wahrscheinlich mit einer Geldstrafe von 50 DKK pro Stunde Streik rechnen.

3F ist verpflichtet, die Streikenden zur Rückkehr an ihren Arbeitsplatz aufzufordern, denn nach dem Hauptvertrag kann man nicht für höhere Löhne streiken, wenn man einen Tarifvertrag abgeschlossen hat.


Ich verstehe die Situation so: Es handelt sich um einen Wilden Streik der polnischen Arbeiter auf der dänischen Großbaustelle. Dänische Arbeiter haben sich diesem Streik soldiarisch angeschlossen. Die dänische Streikgesetzgebung ist arbeiterfeindlich und ermöglicht Repression gegen wild Streikende, in diesem Fall mit einer Geldstrafe von 50 DKK (ca. 6,70€) pro gestreikter Stunde. Die dänische 3F Gewerkschaft ist zwar engagierter und kämpferischer, als wir es von deutschen Gewerkschaften gewohnt sind, doch sie ist auch in das dänische Rechtssystem eingebunden. Sie rufen deshalb zur Rückkehr zur Arbeit auf, was sehr unangenehm ist.

Es ist ein Arbeitskampf von ernormer Bedeutung. Es handelt sich um die größte dänische Baustelle jemals. Auch hier sind Arbeitsmigranten Motor des Klassenkampfs. Die Solidarität der dänischen Kollegen ist vorbildlich. Wir sollten diese Auseinandersetzung weiter beobachten und wenn möglich, unterstützen.