Autor Thema: Call-Center-Betreiber will Betriebsrat in Hamm entlassen  (Gelesen 267 mal)

Kuddel

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Call-Center-Betreiber will Betriebsrat in Hamm entlassen
« am: 12:01:39 Mo. 22.Juni 2020 »
Zitat
Streit um Sonntagsarbeit
Zu unbequem geworden? Call-Center-Betreiber will Betriebsrat in Hamm entlassen

„Die Welt ein klein wenig besser machen“ – mit „seiner Lebens-Vision“ wirbt Burkhard Rieck als Geschäftsführer der Unternehmensgruppe Invitel für seine Idee einer Führungskultur. Auch in Hamm ist Invitel tätig und unterhält das Callcenter „Simon & Focken“. Die Unternehmenskultur scheint vor Ort allerdings vergiftet zu sein: Alle fünf Betriebsratsmitglieder sollen entlassen werden.


Hamm - Geschäftsführer Rieck spricht von einem „Verstoß gegen die vertrauensvolle Zusammenarbeit und firmenschädigen Verhalten“, die Gewerkschaft Verdi von einem schweren Fall von Behinderung der Betriebsratsarbeit. Die Fronten sind verhärtet. Konkret geht es um Feiertagsarbeit, Entlastungstage und finanziellen Ausgleich.

Im Südringcenter betreibt „Simon & Focken“ ein Callcenter. Auf 1000 Quadratmetern Fläche sind rund 75 Mitarbeiter beschäftigt, sie betreuen ausschließlich Projekte im Bereich der Wasser- und Energieversorgung. Auftraggeber sind beispielsweise Stadtwerke (nicht die Stadtwerke Hamm), die ihren Kundenservice nach Hamm leiten. In Hamm werden dann Adress- und Kontoänderungen oder Beratungen zu Tarifen vorgenommen.

Feiertagsarbeit der Streitpunkt

Nun sind gerade Feiertage beliebte Anrufertage mit einem erhöhten Anrufaufkommen. Folglich möchte die Invitel-Geschäftsführung, dass an diesen Tagen auch gearbeitet wird. Wer dann arbeitet, bekommt als Ausgleich einen freien Tag. Meistens ist das bei Invitel der Samstag – wobei die Mitarbeiter eine Sechs-Tage-Woche von Montag bis Samstag haben.

Dem von der Unternehmensführung vorgelegten Schichtplan für die Fronleichnamswoche stimmte der Betriebsrat nicht zu. Er hatte zur Bedingung gemacht, dass der freie Tag für die Feiertagsarbeit innerhalb von acht Wochen zwischen Montag und Freitag genommen werden soll. Zusätzlich sollte es erstmals einen finanziellen Ausgleich geben.

Auseinandersetzung vor dem Arbeitsgericht

„Simon & Focken“ sah dafür keine Notwendigkeit. Die gesetzlichen Vorgaben zur Gewährung von Ersatzruhetagen würden vom Arbeitgeber stets eingehalten, schrieb Geschäftsführer Rieck auf Nachfrage unserer Zeitung. Auf alle anderen zusätzlichen Leistungen bestehe kein Rechtsanspruch. Zudem seien alle Mitarbeiter individualvertraglich verpflichtet, Sonn- und Feiertagsarbeit zu leisten.

Das Unternehmen wollte den Schichtplan auch ohne Zustimmung des Betriebsrates durchsetzen. Der Betriebsrat zog vor das Arbeitsgericht. Innerhalb von zwei Tagen wurde eine einstweilige Anordnung erwirkt, die die Feiertagsarbeit untersagte.

Verhandeln wollte der Arbeitgeber nun nicht mehr, stattdessen flatterte jedem Betriebsratsmitglied die Anhörung zur außerordentlichen Kündigung ins Haus.

Arbeitgeber fährt schwere Geschütze auf

„Der Arbeitgeber fühlte sich erpresst, weil der Betriebsrat von seinem Mitbestimmungsrecht Gebrauch machte und etwas für die Kollegen, die an diesem Tag arbeiten sollten, aushandeln wollte“, heißt es von der Gewerkschaft Verdi.

Nach Gewerkschafts-Angaben hatte die Geschäftsleitung während der Betriebsratssitzung und vor Gericht schwere Geschütze aufgefahren: Der Betriebsrat müsse für den wirtschaftlichen Schaden haften, wenn er dem Schichtplan nicht zustimmen würde.

Geschäftsführer fürchtet um Aufträge


Geschäftsführer Rieck sieht die vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Arbeitgeber und Betriebsrat zerstört. In seiner Stellungnahme an den WA heißt es: „Die Betriebsräte haben bewusst in Kauf genommen, dass dem Unternehmen durch die Schließung am 11. Juni ein erheblicher Schaden bis hin zu einer möglichen Kündigung von Aufträgen durch die betroffenen Auftraggeber droht“. Aus seiner Sicht habe der Betriebsrat die Drucksituation des Arbeitgebers ausgenutzt.

Weil Betriebsratsmitglieder einem besonderen Kündigungsschutz unterliegen, muss der Betriebsrat dieser zustimmen. Das hat der Betriebsrat nicht getan und sie zurückgewiesen. Weitere Schritte ist „Simon & Focken“ noch nicht gegangen. Die Kündigung schwebt inzwischen wie ein Damoklesschwert über den Köpfen der fünf betroffenen Betriebsratsmitglieder.

Kein Anspruch auf Sonntagszuschlag


Die wenigsten Arbeitnehmer arbeiten gern an einem Sonntag. Arbeitgeber nutzen daher die Zuschläge für Sonntagsarbeit, um einen zusätzlichen Anreiz zu schaffen. Ein gesetzlicher Anspruch auf Zahlung eines Sonntagszuschlags besteht jedoch nicht. Im Arbeitszeitschutzgesetz ist geregelt, dass Arbeitnehmer, die an einem Sonntag beschäftigt werden, einen Ersatzruhetag haben müssen, der innerhalb eines den Beschäftigungstag einschließenden Zeitraums von zwei Wochen zu gewähren ist.
https://www.wa.de/hamm/unbequem-geworden-call-center-betreiber-will-betriebsrat-hamm-entlassen-13800494.html

Nikita

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Re: Call-Center-Betreiber will Betriebsrat in Hamm entlassen
« Antwort #1 am: 12:45:30 Mo. 22.Juni 2020 »
Die desaströsen Bewertungen bei Kununu sprechen für sich. Eine negative Durchschnittsnote von 2,6 muss man erst mal bekommen.

https://www.kununu.com/de/simon-focken/kommentare

"Gleichberechtigung - Es werden alle gleich schlecht behandelt."

"Die Arbeitsatmosphäre ist nicht gut, weil sehr viele sich einfach so oder aufgrund der ständigen Überplanung krank melden müssen und die, die da sind noch mehr unbezahlte Zwangsüberstunden machen müssen. Halbes Jahr oder länger 6Tage-Wochen am Stück mit 8-9 Stunden am Tag sind die Regel. "

"Meine Kündigung wird kommende Woche eingereicht. Ich wurde noch nie so unmenschlich behandelt und die Vorgesetzten tun so, als würde diese pandemie nur eine Lüge sein. Es herrscht so ein unglaublicher Druck, das sich viele krankschreiben lassen und man wird nur von hinten mit der Peitsche angetrieben. Ich bin sowas von enttäuscht von unseren Vorgesetzten"

etc., etc ...

Kuddel

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Re: Call-Center-Betreiber will Betriebsrat in Hamm entlassen
« Antwort #2 am: 18:09:18 Fr. 10.Juli 2020 »
Das klingt erstmal recht unterhaltsam.

Zitat
Einbruch auf besonders geschmacklose Weise
Callcenter im Südringcenter: Wer pinkelt hier wen an?!

Man macht sich aber so seine Gedanken, wenn man weiterliest. Waren hier richtige Arschriecher am Werk und wollten dem Management einen Gefallen tun in vorauseilendem Gehorsam?

Natürlich gibt es Betriebsräte, denen würde auch ich auf den Stuhl pissen, aber solche Betriebsräte stehen nicht auf der Abschußliste vom Management. Im Gegenteil.

Zitat
Wer pinkelt hier wen an? Ist das Ganze eine Retourkutsche gegen Mitarbeiter oder den Betriebsrat des Callcenter-Betreibers Simon & Focken?

Hamm – Knapp zwei Wochen nachdem der WA über die Querelen des im Südringcenter an der Neuen Bahnhofstraße angesiedelten Dienstleisters wegen Feiertagsregelungen, Kündigungsdrohungen und möglicherweise entgangener Aufträge berichtet hatte, ist der Betrieb nun Gegenstand polizeilicher Ermittlungen geworden. Am Wochenende wurde in die Büroräume eingebrochen. Der oder die Täter hebelten die Eingangstür im zweiten Obergeschoss auf und randalierten im Innern auf besonders geschmacklose Weise. Urin wurde auf das Inventar gekippt – angeblich auf das Mobiliar von Betriebsratsmitgliedern.

Der übelriechende Vorgang wurde am Montagfrüh entdeckt und der Polizei gemeldet.

Abgesehen von dem Vorrat an Toilettenpapier (Wert 40 Euro) wurde aus den Räumlichkeiten nichts gestohlen. Die Computer und Headsets befanden sich alle an Ort und Stelle.
https://www.wa.de/hamm/einbruch-besonders-geschmacklose-weise-urin-suedringcenter-hamm-inventar-hinterlassen-13815429.html

rika24143

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Re: Call-Center-Betreiber will Betriebsrat in Hamm entlassen
« Antwort #3 am: Gestern um 00:22:22 »
Invitel ist, glaube ich, ein ganz besonders dreister Arbeitgeber in dieser Branche und nutzt jede, noch so kleine Gesetzteslücke aus oder beugt das Recht bis in tief in die dunkelste Grauzone.
Wer nicht weiß, wie Invitel agiert, hier ein paar kleine Einblicke.
Zuschläge für Sonntags, Feiertags oder Nachtschichten gibt es nicht.
Es gibt ein Jahreszeitkonto das!! ACHTUNG!! Mit einer Jahresarbeitsleistung von 2880h rechnet (das sind 360 Tage, a 8h)
So kommst du als Angestellter nie mals dazu, das dein Zeitkonto ausgeglichen oder im Plus ist, aber Invitel plant dir Woche für Woche eine 6 Tage-Schicht, mit bis zu 60h/Woche.
Planungssicherheit? Hast du nicht, da am Mittwoch, der Dienstplan für die darauffolgende Woche heraus kommt.
Urlaub ist der Mindestanspruch, also 24 Tage, bei einer 6-Tage-Woche.
Ruhezeit? 11h werden gerne unterschritten und falls jemand fragt warum? Betriebliche Gründe und schon ist Ruhe.
Wie schaut es mit dem Datenschutz aus?
Nun. Vertriebszahlen und Quoten der Mitarbeiter werden offen Ausgehangen.
Ohne Verschleierung der Klarnamen und auch für Betriebsfremde einsehbar.
Der Umgang von Führungskräften mit den Unterstellten ist ebenfalls fragwürdig.
Da kann es schon mal passieren, daß dir, weil du den Anrufern nicht genug Produkte drückst, eine Quietscheente, mit dem Kommentar :"Du bist ne lahme Ente und erst wenn du mehr verkaufst kommt die wieder weg" von deinem Teamleiter bekommst.
Und wer ist bereit sich so ausbeuten zu lassen?
Nun. Invitel stellt gerne ehemalige Häftlinge ein oder aber auch Menschen mit Migrationshintergrund und geminderten Deutschkenntissen.
Hat das Auswirkungen auf die Qualität?
Oh ja!
Nicht um sonst ist der Magentafarbene T- elekomunikationsanbieter schreiend weggelaufen.
Qualität gibt es nicht.
Wo andere die Neuen Kollegen in 2 Wochen Schulen, will es Invitel in 3 Tagen schaffen.
Warum so kurz?
Der Auftraggeber zahlt zum Beispiel 3 Wochen Schulung.
Invitel jedoch, kürzt die Schulung auf 3 Tage ein.
Also sitzt der Arme neue Kollege nach 3 Tagen komplett überfordert vor dem Telefon.
Nun beginnt das Geld machen da der Kollege einerseits durch den Auftraggeber gezahlt wird weil ja 3 Wochen Schulung angesetzt waren, andererseits aber schon Calls genommen werden, welche ebenfalls abgerechnet werden.
Und wer sich nun fragt was da so als Manager oder "Standortleiter" anfängt : der schaue bitte bei Youtube unter "wrestler Suxdorf".

Alles in allem einer der Betriebe, die sich mit Tönnies die Hand reichen können und eine Schande für das Unternehmertum darstellen da sie keinerlei Soziales Gewissen haben.