Autor Thema: MAN  (Gelesen 4854 mal)

xyu

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MAN
« am: 17:30:58 Sa. 19.Januar 2013 »

interessantes aus dem MAN Werk München (Karlsfeld):
Zitat
[M] Arbeitskampf bei MAN
Recherchegruppe Ausstand 18.01.2013 22:35 Themen: Militarismus Soziale Kämpfe
Im folgenden veröffentlichen wir ein Interview, daß wir mit einigen Arbeiter_innen geführt haben, die im Münchener MAN Werk beschäftigt sind und sich links vom Betriebsrat stehend sehen. Darin geht es um die aktuelle Situation für die Beschäftigten und Möglichkeiten des Arbeitskampfs.
Wie ist die Situation für die Arbeitenden bei MAN zur Zeit?
Bei MAN gibt es jetzt Kurzarbeit und das bekommen als aller erstes die Mitarbeiter_innen in der Produktion zu spüren. Vor allem will der Vorstand die Krise mal wieder für Einsparungen nutzen und das verunsichert die Leute sehr. Die Übernahme durch VW ist natürlich auch Gesprächsthema. Denn VW verlangt jetzt, dass wir ihre Richt- und Leitlinien übernehmen, die starke Veränderungen in fast allen Bereichen umfassen.

Und was bedeutet Kurzarbeit im Moment?
Es wird nur Einschichtig gefahren, was bedeutet, dass die Spätschichtler frei haben. In der Zeit, bekommen sie Kurzarbeitergeld, was bedeutet, dass sie am Ende 90% ihres Lohns bekommen. 90% deshalb, weil MAN den Teil vom Arbeitsamt aufstockt.

Was sagt der Betriebsrat zum Thema Kurzarbeit und wie ist euer Verhältnis zu ihm?
Der Betriebsrat feiert natürlich jede kleine Errungenschaft und gerade die Aufstockung war da wieder eine gute Gelegenheit. Unsere Meinung ist ganz klar, wir stehen hinter Betriebsrat und Gewerkschaft, aber nur, wenn sie hinter uns stehen. Leider tun sie das nicht und so ist das Verhältnis doch mehr als angespannt.

Gerade ist die neueste Ausgabe eurer Betriebszeitschrift mit dem Titel "Werkerinfo" erschienen. Vielleicht könnt ihr kurz beschreiben, was das ist?
Als erstes ist es ein Kommunikationsmittel der Belegschaft, zumindest sehen wir es als solches. Wir schreiben über die Geschehnisse im Betrieb und kommentieren sie auch. Nach über 3 Jahren erschien gerade schon die 11 Ausgabe.

Wie ist die Reaktion der Kolleginnen und Kollegen darauf?
Mittlerweile sehen uns einige Kollegen und Kolleginnen schon als wichtigen Teil, weil wir ihnen aus der Seele sprechen. Wir schreiben, was wir erleben.

Gab es auch schon Reaktionen von "offizieller" Seite, also zum Beispiel vom Betriebsrat?
Bei der letzten Betriebsversammlung wurden wir vom Betriebstarsvorsitzenden vor über 5000 Mitarbeiter_innen indirekt angesprochen. Wir sollen doch gut über „unsere“ Firma sprechen, auch wenn noch nicht alles gut ist. Geschrieben wurden wir noch nicht. Es scheint wohl so, als wäre noch nicht ganz klar, wie man mit uns umgehen soll.

Ihr ruft in eurer neuesten Ausgabe erstmals zum "selbstorganisierten Streik" auf. Was sind eure Erwartungen?
Ja das stimmt. Aber was wir erwarten? Wir hoffen, dass einige mitmachen, indem sie krank machen oder Urlaub nehmen. Aber ob bei der jetztigen Situation, wo alle Angst um ihren Arbeitsplatz haben und wilde Streiks in Deutschland eh noch sehr unpopulär sind, genug Leute mitmachen um die Bänder zum stehen zu bringen, ist eher unwahrscheinlich.

Dabei legt ihr besonders Wert auf "selbstorganisiert"?
Wie gesagt, der Betriebsrat und die Gewerkschaft (IGM) machen nichts, außer zu allem was die Konzernleitung will, Ja und Amen zu sagen. Also müssen wir das selbst in die Hand nehmen. Wir hoffen, dass die Arbeiter_innen das auch verstehen und die Beteiligung dementsprechend hoch sein wird.

Welche Forderungen habt ihr formuliert?
U.a. keine 40 Stundenwoche mehr, wirkliche Besserstellung von Menschen mit Behinderung(en) und keine Produktion mehr von Militärfahrzeugen.

Also ist auch Antimilitarismus ein Thema für euch?
Ja, wir wollen kein Teil dieser Kriegmaschinerie sein. Wir sprechen uns klar gegen die Produktion von Militärgütern und Kriege im Allgemeinen aus.

Und seht ihr auch einen Bezugspunkt zu anderen sozialen Bewegungen?
Ja, auf jeden Fall. Wir positionieren uns auch zu Themen wie Antirassismus und Antisexismus, weil wir diese Kämpfe für wichtig halten.


Die Online-Ausgabe des Werkerinfos findet ihr unter: www.werkerinfo.tk

Das Interview führten wir im Januar 2013

Recherchegruppe Ausstand
http://de.indymedia.org/2013/01/340615.shtml

Zitat
Streikaufruf für den 21.1.2013

Ja…trotz, oder gerade wegen der Krise rufen wir zum Streik in unserm MAN Werk in München auf. Denn gerade in der Krise wird von uns Arbeiter_innen mal wieder das größte Verständnis für Einsparungen erwartet. Wieder wird eine Krise für weitere Einsparungen ausgenutzt. Betreffen tun die natürlich als erstes uns in der Produktion. Denn an sich selbst sparen die Unternehmensbonzen nicht. Wer weiß, wie es mit den Befristeten Kollegen und Kolleginnen weiter geht. Auch Leiharbeiter_innen wurden mal wieder schamlos rausgeschmissen, als würden sie nur zum Spaß mit uns arbeiten. In jeder Krise werden Arbeiter_innen entlassen und wenn überhaupt, dann nur zum Teil wieder durch Befristung oder Leiharbeit ersetzt. Diese Entwicklung geht auch dieses mal so weiter, vor allem auch, weil VW unser Werk als zu unproduktiv bewertet.
Nur, wo soll das alles noch enden? Wollen wir wirklich warten, bis uns die Kapitalisten bessere Arbeitsverhältnisse schenken? Das wird aber nicht passieren. Sie und die großen Gewerkschaften halten uns ab und zu eine kleine Tariferhöhung und ein bisschen Extrageld hin, damit wir ruhig bleiben und uns denken, besser als nichts. Aber auf der anderen Seite nehmen sie sich trotzdem mehr als ihnen zusteht. Und zwar von uns, denen, die für sie produzieren. Die, bei denen sie immer weiter einsparen, um immer noch mehr Gewinn in ihre eigenen Taschen fließen zu lassen.
Gerade deshalb ist es so wichtig, dieses mal ein offensives Zeichen gegen diese Politik zu setzten!

Wir verlangen mit sofortiger Wirkung!
Höchstens 7 Stunden arbeiten + 1 Stunde „geschenkt“ aufs Zeitkonto.
2 feste Springerpausen für alle Bandarbeiter_innen.
2 zusätzliche Pausen für Mitarbeiter_innen mit Behinderung ab 20%.
Schwerbehinderte weg von Bändern und taktgebundenen Arbeitsplätzen.
Keine Bandarbeit für Mitarbeiter_innen mit Behinderung.
Gleicher Grundlohn für alle + Zuschläge (Akkordzuschlag, ect.).
Keine weiteren Taktverkürzungen mehr.
Ein Vertrauenskörper in jeder Abteilung und pro Schicht.
AVP abschaffen.
Keine Militärfahrzeuge/-achsen mehr produzieren.
Und nach Beendigung der Kurzarbeit:
300 Neueinstellungen in der Produktion
Altersteilzeit für alle die wollen (frei gewordene Stellen ersetzten).

Wir lassen uns nicht zu modernen Sklaven diktieren!
Schluss mit der Diktatur der Bosse!
STREIK!
http://werkerinfo.blogsport.de/2013/01/16/ausgabe-112013-streikaufruf-4/

xyu

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Re:MAN
« Antwort #1 am: 19:31:44 Sa. 16.März 2013 »
für den 2./3. mai wird erneut aufgerufen durch krankschreibung oder inanspruchnahme von urlaub die produktion stillzulegen: werkerinfo.blogsport.de/2013/03/14/so-wie-es-ist-darf-es-nicht-bleiben/

Zitat
Wie auch schon beim letzten mal (im Januar 2013), wird es auch dieses mal extra einen Streikaufruf geben, um den Kolleginnen und Kollegen die Dringlichkeit des Handelns und unsere Forderungen nahe zu bringen.


Leider mussten wir feststellen, dass sowohl bei dem letzten selbstorganisierten Streik(versuch), als auch bei einem Boykottaufruf im vergangen Jahr die Massen nicht zu mobilisieren waren. Das mag auf der einen Seite an der zu kurzen Mobilisierungszeit liegen, aber wohl auch an der Individualisierung und der Desinteresse vieler Arbeiter_innen.


Gerade deshalb wurde dieses Mal der Zeitpunkt der Mobilisierung schon viel früher gelegt und verschiedene Mittel und Wege dafür gewählt.

 

Zu erwähnen ist aber, dass die Anzahl der krankgeschriebenen Mitarbeiter_innen auf ein Höchststand liegt. Vor allem im Vergleich mit den anderen MAN Werken ist sie am höchsten. Dass es sich dabei um eine Form des Widerstands handelt, ist durch viele Gespräche mit Kolleginnen und Kollegen klar (auch wenn an dieser Stelle gesagt werden muss, dass nicht alle erkrankten einfach nur krank machen, sondern einige wirklich krank sind).
https://linksunten.indymedia.org/de/node/81238

xyu

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Re:MAN
« Antwort #2 am: 15:18:37 Di. 14.Mai 2013 »
in der neuen ausgabe wird u.a. über den effekt der streikaufrufe berichtet:

Zitat
In den letzten beiden Ausgaben haben wir zum „selbstorganisierten Streik“ aufgerufen, dazu wollen jetzt ein paar Worte aus unserer Sicht schreiben.
Der erste Aufruf galt für den 21.1.13, wurde aber erst 5 Tage vorher veröffentlicht und auch die Aufkleber wurden im Werk erst in den paar Tagen davor verklebt. Wegen der sehr kurzen Mobilisierungszeit kam es zu keinen nennenswerten Vorfällen, alles schien wie immer zu laufen. Also entschieden wir uns einen zweiten Anlauf zu nehmen und riefen erneut zum Streik auf. Dieses Mal für den 2. und 3. Mai, begleitet von einer kleinen Kampagne („So wie es ist, darf es nicht bleiben!“) und einer frühzeitig veröffentlichten/verteilten Ausgabe. Durch eine frühe und großflächige Mobilisierung sollte es dieses Mal einen erfolgreichen Versuch geben, die Arbeiter_innen in unserem Werk zu einem selbstbestimmten und unkontrollierbaren Streik zu bewegen. Trotz der ständigen Bemühung die Mobilisierung zu verhindern, konnte das Mögliche nicht mehr gestoppt werden. Schon am Montag den 29.4. zeichnete sich ein hoher Krankenstand ab, der an den beiden Streiktagen nochmals gestiegen war. Wir wollen und können das nicht komplett auf unsere Kappe nehmen, doch wir sind uns sicher, dass die Streikaufrufe auch ein Grund dafür sind, dass der Krankenstand so hoch wie schon lange nicht mehr war. Einige Abteilungen hatten einen Krankenstand von 7 Arbeiter_innen pro Schicht. Dass wir es geschafft haben, den bereits bestehenden Protest zu bündeln sehen wir als Erfolg. Eigentlich kann es sogar als großen Erfolg verstanden werden, weil es einen solchen Widerstand Jahrzehnte nicht mehr gegeben hat.
Mit dem fernbleiben vieler Kollegen und Kolleginnen stieg auch die Zahl der Fehler. Einerseits ist das das, was unserer Meinung nach sowieso in ein paar Jahren passieren wird; und zwar, dass durch das wegrationalisieren von Mitarbeiter_innen nur eine Verschlechterung der Qualität eintritt. Anderseits ist es ein weiteres klares Zeichen, dass unser Widerstand massive Auswirkungen auf den ganz normalen Wahnsinn an unseren Arbeitsplätzen hat. Am Montag erreichte die Direct-Run-Quote in der LKW-Montage ein Tiefstand von nur 4%. Das heißt, dass 96% der Fahrzeuge in Nachreparatur mussten. Die Prozentzahl liegt sowieso im Schnitt nur noch bei etwa 30 bis höchstens 50 %. Über 400 Fahrzeuge warten mittlerweile auf ihre Nachreparatur, was für die Kollegen und Kolleginnen in der Nacharbeit Sonderschichten sogar am gesamten Wochenende im Zweischichtbetrieb bedeutet. Deshalb rufen wir auch die Kolleginnen und Kollegen in der Nacharbeit auf krank zu machen, wenn ihr keine Lust auf Wochenendarbeit habt. Leistet auch Widerstand, bis Chefs und Betriebsrat kapieren, dass es so wie es ist, nicht bleiben darf!
Und sollte es wegen den minus Zahlen an den Bändern der letzten Tagen und Wochen zu einer Sonderschicht am Samstag kommen, rufen wir hiermit alle auf, diese zu verweigern. Denn nur so zeigt der Streik wirklich Wirkung! Und nur so verstehen es die Chefs mal, dass man mit uns nicht umgehen kann wie mit Eseln!
Streik ist die einzige Sprache, die sie verstehen!

Wir weisen aus Sicherheitsgründen nochmals darauf hin, dass ihr (wenn ihr krank seid/macht) immer zu beginn der Schicht vom ersten Tag an dem ihr krank seid anruft und die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung am besten auch am ersten Tag per einschreiben an euren Meister/Meisterin schickt.
http://werkerinfo.blogsport.de/2013/05/08/ausgabe-132013/

Fritz Linow

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Re: MAN
« Antwort #3 am: 00:24:36 Do. 12.März 2020 »
Zitat
11.3.20
Lkw-Hersteller MAN will 6.000 Arbeitsplätze streichen

Der Münchner Lkw- und Bus-Hersteller MAN will einem Zeitungsbericht zufolge jede sechste Stelle streichen.

6.000 der 36.000 Arbeitsplätze seien akut gefährdet, schreibt das "Handelsblatt". Diese Zahl habe der Vorstand dem Betriebsrat mitgeteilt. Teil der Überlegungen ist dem Bericht zufolge die Schließung des Standorts im österreichischen Steyr. Der Chef von MAN Truck and Bus, Drees, hatte Anfang der Woche von einem "signifikanten Stellenabbau" gesprochen, jedoch ohne Zahlen zu nennen. Ein MAN-Sprecher wollte sich nicht zu der Meldung äußern. Die Gespräche über den Stellenabbau stünden noch ganz am Anfang, sagte er.
https://www.deutschlandfunk.de/unternehmen-bericht-lkw-hersteller-man-will-6-000.1939.de.html

p.s.: MAN ist Volkswagen

counselor

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Re: MAN
« Antwort #4 am: 11:00:12 Do. 23.Juli 2020 »
Zitat
OBERHAUSEN - Von wegen: "Mit VW gibt es keine Entlassungen"

Dass es mit VW als "Konzernmutter" keine Entlassungen oder betriebsbedingte Kündigungen geben würde, haben diverse MAN-Vorstände und die rechte Betriebsratsspitze gebetsmühlenartig verbreitet, nachdem die ehemalige MAN AG mehrheitlich von VW übernommen und in Teilkonzerne zerschlagen wurde.

Am 21. Juli wurde der Betriebsrat von MAN in Oberhausen - heute MAN Energy Solutions - darüber informiert, dass auf Druck von VW bei MAN Energy Solutions in Deutschland 3.000 der insgesamt 17.000 Arbeitsplätze vernichtet werden sollen. Das Werk in Berlin-Tegel mit 420 Beschäftigten wird geschlossen, der Turbinenbau in Hamburg wird komplett nach Indien verlagert, von Hamburg wird nur noch Service gemacht.

Im Augsburger Werk sollen 1.800 Arbeitsplätze vernichtet werden, und in Oberhausen 526. Das ist jeder dritte Arbeitsplatz. Die Fertigung und Entwicklung von Gasturbinen bis 8 Megawatt Leistung, die mit über 200 Millionen Euro hochgepuscht werden sollte, wird aufgegeben. Die Illusionen von Serienfertigung und wachsendem Marktanteil sind zerplatzt. Einer der modernsten Prüfstände für Gasturbinen steht leer und ist ein Millionengrab (35 Millionen Euro) geworden.

Die Modellschreinerei, das Packaging von kompletten Maschinensträngen sowie ein beträchtlicher Teil der Fertigung soll aufgegeben und aus dem Werk in China bezogen werden. Die Belegschaft wird in Kleinstversammlungen informiert, die Angestellten sollen das ganze per Videochat verfolgen. Unter dem Vorwand von Corona hoffen die Herren, die Belegschaft zersplittern zu können. Jedoch beginnt ein wachsender Teil der Kollegen, die Erfahrungen aus dem Kampf der Opelaner anzuwenden. Verzicht und Zugeständnisse führen in die Sackgasse. Eine spannende Auseinandersetzung beginnt.

Quelle: https://www.rf-news.de/2020/kw30/von-wegen-mit-vw-gibt-es-keine-entlassungen
Alles ist in Bewegung. Nichts war schon immer da und nichts wird immer so bleiben!

counselor

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Re: MAN
« Antwort #5 am: 15:21:05 So. 26.Juli 2020 »
Zitat
OBERHAUSEN - Auseinandersetzung in der MAN-Belegschaft über Kampf um jeden Arbeitsplatz

Am 21. Juli wurde der Betriebsrat von MAN in Oberhausen - heute MAN Energy Solutions - darüber informiert, dass auf Druck von VW bei MAN Energy Solutions in Deutschland 3.000 der insgesamt 17.000 Arbeitsplätze vernichtet werden sollen. Das Werk in Berlin-Tegel mit 420 Beschäftigten wird geschlossen, der Turbinenbau in Hamburg wird komplett nach Indien verlagert, von Hamburg wird nur noch Service gemacht.

Rote Fahne News berichtete darüber am 23. Juli unter der Überschrift: Von wegen: "Mit VW gibt es keine Entlassungen".

In Oberhausen sollen 560 Arbeitsplätze vernichtet werden. Das sind im Einzelnen: Einstellung Gasturbinenfertigung, Forschung, Entwicklung und Vertrieb. Hier wurden 200 Mio investiert, ein neuer Prüfstand für 35 Mio gebaut. Zur Zeit sind Bauteile für 90 Mio Euro auf Lager. Seit einem Jahr wurde keine Maschine verkauft. Die Gasturbine (MGT 6000, als 6 Megawatt Leistungsklasse) wurde seit 2017 als der Heilsbringer für OB hochgepuscht. Einstellung Statorfertigung (Leitschaufelträger für Dampfturbinen und Axialkompresoren), sowie Großkomponentenbearbeitung (Gehäuse) d.h. Werkstatt 146 als größte Kostenstelle in der Fertigung mit ca. 100 Leuten soll komplett wegfallen.

Unter dem Vorwand von Corona hofft die MAN-Chefetage, die Belegschaft zersplittern zu können. Jedoch beginnt ein wachsender Teil der Kollegen, die Erfahrungen aus dem Kampf der Opelaner anzuwenden. Verzicht und Zugeständnisse führen in die Sackgasse. Eine spannende Auseinandersetzung findet statt. Ein Offener Brief von Reinhardt Meyer, 40 Jahre bei MAN in Oberhausen beschäftigt und seit 50 Jahren IG Metall-Mitglied, der am 24. Juli im Lokalkompass Oberhausen erschien, wird von Kolleginnen und Kollegen mit Interesse und Zustimmung aufgenommen.

Es heißt darin: "Mit der Ankündigung einer massiven Vernichtung von 560 Arbeitsplätzen in Oberhausen und ca. 4000 im Teilkonzern passiert genau das, wovor ich und andere Kollegen immer wieder gewarnt haben. Der unter massivem Druck von VW stehende Vorstand wird niemals Ruhe geben. Seine Aufgabe ist es, den Profit zu steigern, der durch den Gewinnabführungsvertrag an VW fließt. Der Gewinn wird im Betrieb erwirtschaftet, also wird dort die Schraube angedreht. Das spürt ihr jeden Tag. ... Der Betriebsrat soll nun unter hohem Zeitdruck Vorschläge erarbeiten, worauf man 'verzichten' könne, um die vom Vorstand eingeforderten 450 Millionen Euro jedes Jahr einsparen zu können. Ich habe mehrfach auf Betriebsversammlungen, bei Vertrauensleuten und im Betriebsrat erklärt, dass jeder Verzicht seitens der Belegschaft letztlich dazu führt, dass es geht wie bei Nokia, dem Bergbau oder Opel. Es gibt keine Alternative zum Kampf um den Erhalt der Arbeitsplätze!"

Hier der Offene Brief in voller Länge im Lokalkompass Oberhausen

Quelle: https://www.rf-news.de/2020/kw30/auseinandersetzung-in-der-man-belegschaft-ueber-kampf-um-jeden-arbeitsplatz
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Re: MAN
« Antwort #6 am: 13:46:36 Di. 28.Juli 2020 »
Zitat
OBERHAUSEN - Kampf um jeden Arbeitsplatz bei MAN Energy-Solutions

3000 Kollegen sollen bei der VW-Tochtergesellschaft MAN Energy Solutions in Deutschland entlassen werden, 150 in Hamburg, 420 in Berlin, 1800 in Augsburg, 526 in Oberhausen, ein Schock für die Kollegen und ihre Familien.¹

Warum wurde das den Kollegen erst mitten in den Sommerferien, wenn viele verreist sind, mitgeteilt? Offensichtlich ist die Geschäftsleitung in Sorge vor der Entwicklung des notwendigen Kampfs um jeden Arbeitsplatz.

2016 hatte die Frühschicht bei MAN sofort gestreikt, als der Plan der Geschäftsleitung, 330 Arbeitsplätze in Oberhausen zu vernichten, veröffentlicht wurde. Kollegen und IG-Metall-Vertrauensleute führten in Hamburg, Berlin, Augsburg, Oberhausen gleichzeitig einen Aktionstag durch, Solidarität aus der ganzen Stadt beherrschte wochenlang die Presse. Modellschreinerei und Packaging konnten damals erhalten werden, etwa 200 Kollegen unterschrieben später nach und nach Auflösungsverträge mit zum Teil sechsstelligen Abfindungen.

VW beabsichtigt seit seiner mehrheitlichen Übernahme von MAN den Verkauf von MAN Energy Solutions (früher Diesel & Turbo). Dafür sollen nun 526 Arbeitsplätze für immer vernichtet und die restlichen Kollegen stärker ausgebeutet werden, nur um einen höheren Verkaufspreis zu erzielen? Und das wird dann noch von VW/MAN als „Zukunftsprogramm“ verkauft. Was ist mit unserer Existenz und der unserer Kinder? Kampf um jeden Arbeitsplatz auf Kosten der Profite!

Das Gerede in den Medien, dass VW „selbst schwierige Zeiten“ durch Corona-Krise und Energiewende habe, soll von der Wahrheit ablenken: Schon Mitte 2018 hat die bisher tiefste Weltwirtschafts- und Finanzkrise mit Umsatzeinbrüchen in zahlreichen Konzernen begonnen. Inzwischen ist es in verschiedenen Ländern in Wechselwirkung mit der Corona-Krise zu einer beschleunigten Tendenz einer gesamtgesellschaftlichen Krise gekommen. In vielen Ländern protestieren die Menschen mit Streiks oder Demonstrationen gegen die Abwälzung der Krisenlasten. Keine Abwälzung der Krisenlasten auf uns Arbeiter und Angestellte!

Am Mittag des 23. Juli nun die Radiomeldung, dass „der Betriebsrat in einer partnerschaftlichen Atmosphäre mit der Geschäftsleitung verhandelt“. Eine solche „Partnerschaft“ im Interesse der Arbeiter gibt es nicht. Die Konzerne wollen den Maximalprofit, die Arbeiter sollen dafür bluten. Ziel der Verhandlung soll sein, „mit Hilfe der Mitbestimmung und der Politik das Schlimmste zu verhindern“²

Nur organisiert können wir unsere Interessen gegen das Vorhaben der Geschäftsführung und ihrer Handlanger durchsetzen. Organisiert, das heißt in der Gewerkschaft, im Internationalistischen Bündnis, in der Arbeiterpartei MLPD. Wir brauchen keine IG Metall, die „partnerschaftlich“ „das Schlimmste verhindert“, sondern eine Gewerkschaft als harte und unbestechliche Kampforganisation. Doch dazu müssen wir sie im Kampf gegen das Co-Management – gerade bei VW – selber machen.

Weg mit dem sogenannten „Zukunftsprogramm“ von VW/MAN!

Kampf um jeden Arbeits- und Ausbildungsplatz!

Für die 30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich auf Kosten der Profite!

Wir brauchen ein vollständiges, allseitiges gesetzliches Streikrecht!

Gemeinsam sind wir stark!

Quelle: https://www.rf-news.de/2020/kw31/kampf-um-jeden-arbeitsplatz-bei-man-energy-solutions
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Re: MAN
« Antwort #7 am: 18:56:44 Do. 30.Juli 2020 »
Zitat
MAN AUGSBURG - Zahlreiche Kolleginnen und Kollegen zeigten ihre Solidarität

Für Dienstag, um fünf vor zwölf, rief die IG Metall zu Protesten gegen die geplante Vernichtung von 1800 Arbeitsplätzen bei MAN Augsburg auf.

Es fand zunächst eine Kundgebung vor dem Buz-Tor statt. Jung und Alt folgten dem Aufruf und etliche Kolleginnen und Kollegen von Betrieben aus dem Umland zeigten ihre Solidarität mit dem Kampf um die Arbeitsplätze.

Der Platz vor dem Tor reichte nicht aus und so hielten sich etliche Kolleginnen und Kollegen auf dem Werksgelände auf. Nach einigen Reden untr anderem von der Oberbürgermeisterin Eva Weber, dem ersten Bevollmächtigten der IG Metall Michael Leppek und dem Betriebsratsvorsitzenden Werner Wiedemann startete ein Demonstrationszug zum Verwaltungs-Hochhaus, wo eine kurze Abschlusskundgebung stattfand. Damit wurde erst die breite Teilnahme richtig deutlich. Die IG Metall meldete die Versammlung mit 200 Teilnehmern an, schließlich waren es an die 2000. Das zeigt die große Bereitschaft der Kolleginnen und Kollegen für den Erhalt der Arbeitsplätze zu kämpfen.

Diese Stimmung wurde in den Reden von Michael Leppek und Werner Wiedemann aufgegriffen, indem sie vordergründig betonten, dass sie um jeden Arbeitsplatz kämpfen werden. Zugleich orientierten sie jedoch auf Gespräche und Verhandlungen mit dem Vorstand und meinten, (lediglich) die Größenordnung des Arbeitsplatzabbaus sei mit 1800 Stellen nicht in Ordnung.

Quelle: https://www.rf-news.de/2020/kw31/zahlreiche-kolleginnen-und-kollegen-zeigten-ihre-solidaritaet
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Re: MAN
« Antwort #8 am: 14:00:41 Fr. 31.Juli 2020 »
Zitat
DUISBURG/OBERHAUSEN - VW will MAN ES 'verkaufsfähig' machen

Diese Solidaritätserklärung (Auszüge) ging an die Kolleginnen und Kollegen bei MAN Energy Solutions Oberhausen, ihre Vertrauensleute, ihre Jugendvertretung und ihren Betriebsrat.

Wir vom Solidaritätskreis „Brücke der Solidarität“ haben von den 526 geplanten Entlassungen bei MAN Energy Solutions in Oberhausen gehört und senden euch solidarische und kämpferische Grüße.

Das Gerede in den Medien, dass der VW-Konzern „selbst schwierige Zeiten“ durch Coronakrise und Energiewende habe¹, soll von der Wahrheit ablenken: Schon Mitte 2018 hatte die bisher tiefste Weltwirtschafts- und Finanzkrise mit entsprechenden Umsatzeinbrüchen begonnen. Durch Corona wurde sie massiv vertieft. Die Krisenlasten sollen auf uns Arbeiter und Angestellte abgewälzt werden. Das dürfen wir nicht hinnehmen! VW will MAN ES „verkaufsfähig“ machen. Für den Maximalprofit sollen die Leute entlassen werden.

Seit Donnerstag berichten die Medien, dass „der Betriebsrat in einer partnerschaftlichen Atmosphäre mit der Geschäftsleitung verhandelt“. Was soll dabei herauskommen? Ein paar weniger vernichtete Arbeitsplätze durch unseren Verzicht? Wir brauchen jeden Arbeitsplatz gerade auch für unsere Jugend. Das allein ist „sozialverträglich“! Auch die besondere „Mitbestimmung“ bei VW ist eine Illusion. Die Kapitalisten wollen den Maximalprofit, die Arbeiter sollen dafür bluten. Vertrauen wir auf die eigene Kraft.

Schon allein die Tatsache, dass die außerordentliche Betriebsversammlung mitten in die Sommerferien gelegt wurde, zeigt, welche Angst vor Kampfaktionen der Belegschaft besteht.

In Duisburg, wo bei tkse 3000 Arbeitsplätze vernichtet werden sollen, hat im Juni ein selbständiger Streik gegen die Entlassung eines befristeten Arbeiters stattgefunden. Auch wenn seine Übernahme nicht gelang, wurden anschließend in mehreren Abteilungen Leiharbeiter und Auslerner eingestellt. Dieser Streik hat ein Signal gesetzt. Wir müssen unsere Interessen in die eigenen Hände nehmen …

Hier gibt es das komplette Schreiben als pdf-Datei!

Quelle: https://www.rf-news.de/2020/kw31/vw-will-man-es-verkaufsfaehig-machen
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Re: MAN
« Antwort #9 am: 20:54:09 Fr. 31.Juli 2020 »
Zitat
MAN ENERGY SOLUTIONS OBERHAUSEN - „Kampf um jeden Arbeitsplatz!“

Die Zukunft von MAN Energy Solutions soll nach Willen des VW-Managements so aussehen, dass bis zu 3000 Kolleginnen und Kollegen in Deutschland eben keine Zukunft mehr haben sollen. Und das wird dann auch noch zynisch „Zukunftsprogramm“ genannt.

Damit sind die Fronten klar: VW will mit Kostensenkungen von 450 Millionen Euro pro Jahr MAN ES „verkaufsfähig“ machen. … Dafür wollen sie jetzt ca. 40 Prozent unserer Arbeitsplätze vernichten, Standorte schließen, Produktion nach Indien und China verlagern – alles für ihren Maximalprofit! … Das ist die Art von Zukunft, die uns der Kapitalismus bietet! Wo sollen unsere Kinder und Enkel arbeiten? …

Jetzt beginnt die Zeit der Entscheidungen.
1. Soll das „Zukunftsprogramm“ von VW unsere Zukunft sein oder nehmen wir gemeinsam den Kampf dagegen auf? Unsere Entscheidung: wir müssen gemeinsam und konzernweit kämpfen! …

2. Was soll das Ziel unseres Kampfes sein? … Unsere Entscheidung: Wir müssen um jeden Arbeitsplatz kämpfen. Es gibt keine „sozialverträgliche“ Arbeitsplatzvernichtung. …

3.Warten wir auf Vehandlungsergebnisse oder nehmen wir den Kampf auf? Unsere Entscheidung: Wir müssen den Kampf sofort selbst organisieren und dabei unsere Gewerkschaft zur Kampforganisation machen. … Letztlich werden wir darüber entscheiden, ob wir im Kampf für unserer Arbeitsplätze streiken. …

4. Wie lange sollen wir uns noch den kapitalistischen Zwang zur Profitmaximierung unterwerfen? Unsere Entscheidung: Es wird Zeit, dass wir uns nach gesellschaftlichen Alternativen umsehen. ... Die Idee eines wirklichen Sozialismus stößt in letzter Zeit auf wachsendes Interesse … . Befasst euch damit, irgendwann muss Schluss sein mit der werktäglichen Existenzangst … .

Quelle: https://www.rf-news.de/2020/kw31/kampf-um-jeden-arbeitsplatz
Alles ist in Bewegung. Nichts war schon immer da und nichts wird immer so bleiben!