Autor Thema: Kolonialismus  (Gelesen 568 mal)

Kuddel

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Kolonialismus
« am: 19:23:33 Di. 30.Juni 2020 »
Es ist halt nicht vorbei.
Die Welt leidet unter den Nachwehen dieser Verbrechen und die Gesellschaften sind weiterhin geprägt vom kolonialen Denken.

Ich mache hier mal einen Anfang mit Belgien, einem Land, das man kaum auf dem Schirm hat:

Zitat
Auch 60 Jahre nach der Unabhängigkeit des Kongos hat Belgien seine Kolonialvergangenheit nicht aufgearbeitet. Rassismus spaltet das Land bis heute. Die jüngsten Proteste könnten ein Wendepunkt sein.

60 Jahre nach der Unabhängigkeit des Kongos befeuern Anti-Rassismus-Demonstrationen den Streit um Belgiens koloniale Vergangenheit.

Im späten 19. Jahrhundert hatte Belgien den Kongo besetzt. König Leopold II. verwaltete das Land, das etwa 70 Mal so groß war wie Belgien, von 1885 bis 1908 als Privatbesitz und regierte mit brutalsten Methoden. Es kam zu systematischen Verstümmelungen, massenhaften Tötungen, Vergewaltigungen, Geiselnahmen und Zwangsarbeit. Vor allem das Abhacken von Händen und anderen Körperteilen wurde in einem schier unvorstellbaren Maß betrieben.

Acht bis zehn Millionen Kongolesen sollen nach Schätzungen von Historikern unter seiner Herrschaft ums Leben gekommen sein – knapp die Hälfte der damaligen Bevölkerung.
Noch bis zum 30. Juni 1960 gehörte das Land zum belgischen Kolonialreich.
https://www.aachener-zeitung.de/nrw-region/belgien/wie-belgien-von-seiner-kolonialen-vergangenheit-eingeholt-wird_aid-51914495

Fritz Linow

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Re: Kolonialismus
« Antwort #1 am: 19:38:14 Di. 30.Juni 2020 »
(...)
Ich mache hier mal einen Anfang mit Belgien, einem Land, das man kaum auf dem Schirm hat:
(...)

Da gibt es noch jede Menge andere Länder neben den üblichen Verdächtigen zu entdecken, z.B. Dänemark, Schweden oder auch Polen:
https://amerika21.de/analyse/201084/polen-kolonien-1920er-und1930er

Vor allem sind das alles keine neuen Erkenntnisse, sind halt bloß in den letzten Jahrzehnten in Vergessenheit geraten.


Kuddel

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Re: Kolonialismus
« Antwort #2 am: 20:46:01 Di. 30.Juni 2020 »
Das sieht man mal wieder, wie wichtig die Straßenproteste und auch die Denkmalstürze sind.

Kuddel

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Re: Kolonialismus
« Antwort #3 am: 11:32:36 Mo. 12.Oktober 2020 »
Hach ja, die schöne Kultur der Angriffe auf Denkmäler und Machtsymbole lebt weiter:

Zitat
Vor Protesten: Kolumbus-Statue in Mexiko abgebaut

Mexiko-Stadt (dpa) - Angesichts drohender Proteste gegen die Verherrlichung des kolonialen Erbes ist in Mexiko-Stadt eine Statue von Christoph Kolumbus abgebaut worden. Die Figur des Seefahrers sei von der Prachtstraße Paseo de la Reforma im Zentrum der mexikanischen Hauptstadt entfernt worden und werde nun restauriert, teilte die Stadtverwaltung am Wochenende mit.

Zuvor hatten linke Gruppen gedroht, die Statue am Montag vom Sockel zu stoßen. An diesem Tag wird in zahlreichen Ländern in Amerika der Ankunft von Kolumbus 1492 in der Neuen Welt gedacht. Zuletzt hatte es in den USA immer wieder Proteste gegen die Statuen von Sklavenhaltern und Generälen der Südstaaten gegeben. Auch in Europa wird zunehmend kritisch über den Umgang mit dem kolonialen Erbe diskutiert.

Die Bürgermeisterin von Mexiko-Stadt, Claudia Sheinbaum, plädierte für eine Debatte darüber, ob die Statue nach der Restaurierung überhaupt wieder aufgestellt werden sollte. 2021 jährt sich zum 500. Mal die Eroberung des heutigen Mexikos durch die spanischen Konquistadoren.
https://www.greenpeace-magazin.de/ticker/vor-protesten-kolumbus-statue-mexiko-abgebaut

Troll

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Re: Kolonialismus
« Antwort #4 am: 11:00:17 Di. 13.Oktober 2020 »
Die Herrschenden sind sich der Vergangenheit und dieser elenden Verherrlichung vergangenen Unrechts also durchaus bewußt. Die Überraschungen die uns von der gewissenhaft recherchierenden Qualitätspresse geliefert werden ist Verklärung, heute ist alles gaanz anders, niemalsnienicht wäre so etwas heute möglich/denkbar, genau, und die Erde ist immer noch Flach!
Politik ist der Spielraum, den die Wirtschaft ihr lässt.
Dieter Hildebrandt
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Kuddel

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Re: Kolonialismus
« Antwort #5 am: 11:35:15 Mi. 14.Oktober 2020 »
Zitat
"Sclaven-Handel liegt mir am Herzen"
Hamburg streitet über die Rolle Otto von Bismarcks im Kolonialismus. An wen man sich dabei erinnern sollte: Heinrich Carl von Schimmelmann, den schlimmsten Sklavenhalter der Stadt.
https://www.zeit.de/2020/40/heinrich-carl-von-schimmelmann-sklavenhalter-hamburg-kolonialismus

ManOfConstantSorrow

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Re: Kolonialismus
« Antwort #6 am: 17:28:14 Mi. 19.Mai 2021 »
Zitat
Kolonialismus
Aussöhnungsabkommen mit Namibia vor dem Abschluss
Die Bundesrepublik hat sich auf ein Abkommen mit Namibia geeinigt. Es sieht eine Entschuldigung und Wiedergutmachung für den Völkermord an den Herero und Nama vor.


https://www.zeit.de/politik/deutschland/2021-05/kolonialismus-namibia-deutschland-abkommen-kolonialverbrechen-herero-nama-deutschlandfunk?utm_source=pocket-newtab-global-de-DE

Ich halte das für einen wichtigen Schritt.

Innerhalb der deutschen Gesellschaft ist noch viel Diskussion über die Kolonialgeschichte nötig.
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Kuddel

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Re: Kolonialismus
« Antwort #7 am: 08:36:05 Fr. 28.Mai 2021 »
Eine wirklich erstaunliche Meldung:

Zitat
Herero und Nama
Deutschland erkennt Kolonialverbrechen in Afrika als Völkermord an
»Anerkennung des unermesslichen Leids«: Laut Außenminister Heiko Maas stuft Deutschland die Gewalttaten im heutigen Namibia nun als Völkermord ein. Der Bundespräsident wird vor Ort um Vergebung bitten.
https://www.spiegel.de/politik/deutschland/herero-und-nama-deutschland-erkennt-kolonialverbrechen-in-afrika-als-voelkermord-an-a-e0c59c97-4e80-4adc-9f1a-f887fc8fc348

Aber warum müsse die Armen jetzt noch mit einer BuPrä-Rede gestraft werden?

Kuddel

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Re: Kolonialismus
« Antwort #8 am: 12:29:08 Mi. 09.Juni 2021 »

ManOfConstantSorrow

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Re: Kolonialismus
« Antwort #9 am: 11:43:06 Mi. 22.September 2021 »
Zitat
In Namibia hat das Parlament die Ratifizierung eines Völkermord-Entschädigungsabkommens mit Deutschland erneut vertagt. Vorausgegangen waren eine Protestkundgebung von Nachfahren der vom Völkermord betroffenen Volksgruppen und eine Debatte. Mehrere Hundert Menschen drangen in das Parlament ein. Sie übergaben eine Petition, in der die von Deutschland angebotene Entschädigung von rund 1,1 Milliarden Euro als zu gering kritisiert wird. Zudem bemängeln die Nachfahren, nicht an den Verhandlungen mit Deutschland beteiligt gewesen zu sein.
https://www.deutschlandfunk.de/voelkermord-namibia-vertagt-entscheidung-ueber-abkommen-mit.1939.de.html?drn:news_id=1303892
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ManOfConstantSorrow

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Re: Kolonialismus
« Antwort #10 am: 13:27:34 Mo. 17.Januar 2022 »
Zitat
Wegen Sanktionen
Hunderttausende demonstrieren in Mali gegen Frankreich und ECOWAS

Die internationalen Sanktionen wegen verschobener Wahlen führen dazu, dass die Kritik an der Militärregierung beinahe verstummt – und sich Demonstranten hinter die Junta stellen.
https://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/hunderttausende-demonstrieren-in-mali-gegen-frankreich-und-ecowas-17734473.html


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ManOfConstantSorrow

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Re: Kolonialismus
« Antwort #11 am: 17:21:16 Fr. 08.April 2022 »
Zitat
Frantz Fanon
Der Eingriff in die gebrochene Welt
Die Politischen Schriften des antikolonialen Revolutionärs Frantz Fanon sind wieder erschienen



»Erinnert euch an an Fanon!« Wandparole in Martinique, wo Fanon 1925 geboren wurde und wo 2021 ein Generalstreik stattfand

Von Lutz Taufer

Wer sind sie, diese nach Menschlichkeit begierigen Wesen?«, lesen wir in einem der vor uns liegenden Aufsätze Frantz Fanons. Wer ist er, dieser schwarze Mensch, geboren und aufgewachsen in der französischen Kolonie Martinique, Arzt, Revolutionär, Vordenker der Entkolonialisierung, der 1961, am Tag, als sein Hauptwerk »Die Verdammten dieser Erde« mit einem Vorwort von Jean-Paul Sartre erschien, starb?

Diese Schrift sollte eines der meistgelesenen und viel diskutierten Bücher der kommenden Jahre werden. Es war die Epoche der antikolonialen und antiimperialistischen Befreiungskämpfe in Asien, Afrika und Lateinamerika, Kämpfe, die in ihrer Kompromisslosigkeit und Radikalität ganz erheblich den Aufbruch der 60er Jahre befeuert haben, auch im kapitalistischen Westen.

Woher kommt diese Radikalität in Fanons Texten, die keinen Raum für Eventualitäten oder Fehlinterpretationen lässt? Der 1964 erstmals auf Deutsch und jetzt in einer Neuauflage erschienene Band »Für eine afrikanische Revolution« ist eine Sammlung von 28 Zeitungsartikeln und Reden von Frantz Fanon. »Für eine afrikanische Revolution« könnte aber auch der Ehrentitel seines kurzen Lebens sein. Als er Ende 1961 im Alter von nur 36 Jahren an Leukämie starb, waren die Verträge von Evian zwischen der algerischen Befreiungsbewegung FLN und der französischen Regierung unter de Gaulle über einen Waffenstillstand und ein Unabhängigkeitsreferendum noch nicht in trockenen Tüchern.

Wenige Wochen zuvor hatte die Pariser Polizei mindestens 200 friedlich demonstrierende Algerier erschossen, erschlagen oder in der Seine ertränkt. Aber dennoch - oder deshalb? - starb Fanon mit dieser Gewissheit: Nicht nur in Algerien, in ganz Afrika stehen revolutionäre Umwälzungen bevor.

Er ist lange davon überzeugt, dass die kolonisierten Völker im Globalen Süden auf dem Weg ihrer Befreiung marschieren. Hier trifft er sich mit einem anderen internationalistisch denkenden und agierenden Revolutionär dieser Epoche: Che Guevara, der sich später auf Fanon beziehen wird. Aber nicht nur der revolutionäre Internationalismus verbindet die beiden, sondern auch die Gewissheit, dass es Revolution ohne Revolution des Individuums und seiner Subjektivität nicht geben kann. Als Che 1959 zum ersten Mal die Sowjetunion besucht, ist er ziemlich enttäuscht, die erhoffte egalitäre Gesellschaft mit »dem neuen sozialistischen Menschen« nicht vorzufinden. Fanons Gewissheit, dass »nur ein befreites Individuum an den konstruktiven Aufbau einer Gesellschaft gehen kann«, könnte auch von Che stammen.

Als die Algerierinnen und Algerier Mitte der 50er Jahre die Viertel der französischen Kolonialisten stürmten, taten sie dies mit dem Ruf »Dien Bien Phu«. Dieser Ort liegt weit weg, in Vietnam. Zwischen der vietnamesischen Unabhängigkeitsbewegung Viet Minh und der algerischen FLN hatte es Kontakte und Austausch gegeben. Der Name Dien Bien Phu steht für die von den französischen Streitkräften einschließlich der Fremdenlegion - darunter eine große Anzahl ehemalige SS-Angehörige -, errichtete Dschungelfestung, die 1954 von der Viet Minh überrannt wurde, was das Ende des französischen Kolonialkrieges in Indochina und den Beginn des Befreiungskrieges im selben Jahr in Algerien bedeutete.

Es gibt wenige Autorinnen und Autoren aus jener Zeit, die mit der unbestechlichen Klarheit und kompromisslosen Radikalität Fanons sprechen: »Der Kampf ist von Anfang an total, absolut.« Sein Blick darauf, was Befreiung vom Kolonialismus bedeutet, geht indes über das hinaus, was unter dieser Befreiung meist verstanden - besser: missverstanden - wird. »Die Befreiung des Individuums folgt nicht auf die nationale Befreiung. Eine wirkliche nationale Befreiung gibt es nur in dem Maße, wie das Individuum unwiderruflich seine Befreiung als Möglichkeit in greifbarer Nähe sieht.«

Aber Fanon ist erst mal Psychiater. 1953 wird er Leiter der psychiatrischen Klinik im algerischen Blida. Was kann ein Psychiater in einem kolonisierten Land machen, wenn er nicht Kollaborateur der Kolonialmacht sein will? Er duldet nicht, dass seine Patientinnen und Patienten nicht als Subjekte behandelt werden. Diese Tätigkeit als Arzt und Psychiater kann - muss nicht - ein Sich-Öffnen für das Individuum in Gang setzen. Dieser Fokus »Individuum«, nicht der taube Individualismus unserer Tage, ist unter den Revolutionären jener Epoche alles andere als verbreitet. »Die kulturelle Mumifizierung bringt eine Mumifizierung des individuellen Denkens mit sich ... Als ob es für einen Menschen möglich wäre, sich irgendwie zu entfalten, als im Rahmen einer Kultur, die ihn anerkennt und die er aus freien Stücken übernimmt.«

Ende 1957 schickt Fanon sein Kündigungsschreiben an den Gouverneur: »Der Wahnsinn ist eines der Mittel, das dem Menschen zur Verfügung steht, um seine Freiheit zu verlieren. Und ich kann sagen, dass ich an diesem Schnittpunkt stand, dass ich mit Schrecken die Tiefe der Entfremdung der Bewohner dieses Landes ausgelotet habe.«

Er wird aus Algerien ausgewiesen und findet sein Exil im benachbarten Tunesien. Noch im selben Jahr wird er zum Sprecher der FLN. Die Vorträge, die er auf internationalen Foren hält, die Zeitungsartikel in »El Moudjahid« und die Aufrufe an die afrikanische Jugend spiegeln sein Denken und seinen Kampf in dieser seiner aktivsten Lebensphase wider. Die französische Regierung tut alles, meist vergeblich, ihn von der internationalen Bühne fernzuhalten, wenn es sein muss, auch mit einem Attentatsversuch.

Im wild entschlossenen Bemühen, ein zweites Dien Bien Phu abzuwenden, ist sich die französische Republik für nichts zu schade. Streckenweise fragt man sich: Wo ist der Unterschied zu Nazideutschland? Französische Intellektuelle beklagen sich, so Fanon, dass »die französischen Wehrpflichtigen ›dort den Faschismus erlernen‹«. Es gelingt der Kolonialarmee, militärisch die Oberhand zu gewinnen, mit systematischer Folter, mit Massakern, Hinrichtungen, zahllosen Bombardierungen von Dörfern, mit der Internierung großer Teile der ländlichen Bevölkerung in Konzentrationslagern - kurz: mit einer Kriegsführung, die bei Regierungen, die nicht zum freien Westen gehören, als Kriegsverbrechen eingestuft und sanktioniert werden würde.

Ausführlich schreibt Fanon über die Auslöschung des tunesischen, an der algerischen Grenze gelegenen Dorfes Sakiet Sidi Youssef und seiner fast 100 Kinder, Frauen und Männer durch die französische Luftwaffe. Mit der so gewonnenen militärischen Überlegenheit hat die Kolonialmacht indes eine politische und moralische Niederlage erreicht, nicht nur in Nordafrika, sondern auch in Frankreich.

Fanons Vorgehen erinnert an einen Operateur, der mit einem scharfen Skalpell ohne Zögern herauspräpariert, was unter der Oberfläche zu finden ist, ein von schmerzhafter Klarheit geprägter Eingriff in die gebrochene Welt, in der wir leben. Fanon zeigt uns die Wechselwirkung von Kolonialismus, Körperlichkeit und revolutionärem Kampf. Er wird zur Symbolfigur eines neuen schwarzen Selbstbewusstseins.

Fanon ist viele Jahre von einer unerschütterlichen Gewissheit beseelt. Er war in jener Zeit gewiss nicht der Einzige. Zweifel kommen ihm erst später. Der letzte Artikel in der Sammlung stammt vom Februar 1961: »Der Tod Lumumbas: Hätten wir anders handeln können?« Er weiß inzwischen, dass mit dem Abzug der Kolonialarmee und der formalen Unabhängigkeit die Freiheit noch lange nicht gewonnen ist. Die kommenden Jahrzehnte in Algerien sollten die Befürchtungen Fanons um ein Vielfaches übertreffen. 1992, um nur das Furchtbarste zu nennen, kommen im Bürgerkrieg zwischen radikalen Islamisten und der algerischen Armee 120 000 Menschen zu Tode.

Aber es gibt auch Hoffnung: Eine breite Jugendbewegung hat sich in den algerischen Städten entwickelt. Sie hat 2019 den Dauerpräsidenten Bouteflika zum Rücktritt gezwungen; nach einer pandemiebedingten Pause ist die Bewegung seit 2021 wieder auf der Straße. Ihre Forderungen: Weg mit den Generälen, Unabhängigkeit für Algerien.

Frantz Fanon: Für eine afrikanische Revolution. Politische Schriften, hg. v. Barbara Kalender. A. d. Frz. v. Einar Schlereth. März-Verlag, 259 S., geb., 22 €.
https://www.nd-aktuell.de/artikel/1162784.frantz-fanon-der-eingriff-in-die-gebrochene-welt.html?sstr=Lutz%7CTaufer
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Kuddel

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Re: Kolonialismus
« Antwort #12 am: 09:55:12 Mo. 18.April 2022 »
Zitat
Museumsbundchef sieht Rückgabe von Kulturgütern nur als Anfang der Aufarbeitung

Der Präsident des Deutschen Museumsbundes, Köhne, fordert, das koloniale Erbe Deutschlands umfassender als bisher aufzuarbeiten.


Die Rückgabe von Raubgut und Kulturobjekten wie zuletzt bei den Benin-Bronzen an das heutige Nigeria könne nur der Anfang sein, sagte Köhne der Deutschen Presse-Agentur. Das eigentliche Ziel müsse ein globales Miteinander sein, das über den Kulturaustausch hinausgehe. Dazu müsse die Politik ihr Engagement in Afrika und andernorts hinterfragen, etwa mit Blick auf faire wirtschaftliche Beziehungen und den Klimawandel.
Köhne betonte, nicht alle kolonialen Kulturschätze in deutschen Museen seien Raubgut. Vieles sei auch gekauft, getauscht oder geschenkt worden. Bei der Prüfung der Erwerbshintergründe müssten die Herkunftsländer eingebunden werden, meinte der Museumsbundchef. Es gehe hier nicht in erster Linie um juristische Fragen, sondern um eine moralische Verpflichtung.
https://www.deutschlandfunk.de/museumsbundchef-sieht-rueckgabe-von-kulturguetern-nur-als-anfang-der-aufarbeitung-104.html

Sehr gut.