Autor Thema: Geschichtsträchtig: Wilder Streik bei Gorillas  (Gelesen 662 mal)

Nikita

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Re: Geschichtsträchtig: Wilder Streik bei Gorillas
« Antwort #15 am: 22:39:29 Fr. 02.Juli 2021 »
arbeitsunrecht FM Nr. 26 - Interview zu den Streiks beim Lieferdienst Gorillas
Ab Minute 11:22

https://www.youtube.com/C34W0cR7uL0?t=682

Kuddel

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Re: Geschichtsträchtig: Wilder Streik bei Gorillas
« Antwort #16 am: 10:48:36 Mi. 07.Juli 2021 »
Mir sagte mal jemand, wenn Arbeiter selbstorganisiert streiken, zieht das Politiker und Organisationen an, wie Scheiße die Fliegen.

Ein Wilder Streik mischt die Karten neu.
Da wollen alle mitmischen.
Politiker, Journalisten, Politologen, Soziologen.
Der Arbeiter, das fremde Wesen.

Zitat
Arbeitssoziologin über Gorillas-Streiks
„Solidarität ist etwas Gelebtes“

Beim Lieferdienst Gorillas treten Beschäftigte in wilde Streiks. Ein Gespräch über die Chancen und Risiken des Arbeitskampfes in der Gig-Economy.


https://taz.de/Arbeitssoziologin-ueber-Gorillas-Streiks/!5780452/

Kuddel

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Re: Geschichtsträchtig: Wilder Streik bei Gorillas
« Antwort #17 am: 15:38:58 So. 11.Juli 2021 »

Kuddel

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Re: Geschichtsträchtig: Wilder Streik bei Gorillas
« Antwort #18 am: 16:52:42 Do. 15.Juli 2021 »
Ich sagte ja, die paar Radkuriere schreiben mit ihrem Kampf Geschichte:

Zitat
Streiks bei Lieferdienst Gorillas: Arbeitsminister Heil schaltet sich ein

Der Arbeitskampf beim Berliner Lieferdienst beschäftigt die Bundesregierung. Der Bundesarbeitsminister sucht das Gespräch mit Ridern und Geschäftsführung.
https://www.heise.de/news/Streiks-bei-Gorillas-Arbeitsminister-Heil-schaltet-sich-ein-6139787.html

Anderswo werden hunterte, manchmal Tausende entlassen. Das geht Dank DGB recht geräuschlos über die Bühne. Hier waren es nur einige Dutzend Kurierfahrer, die keinen Bock hatten, sich an die deutschen Regeln des Arbeitskampfes zu halten. Die Medien sind in Aufruhr. Der Bundesatrbeitsminister schaltet sich ein.

Es zeigt, wieviel Panik sie haben, daß Arbeitskämpfe außer Kontrolle geraten könnten.

Auch in China hat Xi Jinping die Probleme der Kurierfahrer zur "Chefsache" erklärt. Man möchte den Pöbel unter Kontrolle halten...

Kuddel

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Re: Geschichtsträchtig: Wilder Streik bei Gorillas
« Antwort #19 am: 17:00:04 So. 18.Juli 2021 »
Und jetzt wieder die FAZ:

Zitat
(...) Treten Probleme auf, ist das Unternehmen für seine Arbeiter offenbar nur per Email erreichbar. Merkwürdig, schließlich seien die Fahrer – „Rider“ genannt – doch Teil einer „Crew, die sich gegenseitig hilft und stärkt“. So jedenfalls verspricht es das Unternehmen auf seiner Website. Was nach der hohlen Start-up-Rhetorik des Silicon Valley klingt, trifft zumindest teilweise zu. Allerdings ganz anders, als von Gorillas gedacht: Die „Rider“ verabreden sich per Twitter zum Arbeitskampf.

Wo es nur maximal 280 Zeichen braucht, um auf Empörungswellen mitzureiten, lässt sich nun auch der Kampf zwischen Kapital und Arbeit fortführen. Zu den Vorzügen dieser Entwicklung gehört, eine Art Basisgewerkschaft online gründen zu können. Die „Gorillas Workers Collective“ organisiert Blockaden und Arbeitsverweigerung in Echtzeit. Bei den Aktionen handelt es sich rein rechtlich um „wilde Streiks“, die ohne Vorankündigung oder zentrale Koordination großer Gewerkschaften stattfinden. Legal ist das nicht. Doch bürokratische Streikhürden zu überwinden, dürfte für die überwiegend migrantischen Arbeitskräfte schwer möglich sein.

Viele von ihnen sprechen kaum Deutsch. Dass sie jetzt Begriffe wie „Betriebsrat“ oder „Kündigungsschutz“ in ihren Wortschatz aufnehmen, dürfte die Vorstandsetage von Gorillas nervös machen. Das Unternehmen lenkte kürzlich ein und kündigt einen Maßnahmenplan an, der Kontrollen der Ausrüstung und ein größeres Support-Team verspricht. Nicht nur Konkurrenten wie Lieferando und Co. werden gespannt verfolgen, wie sich der Schlagabtausch bei Gorillas fortsetzt. Er ist bereits zum Präzedenzfall einer Streik-Kultur geworden, für die es lediglich ein Smartphone und einen Twitteraccount braucht – und natürlich Verbündete. Gorillas liefert in zehn Minuten? Der Schlachtruf der Aufständischen unterbietet das noch: „Wir organisieren uns in unter zehn Minuten“.
https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/mitarbeiter-des-lieferdienstes-gorillas-streiken-17443212.html

Kuddel

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Re: Geschichtsträchtig: Wilder Streik bei Gorillas
« Antwort #20 am: 16:00:02 Mo. 19.Juli 2021 »
Der Bundesarbeitsminister will nun persönlich mit den Streikenden reden.

Aus einem aktuellen Gorillas Tweet:
Zitat
Gorillas workers are invited tmr to participate in a discussion with @hubertus_heil
 at 14.15 at Lausitzer Platz, after which he will meet with @gorillasapp
 mgmt. The governing coalition is responsible for the company-friendly labour laws in DE. We won't cuddle up to him.

[Gorillas-Beschäftigte sind morgen eingeladen, an einer Diskussion mit Hubertus Heil teilzunehmen, um 14.15 Uhr am Lausitzer Platz und anschließendem Treffen mit Gorillasapp Management. Die Regierungskoalition ist verantwortlich für die unternehmensfreundlichen Arbeitsgesetze in DE. Wir werden nicht mit ihm kuscheln.]

Kuddel

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Re: Geschichtsträchtig: Wilder Streik bei Gorillas
« Antwort #21 am: 10:45:38 Di. 20.Juli 2021 »
Eine kleine Auseiandersetzung mit großen Auswirkungen:

Der Wilde Streik bei Gorillas verändert bundesweit die Debatte und die Haltung zu Arbeitskämpfen...

Zitat
Wilder Streik bei Gorillas
Falsche Glaubenssätze
Zu Arbeitsniederlegungen muss eine Gewerkschaft aufrufen, und die Forderungen müssen in Tarifverträge passen: Das stimmt nicht
https://www.jungewelt.de/artikel/404811.wilder-streik-bei-gorillas-falsche-glaubenss%C3%A4tze.html?sstr=hopmann

Fritz Linow

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Re: Geschichtsträchtig: Wilder Streik bei Gorillas
« Antwort #22 am: 16:35:02 Di. 20.Juli 2021 »
Das blöde Arschgesicht will doch bloß selber seine Würstchen und Knödel schnell und unkompliziert geliefert bekommen:


Kuddel

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Re: Geschichtsträchtig: Wilder Streik bei Gorillas
« Antwort #23 am: 13:41:55 Mi. 21.Juli 2021 »
Auch der SPIEGEL ist besorgt:

Zitat
Fremdeln mit klassischen Gewerkschaften

Getragen wird der Protest von einem losen Zusammenschluss von Beschäftigten, dem Gorillas Workers Collective (GWC), das vielleicht nur aus ein paar Dutzend Aktivisten besteht. Es ist unklar, für wie viele der Gorillas-Beschäftigten GWC spricht. Klar ist nur: GWC verschafft sich gerade lautstark Gehör, vor allem über die sozialen Medien und den Messengerdienst Telegram.

Auch das ist Teil der kulturellen Drift. Das GWC ist weit entfernt von den klassischen deutschen Gewerkschaften. Es ist eine Bewegung, von der Freien Arbeiterinnen- und Arbeiterunion unterstützt, einer kleinen, linken, anarchosyndikalistischen Basisgewerkschaft. Bislang sind die Arbeitsniederlegungen des GWC nach deutschem Recht »wilde Streiks«, die zu Abmahnungen oder Kündigungen führen könnten – was bislang aber wohl noch nicht geschehen ist.

Im klassischen Gewerkschaftslager ist die Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di für den Lieferdienst zuständig. Ver.di hat den Beschäftigten Hilfe und Unterstützung angeboten, auch bei einer Betriebsratsgründung. Es gab erste Kontakte, doch zwischen den Welten fremdelt es. Das GWC steht den klassischen Gewerkschaften skeptisch gegenüber. Es glaubt, sie wollten das Risiko von Streiks nicht mittragen.

Die Belegschaft selbst ist wohl auch nicht die klassische Klientel einer klassischen Gewerkschaft. Eine erkleckliche Zahl von ihnen, wie viele lässt sich nicht klar beziffern, kommt aus lateinamerikanischen Ländern wie Argentinien oder Chile. Sie kommen mit sogenannten Working-Holiday-Visa – einer zeitlich befristeten Arbeitserlaubnis für junge Menschen. Sie dürfen nur längstens sechs Monate bei einem Arbeitgeber arbeiten. Ein Gutteil von ihnen sucht eigentlich andere Jobs, etwa als IT-Spezialisten. Doch fällt nach sechs Monaten der befristete Job bei Gorillas weg und haben sie in der Zwischenzeit keinen neuen gefunden, endet auch ihre Aufenthaltsgenehmigung.

Schwer zu sagen, wo in dieser ganzen Gemengelage die Grenze zwischen gerecht und ungerecht verläuft. Es wirkt eher so, als versuche hier so gut wie jeder, einen noch recht unstrukturierten Raum zum eigenen Vorteil zu nutzen.
https://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/hubertus-heil-besucht-gorillas-im-dschungel-der-widersprueche-a-00f98090-3528-44e6-95eb-616d2aab9ef6

Kuddel

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Re: Geschichtsträchtig: Wilder Streik bei Gorillas
« Antwort #24 am: 14:35:33 Mi. 21.Juli 2021 »
Oho, die Zeit spricht von einer "neuen Arbeiterklasse"!
Zitat
Hubertus Heil sprach heute mit Fahrern des Zehn-Minuten-Lieferdienstes. Höchste Zeit, sich einer Branche anzunehmen, die die neue Arbeiterklasse hervorbringt.

Und der sozialdemokratische Arbeitsminister weiß auch, wie man diese Unruhe beenden kann: Man sollte sich "mit den etablierten Gewerkschaften zusammenzutun".
Zitat
Ob jede einzelne der Forderungen der Fahrer gerechtfertigt ist und ob der Arbeitsminister daran etwas ändern kann, ist zweitrangig. Wichtig ist, dass Hubertus Heil jetzt einer Arbeiterschaft zuhört, die zu Tausenden unter teils prekären Bedingungen arbeitet. Bei seinem Termin forderte Heil erneut, Befristungen ohne Grund zu beenden, und riet den Fahrerinnen und Fahrern, sich für ihre Proteste mit den etablierten Gewerkschaften zusammenzutun. 
https://www.zeit.de/arbeit/2021-07/arbeitsbedinungen-lieferdienst-gorillas-hubertus-heil-austausch-gorillas-fahrer