Autor Thema: Braune Traditionen im Bundesarbeitsgericht  (Gelesen 714 mal)

ManOfConstantSorrow

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Braune Traditionen im Bundesarbeitsgericht
« am: 19:12:17 Mo. 13.Dezember 2021 »
Zitat
Am Bundesarbeitsgericht haben bis in die 1980er-Jahre Richter mit NS-Vergangenheit Recht gesprochen. Bis heute hängen ihre Fotos im Gericht in Erfurt. Eine systematische Aufarbeitung fand nach MDR-Recherchen bislang nicht statt. (…) Das Ex-NSDAP-Mitglied [Willy Martel] wurde Richter am neu geschaffenen Bundesarbeitsgericht an seinem damaligen Sitz in Kassel. Bis heute hängt sein Bild ohne einordnenden Kommentar in der Ahnengalerie in einem Gebäude auf dem Erfurter Petersberg, wohin das Gericht 1999 umgezogen ist. (...)

NS-Belastungen in der beruflichen Karriere treffen auch zu auf den ehemaligen Richter am Bundesarbeitsgericht, Georg Schröder. Der NS-Jurist war ab 1940 Chef der Abteilung “Feindvermögen” in den damals besetzten Niederlanden. Unter seiner Leitung wurden die jüdischen Unternehmen “arisiert” und jüdisches Vermögen beschlagnahmt.
tagesschau.de via https://www.labournet.de/?p=182620

Zitat
Hans Carl Nipperdey, führender Arbeitsrechtler in der NS-Zeit, von 1954 bis 1963 Präsident des Bundesarbeitsgerichts, hat das restriktive deutsche Arbeitsrecht bis heute geprägt: Politische Streiks sind verboten, Beschäftigte zur Treue verpflichtet und Whistleblower nahezu ungeschützt. In der Weimarer Republik noch nationalliberal, verfasste Nipperdey unterm Hakenkreuz zusammen mit Alfred Hueck das „Gesetz zur Ordnung der nationalen Arbeit“. Es beseitigte die Reste des Weimarer Arbeitsrechts, verankerte das „Führerprinzip“ in den Betrieben und bestimmte Arbeitnehmer als „Gefolgsleute“. In der Bundesrepublik reüssierte Nipperdey zuerst als SPD-Mitglied, wechselte dann ins Arbeitgeberlager. Seine aus der NS-Zeit transformierten ideologischen Grundsätze von Unternehmen als Betriebsgemeinschaften und von der Fürsorge- und Treuepflicht von Unternehmern und Beschäftigen sind bis heute maßgeblich. Sie führten u.a. auch dazu, dass Deutschland die Whistleblower-Richtlinie der EU bis 2021 nicht umgesetzt hat.
https://www.labournet.de/politik/alltag/arbeitsrecht-alltag/arbeitsrecht-allg/bundesarbeitsgericht-richter-mit-ns-vergangenheit/

Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!

Kuddel

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Re: Braune Traditionen im Bundesarbeitsgericht
« Antwort #1 am: 21:13:02 Di. 14.Dezember 2021 »
Zitat
Das paternalistische Arbeitsrecht des Hans Carl Nipperdey
Den Unternehmern treu ergeben

Tolle Sendung.

Kann man hier nachhören: https://www.hoerspielundfeature.de/das-paternalistische-arbeitsrecht-des-hans-carl-nipperdey-100.html