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Ex-DDR, "Neue Bundesländer", Sonderwirtschaftszone, Billiglohnregion

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Kuddel:
Die Lohnkarte erinnert an die verdrängten Folgen der "Wiedervereinigung".



Die DDR war nicht toll und auch kein politisches System, das man als vorbildlich hinstellen kann. Die Repression und die Wahlfälschungen gehörten zur traurigen Realität.

Die DDR ermöglichte aber den Menschen ein ökonomisch gesichtertes Leben und die Mieten waren spottbillig. Das System hat den Rückhalt in der eigenen Bevölkerung verloren. Sie wollte glauben, im Goldenen Westen sei alles besser. Die Westwirtschaft marschierte mit Unterstützung der Politik ein. Die DDR Wirtschaft wurde geschluckt und abgewickelt. Wirtschaftlich funktionerende Betriebe, auch die, die locker mit der Konkurrenz aus dem Westen mithalten konnten, wurden einfach dichtgemacht.

Die DDR Bevölkerung wurde wie Dreck behandelt. Die Medien behaupteten, sie wüßten nichts mit "Demokratie" anzufangen. Politik, Verwaltung, Wirtschaft, Kultur, alles wurde ihnen vor die Nase gesetzt und sie hatten null Mitspracherecht. Es waren nicht nur Politik und Medien herablassend, die westdeutsche Linke und Antifa war es oftmals auch.

Die DDR wurde abgehängt,  ausgepreßt, ausgeblutet. Hier und da wurden Logistikzentren aus dem Boden gestampft, ansonsten ließ man die Infrastruktur im ländlichen Raum vor die Hunde gehen. Ärzte, Kitas, Bücherreien, Kultur, Busverbindungen, alles ist den Bach runtergegangen.

Wenn man sich mit den politischen Verhältnissen und dem politischen Klima auseinandersetzen will, muß man sich auch um die Alltagsprobleme der Menschen und die ökonomische Situation der Region kümmern. Es ist und bleibt eine Sonderwirtschaftszone mit Billiglöhnen. Der DGB hat es seit Jahrzehnten nicht für nötig gehalten, für gleiche Löhne in Ost und West zu kämpfen

counselor:
Ich habe unlängst in einem ökonomischen Fachbuch das Schlagwort der "Dependenzökonomie " in Bezug auf Ostdeutschland gelesen.


--- Zitat ---Es waren nicht nur Politik und Medien herablassend, die westdeutsche Linke und Antifa war es oftmals auch.
--- Ende Zitat ---

Viele Westdeutsche waren damals arrogant zu den Ostdeutschen. Es ging im Osten das Schlagwort vom "Besserwessi" um.

Kuddel:
Noch eine hilfreiche Grafik zum Thema:



Kuddel:
Hier das Gleiche nochmal in einer anderen Grafik:



Und diese Zustände haben dazu geführt, daß ein großer Teil der jüngeren, gesunden und lebenshungrigen Menschen in den Westen gezogen ist. Die Gebliebenen haben einen höheren Altersdurchschnitt und einen höheren männlichen Anteil als die Westbevölkerung.

Man regt sich über das politische Klima im Osten auf, interessiert sich aber wenig für die Ursachen.

counselor:
Es gab aber auch eine umgekehrte Bewegung. Die Universitäten im Osten waren in den 90gern attraktiv für Studenten (wegen des guten Betreuungsschlüssels). Da sind einige im Osten Studieren gegangen und dort hängen geblieben. So der Bruder einer Kollegin von mir, der in Thüringen Informatik studiert hat und heute in Jena eine Existenz  hat. Ich war auch in den 90ern in Cottbus und bin nur in den Westen zurück,  weil ich im Osten keine Festanstellung bekommen habe.

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