Autor Thema: Aserbaidschan-Connection: fragdenstaat verklagt Berliner Humboldt-Universität  (Gelesen 362 mal)

dagobert

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Aserbaidschan-Connection: Wir verklagen Berliner Humboldt-Universität

Über 10 Jahre lang ließ sich sich die Berliner Humboldt-Universität einen dubiosen Stiftungslehrstuhl zur aserbaidschanischen Geschichte finanzieren – direkt von der aserbaidschanischen Botschaft. Den Stiftungsvertrag will die Uni aber nicht herausgeben, weil die Botschaft das nicht will. Deswegen haben wir Klage eingereicht.

Im Herbst 2021 war der Spuk endlich vorbei: Mehr als zehn Jahre lang finanzierte der aserbaidschanische Staat über seine deutsche Botschaft einen Lehrstuhl zur „Geschichte Aserbaidschan“ an der renommierten Berliner Humboldt-Universität (HU). Ende September beendete die umstrittene Inhaberin der Professur am Institut für Geschichtswissenschaften, Eva-Maria Auch, ihre Tätigkeit.

Damit gab die HU Berlin unter anderem auch der großen Kritik am Stiftungslehrstuhl nach, die auch aus der eigenen Uni kam. Der RefRat der Hochschule nannte ihn einen „Lobby-Lehrstuhl, der sich mit den nationalistischen Narrativen des autoritären Alijew-Regimes gemein macht“. Am Lehrstuhl hätten „dem Regime genehme Lehre und Forschung unter anderem zur Nationen- und Elitenbildung Aserbaidschans“ stattgefunden. Tatsächlich fiel Professorin Auch immer wieder mit ihrer Parteinahme für das aserbaidschanische Regime auf, wie Recherchen etwa von VICE zeigten.

Millionen Euro vom autoritären Regime

Sollte die HU hoffen, dass mit der Abwicklung des Lehrstuhls auch die Debatte um ihre Verbindungen zum autoritären Staat beendet sind, hat sie sich allerdings getäuscht. Den Vertrag zur Errichtung des Lehrstuhls, der der HU seit 2010 jährlich 100.000 bis 150.000 Euro einbrachte, will die Hochschule nämlich weiterhin nicht herausgeben. Man dürfe ihn zwar in den Räumen der Uni einsehen, die aserbaidschanische Botschaft habe allerdings widersprochen, das „diplomatische Schriftstück“ herauszugeben.

Daher haben wir mit Unterstützung der Gesellschaft für Freiheitsrechte Klage gegen die HU beim Verwaltungsgericht eingelegt. Der Stiftungsvertrag ist freilich kein diplomatisches Schriftstück – und die HU natürlich keine diplomatische Vertretung – und Transparenz über Lehrvereinbarungen sollte eigentlich im Interesse einer demokratischen Hochschule sein.

Würde die HU die Rechtswissenschaftler*innen im eigenen Hause befragen, kämen die vermutlich zu einem ähnlichen Ergebnis. Stattdessen verschleiert die Universität aber weiter. Kommunikation des Lehrstuhls mit der aserbaidschanischen Botschaft wurde bereits gelöscht, wie uns die HU-Pressestelle mitteilte. Und was angeblich nicht mehr da ist, kann auch nicht mehr angefragt werden. Welche weiteren Leichen die HU im Keller hat, wird das Ergebnis unserer Klage zeigen.
https://fragdenstaat.de/blog/2022/01/18/hu-berlin-aserbaidschan-connection/

Wer will, kann dort auch die Klage nachlesen.
"Ich glaube, daß man nichts vom Krieg mehr wüßte,
wenn wer ihn will, ihn auch am meisten spürt."
Udo Jürgens (Ich glaube, 1968)