Autor Thema: Chefduzen auf Alpentour  (Gelesen 270 mal)

admin

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Chefduzen auf Alpentour
« am: 19:23:53 So. 12.Juni 2022 »
Chefduzen Germany ist zu Gast bei den Kollegen aus Switzerland.






Onkel Tom

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Re: Chefduzen auf Alpentour
« Antwort #1 am: 13:49:56 Mo. 13.Juni 2022 »
Schön  :) Viel Glück und Daumendrück  ;)
Lass Dich nicht verhartzen !

BGS

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Re: Chefduzen auf Alpentour
« Antwort #2 am: 21:16:19 Mo. 13.Juni 2022 »
Viel Glück und Daumendrück 

auch aus dem Norden!

MfG

BGS

"Ceterum censeo, Berolinensis esse delendam"

https://forum.chefduzen.de/index.php/topic,21713.1020.html#lastPost
(:DAS SINKENDE SCHIFF DEUTSCHLAND ENDGÜLTIG VERLASSEN!)

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Re: Chefduzen auf Alpentour
« Antwort #3 am: 22:59:44 Di. 14.Juni 2022 »
chefduzen grüßt aus Zürich vom Feministischen Streik:


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Re: Chefduzen auf Alpentour
« Antwort #4 am: 23:57:01 Fr. 24.Juni 2022 »
Immerno hässig



Chefduzen Schweiztour Juni 2022



Unsere erste Station war Zürich.



Wir waren untergebracht in einem ehemals besetzten Haus. Plakatkunst im Treppenhaus:



Man hat uns geraten, bereits einen Tag vor unserer ersten Veranstaltung da zu sein. Dann könnten wir noch den Femeinistischen Streik mitbekommen. Das sollte zwar nicht so groß werden, wie 2019, als 100.000 Schweizerinnen auf der Straße waren (Bericht über die Demo vor 3 Jahren: https://www.srf.ch/news/schweiz/protokoll-zum-nachlesen-das-war-der-schweizer-frauenstreik-2019 ), aber man versprach, es würde sich lohnen. Und es war wahrlich beeindruckend. Hier ein paar Schnappschüsse...















Postkartenmotiv mit Demonstrationszug.



PK = Pensionskasse, ist für die meisten erwerbstätigen Menschen obligatorisch. Sie ergänzt die AHV-Rente und soll es Ihnen ermöglichen, auch nach der Pensionierung einen angemessenen Lebensstandard aufrechtzuerhalten.



Bengalos waren auch dabei.


















Feminismus ist für alle.











Die Demo war laut und kämpferisch.



Nicht nur "Feuer und Flamme für das Patriachat"...



sondern auch "Revoluuution" und "A-A-Anticapitalista" schallte durch die Straßen Zürichs.


 
Die NZZ war entsetzt. Sie schrieb: "«Feuer und Flamme dem Patriarchat» – in der Zürcher Innenstadt protestieren Frauen für mehr Gleichstellung. In Zürich ist der Frauenstreik fest in linker Hand."



























Bonzenkarren wurden verziert und an den Feministischen Streik erinnert.



In den nächsten Tagen folgen Berichte über die weitere chefduzen-Schweiztour.

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Re: Chefduzen auf Alpentour
« Antwort #5 am: 20:00:20 Sa. 25.Juni 2022 »


Uns wurde schnell klar, wie wenig Ahnung wir von unserem Nachbarland hatten. Wir versuchten, mit offenen Augen und Ohren durch die Deutschschweiz zu reisen. Es war schon recht anders. Man hatte das Gefühl, sich durch Postkartenszenerien zu bewegen. Alles schien geordnet und irre sauber. Wir waren in einem reichen Land gelandet. Der Wechselkurs Schweizer Franken und Euro liegt gerade bei Pi mal Daumen 1:1. 3000€ Schweizer Franken gilt als Armutsgrenze. Die vergleichbar hohen Löhne dort braucht man auch. Ich erinnere 13 CHF für einen Hamburger. Leute in prekären Jobs (gerade unter Migranten) haben es nicht leicht. Ein Schulessen kostet 18 CHF pro Tag. In der recht biederen Schweizer Gesellschaft möchte keiner als arm gelten und so versucht man nach Außen den Schein zu wahren, und es verschulden sich viele, z.B. für Klamotten, Fitness, allgemeines Erscheinungsbild.



Von einigen Entwicklungen in Europa scheint die Schweiz abgekoppelt zu sein. Insbesondere im ländlichen Raum haben sich sehr traditonelle Vorstellungen von der Rolle der Frau gehalten, was 2019 zu der Explosion der Feministischen Bewegung geführt hat, die auch heute noch eine enorme Dynamik hat. Diese Bewegung zeigt sich nicht nur auf der Straße, sondern sie wirkt auch in die Arbeitswelt hinein. Da ist insbesondere das Gesundheitswesen zu nennen.


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Re: Chefduzen auf Alpentour
« Antwort #6 am: Gestern um 11:53:21 »
Unsere Tour beruhte auf dem Kontakt zu unserem schweizer Schwesterforum. Das Projekt liegt ein wenig darnieder und dümpelt vor sich hin und ist im Moment eher Archiv als Plattform einer aktuellen Diskussion. Von dort gingen Anfragen aus, wer Interesse an Veranstaltungen mit dem deutschen chefduzen-Projekt hätte. Es gab Feedback von schweizer Basigewerkschaften.

Organisiert wurden die Veranstaltungen von den Wobblies (IWW) oder der FAU Schweiz, teilweise von beiden zusammen. Es gab auch Interesse von der IGA http://www.viavia.ch/iga/, doch ein Treffen scheiterte an Terminproblemen.

Der Feministsche Streik fand am 14.6. statt, unsere erste Veranstaltung am nächtsten Tag in St. Gallen. 80.000 Einwohner,  Stiftskirche und Stiftsbibliothek, jede Menge historischer Schnickschnack, Weltkulturerbe, reichlich postkartig.





Selbst da fanden sich Spuren des politischen Widerspruchs.


Wir waren im Schwarzen Engel zu Gast.

Der Laden (Kneipe, Restaurant und Hotel) ist genossenschaftlich geführt. Es gibt wohl in der Schweiz eine große Zahl an genossenschaftlich betriebener Kneipen, die auch miteinander vernetzt sind. In der Pandemie hat man sich gegenseitig solidarisch unterstützt. Der Schwarze Engel hat auch einen politischen und subkulturellen Anspruch. Auch wenn zur Veranstaltung von einer kleinen Basigewerkschaft geladen worden ist, waren wir Gäste des Schwarzen Engels, spiesten und tranken auf dessen Kosten und nächtigten in ihrem Hotel.

An unserem esten Arbend ging es um Chefduzen, den Hintergrund und die Geschichte des Forums der Ausgebeuteten, um dessen Geschichte, die Konflikte und Erfolge.



Ein paar Fotos von unseren Aktionen, Flyer und Kollegenzeitungen und Transparente aus der Chefduzengeschichte.
 


Wenn man von 20 Jahren Aktivitäten berichtet, klingt es aufregend, als wären wir pausenlos aktiv, was ja nicht wir nicht ganz der Wahrheit entspricht. Die Phasen des Herumdümpelns und des Frusts verblassen dabei. Aber solche Veranstaltungen sind schon sinnvoll, denn auch für uns war es eine Möglichkeit, unsere Arbeit durch die Publikumsreaktionen mit etwas Distanz zu sehen. Unser Publikum war angetan und bedankte sich für spannende Berichte.

Und wir quetschten das Publikum aus, um die Schweiz etwas besser zu verstehen. Das schweizer Sozialsystem:
Zwei Jahre Arbeitslosengeld (70%-80%), danach Sozialhilfe, die zurückbezahlt werden muss, wenn man wieder arbeitet. Wird allerdings von Kanton zu Kanton unterschiedlich gehandhabt.

Im Moment gibt es starken Personalmangel, u.a. Touristik… „Es ist im Moment nicht leicht arbeitslos zu sein.“

Streiks finden kaum statt, so daß  jemandem im Gespräch Deutschland wie ein Streikland vorkam. Es gibt allgemeinverbindliche Tarifverträge, die meist im stillen Kämmerlein ausgehandelt werden. Der Schweizer Gewerkschaftsbund (SGB) scheint noch klassenharmonistischer als der DGB zu sein. Einige sprachen von "gelben Gewerkschaften". Auf dem Bau gibt es am ehesten Proteste (Unia).

Im Gesundheitsbereich gibt es durchaus großen Unmut, ähnlich wie in Deutschland wegen Überlastung, vor allem in den Pflegeheimen. Es gibt auch eine Art Kirchliches Arbeitsrecht.

Leiharbeit, dort „Temporärarbeit“ genannt, findet im eher prekären Bereich statt, für Migranten, Studenten usw. quasi Einstieg in die Arbeitswelt. Die ersten drei Monate sind in irgendeinem Bereich Abgabefrei. Die Gehälter werden zwischen Entleiher und Verleiher ausgehandelt. Kündigungsschutz ist quasi nicht vorhanden, eher Hire and Fire.