Autor Thema: Armut + Kiddis  (Gelesen 3015 mal)

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Armut + Kiddis
« am: 03:27:49 Sa. 24.Januar 2004 »
Der Sozialhilfesatz in Deutschland reicht bei einer Familie nur 20 Tage lang für eine gesunde Ernährung. Zu diesem Ergebnis gelangten Forscher der Universität Gießen in einer Studie, die jetzt bei einer Tagung zur Ernährung von Kindern und Familien in Armut in Hannover vorgestellt wurde. Aus finanziellen Gründen verpflegten sich, so die Ernährungswissenschaftlerin Stephanie Lehmkühler, Sozialhilfeempfänger überwiegend mit Brot, Kartoffeln und Teigwaren. Für ausreichend Obst und Gemüse reiche das Geld nicht. Lehmkühler berichtete von gravierenden Folgen, die diese Fehlernährung besonders bei Kindern habe. Die Jungen und Mädchen seien körperlich inaktiver und sähen häufiger fern. Unabhängig von der Universität Gießen hatte auch die Universität Kiel eine ähnliche Studie zum Ernährungsverhalten von Kindern in erstellt. Die "Nordlichter" stellten fest, dass Jungen und Mädchen aus unteren sozialen Schichten oft übergewichtig seien und an Minderwuchs litten. Die Wissenschaftler waren sich einig, dass die sinnvollste Antwort auf dieses Problem die Erhöhung der Sozialhilfesätze wäre. Angesichts leerer Kassen in den Kommunen sei dieser Weg aber nicht gangbar, erklärte Thomas Altgeld von der Landesvereinigung Gesundheit Niedersachsen. Stattdessen solle versucht werden, auf kommunaler Ebene für eine ernährungswissenschaftliche Aufklärung der Bevölkerung zu sorgen.

Armut fördert Asthma

NEW YORK. Bei Armut steigt das Asthma-Risiko bei Kindern auf das 21-fache.
Dies ist das Ergebnis einer Studie über die Verbreitung von Asthma in Großstädten, die von der "Mount-Sinai School of Medicine" erarbeitet wurde. Grundlage der Studie ist die Zahl der Krankenhauseinweisungen von Kindern wegen Asthma in verschiedenen New Yorker Stadtteilen im Jahr 1994. Die Ergebnisse der ersten Untersuchung dieser Art in den USA hat die Wissenschaftler überrascht. Philip Landrigan, einer der New Yorker Forscher: "Wir hatten Unterschiede zwischen armen und reichen Wohngegenden vermutet. Dass der Gegensatz aber so krass ausfällt, hätten wir nicht gedacht."

Umweltgifte und gefährliches Baumaterial

Im Osten Harlems, der ärmsten Region der Stadt, ermittelten die Forscher 222 Einweisungen wegen Asthma pro 10 000 Einwohner. In der zweitärmsten Gegend New Yorks, im Norden Brooklyns, waren es noch 170. Keine einzige Einweisung gab es dagegen in den fünf Bezirken mit dem höchsten Familieneinkommen, in Manhattan und einigen Randgebieten der Millionenstadt.
Über den Zusammenhang zwischen Umwelteinflüssen und der Häufigkeit von Asthma-Erkrankungen bei Kindern müsse zwar noch weiter geforscht werden, sagte Luz Claudio von der "Mount Sinai School of Medicine". Klar sei aber, dass Menschen, die in armen Wohngegenden leben, gesundheitsgefährdenden Stoffen wie Pestiziden oder veraltetem Baumaterial sehr viel stärker ausgesetzt sind. Er vermutet in diesen Stoffen den Grund für die "erschreckende" Häufigkeit der Krankheit in ärmeren Wohngegenden. Eine weitere Ursache sei das fehlendem Geld für eine medizinische Behandlung.  Claudio vermutet, dass die New Yorker Ergebnisse typisch für alle urbane Gegenden der USA und anderer Industrienationen sind. Nach Erhebungen der amerikanischen Gesundheitsbehörde ist Asthma bei Kindern mittlerweile der häufigste Grund für einen Krankenhausaufenthalt. Mehr als fünf Millionen Kinder werden in den USA derzeit wegen Asthma behandelt. Trotz neuer Medikamente hat sich die Zahl der Asthma-Anfälle bei Kindern im letzten Jahrzehnt verdoppelt. Zwischen 1980 und 1993 ist die Zahl der Kinder, die an der Krankheit starben, um 78 Prozent gestiegen.