Ämterstress - Fragen, Antworten und Erfahrungen > Infos + Urteile für Erwerbslose + Arbeitende

Aufhebungsvertrag oder Kündigung?

<< < (2/7) > >>

RAMeyer:
Das Wichtigste zu Beginn: Gadt hat recht!

Gründe:

1. Keine finanziellen Nachteile für den AN

2. Eine Kündigungsschutzklage kann deutlich teurer kommen


zu 1.:
Der An hat keine finanziellen Nachteile, da das AA zahlt. Darüber hinaus kann der hinausgeschobene Endtermin des Arbeitsverhältnisses zu einem weiteren Erwerb von Urlaubsansprüchen führt. Wenn man sich darüber hinaus unwiderruflich freistellen läßt, erhält man den Urlaub abgegolten (§ 7 BUrlG). Darüber hinaus läßt sich die Prüfung durch einen RA möglicherweise deutlich kostengünstiger im Rahmen einer Erstberatung durchführen.

zu 2.:
Erstmal ist eine Kündigungsschutzklage sehr teuer. Und in der ersten Instanz hat jeder seinen Anwalt selbst zu bezahlen, egal wer gewinnt.

Wenn Sie also unbedingt auf einer Kündigung bestehen, mag das möglicherweise Ihrem Gerechtigkeitsgefühl entsprechen, finanziell sinnvoll muss es aber nicht unbedingt sein. Und: Finanzielle Dinge sind bei drohender Erwerbslosigkeit wohl nicht ganz nachrangig!?

DeppVomDienst:

--- Zitat ---Und in der ersten Instanz hat jeder seinen Anwalt selbst zu bezahlen, egal wer gewinnt.
--- Ende Zitat ---

Das ist richtig in Bezug auf Arbeitsgerichtsangelegenheiten, allerdings werden die Kosten i.d.R. von der Gewerkschaft getragen, wenn man vernünftigerweise Mitglied ist (=Rechtschutz) bzw. man hat eine Rechtschutzversicherung. Andererseits - bei geringem Einkommen - (z.B. Call-Center), greift u.U. auch die Prozesskostenhilfe.
Ein Aufhebungsvertrag kann noch weitere Pferdefüße enthalten, da man ja unterschreibt, dass alle Ansprüche gegen den AG abgegolten sind. Bei meiner letzten Kündigung hätte ich definitiv keinen solchen Vertrag unterschrieben (selbst mit überdurchschnittlicher Abfindung, die eine eventuelle Sperre mehr als wettgemacht hätte), da ich wegen dem Bruch von Betriebsvereinbarungen seitens des AG weitere Ansprüche derzeit gerichtlich durchsetze, die im Falle eines Aufhebungsvertrages abgegolten wären. Man muss sehr genau den jeweiligen Einzelfall prüfen und sollte sich jedenfalls nicht mit einem Aufhebungsvertrag ohne eingehende Prüfung überrumpeln lassen (was wohl öfters leider passiert) ...

IchKannEchtNix:
Aufhebungsvertrag hin, Aufhebungsvertrag her.

Als mein Arbeitgeber brav beim Landesarbeitsamt um die Erlaubnis einer Massenentlassung gefragt hat (der dachte diesmal wuerde ers richtig machen), hat er 50% rausgeschmissen und das Arbeitsamt hat ihm quasi die Erlaubnis erteilt MICH zu einem Erwerbslosen zu machen.

Wir haben uns den Allerwertesten aufgerissen fuer diesen Laden, unbezahlte Ueberstunden gemacht, mies vergueteten Bereitschaftsdienst, konnten wegen Bereitschaft an Wochenenden kaum was unternehmen, und dann schmeissen die uns einfach raus.

Der groesste Teil der Gekundigten war Rechtschutzversichert, und die haben auch allesamt geklagt. Der Hammer war aber, was das Arbeitsamt uns mitteilte, als wie und melden wollten:

"Wenn Sie keine Kuendigungschutzklage einreichen, gehen wir davon aus, dass dies mit dem Arbeitgeber abgesprochen ist, und werden erst einmal nicht zahlen."

Ich waere SEHR SEHR vorsichtig mit dem Unterschreiben eines Aufhebungsvertrages.

Vielleicht war es ja nicht rechtens was das AAmt da machen wollte, aber eine solche Auseinandersetzung dauert Zeit und Nerven, und darueber hinaus auch Geld wenn die Leistungen wirklich fuer ein paar Wochen ausbleiben!

Luke:
Einmal in meinem Arbeitsleben hab ich einen Aufhebungsvertrag unterschrieben. Gleich vorweg, bereut hab ich es nicht.

Ich war gerade mal 1 Monat in der Firma und hatte dann einen Unfall der viereinhalb Monate Arbeitsunfähigkeit mit sich brachte. Mein AG hätte mir sofort kündigen können, da ich noch in der Probezeit war. Doch er tat es nicht. ??? Hätte er können ???

Nach eben jenen 4,5 Monaten erschien ich natürlich pünktlich zum Arbeitsbeginn (merkte sofort, dass es nicht mehr ging) und wurde nach ein paar Tagen auch prompt von einem Vorgesetzten zu einem Gespräch eingeladen mit aller Prominenz, bis hin zum Betriebsleiter. Dort offerierte man mir eben jenen Aufhebungsvertrag mit der schriftlichen Zusage, mir mein Gehalt incl. aller Zulagen (3-Schicht) noch 3 Monate zu zahlen. (Also zusammengerechnet hab ich für die Firma genau 5 Wochen in 5 Monaten gearbeitet, reine Arbeitszeit). Selbst mein techn. Abteilungsleiter  und der Betriebsleiter versprachen mir private Hilfe, bei der Neufindung eines Arbeitsplatzes.

Klar war für beide Parteien, ich konnte nach meiner Unfallverletzung meinen Arbeitsplatz nicht mehr ausfüllen. Das wurde mir am ersten Arbeitstag nach Krankenschein und REHA klar.

Also hab ich eingewilligt und unterschrieben. Tatsächlich bekam ich schon nach 3 Tagen von meinem (dann) ehemaligen Abteilungsleiter einen Anruf mit einem Tipp, wo ich mich melden sollte. Ich hab mich dann dort vorgestell und wurde eingestellt.

Will nur damit sagen, dass es auch anders laufen kann. Mit dem AA kam es zu keinen Problemen, hab echt keine Ahnung, was die dem AA mitgeteilt haben. Ist aber auch schon 10 Jahre her. Heute würde ich auch keine solche "Vereinbarung" mehr abzeichnen.

Grissom:
Hi, Luke,

freue mich, daß Du zu den sehr wenigen Arbeitnehmern gehört hast, der einen offenbar anständigen Arbeitgeber hatte.

Jedoch macht mich etwas stutzig: wo war der Unfall geschehen? War es ein Freizeit-Unfall, oder aber auf dem Weg zur Arbeit, in der Arbeit oder auf dem Weg von der Arbeit nach Hause?

Denn wenn es ein Arbeitsunfall war, der zudem im Verschuldensbereich des Arbeitgebers lag, hatte der AG erstens keinerlei Grund und Berechtigung, Dir während Deiner Krankheit zu kündigen (auch nicht, wenn das während der Probezeit war), und zweitens hatte er dann auch allen Grund, sich zu sorgen, ob Du ihn auf Schadenersatz und Rente verklagst, so daß dies die Ursache für sein freundluches Verhalten gewesen sein könnte.

Da es kaum anständige Arbeitgeber gibt, vermute ich mal, daß es so gelaufen ist, wie o.g.  - wäre nett, wenn Du hier mal etwas mehr dazu schreiben konntest.

Navigation

[0] Themen-Index

[#] Nächste Seite

[*] Vorherige Sete

Zur normalen Ansicht wechseln