Autor Thema: [Post] Privatisierung  (Gelesen 96641 mal)

ManOfConstantSorrow

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[Post] Privatisierung
« am: 21:35:12 Fr. 17.Januar 2003 »
Ich erinnere mich an die Zeiten wo nach langem Schlangestehen irgendwelchen Postlern von genervten Kunden an den Kopf geworfen wurde, "Wird Zeit, daß ihr privatisiert werdet!".  Damls waren gerade die ersten großen Privatisierungen in Gange. Da hieß es noch, "da läuft es dann alles viel Besser!"

Das hört man jetzt garnicht mehr. Die Post ist das beste Beispiel, was bei Privatisierung passiert. Ein Lehrstück über die Marktwirtschaft sozusagen.

Die Preise für einige Leistungen erhöhte sich z.T. um mehrere hundert %. Dafür werden Postkästen kaum noch gelehrt, oder verschwinden völlig von der Bildfläche, wie auch viele Postämter. Die Postler müssen jetzt zu schlechteren Bedingungen und härter arbeiten.

Der Kunde kann froh sein, wenn ein Brief überhaupt irgendwann beim Empfänger landet.

Mit den so erwirtschafteten Profiten wird ordentlich rumspekuliert, Paketdienste in Italien , Britannien oder sonstwo aufgekauft um für gute Unterhaltung des Aktionärspacks zu sorgen.
Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!

Jule

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[Post] Privatisierung
« Antwort #1 am: 19:07:32 Mi. 12.Februar 2003 »

Postbüddel

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[Post] Privatisierung
« Antwort #2 am: 19:14:03 Di. 04.März 2003 »
Die Post ist so ein Kapitel für sich. Das Personal und die Personalvertretung waren so ein eingefahrener Verein. Es wurde viel rumgemosert aber letztendlich war keiner bereit etwas zu unternehmen und letztendlich ging es einem auch gar nicht so schlecht.

Keiner wollte wirklich wahrhaben, was mit der Privatisierung auf einen zukommt. Als wäre alles aus heiterem Himmel gekommen.

Man kann auch bestimmt einen Weg finden sich in der neuen Situation zurechtzufinden. Ich habe mir die ATTAC website angesehen und soetwas wie Unterschriften sammeln gegen Privatisierung will mich nicht recht überzeugen.

Ich glaube es müssen neue Formen gesucht und Kontakte geknüpft werden. Auch Postkunden sollten über Arbeitsbedingungen informiert werden und die würden einen wohl auch unterstützen, wenn sie nicht nur Informationen der Vorstandsetage und der Politiker kriegen. Und es sollten Stammbelegschaft und Aushilfen über Bedingungen und mögliche Aktionen miteinander reden, auch wenn Aushilfen meist nicht gewerkschaftlich organisiert sind. Auch Kontakte zu ausgelagerten Bereichen (wie private Paketdienste) sollten nicht schaden. Vielleicht wäre soetwas wie ein zwangloses Treffen in einer Kneipe oder gar ein Regelmäßiger Treff zum Austausch ja ein erster Schritt...

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[Post] Privatisierung
« Antwort #3 am: 11:42:32 Mo. 07.April 2003 »
Heute (7.4.) hat die Post angekündigt diverse Priefkästen abzubauen.
Einmal sind die Kunden dran, das nächste Mal wieder das Personal...

DeadBoy

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[Post] Privatisierung
« Antwort #4 am: 10:56:33 Fr. 06.Juni 2003 »
Man kommt kaum noch hinterher zu berichten, was bei der Post alles den Bach runtergeht um die Aktionäre glücklich zu machen.

Z.T. sind die Aktionen so überstürzt, daß sie nichteinmal ökonomisch Sinn machen. In einigen Gegenden wurden die Briefkästen so rigoros abgebaut, daß die übriggebliebenen Kästen nichtmehr die Post fassen und überquellen.

Jetzt soll der Paketdienst komplett ausgelagert werden. 9000 Arbeitsplätze werden plötzlich zu neuen Konditionen bei Fremdfirmen auftauchen.

Gleichzeitig gibt es den Vorschlag die Paketzustellung am Montag vollständig einzustellen. Soviel erstmal zu dem Argument, privatwirtschaftlich läuft alles viel besser, als wenn´s staatlich organisiert ist.

ManOfConstantSorrow

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[Post] Privatisierung
« Antwort #5 am: 02:22:14 Mo. 07.Juli 2003 »
ver.di hat für uns etwas erkämpft:

2 Tage zusätzliche Jahresarbeitszeit. Flexible Wochenarbeitszeit bis
48Std(!). Briefzusteller übernehmen zusätzlich einen Teil der Arbeit der Paketzusteller.

Wie es scheint müssen wir jetzt den Preis zahlen verlernt zu haben, wie man sich wehrt. Wenn man "die da oben" einfach machen läßt. "Die da oben" in Politik, in Aufsichtsräten und Gewerkschaften können all das nur durchziehen, weil wir sie lassen.
Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!

DeadBoy

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[Post] Privatisierung
« Antwort #6 am: 10:23:56 Do. 31.Juli 2003 »
Nach der Meldung, daß die Post weitere  Filialen schließen will nun diese Erfolgsbilanz:
Zitat
Deutsche Post erwartet nach starkem Geschäft höheren Jahresgewinn
Bonn (dpa) - Nach überraschend gutem Geschäft im ersten Halbjahr erwartet die Deutsche Post auch für das Gesamtjahr 2003 einen höheren Milliardengewinn. Der Konzern rechne mit mindestens 2,9 Milliarden Euro und damit mit einem um 100 Millionen Euro höheren Betriebsergebnis (EBITA), wie das Unternehmen in Bonn berichtete. Zuvor lag die EBITA-Prognose des Post-Konzerns für das laufende Jahr bei 2,8 Milliarden Euro.

Die Post habe sich aber mit Kosteneinsparungen über dem Soll und Umsatzsteigerungen durch neue Geschäfte behaupten können. "Unsere Geschäfte laufen in 2003 wesentlich besser als Vergleichszeitraum des Vorjahres." Für das zweite Halbjahr sei mit einem leicht besseren Ergebnis als im Vorjahreszeitraum zu rechnen.

Durch den Beschäftigungspakt mit der Dienstleistungsgewerkschaft verd.di spare die Post jährlich mehr als 100 Millionen Euro, sagte Zumwinkel. Er sei auch von den Post-Beschäftigten zustimmend aufgenommen worden. Sie müssten zwar etwa längere Wochenarbeitszeiten bis zu 48 Stunden oder den Verzicht auf zwei arbeitsfreie Tage (Heiligabend und Silvester) hinnehmen, aber profitierten auch davon, dass das Unternehmen für fünf weitere Jahre (bis März 2008) auf betriebsbedingte Kündigungen verzichte.


Ist es nicht toll, daß ver.di es erkämpft hat, daß härter und länger gearbeitet wird, damit der Laden so richtig attraktiv für die Börse wird?

Kuddel

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[Post] Privatisierung
« Antwort #7 am: 18:56:45 Mo. 18.August 2003 »
Zitat
Original von DeadBoy


Jetzt soll der Paketdienst komplett ausgelagert werden.


Ich habe selbst erlebt, was das harmlose Wort "Auslagerung" bedeutet.
Letztes Jahr haber ich bei der Bremer Brauerei BECK & CO gearbeitet. Als an einem Freitagmorgen bekannt wurde, daß der Bereich "Logistik" augelagert werden sollte, traten die Staplerfahrer spontan in einen wilden Streik ohne den (ohnehin ungeliebten) Betriebsrat zu informieren. Die gesamte Produktion lag darnieder, denn die Fließbänder konnten nicht laufen, ohne daß leere Flaschen nachgelegt wurden... Der Parkplatz war voll mit Lastern aus halb Europa und die Trucker hingen hektisch an ihren Handies um dem Chef zu berichten, daß die Laster weder be- noch entladen wurden. Auch am Samstag, an dem eigentlich gearbeitet werden sollte nahmen sich die Staplerfahrer frei und blieben einfach zuhaus. Nix lief mehr!
Dann beruhigte der Betriebsrat die Staplerfahrer, sie sollten sich keine Sorgen wegen der Auslagerung machen, das hätte keinerlei Einfluß auf die Arbeitsbedingungen, das könnten sie garantieren. Und damit ging alles ersteinmal weiter, wie zuvor, alles ging weiter, wie bisher, auch wenn der Lohn nichtmehr von Beck & Co kam.
Ein Jahr später berichtete der Weser Kurier, die alten Staplerfahrer hätten ihre Arbeitsbedingungen behalten, diejenigen, die aber jetzt neu anfangen, würden für die selbe Arbeit 300 EUR pro Monat weniger bekommen.

So kann man alte erkämpfte Arbeitsbedingungen einfacher kleinkriegen!

ManOfConstantSorrow

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[Post] Privatisierung
« Antwort #8 am: 16:16:29 Mi. 27.August 2003 »
Zitat
Deutsche Post will Briefträger einsparen

Bonn (dpa) - Die Deutsche Post will aus Kostengründen Briefträger einsparen. Die Größenordnung ist noch unklar. Erreicht werden soll der Stellenabbau mit Vereinbarungen zur freiwilligen Verlängerung der Wochenarbeitszeit. Das sagte Post-Sprecherin Monika Siebert in Bonn. Wie viele Stellen abgebaut werden könnten, hänge davon ab, wie das Angebot angenommen werde. Geplant ist eine Anhebung der Arbeitszeit pro Woche um bis zu 9,5 Stunden - von bisher 38,5 auf maximal 48 Stunden.

dpa/online vom 27.08.2003



Ist das jetzt schon Realsatire?
Man fragt sich wie das Angebot angenommen wird länger zu arbeiten und als Belohnung dafür gefeuert zu werden. ver.di ünterstützt das bestimmt!
Und erinnert man sich noch an das Argument, die geforderte Arbeitszeitverkürzung (im Ost-Streik?) würde Arbeitsplätze kosten?
Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!

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[Post] Privatisierung
« Antwort #9 am: 01:14:10 Di. 28.Oktober 2003 »
MDZ 24.10.03
Zustellung  
Deutsche Post will Paketversandnetz straffen
 
432 Zustellbasen und 33 Frachtzentrum sollen dezimiert werden

Bonn/dpa.  Die Deutsche Post wird ihr bundesweites Paketversandnetz straffen. Die Entscheidung über die konkrete Verringerung von Zustellstandorten und Frachtzentren werde voraussichtlich im Frühjahr fallen, sagte ein Post-Sprecher am Freitag in Bonn, der einen Bericht der Tageszeitung «Die Welt» bestätigte. Die geplante Kürzung erfolge im Zuge des Sparprogramms «STAR». Wie viele Stellen betroffen seien, lasse sich noch nicht absehen.
Derzeit betreibt die Post bundesweit 432 Zustellbasen sowie 33 Frachtzentren. Die Verringerung werde vor allem die Zustellzentren betreffen, von denen die Boten ihre Post zur Auslieferung an die Kunden abholen, erläuterte der Post-Sprecher. Bei den Frachtzentren werde es keinen größeren Abbau geben.

Bei der Paketzustellung hat die Post bereits seit August eine Umstellung eingeleitet. Briefträger vor allem auf dem flachen Land sollen zugleich auch Pakete an die Tür bringen. Betroffen davon sind laut «Welt» etwa 46 Prozent der über die Post in Deutschland verschickten Pakete.


 
 
 

die welt 28.10.03

Deutsche Post investiert mehr in das China-Engagement der Tochter DHL

Bonn -  Der Expressmarkt der Volksrepublik China soll innerhalb von zwei Jahren zum wichtigsten asiatischen Standbein der Deutschen Post werden. Der Bonner Konzern hat bereits im Frühjahr durch eine 52,5-Millionen-Euro-Beteiligung seines Expressdienstes DHL an dem staatlichen Paketunternehmen Sinotrans das Fundament für die Zukunft auf dem Binnenmarkt im Reich der Mitte gelegt. Mit einem neuen Fünf-Jahres-Investitionsprogramm wird diese Zusammenarbeit jetzt verstärkt.


Der Businessplan von Expressvorstand Uwe R. Dörken sieht vor, weitere 200 Mio. Dollar in den Ausbau des Kurier- und Expressnetzwerkes von DHL zu stecken. Bis 2005 hat der Konzern damit mehr als eine Mrd. Dollar für sein Asiengeschäft eingeplant. Die jüngste Kapitalspritze kommt in vollem Umfang dem Joint Venture von DHL und Sinotrans zugute. In den kommenden fünf Jahren werden rund 1200 Transportfahrzeuge angeschafft, 14 neue Filialen errichtet und 2100 Arbeitsplätze geschaffen.


Schon heute beliefert der erste ausländische Expressdienst, der auf dem chinesischen Festland arbeitete, 318 Handelszentren der bevölkerungsreichsten Nation der Erde. Die vorläufige Bilanz der Deutschen Post: In den vergangenen 18 Monaten verzeichneten die DHL-Umsätze auf dem Expressmarkt Chinas ein Wachstum von etwa 40 Prozent. Dieser Trend soll sich nach Angaben des Unternehmens fortsetzen. Der diesjährige Umsatz von DHL in der Region Asien-Pazifik wird von der Post-Tochter mit mehr zwei Mrd. Euro angegeben.


Den innerasiatischen Markt teilen sich die Wettbewerber DHL, United Parcel Service (UPS) und Fedex, wobei DHL nach eigenen Angaben mit einem Anteil von knapp 35 Prozent an der Spitze steht. "Allein 100 Millionen Dollar legen wir für das Express-Frachtterminal in Hongkong an, den neuen zentralen Umschlagplatz für DHL in Asien. Etwa 400 Millionen Dollar haben wir in das Joint Venture mit Air Hongkong investiert, weitere 350 Millionen Dollar fließen in die Informationstechnologie", sagte Vorstandsmitglied Dörken der WELT.

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[Post] Privatisierung
« Antwort #10 am: 13:31:01 Di. 25.November 2003 »
Deutsche Post erwartet steigende Gewinne
Berlin (dpa) - Die Deutsche Post peilt für 2004 steigende Gewinne und den Verkauf von 49 Prozent ihrer Postbank-Anteile über die Börse an. Das sagte Vorstandschef Klaus Zumwinkel in Berlin.


Mit den erhofften Einnahmen aus dem Börsengang von mindestens 2,5 Milliarden Euro will Zumwinkel die Schulden reduzieren und die Verteilzentren in Europa ausbauen. Der Börsengang dürfte im Herbst kommenden Jahres über die Bühne gehen, sagte Zumwinkel. Der Bundesregierung - dem größten Anteilseigner der Deutschen Post - werde aus dem Börsengang keine Sonderdividende zufließen.

Mit Blick auf 2004 zeigte sich Zumwinkel optimistisch. "Ich gehe davon aus, dass wir im nächsten Jahr höhere Gewinne haben als in diesem Jahr", sagte er. Dabei dürfte auch die Dividende höher ausfallen. Dies sei unabhängig vom Börsengang der Postbank, erklärte der Post-Chef. Im vergangenen Jahr hatte der Bonner Konzern eine Dividende von 0,40 Euro je Aktie ausgeschüttet.

Für das laufende Jahr erwartet die Deutsche Post World Net AG weiterhin einen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) von 2,9 Milliarden Euro. Zu Marktspekulationen über ein Interesse der Deutschen Post an einer Übernahme des britischen Logistikunternehmens Exel sagte Zumwinkel: "Daran ist nichts."


dpa/ecoline vom 25.11.2003

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[Post] Privatisierung
« Antwort #11 am: 13:03:58 Sa. 06.Dezember 2003 »
Der wilde Streik beginnt Ende Oktober 2003 zeitgleich und unabhängig voneinander in einem Postzentrum in Greenford/London, als Reaktion auf einen Konflikt im Verteilzentrum Southhall, und in Dartford/London, nachdem ein Fahrer sich weigert Briefe, die auf Grund des offiziellen Streiks liegengeblieben waren, zu einem mit LeiharbeiterInnen betriebenen Verteilzentrum zu fahren. Er wird daraufhin entlassen, seine 400 KollegInnen reagieren mit spontaner Arbeitsniederlegung, das Management versucht die Arbeit anderen Postzentren aufzudrücken und sorgt so für die Ausweitung des Streiks....

den vollständigen Bericht gibt´s hier:
http://www.nadir.org/nadir/initiativ/kolinko/prols/de/de_ukpo1.htm

Kuddel

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[Post] Privatisierung
« Antwort #12 am: 22:24:44 Mo. 23.Februar 2004 »
Zitat
Original von yahoo


Montag 23. Februar 2004, 16:39 Uhr

Keine Postzustellung in Hamburg

Hamburg (AP) Viele Privathaushalte und Unternehmen haben am Montag in Hamburg und Berlin vergeblich auf Post gewartet. Grund waren Betriebsversammlungen, auf denen gegen die vorgesehenen Kürzungen bei Urlaubs- und Weihnachtsgeld für die Postbeamten protestiert wurde. In Hamburg fiel die Zustellung nach ver.di-Angaben komplett aus. Hier waren über eine Million Haushalte betroffen. 49 von 109 Postfilialen blieben nach Gewerkschaftsangaben geschlossen, rund 1,5 Millionen Briefe und etwa 70.000 Pakete seien liegen geblieben. In Berlin sei die Post vor allem im Innenstadtbereich nur teilweise zugestellt worden, hieß es.

In Hamburg beteiligten sich laut ver.di fast 4.000 Postbedienstete an den Betriebsversammlungen. Auf einer Kundgebung in der City protestierten sie anschließend gegen die vorgesehen Kürzungen. In Berlin kamen etwa 1.500 Postler aus mehreren Briefverteilzentren zusammen. Durch Streichung des Urlaubsgeldes und Kürzungen beim Weihnachtsgeld müssen die Beamten nach Gewerkschaftsangaben Einkommenseinbußen von rund acht Prozent hinnehmen. Das sei nicht akzeptabel, erklärte ver.di-Experte Wolfgang Abel in Hamburg. «Es ist ökonomisch unverantwortlich, betrieblich wahnsinnig und volkswirtschaftlich widersinnig», kritisierte er. Zudem könnten sich die Kürzungen nachteilig auf die Kundenfreundlichkeit auswirken.

Bundesweit sind laut ver.di rund 65.000 Postbeamte von den Kürzungen betroffen, das ist etwa ein Viertel aller Beschäftigten. Die vom Bundestag beschlossenen Einschnitte bei Urlaubs- und Weihnachtsgeld bescherten der Post jährliche Einsparungen von rund 54 Millionen Euro.

«Es ist das Recht der Beschäftigten, Betriebsversammlungen abzuhalten, aber die Auswirkungen sind außerordentlich bedauerlich», sagte der Hamburger Post-Sprecher Martin Grundler. Man habe aber dafür gesorgt, dass die Briefkastenleerung funktioniere. Am Dienstag würden der Postbetrieb wieder normal laufen und alle liegen gebliebenen Sendungen zugestellt. In Berlin sollen die verzögerten Sendungen ebenfalls am Dienstag ausgeliefert werden. Hier sind für den (morgigen) Dienstag weitere Betriebsversammlungen vorgesehen, zu denen etwa 1.000 Beschäftigte erwartet werden. Die Post erwartet auch dann wieder Behinderungen bei der Zustellung.

Die Proteste wurden wurden in der vergangenen Woche in Norddeutschland gestartet und sollen in den nächsten Wochen fortgesetzt werden. Große Betriebsversammlungen laut ver.di unter anderem in Münster, Bonn, Köln und Dortmund geplant.

ManOfConstantSorrow

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[Post] Privatisierung
« Antwort #13 am: 18:05:21 Mi. 10.März 2004 »
Die Post (und die Bahn) sind hervorragende Beispiele, wie die Privatisierung staatlicher Großbetriebe funktioniert und wohin sie führt. Während Kunden und Personal gleichermaßen auf der Strecke bleiben verkündet man stolz den Profit verdoppelt zu haben.

Dabei hätte man mit Arbeitsniederlegungen (sowohl bei Post alsauch bei der Bahn) ein enorm wirkungsvolles Druckmittel, denn hier könnte man das funktionieren der gesamten Wirtschaft empfindlich stören. Aber die Gewerkschaften scheinen weder vorbereitet noch gewillt sich wirkungsvoll für die Interessen ihrer Mitglieder einzusetzen. Man beschränkt sich auf rührende und symbolische Aktionen. Es ist zum Kotzen!

Ich habe ein paar Berichte zum Thema zusammengesucht:

Zitat
Original von zdf-online

Dividende wird um zehn Prozent erhöht

Nach Belastungen durch EU-Strafzahlungen im Vorjahr hat die Deutsche Post ihren Gewinn 2003 wieder über die Schwelle von einer Milliarde Euro heben können. Der Überschuss habe sich auf 1,31 Milliarden Euro verdoppelt, teilte das Unternehmen am Dienstag in Bonn mit. Der Umsatz stieg 2003 erstmals in der Unternehmensgeschichte auf knapp über 40 Milliarden Euro. Dies waren 1,9 Prozent mehr als im Vorjahr.
09.03.2004


Zitat
Original von bahnvonunten

Mittäter und Komplizen setzen sich als Opferanwalt in Szene
Sturm der Entrüstung gegen Schließung von Postfilialen und Demontage von Briefkästen
 
Als vor 10 Jahren der Deutsche Bundestag mit großer Mehrheit das gigantische Projekt der Privatisierung der Deutschen Bundespost und Umwandlung ihrer drei Säulen Post, Telekom und Postbank in Aktiengesellschaften beschloß, wurde dies in der bürgerlichen Öffentlichkeit als notwendiger Übergang von der „verstaubten“ Behörde zum modernen, kundenorientierten und flexiblen Dienstleistungsunternehmen gefeiert.
CDU/CSU und FDP betrieben damals mit ihren Postministern Schwarz-Schilling (CDU) und Bötsch (CSU) konsequent die Privatisierung und konnten sich für die zur Grundgesetzänderung notwendige Zwei-Drittel-Mehrheit auf die Mehrheit der (unter gewerkschaftlichem Druck in dieser Frage gespaltenen) SPD-Fraktion stützen. Für die Post-Privatisierung stimmte 1994 auch der „Pivatisierungskritiker“ und Vorsitzende der Lokführergewerkschaft GDL (im Deutschen Beamtenbund), Manfred Schell, der als Nachrücker und CDU-Abgeordneter ein Jahr lang im Bundestag saß.
Die Deutsche Postgewerkschaft (inzwischen in ver.di aufgegangen) und linke Privatisierungskritiker warnten allerdings schon damals vor den Folgen, die die Liberalisierung und das Ende der flächendeckenden staatlichen Daseinsvorsorge und Gemeinwohlverpflichtung der Post vor allem für Kleinkunden in Stadt und Land mit sich bringen würden. Doch es sollte Jahre dauern, bis eine breitere Öffentlichkeit hautnah die unerträglich gewordenen Folgen der Privatisierung zu spüren bekam und sich lautstark zu Wort meldete.
Ob in Hamburg-Eimsbüttel, Berlin-Lübars, Erkrath im Rheinland, Rheinböllen im Hunsrück oder Althengstett in Baden-Württemberg – überall haben die vom Post-Management vorangetriebene Demontage von Briefkästen (die Zahl bundesweit wurde von 140.000 auf 108.000 reduziert) und die Schließung von Post-Filialen in den letzten Monaten einen Sturm der Entrüstung mit Protestversammlungen, Unterschriftenlisten und anderen Aktivitäten ausgelöst und Lokalpolitiker auf den Plan gerufen.  Dabei setzten sich desöfteren auch die Mittäter von damals wirkungsvoll als Anwalt der Opfer in Szene – so zum Beispiel der CDU-Politiker Hans-Joachim Fuchtel, der seit 1987 den Wahlkreis Calw (Nordschwarzwald) im Bundestag vertritt, 1994 mit seinem Votum die Privatisierung abgesegnet hatte und jetzt nach Hinweisen aus seinem Wahlkreis empört beim Post-Management gegen die Demontage von Briefkästen intervenierte.
Als der hessische Ministerpräsident Roland Koch (aus seinem CDU-Landesverband stammt der frühere Postminister Schwarz-Schilling) im November 2003 mit einer massiven landesweiten Protestbewegung gegen seine Politik des sozialen Kahlschlags konfrontiert war, versuchte er es angesichts der Unzufriedenheit mit der Postversorgung im Lande mit einen „Befreiungsschlag“: Seine Landesregierung griff publikumswirksam den Volkszorn über die Post auf und kündigte eine Bundesratsinitiative an. Ziel dieser Initiative: Durch Änderungen an Postgesetz und Post-Universaldienstleistungsverordnung sollen die Zahl der Briefkästen auf 100.000 festgeschrieben und eine Schließung von Postfilialen in Ortsteilen mit mehr als 2000 Einwohnern verhindert werden.
Einen solchen „Populismus“ seitens örtlicher CSU-Größen beklagt auch niederbayerische Postler und Gewerkschafter Karsten Wettberg: „Scheinheilig ist, wenn konservative Mandatsträger JETZT über die Situation schimpfen. War es doch gerade die CSU, die uns (der Deutschen Postgewerkschaft) die Unterstützung verweigert hatte, als wir gegen die Postreform 1 und 2 demonstriert und auf die Folgen für die Bürger hingewiesen haben. Jetzt ist es für die Betroffenen sichtbar und spürbar: Die Privatisierung der Post bringt dem Flächen-Regierungsbezirk Niederbayern nur Nachteile. Die postalische Versorgung auf dem Lande ist zunehmend gefährdet, außer es werden entsprechende Preise bezahlt. Denn die früher sozialen Postgebühren werden der Firmenstrategie eines "Global Players", der sich an der Börse behaupten muss, nicht mehr gerecht. Es lebe die Börse - der brave, einfache Bürger ist der Leidtragende.“
Während Post-Bedienstete in früheren Jahrzehnten zwar keinen üppigen Lebensstandard, aber wenigstens ein erträgliches Auskommen und soziale Absicherung hatten, kritisiert Karsten Wettberg auch den Umgang der Post-Manager mit ihrem Personal: „Auch die Gehalts- und Lohnpolitik im Rahmen der neuen Strukturen der letzten Jahre bringt die Postlerinnen und Postler immer mehr in die Nähe des Sozialhilfeniveaus. Ganz besonders dann, wenn die körperliche Leistungsfähigkeit nach Jahrzehnten anstrengenden Postdienstes nachläßt.“
Die alte Bundespost in der alten BRD mit ihren Säulen Post, Telekom und Postbank war kein maroder defizitärer Betrieb. Ende der 80er Jahre warf sie noch einen jährlichen Überschuß in Höhe von rund fünf Milliarden DM ab, der dem Bundeshaushalt zugute kam. Doch den Privatisierern ging es nicht um eine Senkung der Staatsdefizite und flächendeckende Versorgung der Bürger mit erschwinglichen Postdiensten, sondern um Rosinenpickerei – um die Privatisierung der Gewinne und die Sozialisierung der Verluste. Die Pensionen für die betriebsbedingt in Frühpension geschickten Postbeamten und Angestellten wurden von der Bundesregierung ebenso übernommen wie die teuren milliardenschweren Investitionen in Post und Telekom-Infrastruktur Anfang der 90er Jahre.
Unterdessen treiben das SPD-geführte Bundesfinanziministerium und die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) den Ausverkauf der Post mit Nachdruck voran. Wie Post-Chef Klaus Zumwinkel dem Wirtschaftsmagazin „Capital“ mitteilte, sollen noch im Bundesbesitz befindliche Aktien des einstigen Staatsunternehmens so rasch am Markt veräußert werden, daß der Bundesanteil bis zum Jahre 2007, wenn das noch bestehende Post-Monopool für Briefe bis 200 Gramm ausläuft, auf null sinkt.
Was tun, wenn sich die Manager der privatisierten Post auf der Jagd nach Rendite starr und gegenüber Bürgerprotesten uneinsichtig zeigen, aber andererseits Einwohnerschaft und örtliche Gewerbebetriebe nicht auf eine funktionsfähige und vollwertige Postfiliale vor Ort verzichten können und wollen? Vor dieser Frage standen in den letzten Wochen die Kommunalpolitiker in Althengstett (Baden-Württemberg), einer Gemeinde im Wahlkreis des Abgeordneten Fuchtel. Nachdem die Post-Manager trotz massiver Proteste aus der Bevölkerung und örtlichen Geschäftswelt an ihrem Beschluß zur Schließung der bisher gut frequentierten Postfiliale in der Kerngemeinde festhielten und andere von der Post vorgeschlagene „Lösungen“ sich als unbefriedigend erwiesen, griff die Gemeindeverwaltung selbst ein. Die Kommunalpolitiker beschlossen, in den bisherigen Räumen der Postfiliale ab dem 2. Januar 2004 selbst eine Postagentur zu betreiben. Gleichzeitig konnte erreicht werden, dass die bisherige Leiterin der Postfiliale der Gemeinde für diese Aufgabe überlassen und – zunächst auf ein Jahr befristet – zur Gemeinde abgeordnet wurde. Im Gegensatz zu vielen anderen Gemeinden hat Althengstett damit auch weiterhin eine qualifizierte Poststelle zur Verfügung, und den meisten Benutzern wird der Unterschied gar nicht ins Auge springen. Ob dieser Althengstetter Anflug von „Staatsinterventionismus“ allerdings nur auf ein Jahr beschränkt bleibt oder auch anderswo oder gar bundesweit Schule macht, bleibt abzuwarten.
Hans-Gerd Öfinger
 


Zitat
Original von rf-news.de

04.03.04. - Schröders fühlen sich "gestört"
Hannover: Einen Tag nach der Protest-Kundgebung von 3.000 Postlern in der Nähe des Wohnhauses von Kanzler Schröder beklagte sich Doris Schröder-Köpf: "Was wollen die von mir und meiner Tochter Klara? Das hat es meines Wissens bei Helmut Kohl in Oggersheim nicht gegeben."
Zur Seite sprangen ihr Ministerpräsident Wulff (CDU) und andere Politiker. Polizeipräsident Klosa kündigte an, zukünftig "Absperrmaßnahmen zukünftig so weiträumig zu führen, dass akustische Störungen unterbleiben". Dabei war nur ein Hand-Megafon im Einsatz!
Der Ver.di-Landesvorsitzende Denia, selbst Sprecher bei der Kundgebung, wies dagegen auf die legitime Berechtigung der "Proteste von Bürgern, die die Auswirkungen der Politik hinnehmen müssen" hin.
 
Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!

Niederer_sachse

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[Post] Privatisierung
« Antwort #14 am: 21:39:40 Sa. 13.März 2004 »
Hatte vor kurzem mal das "Vergnügen" mich bei einem privaten Zustelldienst
zu Bewerben, der als Sub-Unternehmer (Paket-Logistik) für die Post tätig war.

Folge:
Seit dem werde ich definitiv niemals wieder ein Paket mit der Post verschicken!!!

Was ich lernen musste war:
Mitlerweile lagern hunderte (tausende) Packete in
(umfunktionierten) Garagen irgendwelcher Privatleute die als Logistik-Unternehmen
agieren. Fahrer privater Lieferdienste (ICH-AGs) verteilen von dort aus die Post
in Ihren geliehenen oder privaten Transportern.

Wenn Sie also demnächst eine Post-Zustellung von jemandem in
Freizeitkleidung bekommen wissen Sie jetzt was Sache ist!

Mit der Zustellung Ihres Packetes kämpft dieser Zusteller
höchstwarscheinlich gerade ums Überleben.
Seien Sie freundlich zu Ihm/Ihr. :wink:

Außerdem: Angeblich werden durch diese "Verlagerung" tausende Vollzeit-Arbeitsplätze erhalten. :lol:
Grüße aus Niedersachsen