Autor Thema: gegen das Vergessen / Knast @  (Gelesen 3208 mal)

regenwurm

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gegen das Vergessen / Knast @
« am: 14:07:12 Mo. 26.September 2005 »
Wir vermitteln Briefkontakte zwischen Strafgefangenen und Nicht-Inhaftierten.

Das Thema "Knast" ist (leider) ein gern tot geschwiegenes Kapitel. In jeder größeren Stadt gibt es jedoch mindestens einen Vollzug und in diesem befinden sich einsame Menschen. Menschen, die Fehler begangen haben, dafür büßen und überwiegend Besserung geloben.


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ManOfConstantSorrow

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gegen das Vergessen / Knast @
« Antwort #1 am: 19:34:15 Di. 13.Dezember 2005 »
USA: Arbeitslager Knast

Weiss jemand, wieviel Prozent des US-Militärbedarfs von Gefangenen produziert wird? - für wieviel Dollar in der Stunde ? - um wieviel Prozent die Häftlingspopulation In den letzten 10 Jahren angewachsen ist? - welche Firmen profitieren?! PRIVATISIERUNG und moderne SKLAVEREI
Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!

ManOfConstantSorrow

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gegen das Vergessen / Knast @
« Antwort #2 am: 11:36:57 Do. 22.Dezember 2005 »
"Als ich 1998 in die Justizvollzugsanstalt (JVA) Bruchsal eingeliefert wurde, fiel mir in den Wintermonaten bald auf, dass hier offenbar frieren zur Sanierung der Staatsfinanzen angesagt war..."
Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!

regenwurm

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gegen das Vergessen / Knast @
« Antwort #3 am: 11:04:05 Fr. 23.Dezember 2005 »
Knäste sind big business:
Über 2 Millionen Menschen sind in den USA z.Z. im Knast. Dazu kommen noch einmal ca. 4 Millionen Menschen die unter Überwachung des Justizsystems stehen (Bewährung, Kaution etc.)
Wie im militärisch-industriellen Bereich funktioniert der Knastbereich nur durch ein Übereinandergreifen von privaten und Regierungsinteressen. Die einen wollen Profit,die anderen die soziale Kontrolle.
Die in der Öffentlichkeit dafür verbreitete Begründung ist der Kampf gegen die Kriminalität bzw. der Terrorismus (wobei dies oft miteinander verbunden wird wie z.b. in dem begriff der narco-guerilla) Das es sog. nicht-gewalttätige Delikte sind, zeigen alle Statistiken.
Bundesweit sind die 3 Haupthaftgründe: Besitz von Drogen; Besitz von Drogen zum Verkauf; Raub.
Wie die Entwicklung und Wartung von Waffen und das Ausstatten von Armeen, so ist auch der Bau,die Ausstattung und das Betreiben von Knästen ein großes, sicheres Geschäft.
Anlagefirmen, Baufirmen, Archtikturbüros und sog. Unterstützungsdienste, die Lebensmittel, medizinische Versorgung, Transport und Einrichtungsgegenstände bereitstellen, alle stehen an, um Geld mit dem Knast zu verdienen.

Eine sich ausweitende Zusatzindustrie verkauft Zäune, Handschellen, alles mögliche zur Überwachung, Elektroschockgürtel usw. die chemische Industrie verdient u.a. auch an der Lieferung der Chemikalien zur ermordung von Gefangenen mit der Giftspritze. (hier ist übrigens die Firma Boehringer Ingelheim die Hauptverdienerin)
Auch die Militärindustrie will sich das viele Geld nicht entgehen lassen. Westinghouse, eine der größten US-Rüstungsfirmen, verkauft ihre night enforcer Ferngläser aus dem Golfkrieg oder den hot wire zaun( werbung: so heiß, daß selbst die nato sie für ihre hochsicherheitsinstallationen benutzt)

Telefonfirmen wie at+t usw. verdienen indem sie Gefangenen die 6fachen Gebühren berechnen.

Kleine Firmen wie z.b. correctional communications corp, die nur für Knäste produziert, stellen Computer-Telefon-Anlagen her, die für systematische Überwachung ausgerüstet sind.

Cca und wackenhut, die zwei größten Knastbetreiberfirmen, haben eine Prognose aufgestellt nach der sie 12,78 mill. Dollar pro Jahr verdienen, solange die Gefangenenzahlen nicht rückläufig sind.

Knäste sind auch ein führender Faktor in der Wirtschaft in den ländlichen USA. Mit dem Verdrängen der herkömmlichen Landwirtschaft durch Agrarkonzerne sind viele ländliche Gebiete der USA verarmt.
Kleinstädte und Gemeinden, denen es wirtschaftlich schlecht geht, reißen sich darum, daß Knäste gebaut werden. Sie sehen diese als Steuereinnahmen und als Arbeitsplätze. (während des Baus und als Wärterinnen, Büroangestellte usw.) Wie jede Industrie braucht auch die Knastindustrie sog. Rohmaterial. In dem Fall sind dies die Gefangenen.
Der prison industrial complex (pic) kann nur wachsen, wenn mehr und mehr leute verhaftet werden, selbst wenn die Kriminalitätsrate sinkt.
In den USA gibt es dafür u.a. das 3-strikes-in-Gesetz, die vorgeschriebene mindeststrafe und den Krieg gegen Drogen.
Es ist ein Krieg gegen die Armen, speziell gegen die arme städtische afroamerikanische Bevölkerung.
AfroamerikanerInnen werden 5x häufiger festgenommen als Weiße, obwohl die Zahl der Drogenbenutzerinnen gleich hoch ist, und sie werden unverhältnismäßig häufiger verurteilt :
1 von 128 festgenommenen Weißen und 1 von 17 festgen. Afroamericans werden verurteilt. Das deutlichste Beispiel für den Rassismus des Drogenkrieges ist aber die Höhe der Strafe für den Besitz von crack /Kokain.
90% aller crack-Festnahmen sind AfroamerikanerInnen;
75% aller Kokain-Festnahmen sind Weiße (Der Rest sind zum großen Teil LateinamerikanerInnen, meist sog. Mulis, also Drogenkuriere). Nach einem Bundesgesetz wird der Besitz von 5 gr crack mit einer Mindeststrafe von 5 Jahren bestraft.
Diese Strafe ist bei Kokain erst ab 500 gr vorgesehen. Als der Kongreß sich 1996 weigerte dies zu ändern, kam es bundesweit zu riots in den Knästen. Zur Zeit gibt es wieder den Versuch das Gesetz zu ändern, allerdings sind die Chancen sehr gering.

Ein/e US-Arbeiter/in, die einmal 8 dollar die Stunde verdiente, verliert ihren/seinen Job, wenn die Firma in ein Land verlegt wird, wo sie nur 2 dollar am Tag bezahlt.
Arbeitslos und entfremdet von einer Gesellschaft die ihren/seinen Bedürfnissen gleichgültig gegenüber steht, wird sie oder er eventuel in das Drogengeschäft oder eine andere illegale Form des Überlebens verwickelt.
Sie/er wird verhaftet, in den Knast gesperrt und muß dort arbeiten. Ihr/sein neuer Lohn: 22 cent die Stunde.
Von der ArbeiterIn, zur Arbeitslosen, zur sog. Kriminellen zur verurteilten Arbeiterin, der Kreis hat sich geschlossen.
Gewinner sind die Konzerne.
Für die Privatwirtschaft ist Knastarbeit wie ein Sack voller Gold.
Keine Streiks; keine Gewerkschaftsorganisierung; keine Arbeitslosenversicherung oder sonstige Lohnnebenkosten, kein Krankengeld, kein Ausfall von Arbeitskraft durch Krankheit, keine Sprachprobleme wie in anderen Ländern.

Riesige neue Knäste werden gebaut, hinter deren Mauern gruselig große Fabrikhallen gebaut werden ( es wird von mehreren tausende acres geschrieben, 1 acre=4047qm).
Quelle:
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