Autor Thema: Anregungen  (Gelesen 4954 mal)

Manuela

  • Gast
Anregungen
« am: 22:09:15 Mo. 09.Februar 2004 »
Als vor einiger Zeit das Thema "Verschärfung der Zumutbarkeit für Langzeitarbeitslose" aufkam, fand ich in einem anderen Forum folgende interessante Texte und Anregungen:

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"Man muß ja nicht gleich von vornherein ablehnen, wenn so ein "Angebot" kommt. Letztendlich entscheidet ja nicht das Arbeitsamt, daß man beim Billigjob-Anbieter arbeiten muß, sondern der Arbeitgeber entscheidet, ob man bei ihm arbeiten darf.
Schlau wäre es, zunächst so zu tun, als ob man von dem "Angebot" ganz begeistert ist. Dann beißt man in den sauren Apfel und stellt sich bei der Fima vor. Abgelehnt zu werden, ist gar nicht so schwer. Man sollte sich aber davor hüten, ungepflegt oder mit einer Bier- oder Knoblauchfahne zu erscheinen. Das wäre zu offensichtlich und es entspräche auch zu sehr dem in den Medien verbreiteten Klischee des unwilligen Drückebergers. Nein, man muß die Sache nun ab nächstem Jahr etwas subtiler angehen. Man sollte beim Vorstellungsgespräch auf jeden Fall freundlich sein. Vielleicht sogar ein bißchen übertrieben freundlich. Das kann einem beim Arbeitsamt keiner negativ auslegen. Ein bißchen zu stottern, seibern, Blähungen zu haben oder übermäßig zu schwitzen kann auch vorteilhaft sein. Öfters mal während des Vorstellungsgespräches hinterm Ohr kratzen oder mimische Zuckungen vortäuschen. Menschliche Schwächen, motorische Störungen und kleine Ticks werden immer gerne als Grund genommen, um einen Bewerber abzulehnen. Auch ein nichtvorhander eigener PKW bzw. Führerschein kommt immer gut! Wenn man von Natur aus unsympathisch wirkt, leicht tuntig spricht, oder eine krumme Nase hat, dann stehen die Chancen auf eine Ablehnung auch gut. Wenn der Chef eher ein Prolet ist, sollte man den intellektuellen raushängen lassen und sich gewählt (mit vielen Fremdworten) ausdrücken. Ein lückenhafter Lebenslauf ist auch super, denn auf deutsche Personalchefs wirken Zeiten der Arbeitslosigkeit immer sehr abschreckend. Diese an sich negative Eigenschaft der Personaler kommt uns natürlich zugute, wenn wir vom Amt einen Billigjob "angeboten" bekommen. Merke: nur die besten und perfektesten Bewerber werden genommen."


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2)

Tja, und wer will will schon einen Arbeitslosen einstellen, der seit Jahren nichts gearbeitet hat, völlig aud der Praxis raus ist oder auch maßlos überqualifiziert oder sich zumindest dafür hält, möglicherweise nur dann zur Vorstellung kommen kann, wenn das Sozialticket gültig ist, evtl. schon mal wo rausgeflogen und schlimmstenfalls sogar schon vorbestraft ist. Man muß ja niemandem auf die Nase binden, daß das vor rund 20 Jahren und "nur" wegen Schwarzfahren war. Die Behauptung "nicht vorbestraft" wird gerne durch Einforderung von Führungszeugnis überprüft. Die Angabe "vorbestraft" prüft niemand. Sie wird immer vorbehaltslos geglaubt. Wie gerne schreibt man da auch "versch" in die Rubrik des Personalbogens, bei der nach Vorstrafen gefragt wird und erklärt auf neugierige Rückfrage dann auch, daß dies "verschiedenes" heißt. Auch ein Überfall nebst einem "Leider mußte ich schießen" erfreut jeden Personalchef. Gut auch der treuherzige Spruch, daß man für die meisten Dinge gar nicht bestraft, weil nicht erwischt worden ist. Derartige Offenheit und Ehrlichkeit ist allseits beliebt.

Es war noch nie schwer, einen Job nicht zu bekommen. Nur der umgekehrte Fall stellt ein Problem dar. Und den ganz Hartnäckigen vertraue ich beim Vorstellungsgespräch auch gerne an, daß ich bei der letzten Stelle meinem "Chef eine auflegen mußte, weil der Lohn zu spät kam". Sowas überzeugt immer und ein kleiner, evtl. sogar recht platter, Flirt mit der Chefsekretärin tut ein Übriges, genau da nicht genommen zu werden, wo man ganz bestimmt nicht hin will. Und was kann ich dafür, daß ich mir in meiner sozialen Situation keine gescheiten Klamotten leisten kann. Hosen mit Löchern oder Flecken daher nie wegwerfen - sie könnten eines Tages noch gute Dienste leisten. Ganz toll natürlich Löcher in den Socken - dazu trägt man dann am besten Sandalen. Und wer will mir verbieten, mich tags zuvor darauf zu besinnen, daß viel Knoblauch und Bohnen nicht nur preiswert, sondern auch gesund sind.

Auch Erfahrung in Betriebsratarbeit, gute Kenntnisse im BetrVG, notfalls auch die Bereitschaft einen noch nicht existieren Betriebsrat zu begründen, löst regelmäßig Freude und Beglückung bei Personalchefs aus. Denn in jedem Betrieb sehnt man sich nach mündigen Mitarbeitern. Detailreiche Kenntnis der Unfallverhütungsvorschriften der Berufsgenossenschaften oder Arbeitsschutzrichtlinien der EU (z.B. für Bildschirmarbeitsplätze) sind gern gesehene Kompetenzen. Überhaupt jeder Verbessungsvorschlag zum Zeitpunkt der Vorstellung wirken oftmals Wunder. Damit also, auch bei schriftlicher Vorstellung, nie sparen. Allohol-Fahne ist hingegen seit einigen Jahren unzulässig (Kürzung). Es kann jedoch nie schaden, darauf hinzuweisen, wo man Probleme hat und daß man an diesen aber regelmäßig arbeitet. Natürlich ist man Raucher. Nur wenn der Chef einer ist, darf man sich auch als "fast schon militanten Nichtraucher" einstufen. Derartige Ehrlichkeit wird regelmäßig belohnt. Da Personalchefs fast immer angelogen werden, freut man sich über ehrliche Zeitgenossen natürlich immer ganz besonders.

Charly Brown


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3)

Aufruf an alle Arbeitslosen,...

...die schon jetzt oder demnächst im Zuge der Verschärfung der Zumutbarkeitsregeln dazu genötigt werden, für untertarifliche Billiglöhne zu arbeiten:

Falls Ihr demnächst für einen Lohn unter Tarif arbeiten sollt und Euch ein entsprechendes Stellanangebot unterbreitet wird: Zeigt keine offensichtliche Anti-Haltung gegenüber den Firmen. Seid stets freundlich und zuvorkommend. Arbeitet aber bitte - der Entlohnung entsprechend - nur gaaaaanz langsam, macht nur das allernötigste und keinen Handschlag mehr!!!! Erweckt den Anschein, daß Ihr Euch bei der Arbeit größte Mühe geben würdet, aber nicht schneller und besser arbeiten könnt! Stellt Euch begriffsstutzig! Fragt immer wieder nach, solange bis es nervt! Macht bei der Arbeit öfters mal Fehler, die den ganzen Betriebsablauf durcheinander bringen! Nutzt jedes Krankheitsymptom, um zum Arzt zu gehen und Euch krankschreiben zu lassen. Seht Euch bei den Firmen um, wo Ihr überall unauffällig Schäden anrichten könnt (z.B. Toiletten und Abflüsse verstopfen; Türschlösser unauffällig mit Sekundenkleber versehen, etc). Laßt Euch was einfallen. Seid kontraproduktiv und schadet den Ausbeutern mehr als daß Ihr ihnen nützt! Die sollen merken, daß es sich nicht lohnt, Langzeitarbeitslose als billige Arbeitskräfte zu mißbrauchen!


Falls es jedoch eine Arbeit sein sollte, die euch großen Spaß macht, bei der Ihr vernünftig, menschlich und fair behandelt werdet und auch einen vernünftigen Lohn erhaltet, solltet Ihr das alles natürlich nicht tun.


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4)

"...Und was diese Reform des Arbeitsmarktes angeht: Zumutzbarkeitsregeln hin oder her - die werden schon merken wie es wird, wenn man einen Ingenieur als Hilfsarbeiter einsetzt. Das gibt soziale Konflikte ohne Ende !

Und wer jetzt immer noch meint dass ein friedlicher Weg möglich ist und dass schon alles nicht so schlimm wird, der/die wird spätestens in einem halben Jahr zu Aktionen gezwungen werden, die man zur Zeit noch nicht mal erträumt.

Ihr Politiker dürft euch dann warm anziehen, denn ihr habt euch damit eine gefährliche APO geschaffen und die Sicherheit im Staat ist dann nicht mehr gewährleistet.
Wenn 5 Mio. Arbeitslose in ALG II gelandet sind braucht sich keiner mehr nachts auf die Strassen trauen.
Dann hat es auch keinen Sinn wenn sich jemand ein neues Auto kauft, denn das wird am nächsten Tag von einem arbeitslosen KFZ-Meister 'abtransportiert' und ins Ausland verkauft.
Wie in anderen Ländern müssen Häuser zu Festungen umgebaut werden, damit man wenigstens das Gefühl hat in Sicherheit zu schlafen - denn nachts kommen dann die Arbeitslosen und suchen überall rum nach Verwertbarem !
Jederzeit kann man eins über die Mütze bekommen und ausgeraubt werden, weil ein Arbeitsloser Geld zum Einkaufen für seine Familie braucht.

Das ist keine Fiktion, so wird das werden ! Und die Helfershelfer in den Arbeitsämtern machen ja auch mal Feierabend. Dass dann Racheaktionen von Arbeitslosen bei Nacht und Nebel stattfinden, das kann man sich an einer Hand abzählen ! Zum Verlieren habe die ja nichts mehr und im Knast ist es auch nicht schlimmer als unter der Knute des Arbeitsamts !!!

Dieses ALG II wird die Kriminalität in Deutschland in unerträgliche Höhen treiben, dagegen kann auch die unterbezahlte Polizei nichts mehr ausrichten!!"


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5)

Dienstag 14. Oktober 2003, 13:21 Uhr

Bundesanstalt kritisiert Diskussion um Zumutbarkeitskriterium

Berlin (Reuters) - Die Bundesanstalt für Arbeit (BA) hat die vor allem innerhalb der SPD heftig geführte Diskussion um die Zumutbarkeit von Arbeitsangeboten für Arbeitslose kritisiert.

Das BA-Vorstandsmitglied Heinrich Alt sagte am Dienstag in Berlin: "Ich halte diese Diskussion ... für eine relativ theoretische." Die Kernfrage laute eher, ob man für einen Arbeitssuchenden einen Arbeitgeber findet. "Ich befürchte, wir hätten Schwierigkeiten einen Arbeitgeber zu finden, der als Würstchenverkäufer einen Minister einstellt", sagte Alt. Auch für den Arbeitgeber sei es wichtig, bei einer Neueinstellung jemanden einzustellen, der von seinen Qualifikationen her zu diesem Arbeitsplatz passe und an der neuen Arbeit Spaß habe. Zudem beobachte man ohnehin derzeit, dass Hochqualifizierte unter dem Druck der schlechten Arbeitsmarktlage Qualifikationen selbst verschwiegen, um bessere Chancen auf eine neue Stelle zu haben, auch wenn diese weniger Qualifikationen erfordere.

Zudem sei es volkswirtschaftlich gesehen sinnvoll, Menschen in neue Stellen zu vermitteln und dabei nach Möglichkeit auch deren Qualifikationen angemessen zu nutzen. Alles andere "kann für unsere Volkswirtschaft nicht funktional sein", erklärte Alt.


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6)

Kassel (rpo). Die Richter haben entschieden: Ein Arbeitsloser darf sich bei einer Bewerbung unvorteilhaft und für die angebotene Stelle ungeeignet darstellen. Das Arbeitslosengeld dürfe man ihm deshalb nicht sperren. Er sei nicht verpflichtet, in einem Bewerbungsschreiben mit dem Herausstellen positiver Gesichtspunkte für sich zu werben, entschied das Bundessozialgericht (BSG) in Kassel. Der Arbeitslose könne sich auf eine wahrheitsgemäße Darstellung seiner bisherigen Berufstätigkeit beschränken, heißt es in dem am Donnerstag bekannt gewordenen Urteil. (AZ.: B 7 AL 106/02 R)

Das BSG hob damit eine Entscheidung des Landessozialgerichts Hamburg auf, das einer Sperrzeit wegen der abschreckenden Wirkung des Bewerbungsschreibens zugestimmt hatte. Das Verhalten stehe dem eines Arbeitslosen gleich, der sich überhaupt nicht bewerbe, lautete die Argumentation. Diese Ansicht teilten die Bundesrichter nicht.

http://www.bbv-net.de/public/article/nachrichten/wirtschaft/deutschland/30536

milo

  • Gast
Anregungen
« Antwort #1 am: 22:32:33 Mo. 09.Februar 2004 »
Kenn ich zwar, aber ich lese es immer wieder gerne ... :lol:
Manche Texte eignen sich einfach zu gut zum "Schneeball" ...  ;)

LG, Milo