Autor Thema: AEG-ler legen Nürnberger Werk lahm  (Gelesen 8891 mal)

ManOfConstantSorrow

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AEG-ler legen Nürnberger Werk lahm
« am: 20:37:32 Do. 06.Oktober 2005 »
„Das Nürnberger Stammwerk der AEG Hausgeräte steht still. Hunderte Arbeiter blockierten am Mittwoch die Tore, um gegen die drohende Schließung zu protestieren. Das könnte der Anfang einer europaweiten Streikwelle bei Konzernmutter Electrolux sein…“
befürchtet das Handelsblatt
Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!

Spätlese

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AEG-ler legen Nürnberger Werk lahm
« Antwort #1 am: 15:43:37 Mi. 12.Oktober 2005 »
besorgter sorrow man:
... und ... hat´s hoffentlich was genutzt ... das Streikchen?

Wo die Schliessung im Prinzip schon seit 2 Jahren feststeht - da pellt sich Electrolux Schweden/Schweiz ein Ei drauf - ob jetzt in Nürnberg noch was lahm gelegt wird oder nicht.

"Zappzerapp" - wie der Pole sagt - und schon kommt die weiße Ware ab dem nächsten Jahr u. a. aus Polen (da brauchen wenigstens ein paar Gastarbeiter nicht mehr nach Deutschland reisen und habens etwas näher bzw. komfortabler - da freuen wir uns doch!).
4 Euro die Stunde max. - das ist die Devise, würde mich nicht wundern, wenn nach einer Eingewöhnungs-/Testfase das Ganze nach Asien transferiert wird.
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ManOfConstantSorrow

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AEG-ler legen Nürnberger Werk lahm
« Antwort #2 am: 18:28:22 Mi. 12.Oktober 2005 »
Ach Spätlese,

was erwartest Du?
Unterschriftenlisten, Petitionen, Verfassungsbeschwerden, Demos, Generalstreik oder gar bewaffneten Kampf?

Egal was man versucht, niemals wird dabei herauskommen, daß am nächsten Tag Lohnarbeit, Ausbeutung und Ungerechtigkeit abgeschafft sein werden.

Soll ich den abgedroschenen Spruch bemühen, daß wer kämpft verlieren kann und wer nicht kämpft schon verloren hat?

Jahrelang haben die Gewerkschaften den Sozialen Frieden organisiert und nun scheint es mirt der Ruhe vorbei zu sein. Es gab sogar die in Deutschland fast vergessenen wilden Streiks wieder und die Arbeit wurde nicht nur in den großen Traditionsunternehmen, wie AEG niedergelegt, sondern auch in Branchen, die alles andere als gewerkschaftliche Bastionen sind: Streiks im Einzelhandel und erstmalig im großen Stil auch in Krankenhäusern.

Wir müssen uns darauf vorbereiten noch so manche Niederlage einzustecken. Aber es sind einfach die ersten Zeichen von Unruhe und man muß schließlich lernen zu kämpfen, sich zusammenzuschließen und Kämpfe zu koordinieren.

Das soll man nicht klein reden, egal wie es mit dem direkten Erfolg aussehen mag...
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Spätlese

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AEG-ler legen Nürnberger Werk lahm
« Antwort #3 am: 07:45:32 Do. 13.Oktober 2005 »
Möööönsch ManOfConstantSorrow,

Ich kann mir halt meine triefende Ironie nicht verkneifen. Diese ganze Ruinierung und Schleifung der wirtschaftlichen Strukturen bzw. Firmenlandschaften geht so lange weiter, bis hier alles weg ist und bestenfalls noch "Wiederwiederverkäufer", Discounter und diese ganzen elendigen Dienstleistungszweige übrigbleiben. Natürlich alles Low-Budget-Jobs!

Daher: NICHTS erwarte ich mir in und von diesem Lande! (Wären da nicht finanzielle Mittellosigkeit, gewisse Verpflichtungen und ein paar andere Handicaps - Auswandern könnte ich, bevor in ein paar Jahren die Zwangsdeportation ehemaliger Arbeitnehmer aus Deutschland in Billigstlohnländer wie Indien zu 20 oder 40 Cent die Stunde gesetzlich verankert und zur Pflicht wird!)

Diese ganzen Standort-, Unternehmensschliessungen und Verlagerungen aus steuerlichen, lohn- und versicherungstechnischen Gründen sind allesamt 5 oder gar 10 Jahre vorgeplant und im Prinzip schon beschlossene Sache, wenn die Belegschaft erste konkrete Pläne erfährt.

Und leider ist den Belegschaften und uns kein Instrument in die Hand gegeben um diesen Trend abzustellen. Daher stimme ich zu: - Zitat - "Wir müssen uns darauf vorbereiten noch so manche Niederlage einzustecken."

Ich wiederhole mich da - tagtäglich prasselt es auf Noch-Arbeitnehmer und ehemalige Arbeitnehmer herein:
Telekom beschliesst 2005/2006/2007 die Streichung von 25000 Arbeitsplätzen, Daimler-Konzern denkt über 10000 Streichungen nach und will verlagern - kleine "Schadenfälle" wie die Verlagerung der ostdeutschen Betriebsstätten von Kunert-Hudson Strumpfwaren nach Nordarfrika mit nur 140 neu produzierten Arbeitslosen gehen da schon fast komplett unter.

Und die jeweils Verantwortlichen aus den Ressorts Wirtschaft, Arbeit und Finanzen schauen geduldig zu, beschweren sich über tagtäglich neue Milliardenlöcher - während sie sich z. B. auf der jetzigen Lebensmittelmesse ANUGA in Köln mit Delikatessen voll stopfen lassen:

http://www.greenpeace-magazin.de/magazin/tagesthemen/tt_list.php?p=34504&more=1

http://www.pipeline.de/pipeline/showpics.php?id=1906173&rid=1&pic=1

Dazu noch verschmitzte Anmerkungen wie:
"Auch für Alg-II-Empfänger muss gutes Essen nicht teuer sein ..." usw. -
das hören wir doch gerne!
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Kater

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AEG-ler legen Nürnberger Werk lahm
« Antwort #4 am: 18:02:27 Do. 20.Oktober 2005 »
Zitat
Electrolux stehen europaweite Proteste bevor

19. Okt 14:34

Am Freitag dürfte das AEG-Werk in Nürnberg erneut von der Belegschaft lahm gelegt werden. Gewerkschaften in ganz Europa wollen gegen den schwedischen Mutterkonzern Electrolux protestieren.

Mit einem europaweiten Protesttag wollen die europäischen Metallgewerkschaften am Freitag gegen die Firmenpolitik des schwedischen Electrolux-Konzerns protestieren. In Deutschland solle das von der Schließung bedrohte Werk der Tochter AEG in Nürnberg erneut mehrere Stunden lang blockiert werden, teilte die IG Metall am Mittwoch in Frankfurt am Main mit. Die Belegschaft hatte den Standort bereits Anfang des Monats für 24 Stunden lahm gelegt, um gegen die geplante Verlegung des Standortes nach Osteuropa zu protestieren.
Der Europäische Metallgewerkschaftsbund habe europaweit insgesamt rund 25.000 Electrolux-Mitarbeiter dazu aufgerufen, sich an den Aktionen zu beteiligen, teilte die IG Metall weiter mit. Er wolle deutlich machen, dass sich die Arbeitnehmer nicht gegeneinander ausspielen ließen. Denn nicht nur in Nürnberg seien Schließung und Verlagerung geplant, sondern auch an anderen Standorten in Westeuropa. Insgesamt solle die Fertigung von mehr als einem Dutzend Werken des Konzerns in Billiglohnländern verlagert werden, kritisierte die Arbeitnehmerorganisation.

Europäisches Rahmenabkommen gefordert
 
Was den 1750 Beschäftigten des AEG-Hausgerätewerkes mit der Schließung der Fabrik möglicherweise noch bevorsteht, haben die spanischen Kollegen in Fuenmayor nach Gewerkschafts- Angaben bereits hinter sich. Auch in Florenz und im schwedischen Mariestaad habe Electrolux massenhaft Personal entlassen. Weitere europäische Standorte stünden unter zunehmendem Druck, hieß es weiter.

Die Arbeitnehmer forderten daher ein Rahmenabkommen «für eine nachhaltige und sozialverträgliche Zukunft für Electrolux in Europa». Darin sollte das Unternehmen auf weitere Schließungen sowie betriebsbedingte Kündigungen verzichten, forderte der Gewerkschaftsbund. Zudem müsse die Strategie des Konzerns künftig stärker auf Innovationen hin ausgerichtet werden. (nz)

http://www.netzeitung.de/arbeitundberuf/363583.html

Carsten König

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AEG-ler legen Nürnberger Werk lahm
« Antwort #5 am: 18:12:22 Do. 20.Oktober 2005 »
Soziale Ruinen schaffen - ohne Waffen. Der postkapitalistische Kapitalismus zeigt sich pazifistisch. Man ist geneigt zu sagen: Die Umwertung aller Werte.

Das Problem der ganzen Plattmacher - und das sage ich jetzt nicht aus der sozialrevolutionären Wut heraus, die in mir broddelt: Ihr sägt am Ast, auf dem eure Hintern kleben. Grundkurs VWL: Keine Arbeit - kein Konsum - keine Profite. Individuell mag es richtig sein, dass sich durch Verlagerung der Produktion die Gewinne maximieren lassen, aber als globale Strategie ist das logisch zum Scheitern verurteilt.

Irgendwie muß man Euch Kapitalisten, Scheuklappenträger der Bourgeosie, aber dann doch gratulieren: Ihr werdet hinkriegen, woran Marx, Lenin und Trotzki scheiterten:

Die Welt bereit machen für den Sozialismus. Heute kann man das Bauernleben in Museen bestaunen, die Last und Pein der Leute kaum nachvollziehen bei der damaligen Schwere des Daseins.
Ich erwarte, dass kommende Generationen genauso kopfschüttelnd vor dem System stehen werden, das heutige Kapitalisten an die Wand fahren.
Die List der Geschichte ... mit einer gewissen Genugtuung.

ManOfConstantSorrow

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AEG-ler legen Nürnberger Werk lahm
« Antwort #6 am: 11:57:55 Sa. 22.Oktober 2005 »
Solidarität in ganz Europa

Electrolux-Beschäftigte in sieben Ländern protestieren gegen Werksschließungen. Streikende blockierten AEG-Werk in Nürnberg


junge Welt vom 22.10.2005
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Wilddieb Stuelpner

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AEG-ler legen Nürnberger Werk lahm
« Antwort #7 am: 12:47:50 Sa. 22.Oktober 2005 »
Vor kurzem kam auf VOX aus der Reihe Spiegel TV im Beitrag "Panzer, Busse und Besteck - Multi-Werkstoff Stahl" ganz beiläufig die Bemerkung, daß Bosch eine chinesische Niederlassung gegründet hatte, um mit Waschmaschinen den chinesischen Markt zu angemessenen Preisen einzudecken. Die chinesische Emporkömmlingsbevölkerung in den Ballungsgebieten legt Wert auf Qualitätsware und läßt sich das auch was kosten, wogegen die deutsche Bevölkerung durch sinkende Sozialverhältnisse, Massenentlasssungen, Lohnkürzungen, steigende Lebenshaltungskosten und Werbeterror in den Medien zur Geiz-ist-geil-Gesellschaft verkommt. Allerdings besteht noch ein erheblicher Unterschied im chinesischen Lebensstandard zwischen Stadt und Land.

China macht der USA erhebliche Konkurrenz in der zahlungsfähigen Nachfrage nach Rohstoffen, Bodenschätzen, Industrieausrüstungen, Verkehrstechnik. China hat ganze Hochofenbetriebe und Stahl- wie Walzwerksanlagen im Ruhrgebiet demontiert und in ihrer Heimat wieder aufgebaut. China ist auch der größte Importeur von brasilianischem Eisenerz, daß 60% Metallgehalt besitzt. Thyssen hat aber trotzdem keine Zulieferprobleme an sich, sondern bestenfalls mit der Organisation der Just-in-Time-Belieferung durch die Überseeschiffahrt. Die westliche Stahlindustrie kann steigende Zuwachsraten dank der chinesischen Nachfrage im Bereich von Qualitäts- und Edelstahl bzw. bei legierten Stählen nachweisen. Bei der Herstellung von Massen- und Baustählen hat China allerdings dem Westen den Rang schon abgelaufen. Es ist eine Frage der Zeit bis die anderen Stahlmarken auch in das chinesische Produktionssortiment übergehen. Seit den letzten 10 Jahre ist der Preis für Stahl und Metallschrott im Durchschnitt um das Fünffache gestiegen.

Man ließ auch durchblicken, woher der bisher verarmte, rote Koloss China seine Finanz- und Wirtschaftskraft in dieser Zeit bezogen hat.

Millionenschwere Auslandschinesen aus allen Teilen der Welt, ausländisches Fremdkapital aus dem westlichen und asiatischen Teil der Welt und Russland mit seinen Lieferungen an Bodenschätzen und Rohstoffen lassen insbesondere seit dem Übergang der britischen Kronkolonie Hongkong an China und einer liberalen Politik der chinesischen KP die dortige Wirtschaft aufblühen. China ist mit seinen 1.306.313.812 Einwohnern ein schöner großer Absatzmarkt, so wie bei der Zwangswiedervereinigung die DDR und bei der EU-Erweiterung die neuen Mitgliedsländer. Es besteht allerdings die Gefahr, daß diese große Konjunkturblase, so wie in den neuen Bundesländern schon passiert, bald platzt. Nämlich dann, wenn die dortigen Fördermittel, Subventionen und Steuergeschenke aufhören, die Arbeitsdschutzanforderungen und die Forderung nach Tariflöhnen zunimmt. Chinesische AN sind nicht zurückgeblieben. Sie lernen schnell.

ManOfConstantSorrow

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Kater

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AEG-ler legen Nürnberger Werk lahm
« Antwort #9 am: 15:00:44 Mo. 12.Dezember 2005 »
Zitat
Electrolux schließt AEG-Werk Nürnberg

Der schwedische Elektrokonzern Electrolux schließt bis Ende 2007 das AEG-Werk in Nürnberg. Dies teilte Jürgen Wechsler von der IG-Metall dem Bayerischen Rundfunk mit. Die AEG-Beschäftigten am Standort Nürnberg werden zur Stunde vom Vorstand der Mutterfirma Electrolux informiert. Anschließend ist eine Protestkundgebung geplant. Von der Schließung sind 1.750 Mitarbeiter betroffen.

weiter:

http://www.br-online.de/bayern-heute/artikel/0512/12-aeg-beschluss/index.xml

regenwurm

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AEG-ler legen Nürnberger Werk lahm
« Antwort #10 am: 09:12:18 Fr. 16.Dezember 2005 »
"Die Belegschaft hat die Fabrik übernommen"
Die Betriebsversammlung am vergangenen Montag endete im Tumult, wie die Abendzeitung am nächsten Tag auf ihrer Titelseite berichtete. Nach nur 10 Minuten verließ das Electrolux-Management fluchtartig das AEG-Werk, nachdem unzählige Sitzkissen Richtung Rednerpult geflogen waren und die Rechtfertigungsversuche für die Schließung im Pfeiffkonzert untergegangen waren.
Quelle:
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ManOfConstantSorrow

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AEG-ler legen Nürnberger Werk lahm
« Antwort #11 am: 17:48:37 Di. 10.Januar 2006 »
„Eine normale Produktion ist bei der AEG nicht mehr möglich. Heute wird erneut gestreikt. Das sagt mehr über die Stimmung als die langatmigen Reden der Funktionäre. Mit 2 Wochen bezahlten Freischichten hatte Electrolux gehofft, uns weich zu kochen. Auch die IGM spielt auf Zeit. Sie hat noch keinen Termin für die Urabstimmung genannt. Aber unserer wildcat strike geht weiter. IGM/BR geraten unter Druck und reagieren. Heute am 4. Arbeitstag stehen die Bänder durch den Streik, der mit Rückendeckung von IGM/BR sozusagen "offiziell" ist…“ Meldung auf Netzwerk-IT
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Carsten König

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« Antwort #12 am: 10:53:30 Mi. 11.Januar 2006 »
Zitat
Die Schließung des AEG-Werks in Nürnberg und die Rolle der Gewerkschaften

Quelle: http://www.wsws.org/de/2006/jan2006/aeg-j11.shtml

Zitat
Mitte Dezember kündigte die Unternehmensleitung des schwedischen Elektrokonzerns Elektrolux die Schließung des traditionsreichen AEG-Werks in Nürnberg an. Darauf kam es im Werk zu Arbeitsniederlegungen und Protestaktionen. 1.750 Arbeitsplätze sind unmittelbar von dem Stilllegungsbeschluss bedroht. Dazu kommen noch viele in den vor- und nachgelagerten Bereichen.  
 Nach Bekanntgabe der Konzernentscheidung haben die Beschäftigten die Bänder immer wieder abgestellt oder gezielt sehr langsam gearbeitet. Während der Arbeitszeit wurden Betrieb- und Informationsversammlungen abgehalten, auf der Arbeiter weiterreichende Kampfmaßnahmen und einen unbefristeten Streik forderten, während Vertreter des Betriebsrats und der Industriegewerkschaft Metall die Geschäftsleitung in markigen Worten anklagten, aber gleichzeitig zur Besonnenheit aufriefen.  
 Die Arbeiter bekamen breite Unterstützung aus der Bevölkerung. Eine Woche nach dem Schließungsbeschluss demonstrierten 6.000 Menschen für den Erhalt des Werkes und der Arbeitsplätze. Nach einer Kundgebung bildeten die Teilnehmer eine Lichterkette um das Werksgelände im Nürnberger Stadtteil Muggenhof. Auf Transparenten und Spruchtafeln wandten sie sich gegen die Pläne des Konzerns und warfen ihm "soziale Kälte" und "Missbrauch der unternehmerischen Macht" vor.    
 Bereits im Juli und Oktober des vergangenen Jahres war es zu Protesten der Belegschaft gekommen, nachdem die Konzernleitung wiederholt mit der Schließung des Werks gedroht hatte.    
Als die Aktionen der Belegschaft in den Tagen vor Weihnachten heftiger wurden, versuchte der Betriebsrat einer spontanen Werksbesetzung zuvorzukommen und handelte in einer vertraulichen Vereinbarung mit der Geschäftsleitung Betriebsferien bis zum 4. Januar aus. Die Beschäftigten mussten Überstunden abbauen oder Urlaub nehmen. Dem Unternehmen entstand daraus kaum finanzieller Schaden, während auf der anderen Seite Betriebsrat und Gewerkschaft die Zeit nutzten, um Verhandlungen über einen Sozialtarifvertrag vorzubereiten, die gegenwärtig in München stattfinden.     Der schwedische Elektolux-Konzern, der in den vergangenen Jahren zum Markführer bei der Fertigung von Haushaltsgeräten aufgestiegen ist, begründet seine Stilllegungsentscheidung damit, dass die Produktion von Waschmaschinen, Geschirrspülern und Trocknern im Nürnberger Werk im internationalen Vergleich nicht mehr wettbewerbsfähig sei. Konzernvorstand Johan Bygge erklärte unumwunden, dass jedes in Nürnberg produzierte Gerät den Gewinn des Unternehmens schmälere. Mit jedem in Deutschland produzierten Geschirrspüler und jeder Waschmaschine mache das Unternehmen 45 bzw. 60 Euro Verlust. Zugleich kündigte er eine Verlagerung der Produktion, größtenteils nach Polen, an.    
Die Verlagerung der Produktion wurde bereits von langer Hand geplant und soll nun unter allen Umständen und gegen jeden Widerstand durchgesetzt werden. Seit mehreren Jahren errichtet der schwedische Konzern Fertigungsstellen in Osteuropa, die nun zum Einsatz kommen. Bereits zu Beginn des Jahres hatte der Elektolux-Vorstand massive Stellenstreichungen in "Hochlohnländern" angekündigt.    
Zwar wurde die AEG als selbstständiges Unternehmen bereits vor zehn Jahren aufgelöst, aber ihre Marken und Namen wurden ebenso weitergeführt, wie die Produktion in einzelnen Bereichen. Von vielen Beschäftigten wird die Schließung des Nürnberger Werks als endgültiges Aus des traditionsreichen Elektro-Konzerns empfunden, der im vergangenen Jahrhundert die Industriegeschichte in Deutschland stark geprägt hatte.  
 Mit dem Erwerb der Edison-Patente hatte Emil Rathenau bereits 1883 die Deutsche Edison Gesellschaft gegründet, die er 1897 in Allgemeine Eletricitätsgesellschaft (AEG) umbenannte. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelte sich die AEG dann zu einem der größten Konzerne weltweit. 1922 wurde das Werk in Nürnberg gegründet. Ende der vierziger Jahre beschäftigte das Unternehmen über 200.000 Mitarbeiter. In den fünfziger und sechziger Jahren entstanden deutschlandweit neue Produktionsstandorte, und nach dem Zusammenschluss mit Telefunken stand das Unternehmen an 12. Stelle der Weltrangliste.  
 Mit der Krise der Weltwirtschaft in den siebziger Jahren verschlechtert sich auch die Situation der AEG. Erstmals wurden einige Firmenteile ausgegliedert oder verkauft. Der Niedergang begann schließlich mit der Übernahme der Aktienmehrheit durch Daimler-Benz 1985. Deren Strategie, einen globalen Technologiekonzern zu bilden, war nicht von Dauer. In den folgenden Jahren wurde das Unternehmen grundlegend umstrukturiert. Profitable Teile werden ausgegliedert oder gewinnbringend verscherbelt. Anfang der achtziger Jahre waren in Nürnberg noch gut 6.000 Arbeiter beschäftigt. 1994 übernahm dann Electrolux die AEG Haushaltsgeräte GmbH, die ihren Sitz in Nürnberg hatte.     Bereits drei Jahre später kündigte die Geschäftsleitung in Schweden Entlassungen an deutschen Standorten an. Im fränkischen Rothenburg ob der Tauber wurden 400 Arbeitsplätze abgebaut, und die hessischen Standorte in Kassel und Herborn-Burg wurden geschlossen. Presseberichten zufolge plant der Konzern insgesamt 13 der 20 westeuropäischen Standorte aufzulösen und nach Polen zu verlagern.

Wilddieb Stuelpner

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AEG-ler legen Nürnberger Werk lahm
« Antwort #13 am: 12:17:05 Mi. 11.Januar 2006 »
Vor einiger Zeit wurde in der Sendereihe K1-Reportage über Investitionsaktivitäten deutscher Konzerne im Bereich der Konsumgüterproduktion und des Allgemeinen Maschinenbaus in Chinas berichtet.

Überwiegend wird dort die Weiße Ware für deutsche Märkte produziert mit einem Drittel der deutschen Herstellungskosten. Es hat allerdings auch seine Haken und Ösen: Die Energieversorgung kann der wachsenden Industrie nicht Schritt halten und es gibt noch Qualitätsprobleme.

Aber Siemens engagiert sich im Kraftwerksbau am Drei-Schluchten-Staudamm am Jangtsekjiang und so wird das Energieproblem deutscher Investoren bald der Vergangenheit angehören. Und das Qualitätsproblem bekommt man mit Austausch von Personal in den Griff. Haben die deutschen Lehrmeister ihre Schuldigkeit getan, kann der deutsche Mohr gehen und wird arbeitslos.

Das finanzielle Problem für den deutschen Staatshaushalt der wachsenden Arbeitslosenzahlen will Steinbrück durch Zurückziehen auf die Grundversorgung und Aktivierung von mehr Eigenleistung und -verantwortung bei Arbneitslosen wegbügeln, zu deutsch: Zwangsarbeit bei Wasser und Brot.

dickp04

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AEG-ler legen Nürnberger Werk lahm
« Antwort #14 am: 16:49:26 Mi. 01.Februar 2006 »
An wen erinnert der mich bloß??