Autor Thema: Dauerskandal Pflegeheime: "Abgezockt und Totgepflegt"  (Gelesen 22601 mal)

Eivisskat

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Dauerskandal Pflegeheime: "Abgezockt und Totgepflegt"
« Antwort #15 am: 13:57:25 Mi. 13.Februar 2008 »
Zitat
Original von ManOfConstantSorrow
Das "Haus am Lindenweg", ein Altenheim in Heidelberg-Rohrbach ist von der Summit Healthcare Management Partners GmbH übernommen worden. Das Seniorenheim Lindenweg (jetzt: Haus am Lindenweg) hat knapp 100 Beschäftigte. Der neue Geschäftsführer, Dr. Udo Schulz, verkündete, er werde das Haus schließen, wenn die Kolleginnen und Kollegen nicht auf einen Teil des Gehalts, auf Weihnachts- und Urlaubsgeld verzichten.


Zitat

http://www.jungewelt.de/2008/01-18/052.php

Der private Träger eines Altenheims in Heidelberg versucht, Beschäftigte und Betriebsrat zu knebeln.

 Ein Gespräch mit Mia Lindemann,  Gewerkschaftssekretärin im ver.di-Bezirk Rhein-Neckar

Wie haben die Beschäftigten des Altenpflegeheims »Haus am Lindenweg« von der Übernahme durch den privaten Träger »Summit Health Care Management & Partners GmbH« erfahren?
Sehr kurzfristig. Der Geschäftsführer der Summit Health Care, Herr Schulz, hatte sich angemeldet, um sich vorzustellen. Der Betriebsratsvorsitzende schlug ihm vor, das auf einer Betriebsversammlung am 2. No vember zu tun. Er kam dann auch – und wir waren anfangs motiviert, ihn freundlich zu begrüßen. Allerdings meinte er dann, er könne einfach die Betriebsversammlung abbrechen. Daraufhin kam es zum Eklat, weil sowohl der Betriebsratsvorsitzende als auch ich als Gewerkschaftssekretärin gesagt haben: So geht das nicht. Herr Schulz wendete sich dann sofort an die Beschäftigten und sagte, sie hätten sofort an ihre Arbeitsplätze zurückzukehren. Wer das nicht täte, riskiere, keinen Lohn, statt dessen aber eine Abmahnung zu bekommen. Wir stritten mit ihm, und er sagte, er wolle sich im Nebenhaus der Belegschaft vorstellen und die solle ihm folgen. Aber die Belegschaft blieb sitzen.
Wie verhielt sich die neue Geschäftsleitung in den folgenden Wochen?
Drei Kollegen, die an der Betriebsversammlung teilgenommen hatten, bekamen Abmahnungen. Später auch der Betriebsratsvorsitzende, weil er angeblich geschrieen hatte, was eindeutig nicht der Fall war. Den Beschäftigten wurden neue Verträge vorgelegt, die Gehaltsminderungen von bis zu 800 Euro vorsahen. Außerdem wurde von ihnen verlangt, bundesweit einsetzbar zu sein. Unter dem Strich sollten die Löhne und Gehälter, die sich aus Grundgehalt und Zuschlägen zusammensetzen, um rund ein Drittel gesenkt werden. Eine examinierte Altenpflegerin hätte dann statt 2350 nur noch 1600 Euro verdient – brutto. Von 94 Beschäftigten haben aber nur zwei diese Verträge unterschrieben– und fast alle haben sich inzwischen gewerkschaftlich organisiert.
Wie hat der neue Träger darauf reagiert?
Zum Beispiel hat die Geschäftsführung Personalfragebögen mit teilweise unzulässigen oder solchen Fragen ausgegeben, auf die Beschäftigte nicht wahrheitsgemäß antworten müssen. Angeblich, um die Gehälter pünktlich auszahlen zu können. Allerdings hatte schon ein externes Lohnbüro alle nötigen Unterlagen. In den Fragebögen ging es um ganz andere Dinge. Zum Beispiel wurde nach Krankheiten, der Dienstzeit bei der Bundeswehr oder dem Beruf des Ehepartners gefragt. Außerdem wurden die Fragebögen nicht gemäß Betriebsverfassungsgesetz dem Betriebsrat vorgelegt, der daraufhin beim Arbeitsgericht eine einstweilige Verfügung erwirkte.
Wurden die Gehälter dann mit Hilfe des Lohnbüros pünktlich gezahlt?
Für November und Dezember wurde einigen gar kein Gehalt ausgezahlt, und anderen nicht das, was in ihren Verträgen stand. Manche bekamen im November etwas und im Dezember nichts, bei anderen war es umgekehrt. Die Novembergehälter wurden an den Großteil der Belegschaft ausgezahlt, aber wie gesagt nicht vollständig und erst am 17. Dezember. Der Betriebsratsvorsitzende und der Schwerbehindertenvertreter bekamen für beide Monate gar nichts. Abgesehen von den zwei Kollegen, die die neuen Verträge unterschrieben hatten, hätte allen vertragsgemäß ihr bisheriges Gehalt gezahlt werden müssen. Die Löhne aber wurden eigenmächtig und ohne Rechtsgrundlage gesenkt.
Welchen Widerstand gab es dagegen?
Unterstützer meldeten sich freiwillig, zum Teil waren es Bewohner des Heims und deren Angehörige. Aber auch aus dem politischen Umfeld kam Rückhalt. Schließlich gab es einen offenen Brief, den rund die Hälfte der Heidelberger Stadträte unterzeichnet hat, ebenso die ehemalige Oberbürgermeisterin und andere Persönlichkeiten.
Welchen Erfolg hatte die Öffentlichkeitsarbeit?
Die Unterstützung hat sich verstärkt, obwohl die neue Geschäftsführung gegenüber den Medien tief in die Schmutzkiste gegriffen hat. In einer Schlagzeile der Rhein-Neckar-Zeitung hieß es, im Haus am Lindenweg gehe es zu wie bei VW, nur ohne Prostitution. Damit sollte unterstellt werden, die Belegschaftsvertreter würden sich bereichern.


Eivisskat

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Dauerskandal Pflegeheime: "Abgezockt und Totgepflegt"
« Antwort #16 am: 14:38:02 Mi. 19.März 2008 »
Zitat

NACH DER PFLEGEREFORM

Künftig soll es mehr ambulante Hilfsangebote und Jobs auf dem Pflegemarkt geben. Doch was bedeutet das für die Beschäftigten?

"Jobmotor Pflege", lautet das Stichwort, mit dem der Bericht des Gesundheitsministeriums vom Januar 2008 seine "Positivliste" aufmacht. Wenn die Beitragspflichtigen ab 1. Juli 2008 0,25 Prozent mehr Beiträge in die Pflegekasse einzahlen, soll ihnen das nicht nur durch erweiterte Beratungsangebote und Modelle versüßt werden, sondern auch mit den arbeitsmarktpolitischen Effekten der Pflegereform. 300.000 neue Arbeitsstellen im Pflegebereich in den vergangenen 13 Jahren, von zahlreichen neuen ambulanten Dienstleistern und Trägern bereitgestellt, können sich sehen lassen. Doch von den Arbeitsbedingungen in der Pflege ist im Ministeriumsbericht nicht die Rede.

Mitte Februar legten die Pflegekräfte in mehreren Bundesländern die Arbeit nieder. So auch in Baden-Württemberg, wo die Arbeitgeber der kommunalen Krankenhäuser unter anderem unbezahlte Mehrarbeit von den Beschäftigten verlangen. Darauf reagierten 1.500 Pflegende mit einem Warnstreik.
Mit einer schon 2007 vom Deutschen Berufsverband für Pflegeberufe, dem Deutschen Pflegerat und von Verdi angestoßenen bundesweiten Kampagne unter dem Motto "Uns reichts!" fordern bislang 100.000 Beschäftigte mit ihrer Unterschrift einen angemessenen Lohn und bessere Arbeitsbedingungen in der Pflege.

weiter: http://www.freitag.de/2008/12/08120401.php


momo13

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Dauerskandal Pflegeheime: "Abgezockt und Totgepflegt"
« Antwort #17 am: 15:53:12 Sa. 22.März 2008 »
Beim lesen hier wird mir ganz schwummrig!
Ich habe auch einen Angehörigen in einem Pflegeheim; okay, so ab und an gibts mal was zu beanstanden, aber im allgemeinen ist mir noch nichts  derartiges aufgefallen.
Man muß einfach suchen, suchen, suchen, bis man halt ein gutes Pflegeheim findet.
Alle Verordnungen werden nichts helfen; Leute mit dieser menschenverachtenden Einstellung wird es immer geben und ich meine, man kann ihrer nur Herr werden, indem sie ignoriert werden. Sprich, keine Bewohner mehr bekommen.
Das ist meiner Meinung nach der einzige Weg. ?(

Hägar

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Re: Dauerskandal Pflegeheime: \
« Antwort #18 am: 20:31:57 Mo. 17.November 2008 »
Aus meinen eigenen Erfahrungen kann ich nur berichten das die Pflege meiner Eltern besser war als hier berichtet. Das liegt wohl daran das wir als Familie zusammengehalten haben und so auch aufgetreten sind. Wenn es mal nicht so lief wie es laufen sollte gab es mal einen großen Familienauflauf und die Sache kam ins rollen.
Gott erschuf die Zeit.
Von Eile hat er nichts gesagt.

Hamburgerin

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Re: Dauerskandal Pflegeheime: \
« Antwort #19 am: 22:10:58 Mo. 17.November 2008 »
Aus meinen eigenen Erfahrungen kann ich nur berichten das die Pflege meiner Eltern besser war als hier berichtet. Das liegt wohl daran das wir als Familie zusammengehalten haben und so auch aufgetreten sind. Wenn es mal nicht so lief wie es laufen sollte gab es mal einen großen Familienauflauf und die Sache kam ins rollen.
Und wie wäre es möglicherweise gelaufen, wenn ihr als Familie nicht so fest zusammengehalten hättet?

LG aus Hamburg

Hägar

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Re: Dauerskandal Pflegeheime: \
« Antwort #20 am: 07:01:08 Di. 18.November 2008 »

Und wie wäre es möglicherweise gelaufen, wenn ihr als Familie nicht so fest zusammengehalten hättet?

LG aus Hamburg


Wahrscheinlich nicht so gut.

Aber ich muss beipflichten das ich in einer Großfamilie lebe.
Gott erschuf die Zeit.
Von Eile hat er nichts gesagt.

ManOfConstantSorrow

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Re: Dauerskandal Pflegeheime: \
« Antwort #21 am: 19:56:27 Mo. 06.April 2009 »
In der Krankenpflege beschreiben laut einer aktuellen Sonderauswertung des DGB im Auftrag von Verdi 47 Prozent der Beschäftigten Arbeit und Entlohnung  als "mittelmäßig", 46 Prozent als "schlecht". In der Altenpflege betrachten 52 Prozent der Beschäftigten ihre Arbeit und ihr Einkommen als "schlecht". 51 Prozent der Beschäftigten in der Altenpflege und 57 Prozent in der Krankenpflege glauben nicht, dass sie ihre Tätigkeit bis zum Rentenalter ausüben können.
Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!

Kuddel

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Re:Dauerskandal Pflegeheime: \
« Antwort #22 am: 11:15:44 Mi. 15.Januar 2014 »
Zitat
Pflegenotstand in Heimen
Aufschrei und Anklage

Bislang konnten nur Betroffene gegen den Notstand in Pflegeheimen klagen. Doch nun will ein Münchner Anwalt die Politik zum Handeln zwingen - und die Mängel in Heimen vor das Bundesverfassungsgericht bringen.
http://www.sueddeutsche.de/bayern/pflegenotstand-in-heimen-aufschrei-und-anklage-1.1862851

Troll

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Re:Dauerskandal Pflegeheime: \
« Antwort #23 am: 18:05:55 Mi. 15.Januar 2014 »
Hoff! Vielleicht kann das Verfassungsgericht den herbeigeführten Schaden wenigstens etwas eindämmen, eigentlich sollte der gesamte Gesundheitsbereich abgeklopft werden.
Politik ist der Spielraum, den die Wirtschaft ihr lässt.
Dieter Hildebrandt
Es ist kein Zeichen geistiger Gesundheit, gut angepasst an eine kranke Gesellschaft zu sein.
Jiddu Krishnamurti

Kuddel

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Re:Dauerskandal Pflegeheime: \
« Antwort #24 am: 11:28:17 Do. 24.April 2014 »
Zitat
Pflegeversicherung
Gefängnis der Alten

Es gibt Zustände im deutschen Pflegesystem, die zum Himmel schreien, doch der Gesetzgeber hat bisher nichts unternommen. Die vom Sozialverband VdK angekündigte Verfassungsbeschwerde ist eine Art Notwehr. Nicht nur im Dienste pflegebedürftiger Menschen, sondern für die ganze Gesellschaft.


Das deutsche Pflegesystem verletzt die Grundrechte von Pflegebedürftigen. Diese Erkenntnis ist nicht neu; sie findet sich in Dokumentationen, die der Gesetzgeber selbst in Auftrag gegeben hat. Aber getan hat der Gesetzgeber bisher - nichts. Der Personalschlüssel in den Altenheimen ist seit 15 Jahren unverändert. Strafgefangene haben de facto mehr Rechte als alte Menschen.

Die vom Sozialverband VdK angekündigte Verfassungsbeschwerde ist in dieser Situation tatsächlich eine Art Notwehr für alte und pflegebedürftige Menschen - und eine Notwehr für die ganze Gesellschaft. Es gibt Zustände, die zum Himmel schreien; sie sind nicht die Regel, aber auch nicht die Ausnahme.

Gewiss: Pauschale Verurteilung wird der Fürsorglichkeit nicht gerecht, die es in Heimen auch gibt. Aber es geht um viel mehr als nur darum, schreiende Missstände abzustellen: Es geht um ein umfassendes neues Pflegesystem, das den Menschen nicht mehr in drei Raster zwängt und das endlich auch den dementen Menschen hilft. Es geht darum, die Mängel abzustellen, mit denen die Pflegeversicherung vor zwanzig Jahren schon auf die Welt gekommen ist.

Das Verfassungsgericht könnte ein wunderbarer Helfer sein im Jahr des Grundgesetzjubiläums. Das Gericht hat die Tür für Verfassungsbeschwerden zuletzt sehr weit aufgemacht. Es wäre nicht schön, wenn es diese Tür vor den alten Menschen zuschlagen würde.
http://www.sueddeutsche.de/politik/pflegeversicherung-das-gefaengnis-der-alten-1.1942090

Kuddel

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Re:Dauerskandal Pflegeheime: \
« Antwort #25 am: 10:22:15 Mi. 29.April 2015 »
Zitat
Kündigungswelle bei Pflegedienst
"Die Leute fühlten sich verhört"

Ein Drittel der Mitarbeiter eines Pflegedienstes in Jever hat wegen angeblicher Schikanen gekündigt. Die Leitung bestreitet die Vorwürfe.


Dem Pflegedienst des Deutschen Roten Kreuzes Jeverland laufen die Pflegekräfte weg. Wegen angeblicher Schikanen und Drucks von Seiten der Leitung haben acht von 25 MitarbeiterInnen gekündigt.

Eine Pflegerin, die aus Angst vor juristischen Konsequenzen anonym bleiben möchte, berichtete der taz von ständigen SMS der Geschäftsführerin, von täglich neuen Auflagen und öffentlich geäußerten Vermutungen, dass Kollegen Krankheit nur vortäuschten.

„Wir mussten teilweise wochenlang arbeiten, weil durch den ganzen Druck der Krankenstand ziemlich hoch war“, sagt die Pflegerin. Der ehrenamtliche Vorsitzende des DRK-Kreisverbandes Heinz Memmen und die Geschäftsführerin des Pflegedienstes Mirela Krüger bestreiten, Druck ausgeübt zu haben.

Die Pflegerin hielt es in dem Betrieb trotzdem nicht länger aus. Im Februar kündigte sie und arbeitet nun für einen anderen ambulanten Pflegedienst in Jever. „Ich wollte einfach nur aus der Situation raus“, sagt sie.

Die Geschäftsführerin habe die Mitarbeiter in ihr Büro zitiert, sobald sie auf den Hof gefahren waren. „Die Leute fühlten sich verhört“, erinnert sie sich. Zudem habe es Abmahnungen und Kündigungsandrohungen gegeben.

Eskaliert sei die Situation aber erst nach dem Unfalltod einer Kollegin im Dienst. Der Vorstand des Kreisverbandes sei darüber einfach hinweggegangen, sagt sie. „Niemand hat uns zu einem Gespräch eingeladen.“

Dabei wären sonst aus nichtigen Gründen spontane Dienstbesprechungen einberufen worden, sagt die Pflegerin. Zudem habe der Vorsitzende Memmen schon am nächsten Tag gefragt, ob das Dienstauto noch fahrtüchtig sei. „Das hat uns alle schockiert“, sagt sie.

Memmen weist das zurück. Alle seien vom Tod der Kollegin betroffen gewesen. Zudem habe das Auto einen Totalschaden gehabt. „Daran sieht man, mit was für Mitteln das Team uns schlecht machen will“, sagt er.

„Die Damen“ hätten versucht, das Pflegeteam kaputtzumachen. Als Grund vermutet er, dass die neue Geschäftsführerin bisherige Aufgaben der Pflegedienstleiterin übernahm. Dazu hätten Entscheidungen über Einstellungen und Entlassungen gehört. Die PflegerInnen hätten daraufhin wörtlich gesagt, „sie möchten die Macht zurück“, sagt Memmen. „Sie wollten sich das nicht wegnehmen lassen.“

Bis Februar seien dann immer mehr Pflegekräfte krankgeschrieben worden. „Es hat schon ein Geschmäckle, wenn 13 MitarbeiterInnen gleichzeitig krank sind“, findet Memmen.

Natale Fontana von der Gewerkschaft Ver.di in Wilhelmshaven sieht das anders. Im Bereich der Pflege werde oft am Personal gespart und die Taktzahl erhöht. „Die Arbeitsverdichtung ist hoch“, sagt der Sekretär. Die Angestellten des DRK-Pflegedienstes kennt er, half ihnen zu Beginn des Jahres, einen Betriebsrat zu gründen.

Die PflegerInnen hätten versucht, mit dem Vorstand und der Geschäftsführerin zu sprechen, aber kein Gehör gefunden. „Die haben ihren Job gerne gemacht, aber wenn von der anderen Seite keine Wertschätzung kommt, ist irgendwann Schluss“, sagt Fontana.

Auch Memmen gibt zu, dass die Arbeit der Pflegekräfte wegen des hohen Krankenstandes immer schwerer wurde. Deshalb seien die verbliebenen PflegerInnen von anderen Pflegediensten unterstützt worden – zum Ärger einiger der rund 100 PatientInnen.

In der Nordwest-Zeitung beschwerte sich ein Angehöriger, dass sensible Daten ohne sein Wissen an den neuen Pflegedienst weitergegeben worden seien. Eine neuer Konflikt, den Memmen schlichten muss.

Der DRK-Chef beteuert, dass die PflegerInnen die KollegInnen angekündigt hätten. Gerade baue der Pflegedienst ein neues Team auf. 24 MitarbeiterInnen sind es schon. „Wir konzentrieren uns auf die Arbeit mit den Patienten“, sagt Geschäftsführerin Krüger.

Doch die ehemaligen Pflegekräfte geben sich noch nicht zufrieden. „Der Vorsitzende sollte sich bei den Menschen, denen er Unrecht getan hat, entschuldigen“, sagt die Pflegerin – und fordert seinen Rücktritt.
http://www.taz.de/Kuendigungswelle-bei-Pflegedienst/!159051/

Kuddel

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Re:Dauerskandal Pflegeheime: \
« Antwort #26 am: 18:38:35 Do. 18.August 2016 »
Zitat
Krakower Pflegeeinrichtung vor dem Aus :
Vorwürfe im Pflege-Skandal

Ein Angehöriger einer Pflegebedürftigen wirft dem Landkreis Rostock „haarsträubende Vorgehensweise“ vor. Der Kreissprecher widerspricht allerdings vehement.


Schwere Vorwürfe im Pflege-Skandal gegen den Landkreis Rostock: Der Lüssower Welf Kowalski, dessen Schwiegermutter in der Krakower Pflegeeinrichtung des Pflege- und Betreuungsdienstes „Elisa“ untergebracht ist, die wegen schwerer Mängel geschlossen werden soll (SVZ berichtete), wirft dem Landkreis eine „haarsträubende Vorgehensweise und Lügen“ vor. „Der Landkreis hält uns als Angehörige hin und informiert uns nicht über geplante Maßnahmen“, sagt er. Zudem sei seine Schwiegermutter bei der Durchsuchung der Pflegeeinrichtung gegen ihren Willen untersucht worden. „Der Landkreis ist nicht bereit, mit uns über dieses Thema zu sprechen. Alle lassen sich verleugnen“, so Welf Kowalski.
http://www.svz.de/lokales/guestrower-anzeiger/vorwuerfe-im-pflege-skandal-id13882686.html

Zitat
Pflege-Skandal erhitzt die Gemüter

Harsche Kritik an „Elisa“-Betreiberin und Landkreis – mehrheitlich wird schnelle Schließung gefordert / Landkreis will Angehörigen Chance zum Reagieren geben


Trotz wiederholter Aufforderungen seitens des Landkreises Rostock, hat die Betreiberin des „Elisa“-Pflegedienstes ihre Pflege-Einrichtung im Möwenweg in Krakow am See immer noch nicht geschlossen – die endgültige Frist zur Schließung endet am 1. Juli (SVZ berichtete). Es ist die inzwischen dritte Frist.

Die scheinbare Hinhaltetaktik der Betreiberin stößt bei den SVZ-Lesern auf harsche Kritik, aber auch der Landkreis kommt dabei nicht gut weg. So fragt der Güstrower Harald Keller in einem Leserbrief an unsere Redaktion: „Was sind das für Verhältnisse im Landkreis Rostock? Kann, will oder darf die Kreisverwaltung hier nicht handeln?“ Zudem bezweifle der SVZ-Leser, dass das verhängte Zwangsgeld in Höhe von inzwischen 35 500 Euro bezahlt werde, wenn in der Einrichtung keine Einnahmen mehr zu erwarten sind. „Waren die anderen Fristen also nur Spaß“, fragt sich Keller zudem.

Auch im sozialen Netzwerk Facebook wird das Vorgehen heiß diskutiert. So übt Marco Drenckhan Kritik am Landkreis Rostock. „Hier zeigt der Landkreis sein wahres Gesicht. Es geht dem Landkreis nur um Bußgelder und nicht um die Bewohner. Oder ist es doch nicht so schlimm“, fragt er.

Für Jessi Ca erscheint das Zwangsgeld in Höhe von 35 500 Euro indes zu gering. Sie fordert: „Das müssten 350 500 Euro sein, das die Betreiberin es mal merkt. Jetzt hat sie wieder zwei Wochen Zeit und ruht sich darauf aus.“ Außerdem fügt die Facebook-Nutzerin hinzu: „Warum reagiert man dort nicht mit einer Zwangsräumung bzw. Schließung? Ich frage mich immer wieder worauf man wartet.“ Eine Schließung der Pflegeeinrichtung hält auch Dana Nürnberg für die einzige Lösung. „Unglaublich warum geht so was. Sofort schließen. Das gibt’s doch nicht so was.“

Monique Kewitsch fragt sich indes, warum nach wie vor pflegebedürftige Menschen in der Einrichtung in Krakow am See untergebracht sind und appelliert an die Angehörigen: „Ich frage mich: was sind das für Angehörige, die ihre pflegebedürftigen Verwandten dort nach all den Enthüllungen immer noch betreuen lasse? Das wäre das aller erste, was ich getan hätte!“

Auch Susi Jerke, die offensichtlich im Pflegebereich tätig ist, zeigt sich über die Zustände entrüstet. „Das darf doch wohl nicht wahr sein. Die, die zu uns kamen, hatten weder Wäsche noch einen Personalausweis“, berichtet sie.

Mit dem 1. Juli setzte die Heimaufsicht des Landkreises nun eine letzte Frist zur Schließung. „Es sind jetzt noch elf Tage Zeit, so dass die Angehörigen der letzten Bewohner eine neue Betreuungseinrichtung finden können“, begründet Landkreissprecher Michael Fengler die Entscheidung.
http://www.svz.de/lokales/guestrower-anzeiger/pflege-skandal-erhitzt-die-gemueter-id14045711.html


Zitat
Pflege-Skandal :
Umstrittener Pflegedienst geschlossen

Pflege-Skandal: Landkreis Rostock hat Schließung von „Elisa“ durchgesetzt


Der Streit im Pflege-Skandal zwischen der Betreiberin des „Elisa“-Pflegedienstes und dem Landkreis Rostock hat offenbar ein Ende gefunden. Die beiden Einrichtungen des „Elisa“-Pflegedienstes im Möwenweg und am Markt in Krakow am See sind geschlossen worden, das bestätigte Landkreis-Sprecher Michael Fengler gestern auf SVZ-Nachfrage.
http://www.svz.de/lokales/guestrower-anzeiger/umstrittener-pflegedienst-geschlossen-id14577096.html

dagmar

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Re:Dauerskandal Pflegeheime: \
« Antwort #27 am: 20:17:27 So. 19.Februar 2017 »
So läuft es in der Pflege,
da aber , wo eine schlechte Klitsche zugemacht wird (selten genug, dass dieses passiert) macht im Regelfall eine ebenso "schlechte" wieder auf, oft auf selbigem Gelände. Die Räumlichkeiten passen ja schon mal.

Auch wenn Misstände bekannt sind und Mitarbeiter die entsprechenden Aufsichtsbehörden informieren, dann gehen die im Regelfall zu der Einrichtung und fragen mal freundlich nach. Der Anklagende ist im Regelfall "nur" ein Denunziant. Eine Krähe hackt der anderen doch kein Auge aus....

Das schlimme ist, es gibt Menschen, die diese schwere Arbeit gut und aus innerer Überzeugung machen - die werden verbraten durch den Kopf ganz oben, dem Menschlichkeit absolut fremd ist. So schön die sich und ihre Leitlinien auch vorstellen, so wenig interessieren die Geschäftsführingen sich für anderes als den Umsatz!

Es gibt Einrichtungen, da bemühen sich die Menschen - und dennoch ist es für mich ein Horror, dass auch ich meine Mutter in ein Heim geben musste weil häusliche Pflege durch die ständigen Bewußtlosigkeiten nicht möglich ist. Zu wissen, nur eie 24-Stunden-Betreuung ist mögich ist der Horror. Das einzige, was man/frau kann ist regelmässig dort zu sein und zu den unmöglichsten Zeiten "hallo" zu sagen.

Lieben Gruß von Dagmar

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Re:Dauerskandal Pflegeheime: \
« Antwort #28 am: 20:37:32 So. 19.Februar 2017 »
So läuft es in der Pflege,
da aber , wo eine schlechte Klitsche zugemacht wird (selten genug, dass dieses passiert) macht im Regelfall eine ebenso "schlechte" wieder auf, oft auf selbigem Gelände. Die Räumlichkeiten passen ja schon mal.

Auch wenn Misstände bekannt sind und Mitarbeiter die entsprechenden Aufsichtsbehörden informieren, dann gehen die im Regelfall zu der Einrichtung und fragen mal freundlich nach. Der Anklagende ist im Regelfall "nur" ein Denunziant. Eine Krähe hackt der anderen doch kein Auge aus....

Das schlimme ist, es gibt Menschen, die diese schwere Arbeit gut und aus innerer Überzeugung machen - die werden verbraten durch den Kopf ganz oben, dem Menschlichkeit absolut fremd ist. So schön die sich und ihre Leitlinien auch vorstellen, so wenig interessieren die Geschäftsführingen sich für anderes als den Umsatz!

Es gibt Einrichtungen, da bemühen sich die Menschen - und dennoch ist es für mich ein Horror, dass auch ich meine Mutter in ein Heim geben musste weil häusliche Pflege durch die ständigen Bewußtlosigkeiten nicht möglich ist. Zu wissen, nur eie 24-Stunden-Betreuung ist mögich ist der Horror. Das einzige, was man/frau kann ist regelmässig dort zu sein und zu den unmöglichsten Zeiten "hallo" zu sagen.

Lieben Gruß von Dagmar

Gute Pflegekräfte werden regelmäßig rausgemobbt, deren Mitarbeit hätte man schon gerne, aber deren Ansprüche an die eigene Arbeit im Sinne ihrer Betreuten sind erstmal zu teuer, nervig, meist haben diese Pflegekräfte auch noch recht mit ihren Forderungen.
Politik ist der Spielraum, den die Wirtschaft ihr lässt.
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Re:Dauerskandal Pflegeheime: \
« Antwort #29 am: 20:01:13 Mi. 01.März 2017 »
Watn Alptraum!


Zitat
Umfrage
Gewalt in der Pflege ist weit verbreitet


Dass Gewalt gegen Alte und Kranke vielerorts offenbar System hat, zeigt eine neue Umfrage des Zentrums für Qualität in der Pflege (ZQP) unter Mitarbeitern von Pflegeheimen und ambulanten Diensten. Demnach berichtet jeder dritte Befragte, dass die Rechte der Betroffenen missachtet werden - und zwar regelmäßig. Mehr als die Hälfte (58 Prozent) der etwa 1000 befragten Mitarbeiter gab an, dass das Personal über den Willen der Pflegebedürftigen hinweg handele.

Knapp jeder Zweite wurde schon einmal Zeuge, dass notwendige Hilfe nicht oder viel zu spät gegeben wurde. 39 Prozent erlebten, dass die Privatsphäre missachtet wurde, und 36 Prozent haben mitbekommen, wie Alte und Kranke aggressiv angesprochen oder gar beschämt wurden. "Das Recht auf gute Pflege ist in der Praxis längst nicht überall durchgesetzt", rügt ZQP-Chef Ralf Suhr. Daran ändere auch die jüngste Pflegereform nichts.

Das Problem ist vielschichtig, auch deshalb ist es offenbar so schwer in den Griff zu bekommen. Da gibt es zum einen keine klare Grenze zwischen ruppigem Verhalten und Gewalt, der Übergang ist fließend.
http://www.sueddeutsche.de/panorama/umfrage-gewalt-in-der-pflege-ist-weit-verbreitet-1.3335156


Zitat
Fahrlässige Tötung
Pflegeheimbewohner im Badewasser verbrüht

In einem Heim in Sachsen-Anhalt ist ein halbseitig gelähmter Mann nach einem zu heißen Bad gestorben. Gegen zwei Pflegekräfte wird wegen fahrlässiger Tötung ermittelt.


"Die Sektion der Leiche hat einen eindeutigen Zusammenhang zwischen der Verbrühung und der Todesursache hergestellt", sagt Klaus Wiechmann, Sprecher der Staatsanwaltschaft Halle. Der Vorfall hatte sich bereits am 21. Februar ereignet. Demnach sollen die beiden Pflegerinnen an dem Tag das Wasser angestellt, den Rentner in die Wanne gesetzt und dann den Raum verlassen haben.

Als sie die zu heiße Temperatur bemerkten, holten sie den Mann aus dem Wasser und legten ihn in Decken gewickelt in sein Bett. Knapp eine Woche später starb er an den Verbrühungen. Laut Wiechmann war der 79-Jährige nach einem Schlaganfall halbseitig gelähmt und stumm. Daher habe er sich in der Badewanne nicht bemerkbar machen können.
http://www.sueddeutsche.de/panorama/fahrlaessige-toetung-pflegeheimbewohner-im-badewasser-verbrueht-1.3400497