Autor Thema: Bauernpräsident: kostenlose Landsknechte mästen Großgrundbesitzer  (Gelesen 2016 mal)

Carsten König

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Zitat
Bauern wollen Arbeitslose als sozialabgabenfreie Erntehelfer    Berlin (dpa) - Auch Langzeitarbeitslose sollten nach Angaben des Deutschen Bauernverbandes ohne Sozialabgaben kurzfristig als Erntehelfer in der Landwirtschaft arbeiten dürfen. Damit würde der Anreiz zur Beschäftigung auch deutscher Erwerbsloser als Saisonarbeiter bei Ernte, Spargelstechen und Weinlese erhöht, erläuterte der Bauernverband in Berlin. Damit werde die Motivation für Arbeitslose, eine Saisontätigkeit aufzunehmen, gesteigert und die Einstellungsbereitschaft der Bauern erhöht.

Quelle: http://www.wz-newsline.de/sro.php?redid=221&ID=311208

Wie schnell fliegt da mal eine Schaufel in den Mähdrescher... oder die Gülle auf des Bauern Frau.

Spätlese

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Bauernpräsident: kostenlose Landsknechte mästen Großgrundbesitzer
« Antwort #1 am: 16:09:18 Mo. 24.Oktober 2005 »
@Carsten WeKönig:

Zitat:
"Damit werde die Motivation für Arbeitslose, eine Saisontätigkeit aufzunehmen, gesteigert und die Einstellungsbereitschaft der Bauern erhöht."

=

Da pfeiffen ja die Schweine im Konzert! Der Landwirt hat zu bestimmten saisonalen Zeiten eine gewissen "Mehrpersonalbedarf" der vom Ertrag abhängig ist - das da irgendwo eine "Einstellungsbereitschaft" erhöht wird, alles nur Parolen bzw. Mittel zum Zweck = Billigarbeitskraftschnorrer.

Wurde ja hier im Laufe der Monate schon mehrfach diskutiert - im Archiv findet sich unter Landwirtschaft - Erntehelfer - Saisonarbeit - Gurkenernte - Spargelernte, Weinernte usw. etliches.

So ziehen die Jahre ins Land 2004, 2005 ... und alles schreit nach wie vor ungebremst weiter nach "Niedriglohn-" bzw. "Pauschalkräften" bzw. "Sozialversicherungsfreien Tätigkeiten" - demnächst in 2006 setzt sich das fort mit Spargel gehts los, dann kommen die Erdbeeren ...

... was tut man nicht alles für 4,00 - 5,50 Euro die Stunde Schwerstarbeit um zumindest dem Landwirt bzw. Produzenten einen guten Verdienst und ein dickes Bankkonto zu bescheren. (Alles was die können ist jammern, Subventionen von EU und Staat einsacken, sich dumm stellen und dabei dick abkassieren) Und hat man dann evtl. seine 5,50 ausgehandelt, so kommen die Kollegen einer anderen Fakultät und bieten sich als "Erntemaschine" für 3,50 die Stunde an ...
Alle von mir getätigten Aussagen/Antworten/Kommentare entsprechen lediglich meiner persönlichen Meinung und stellen keinerlei Rechtsberatung dar.

Kater

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Bauernpräsident: kostenlose Landsknechte mästen Großgrundbesitzer
« Antwort #2 am: 18:42:02 Mo. 24.Oktober 2005 »
hier ne Meldung vom WDR vom September, im online-Archiv des WDR habe ich sie nicht mehr gefunden:

Zitat
Anschläge auf Mähdrescher häufen sich

29.09.2005 Mit Metallteilen gegen Mähdrescher
Sachschaden von rund 100.000 Euro

Anschläge auf Mähdrescher
[WDR aktuell (29.09.05); 1'25] Unbekannte Täter haben mehrfach mit Metallteilen Anschläge auf in der Ernte eingesetzte Mähdrescher verübt und damit einen Sachschaden von rund 100.000 Euro angerichtet. Dank glücklicher Umstände sei bei den sechs Fällen innerhalb einer Woche im südlichen Münsterland niemand von den umherfliegenden Teilen verletzt worden, sagte der Sprecher der Kreispolizei Coesfeld, Ralf Storcks, am Donnerstag (29.09.05). Die Anschläge richteten sich vermutlich gegen zwei Firmen, die Erntehelfer wie auch Agrarmaschinen - etwa Maishäcksler - an Bauern vermieteten.

Täter mit Spezialwissen?
Ob mögliche Konkurrenten oder andere Täter dafür verantwortlich seien, werde noch ermittelt. Die Polizei erhofft sich auch Hinweise aus der Bevölkerung aus der Nähe der Tatorte bei Ascheberg und Nordkirchen. Ähnliche Vorfälle habe es bereits im vergangenen Jahr im Raum Werne (Kreis Unna) gegeben.

Nach den Worten Storcks müssen die Täter über Spezialwissen verfügen. Bei den Anschlägen seien keine gewöhnlichen Metallstäbe, sondern solche mit speziellen Legierungen eingesetzt worden. Diese würden von den Detektoren der Maishäcksler nicht erkannt. Übliche Metallteile führten zu einen automatischen Stopp der Maschinen, um das Mahlwerk zu schützen. Die beiden Unternehmer lobten für Hinweise auf die Täter eine Belohnung von 2.000 Euro aus. Die Ermittlungen hat die Kriminalpolizei übernommen.

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Carsten König

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Bauernpräsident: kostenlose Landsknechte mästen Großgrundbesitzer
« Antwort #3 am: 18:46:04 Mo. 24.Oktober 2005 »
Zitat
Original von Kater
hier ne Meldung vom WDR vom September, im online-Archiv des WDR habe ich sie nicht mehr gefunden:

Zitat
Anschläge auf Mähdrescher häufen sich

29.09.2005 Mit Metallteilen gegen Mähdrescher
Sachschaden von rund 100.000 Euro

Anschläge auf Mähdrescher
[WDR aktuell (29.09.05); 1'25] Unbekannte Täter haben mehrfach mit Metallteilen Anschläge auf in der Ernte eingesetzte Mähdrescher verübt und damit einen Sachschaden von rund 100.000 Euro angerichtet.

Ja, ja, ohne das zu rechtfertigen - explizit unterstrichen - so kann man doch feststellen, daß es eine Physik der sozialen Beziehungen gibt: Jeder Aktion folgt eine Gegen-Reaktion.

So wird dann auch manche Tat eine Vorgeschichte haben. Aber wen interessiert das schon?

Spätlese

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Bauernpräsident: kostenlose Landsknechte mästen Großgrundbesitzer
« Antwort #4 am: 20:10:29 Mo. 24.Oktober 2005 »
@Carsten König:

Zitat:
"Jeder Aktion folgt eine Gegen-Reaktion"

=

Dazu fällt mir prompt ein Anekdötchen aus längst vergangenen Kinderzeiten ein. Landwirte heuerten ja früher zur Kartoffelernte gleich auf den Schulhöfen Schüler an - mit dem Versprechen 3 oder 5 Tage 4,5 Stunden jeweils für 5,00 oder auch 10,00 DM die Stunde für´s Kartoffeln einsammeln und einsacken - bar auf die Tatze.

Nun, diverse Bauern hielten ihre Zusage nicht ein und zahlte weniger oder gar nicht. Ja, die damaligen minderjährigen Schüler wussten sich zu helfen: "Pack den Tiger in den Tank" - viele Packungen Salz und Zucker oder auch sog. "Negerscheisse" (braunes Dichtmittel der DKW-Auto-Union) fanden Ihren Weg in den Tank. Das machte kein Bulldog lange mit ...

(Entsinnen kann ich mich auch an eine "befreite" Herde Zuchtschweine - bestimmt so 150, die ihre plötzlich wiedergewonne Freiheit mittels dem "aufgegangenem Tor" genossen.)

Aber zum Glück macht ja heute keiner mehr solch böse Sachen - sind ja auch nur Jugendstreiche früherer Generationen. Das will man heute nicht nachahmen.

--- --- ---

Das mit dem Mähdrescher ist wahrlich keine gute Sache:
Liegt da zufällig ein Schrottteil oder ein Wackermann rum und kommt in die rotierende Messerwalze, so können diese brechen und die Messerteile schiessen wie Boomerangteile bis zu 100 m durch die Luft und können Gliedmassen von völlig unbeteiligten Personen zerfetzen. Solche Pläne mache ich mir nicht zueeigen und muss mich hiervon schärfstens distanzieren!

Hört sich makaber an - ist so.

MfG
Ihr Kuno van Oyten
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Carsten König

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Bauernpräsident: kostenlose Landsknechte mästen Großgrundbesitzer
« Antwort #5 am: 20:32:06 Mo. 24.Oktober 2005 »
Das mit den Mähdreschern ist in der Tat übel und kriminell, aber praktisch angewandte Chemie, verständlich, wenn dann die Karren sich nicht mehr bewegten.
Meine Beispiele sind im übrigen auch fern irgendwelcher Handlungsaufforderungen, eher zur Untermalung der sozialen Physik.

besorgter bürger

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Bauernpräsident: kostenlose Landsknechte mästen Großgrundbesitzer
« Antwort #6 am: 21:34:26 Mo. 24.Oktober 2005 »
Zitat
Nach den Worten Storcks müssen die Täter über Spezialwissen verfügen. Bei den Anschlägen seien keine gewöhnlichen Metallstäbe, sondern solche mit speziellen Legierungen eingesetzt worden. Diese würden von den Detektoren der Maishäcksler nicht erkannt. Übliche Metallteile führten zu einen automatischen Stopp der Maschinen, um das Mahlwerk zu schützen.

das würde mich echt mal interessieren. so spontan vermute ich erstmal das die sensoren magnetisch sind und auf nichtmagnetische sachen wie z.b. aluminium nicht funzen. weis das jemand genauer?
Viele Menschen würden eher sterben als denken. Und in der Tat: Sie tun es.

Klassenkampf

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Bauernpräsident: kostenlose Landsknechte mästen Großgrundbesitzer
« Antwort #7 am: 12:24:40 Di. 25.Oktober 2005 »
Zitat
Bauern wollen Arbeitslose als sozialabgabenfreie Erntehelfer Berlin (dpa) - Auch Langzeitarbeitslose sollten nach Angaben des Deutschen Bauernverbandes ohne Sozialabgaben kurzfristig als Erntehelfer in der Landwirtschaft arbeiten dürfen. Damit würde der Anreiz zur Beschäftigung auch deutscher Erwerbsloser als Saisonarbeiter bei Ernte, Spargelstechen und Weinlese erhöht, erläuterte der Bauernverband in Berlin. Damit werde die Motivation für Arbeitslose, eine Saisontätigkeit aufzunehmen, gesteigert und die Einstellungsbereitschaft der Bauern erhöht.

Erschreckend mit welcher unglaublichen Gleichgültigkeit und Unwissenheit die Protagonisten des "kapitalistischen Zirkus" ihrem eigenen Ableben entgegentreten.
Forderungen, wie die obige, beschleunigen das kapitalistische Trauerstück in erheblichen Maße. Entfesselt und auf die Gottheit "Profit" blickend kann das Resultat nur ein absoluter Niedergang sein, der den Staat in seinen Grundfesten erschüttern läßt.

Die inflationäre Ausschüttung menschlicher Arbeitskraft am Markt, läßt Gewinne steigen, und - paradox - den Wettbewerb um ein Weiteres entarten. Großkapital kann somit billiger und effektiver produzieren, ihr Angebot erweitern um so dem schwankenden Markt ausgleichend entgegenzutreten. Mittleres und kleineres Kapital kann sich dieses Vorteils nicht bedienen.
Gleiche Vorraussetzungen am freien Markt sind mit dieser speziellen Form der kostenlosen Arbeitskraft (Ein-Euro-Tätigkeit), nicht gegeben, weshalb benachteiligte Unternehmen einen verzerrten Wettbewerb begegnen.

Praktisches Beispiel: Den Caritas-Werkstätten ist es als karitative Einrichtung gegeben, Ein-Euro-Arbeitsgelegenheiten anzubieten. Über den Weg der Arbeitsagentur werden diese Stellen auch besetzt. In der örtlichen Caritas-Schreinerei arbeiten so fünf gelernte Schreiner (davon drei als Vorgesetzte, sprich Meister), weitere 14 bis 16 Mitarbeiter auf Ein-Euro-Basis.
Das Geschäft floriert, man erhält Großaufträge Caritas-intern, aber auch vom freien Markt. Als Großschreinerei hat man sich einen Namen gemacht in der Region, steht somit dem freien Markt als Konkurrenzunternehmen gegenüber.
Die Konkurrenz allerdings schmückt sich nicht mit dem Namen "karitative Einrichtung" und kann demnach keine "geschenkte" Arbeitskraft in Anspruch nehmen. Wettbewerbsverzerrung, zugunsten der karitativen Einrichtung, ist das Resultat - Insolvenz: Das Kapital verschlingt Kapital, ein Zentralisierungsprozess findet statt.

Die erzielten Gewinne fließen immer weniger in Lohnkosten, stattdessen modernisiert man damit Produktionsabläufe, effektiviert sie und erzielt dann mit weniger menschlicher Arbeitskraft immer mehr Produktivität - Rationalisierung.
Die Folge daraus ist eine "industrielle Reservearmee" von Arbeitern, aus denen sich das Kapital die "Tüchtigsten" heraussuchen kann, der klägliche Rest versinkt im Elend.
"Die Akkumulation von Reichtum auf dem einen Pol ist zugleich Akkumulation von Elend, Arbeitsqual, Sklaverei, Unwissenheit, Brutalisierung und moralischer Degradation auf dem Gegenpol."

Marx ist tot, heißt es oftmals. Aber die Szenarien die Marx im Kapital vorzeichnete, sind heute mehr denn je aktuell.
Nur bleibt die Frage: Läßt Kapital die Menschen dahinter erblinden oder sind es Geblendete die Kapital besitzen? - Den Eliten ist es nur in kurzen, lichten Momenten bewußt, worauf sie den gesamten Apparat zusteuern. Ihre Lösungsansätze handeln von Intervention, Prävention gibt es kaum. Pragmatisch will man dem ausharren das da kommt, dann reagieren und notfalls Landsleute aufeinander loslassen, schließlich könnte ja die vorgezeichnete Entwicklung nicht eintreten, womit das Kapital erhalten bleibt - es wäre doch ärgerlich präventiv tätig zu werden, um nachher erkennen zu müsssen, daß es gar nicht nötig war.

Die Forderungen des Bauernverbandes mögen die logische Folge der Arbeitskraftinflation sein, die eine Wettbewerbsverzerrung beinhaltet. Moralisch ist sie dennoch nicht, moralisch ist sovieles in diesen Tagen nicht - warum also darauf Rücksicht nehmen?
„Diese Verhältnisse sind nicht die von Individuum zu Individuum, sondern die von Arbeiter zu Kapitalist... Streicht diese Verhältnisse, und ihr habt die ganze Gesellschaft aufgehoben.“
--- Karl Marx, "Das Elend der Philosophie" ---