Autor Thema: [Drogen] Marktwirtschaft  (Gelesen 66637 mal)

Kuddel

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Re:[Drogen] Marktwirtschaft
« Antwort #105 am: 18:57:31 So. 19.November 2017 »
Die Pharmaindustrie kann sich mit jedem Gift eine goldene Nase verdienen und ist damit hoch angesehen als Leistungsträger der Gesellschaft. Wenn die untersten auf der Sozialen Leiter versuchen ihren Lebensunterhalt mit dem Handel mit Rauschmitteln zu bestreiten, gilt es als kriminell und verachtenswert. Das ist purer Sozialdarwinismus.

Interessant, daß es als Skandal gesehen wird, wenn der gesellschaftlich akzeptierte Status des "Dealers" neu bewertet wird:
Zitat
Das Bezirksamt Kreuzberg adelt Menschen wie Jo im Görlitzer Park und in der Hasenheide jetzt sogar mit einer Ausstellung, die am Dienstag eröffnet wird. Die vom amerikanischen Künstler Scott Holmquist kuratierte Ausstellung "Andere Heimaten" im Friedrichshain-Kreuzberg-Museum am Kottbusser Tor zeichnet auf braunen Papptafeln die Migrationsrouten und Herkunftsorte der afrikanischen Drogendealer nach. Für Schlagzeilen weit vor Eröffnung der Ausstellung hatte ein seltsam unkritischer Satz gesorgt, einer, der sich partout nicht missverstehen lässt. In einer Pressemitteilung schreibt Holmquist: Trotz aller Widerstände "arbeiten Drogenverkäufer unerschrocken und tapfer im öffentlichen Raum".

Unerschrocken? Tapfer?

Die Berliner CDU war entsetzt. Es sei "Ausdruck völliger Verkommenheit, Drogendealer, die unsere Kinder von Drogen abhängig machen, als unerschrockene und tapfere Arbeiter zu bezeichnen". Schon titelten Berliner Lokalblätter, dass Steuergelder missbraucht würden, um Drogendealer zu glorifizieren.
(...)
Im vergangenen Jahr hat er in einem Bürgerantrag an die Verordneten des Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg die Errichtung eines Denkmals für afrikanische Drogendealer gefordert. Solch ein Denkmal "wäre eine sinnvolle Anerkennung dieses risikoreichen Berufs".
http://www.sueddeutsche.de/panorama/berlin-sind-die-dealer-im-goerlitzer-park-helden-1.3754161

In meinen Augen ist das eine wichtige Auseinandersetzung.


tleary

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Re:[Drogen] Marktwirtschaft
« Antwort #106 am: 20:21:22 So. 19.November 2017 »
Genau! - Spuckt 'mal der verlogenen bürgerlichen Presse, die im Zweifelsfall ohnehin IMMER auf Seiten der mächtigen und des Bürgertums steht ("Drogendealer, die 'unsere Kinder' von Drogen abhängig machen" (seit wann sind junge Menschen der 'Besitz' von irgendjemand?)), direkt ins Gesicht! - Bravo, Scott Holmquist!!
»Wir wissen, so wie es ist, kann es nicht weiter gehen. Aber es geht weiter.«
(Autor unbekannt)

Kuddel

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Re:[Drogen] Marktwirtschaft
« Antwort #107 am: 12:29:54 Mo. 20.November 2017 »
Zitat
Die einzige Dienstleistung, die in Berlin funktioniert, ist der Drogenhandel. Berliner Dealer wären die besseren Beamten. Aber muss man sie gleich im Museum ausstellen?
http://www.zeit.de/zeit-magazin/2017/47/harald-martenstein-dealer-ausstellung

Mehr will man von dem Schwachkopp Martgenstein auch nicht hören.
Ist aber schon erfreulich, daß die Scott Holmquist mit seinen Aktionen das Bürgertum aus der Reserve lockt.

Kuddel

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Re:[Drogen] Marktwirtschaft
« Antwort #108 am: 18:12:56 Mi. 27.Dezember 2017 »
Aufschwung!

Zitat
Zoll und Polizei in Deutschland haben in diesem Jahr so viel Kokain sichergestellt wie nie zuvor. Das Bundeskriminalamt (BKA) in Wiesbaden rechnet mit einer Menge von knapp sieben Tonnen und damit mehr als dreimal so viel wie im vergangenen Jahr.

Eine Sprecherin des BKA bestätigte am Mittwoch einen Bericht des Norddeutschen Rundfunks (NDR). Südamerikanische Kokain-Produzenten und internationale Schmugglernetzwerke überschwemmten den europäischen Markt, sagte BKA-Rauschgiftbekämpfer Christian Hoppe dem NDR. «Offensichtlich verfahren die Täter nach dem Motto: Angebot schafft Nachfrage.» Hoppe erwartet deshalb auch einen steigenden Konsum in Deutschland, wie er dem Sender weiter sagte.

Der Leiter des Zollfahndungsamtes Hamburg, René Matschke, erklärte, die Preise für Kokain seien in den vergangenen Jahren stark gesunken. Die Droge sei inzwischen schon für 50 oder 60 Euro pro Gramm zu haben, sagte er der Deutschen Presse-Agentur in der Hansestadt. Kokain sei im Augenblick «keine Schickimicki-Droge mehr».

Auch weltweit wird 2017 laut BKA bei der Sicherstellung von Kokain den Rekord des vergangenen Jahres wahrscheinlich übertreffen.
https://www.welt.de/newsticker/dpa_nt/infoline_nt/brennpunkte_nt/article171927531/So-viel-Kokain-sichergestellt-wie-nie-zuvor.html

Kuddel

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Re:[Drogen] Marktwirtschaft
« Antwort #109 am: 20:13:26 Do. 15.März 2018 »
Marktwirtschaft!

Zitat
Luxusgut Morphium

In den USA sind viele Medikamente teuer, Engpässe gefährden die Versorgung. Einige der größten Krankenhausbetreiber wollen das ändern – und selbst zu Herstellern werden.
http://www.zeit.de/wirtschaft/2018-03/krankenhaeuser-usa-gesundheitssystem-medikamente-preiskampf

tleary

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Re:[Drogen] Marktwirtschaft
« Antwort #110 am: 18:16:53 Fr. 16.März 2018 »
Zitat
Die einzige Dienstleistung, die in Berlin funktioniert, ist der Drogenhandel. Berliner Dealer wären die besseren Beamten. Aber muss man sie gleich im Museum ausstellen?
http://www.zeit.de/zeit-magazin/2017/47/harald-martenstein-dealer-ausstellung
Also, ich hab' mir den Artikel von Hartgenstein nun mit zeitlicher Verzögerung auch einmal angetan. Selten so einen Mischmasch aus vermeintlichem Verständnis ("Kleindealer sind keine Kapitalverbrecher, die meisten würden sicher lieber einen anderen Job machen"), um dann anschließend doch wieder zu fordern, daß - egal wie dreckig es einem gehen mag - man sich gefälligst auch als Underdog in jedem Fall an die Gesetze der Herrschenden zu halten habe: "Wenn man daraus eine Hommage an die Dealer macht, haut man wieder mal denen, die arbeiten und sich an die Regeln halten, voll in die Fresse. Wenn die sich dann politisch umorientieren, darf man sich nicht beklagen".

Aber das Beste kommt wie immer zum Schluß:
Zitat
Diesen Artikel finden Sie als Audiodatei im Premiumbereich unter...
Na, wenn so ein Schwachsinn als bezahlter Qualitätsjournalismus durchgeht, müssten so manche Artikel in diesem Forum den Pulitzerpreis bekommen.
»Wir wissen, so wie es ist, kann es nicht weiter gehen. Aber es geht weiter.«
(Autor unbekannt)

Kuddel

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Re:[Drogen] Marktwirtschaft
« Antwort #111 am: 17:20:25 Sa. 08.Dezember 2018 »
Gestern war der Dealer ein Krimineller.

Zitat
Kiffen statt Kippen? Marlboro-Konzern investiert Milliarden in Cannabis

Mit klassischen Zigaretten verdienen die großen Tabakhersteller immer weniger. Der Mutterkonzern von Marlboro wagt sich deshalb nun in einen neuen, wachsenden Markt vor.
http://www.kn-online.de/Nachrichten/Wirtschaft/Kiffen-statt-Kippen-Marlboro-Konzern-investiert-gross-in-Cannabis

Heute ist er ein angesehener Geschäftsmann.

Alles nur Marktwirtschaft.

Kuddel

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Re: [Drogen] Marktwirtschaft
« Antwort #112 am: 20:30:36 Fr. 04.Januar 2019 »
Zitat
Leipzig gehört, neben Bayreuth und dem thüringischen Städtchen Pößneck, seit zwei Jahren zu den Epizentren des Crystal-Meth-Missbrauchs im Osten Deutschlands. Sachsen, Thüringen und Bayern liegen Tschechien am nächsten, wo die Meth-Küchen seit einigen Jahren brodeln. Die Droge der Armen, der Junkies und der Außenseiter ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen, in Kreisen jedenfalls, die laut "Ja!" zum Leben sagen. Abhängig fühlt sich keiner. 
...
Seine Kumpels neben ihm, Jungs in teuren Markenklamotten und im ersten Semester Betriebswirtschaft, Politik oder Philosophie, sind alle auf Meth. 
https://www.zeit.de/zeit-magazin/leben/2014-07/crystal-meth-leipzig