Autor Thema: [Drogen] Marktwirtschaft  (Gelesen 69313 mal)

Troll

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Re: [Drogen] Marktwirtschaft
« Antwort #120 am: 09:38:19 Fr. 26.Juli 2019 »
Zitat
Stellt euch mal kurz vor, ihr wäret Johnson & Johnson. Die Opiod-Crisis-Profiteure.

Und ihr wollt mal so richtig Reibach machen. Ihr wisst aber nicht wie. Bisher verkauft ihr Babypuder, wo ihr einen so guten Ruf habt, dass die Kunden von ganz alleine kommen. Und wie man dafür Werbung macht ist auch bekannt.

Aber für Opiode? Wie macht man dafür Werbung, ohne dass man wie ein schmieriger Drogendealer aussieht?

Ihr braucht da Hilfe. Aber an wen wendet man sich? Das müsste ja jemand mit beträchtlicher krimineller Energie sein. Jemand gänzlich moralbefreites. Jemand, der für Geld alles tun würde. Jemand, dem das Verticken von abhängig machenden Drogen nicht wie ein Verbrechen sondern wie ein Geschäftsmodell aussieht. Jemand wirklich schmieriges, schleimiges, abartiges. Wo findet man sowas?

Johnson & Johnson tat, was jeder andere Turbokapitalist an ihrer Stelle getan hätte. Sie fragen McKinsey!

Ein Wunder, dass dabei am Ende noch Profite bei Johnson & Johnson abgefallen sein sollen, wenn ihr mal drüber nachdenkt! Das überlebt sonst keine Organisation. Schaut nur, was von der Bundeswehr noch übrig ist!

Quelle: Fefes Blog

Weil es dazu passt:

Zitat
Beraterrepublik Deutschland
...

HTML5: https://www.nachdenkseiten.de/upload/podcast/190724_Beraterrepublik_Deutschland_NDS.mp3
Quelle: NDS

Berater sind ein übler Haufen, gibt es wie Sand am Meer für jeden Mist, manche nennen die Berater Experten, tja, Experten für was, mir fällt da nur eine "Zecke" ein, wer setzt sich freiwillig so ein Tierchen auf den Arm?
Politik ist der Spielraum, den die Wirtschaft ihr lässt.
Dieter Hildebrandt
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Kuddel

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Re: [Drogen] Marktwirtschaft
« Antwort #121 am: 12:29:03 Di. 27.August 2019 »
Zitat
Johnson & Johnson:
Opioid-Hersteller muss Schmerzensgeld zahlen

Johnson & Johnson muss 572 Millionen Dollar Schadensersatz zahlen. Der US-Pharmakonzern soll in seinen Marketingkampagnen süchtig machende Schmerzmittel verharmlost haben.
https://www.zeit.de/video/2019-08/6077622769001/johnson-johnson-opioid-hersteller-muss-schmerzensgeld-zahlen

BGS

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Re: [Drogen] Marktwirtschaft
« Antwort #122 am: 20:11:38 Di. 27.August 2019 »
Das zahlen die aus der Portokasse.

MfG

BGS
"Ceterum censeo, Berolinensis esse delendam"

http://www.chefduzen.de/index.php?topic=21713.msg298043#new
(:DAS SINKENDE SCHIFF DEUTSCHLAND ENDGÜLTIG VERLASSEN!)

Troll

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Re: [Drogen] Marktwirtschaft
« Antwort #123 am: 20:33:39 Di. 27.August 2019 »
In so einem Fall von einkalkuliertem Massenmord sollte die Strafe das Ende der Firma besiegeln und verantwortliche viele Jahre unter ihresgleichen (Dealer, Mörder) ins Gefängnis wandern, sonst ist man doch auch nicht so zimperlich mit Dealern und Mördern.
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Kuddel

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Re: [Drogen] Marktwirtschaft
« Antwort #124 am: 10:46:45 Mi. 28.August 2019 »
Zitat
Opioidkrise in den USA
Pharmakonzern Purdue verhandelt über Milliardenvergleich

Die US-Firma Purdue gilt als einer der Hauptprofiteure von Amerikas Suchtepidemie. Nun könnte ein milliardenschwerer Vergleich mit den Behörden bevorstehen - und das Unternehmen vom Markt verschwinden.
https://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/opioidkrise-in-usa-purdue-pharma-offenbar-zu-milliardenvergleich-bereit-a-1283977.html

Troll

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Re: [Drogen] Marktwirtschaft
« Antwort #125 am: 12:24:26 So. 01.September 2019 »
Zitat
Opioid-Krise in den USA
Ermittler beschlagnahmen 30 Kilo Fentanyl

Mit einer großangelegten Razzia haben Fahnder einen weit verzweigten Drogenhändlerring zerschlagen. Die sichergestellten 30 Kilo Opioide hätten angeblich ausgereicht, um mehr als 14 Millionen Menschen zu töten.
...

Quelle: spon via Fefes Blog

Ist schon verrückt wenn die Pharmaindusrie ganz offiziell zur Konkurrenz im illegalen Drogenmarkt wird, auf die wird komischer Weise nicht geschossen noch werden sie mit ähnlicher Härte verfolgt wie ein popeliger Dealer "illegaler" Drogen.
Das die Medikamente Drogen aus Niedrigstlohnländern kommen ist nicht verwunderlich, daß sind die Herkunftsländer unserer Standardmedikamente, Big Pharma läßt außschließlich in Niedrigstlohnländern produzieren, die Aktionäre und Politik jubeln bei so viel Erfolg.
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Onkel Tom

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Re: [Drogen] Marktwirtschaft
« Antwort #126 am: 18:06:46 So. 01.September 2019 »
Das ist ja krass, wenn man mal bedenkt, das für Ein 3 Tage - Morphium - Pflaster
25 Mikrogramm Fentanyl (Entspricht 10 mg pro Tag) ausreicht, um ein Krebs-Patienten
schmerzfrei zu halten..
Frage mich anbei, wie die Dealer das mit der Dosierung hinbekommen wollten, um
Konsumennten nicht die "Goldene Dosis" zu verticken..
 ::)

 
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Kuddel

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Re: [Drogen] Marktwirtschaft
« Antwort #127 am: 11:33:56 Mo. 16.September 2019 »
Zitat
Hunderttausende von Amerikanern sind in den letzten beiden Jahrzehnten an Opioid-Überdosen gestorben. Die Staatsanwälte mehrerer US-Gliedstaaten machen die Hersteller der Schmerzmittel verantwortlich. Ein provisorischer Milliarden-Dollar-Vergleich des Pharmakonzerns Purdue mit Vertretern Geschädigter gerät nun ins Wanken.
https://www.nzz.ch/international/pharmakonzern-purdue-beantragt-glaeubigerschutz-auch-soll-es-millionen-ueber-schweizer-bankkonten-versteckt-haben-die-neuesten-entwicklungen-und-hintergruende-zur-opioid-krise-in-den-usa-ld.1504775?utm_source=pocket-newtab

Der NZZ Artikel beinhaltet die beste Fakten- und Zahlensammlung, die mir bekannt ist.


Zitat
Die Zahlen erzählen eine amerikanische Tragödie. Alle 11 Minuten stirbt in den USA jemand an einer Opioid-Überdosis. 2017 erlagen 47 600 Menschen der Epidemie. In den letzten 20 Jahren sind über 400 000 Amerikanerinnen und Amerikaner an Opioid-Überdosen gestorben.
Zitat
...die Opioid-Krise, die bereits mehr Tote gefordert hat als die Kriege in Vietnam und im Irak zusammen...
Zitat
Als Pionierin gilt die Firma Purdue Pharma, die 1996 das Schmerzmittel Oxycontin auf den Markt brachte. Obwohl das Unternehmen früh Hinweise hatte, dass das Medikament ein hohes Abhängigkeitspotenzial aufwies, vermarktete es Oxycontin als harmlose Allzweckwaffe gegen alle möglichen Arten von Schmerzen, zum Beispiel Rückenbeschwerden. Die Aktion war eine der aufwendigsten Marketingkampagnen in der Geschichte der amerikanischen Pharmaindustrie.
Zitat
Zwischen 1991 und 2011 verdreifachten sich die Verschreibungen von Schmerzmitteln in den USA von 76 Millionen auf 219 Millionen pro Jahr. 2016 händigten Ärzte über 289 Millionen Verschreibungen für Opioid-basierte Schmerzmittel aus.
Zitat
70 200 Amerikanerinnen und Amerikaner starben 2017 an Überdosen. In 68 Prozent der Todesfälle waren Opioide im Spiel. Im Durchschnitt starben somit täglich 130 Amerikanerinnen und Amerikaner an Opioid-Überdosen. Zwischen 1999 und 2017 hat sich die Zahl der Todesfälle durch Opioid-Überdosen versechsfacht. Sie sind noch vor Verkehrsunfällen die häufigste Ursache für nicht natürliche Todesfälle. Die Opioid-Epidemie gilt auch als Hauptgrund dafür, dass die Lebenserwartung in den USA ab 2015 erstmals seit den 1960er Jahren zu sinken begann.

Stark betroffen von der Opioid-Krise sind weisse, ländliche Bevölkerungsschichten mit eher tiefem Bildungsniveau. West Virginia und Ohio sind die beiden am stärksten betroffenen Teilstaaten.
Zitat
Man spricht von drei Wellen der Opioid-Epidemie: Als erste Welle wird die Schmerzmittel-Schwemme bezeichnet, die in den 1990er Jahren begann. Eine zweite Welle brachte ab 2010 einen rasanten Anstieg der Todesfälle durch Heroin-Überdosen. Mehrere Faktoren hatten diese zweite Welle ausgelöst: Opioid-basierte Schmerzmittel waren weniger leicht zu erhalten, weil die Behörden begonnen hatten, die fahrlässige Verschreibungspraxis zu erschweren. Viele Abhängige, die keine Rezepte mehr erhielten, stiegen um auf das illegale – und günstigere – Opioid Heroin. Heroin war an vielen Orten leicht erhältlich, weil die kriminellen Organisationen die Nachfrage früh erkannten und gezielt bedienten. Die Produktion von Heroin in Mexiko vervielfachte sich nach der Jahrtausendwende. Zwischen 2005 und 2018 stieg sie um mehr als das Zehnfache.
Zitat
Der Heroin-Boom wurde aber von der dritten Opioid-Welle noch überholt. Seit 2013 ist die Zahl der Überdosis-Todesfälle durch illegale synthetische Opioide explodiert. Das hängt vor allem mit der Verbreitung von Fentanyl zusammen, einem Opioid, das bis zu 50-mal stärker wirkt als Heroin. Die Produktion von Fentanyl ist günstiger als jene von Heroin, da es im Labor hergestellt werden kann (für die Produktion von Heroin wird Schlafmohn als natürlicher Rohstoff benötigt). Wegen seiner Potenz kann Fentanyl zudem viel stärker gestreckt werden als Heroin – das macht das Opioid für kriminelle Organisationen lukrativer. Viele Opioid-Abhängige können das brandgefährliche Fentanyl schlecht dosieren – tödliche Überdosen sind die Folge.
Zitat
2017 schätzten Gesundheitsexperten, dass im nächsten Jahrzehnt über 500 000 Personen der Epidemie zum Opfer fallen.

Es kotzt mich an, wie verlogen die Drogendiskussion geführt wird. In den letzten 50 Jahren ist der (schwarze) Heroindealer der Buhmann, der ist für den Tod von Kindern verantwortlich und den darf man abknallen. Das ist die Storyline eines durchschnittlichen Hollywoodfilms und ist damit Gemeingut geworden.

In der der Diskussion und in den Medien tauchten stets nur die Unterschichtenjunkies auf. Daß die Droge auch in Oberschichten konsumiert wird, war nie Thema.

Es sollten mal alle möglichen Dinge diskutiert werden, philosophische, medizinische und politische. Was das Leben und das Lebensgefühl ist, was Bedürfnisse, Sehnsüchte und Träume sind. Wie weit sind die Lust an der Betäubung und der Wunsch nach stimmungsaufhellenden Substanzen Teil der menschlichen Natur und was hat gesellschaftliche Ursachen? Es geht um den Umgang mit dem Menschen, dem gesellschaftlichen Zusammenleben und der menschlichen Würde.

Deshalb kotzt mich eine solche Diskussion an:
Zitat
Laut offiziellen Angaben richtet die Krise jährlich einen volkswirtschaftlichen Schaden von 500 Milliarden Dollar an.
Die Problematik ist seit Jahren bekannt, doch Alarm wird erst dann geschlagen, wenn es sich auf die Wirtschaft auswirkt. Es geht nicht um die Würde des Menschen, sondern allein um seine Verwertbarkeit.

Die Pharmabranche hat einen guten Schnitt gemacht.
Zitat
Mehrere US-Bundesstaaten gehen davon aus, dass die Sacklers seit 2007 mehr als vier Milliarden Dollar von Purdue abgezogen und einen Grossteil davon offshore verlagert hätten, um zukünftige Ansprüche zu vermeiden.

Die anderen Branchen sind nun genervt, weil sie als Arbeiskräfte zu viel beschädigte Ware, bzw. Ausschuß erhalten. Das ist die Triebfeder für die momentane (juristische) Auseinandersetzung und es geht nicht um das Leben und die Würde der Menschen.

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Re: [Drogen] Marktwirtschaft
« Antwort #128 am: 12:09:20 Mo. 16.September 2019 »
Zitat von: Aus dem nzz-Artikel
3. Welche Verantwortung tragen die Pharmafirmen – und welches sind die rechtlichen Folgen?
...
... Ihr Argument lautet: Nicht die Medikamente seien das Problem, sondern die Menschen, die Opioide missbrauchen.
Verdrehte Welt, also, die Drogenproduzenten und Dealer die bisher so vehement verfolgt wurden sind gar kein Problem, der Konsument war es, diese Argumentationslinie verfolgt seit Ewigkeiten die NRA erfolgreich, nicht der Produzent sondern der Käufer ist der Arsch. Ätsch-bätsch!
Und das setzt sich durch, keiner zwingt dich unseren rosig beworbenen Industriemüll zu fressen, also bist du selbst Schuld unserer PR zu glauben und eingelullt einzukaufen.
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Re: [Drogen] Marktwirtschaft
« Antwort #129 am: 10:43:34 Mi. 02.Oktober 2019 »
Zitat
In der US-Opioidkrise entgeht Johnson & Johnson einem Großprozess. Mit einem Vergleich über 20,4 Millionen Dollar hat sich der Arzneimittelhersteller in dem Fall freigekauft - ohne Haftung zu übernehmen.
https://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/johnson-johnson-entzieht-sich-schmerzmittelprozess-mit-vergleich-a-1289644.html

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Re: [Drogen] Marktwirtschaft
« Antwort #130 am: 13:17:40 Mi. 02.Oktober 2019 »
Im Vergleich dazu: Der linksradikale Dichter (und Manager der Band MC5) Michael Davis wurde 1969 für 2 Grasjoints  zu 9,5 bzw. 10 Jahren Haft verurteilt.