Autor Thema: Deutschland stinkt - Nepper, Schlepper, Bauernfänger:  (Gelesen 2202 mal)

Klaus

  • Gast
Deutschland stinkt - Nepper, Schlepper, Bauernfänger:
« am: 14:18:19 Mi. 18.Februar 2004 »
Nepper, Schlepper, Bauernfänger – in diese Wortreihe kann man echt PSA´s , private Stellenvermittler, Personalvermittlungsfirmen, Unternehmensberater und Zeitarbeitsunternehmen eingliedern.
*
Gewöhnlich vermeide ich zwar tunlichst diese zwielichtigen Unternehmensgebilde der Personalvermittlungsbranche zu kontaktieren, aber manchmal versucht man´s doch – vielleicht kommt ja mal ein positives Ding dabei heraus.
*
Leset und vernehmet nun hier (hoffentlich lesen das auch möglichst viele Mitarbeiter der Bundesarbeitsagenturen), wie man als privater Personal- und Unternehmensberater mit schmierigen Praktiken schnell und locker Geld verdient und sein Konto auffüllt:
>
1. Die Unternehmensberatung XYZ inseriert per Zeitungsanzeige nach einem „Einkäufer und Leiter Materialwirtschaft“ für einen Ihrer Kunden (größerer Industriebetrieb)
>
2. Ich habe mich prompt beworben – mit 3200,-- Euro Gehaltsvorstellung (nicht kleckern, sondern klotzen!)
>
3. Einladung zum ersten Gespräch bei der Personal- u. Unternehmensberatung XYZ kam, ich mit dem mir zuvor geradezu vom AA aufgedrängtem Vermittlungsgutschein im Wert von 2500,-- Euro hin, nettes Vorstellungsgespräch geführt, man freute sich über den in Aussicht gestellten Vermittlungsgutschein und teilte mir mit, dass ich unter 170 Bewerbern einer von 6 bin die für diese Stelle in Betracht kommen. Personalfragebogen mit beidseitiger Diskretions- bzw. Stillschweigeverpflichtung musste ausgefüllt werden.
>
4. 4 Wochen später, es wurde spannend, weiteres Gespräch direkt beim Kunden der Unternehmensberatung. Auch alles ganz nett, und Ihr werdet lachen: „Wieso ich denn eine so recht bescheidene Gehaltsvorstellung hätte – es handelt sich schließlich um einen Full-Time-Job mit Reisetätigkeit auch im Ausland, daher sei die Stelle für den Anfang mit 3700,-- Euro/brutto/Monat dotiert. Man habe außerdem 13 ½ Monatsgehälter angesetzt – inklusive + 1 x Weihnachtsgeld und + ½ x Urlaubsgeld.“ Habe dieses großzügige Angebot natürlich nicht abgelehnt.
>
5. 6 Wochen später dann die große Ernüchterung – neue Einladung wieder zum Unternehmensberater XYZ, ohne dass einer der Geschäftsführer des auftraggebenden Kunden dabei war. Gefragt wurde ich dann, ob ich bei einer Einstellung bereit wäre die ersten 12 Monate einen Anstellungsvertrag nicht vom Auftraggeber, sondern von der Personalberatung XYZ zu akzeptieren, die dann auch mein Gehalt auszahlt. Nach 12 Monaten Beschäftigungsdauer solle dann ein Übernahme- bzw. Änderungsanstellungsvertrag direkt durch den Kunden erfolgen.
>
6. Habe zunächst mal erfreut zugestimmt. Dann wurde mir ein 6seitiges Blankovertragswerk wiederum mit Diskretions- und Stillschweigevereinbarung der hierin getroffenen Vereinbarungen vorgelegt, das auch eine Art Klageandrohung bzw. Schadenersatzpflicht bei Missachtung durch mich beinhaltete. Das sah dann zahlenmäßig schon ganz anders aus: Für die Monate 1-6 der Beschäftigungsdauer sollten 60% des künstlich hochgejubelten Monatsgehaltes (s. Punkt 4.) ausgezahlt werden (da ja auf einmal ein erheblicher Einarbeitungs- und Schulungsaufwand meiner Person nötig sei), für die nachfolgenden Monate 7-12 dann 80% des o. a. Gehaltes. Danach sei ja dann alles klar, ab dem 13 Monat erhielte ich ja dann den neuen Übernahmevertrag vom Unternehmen zum vollen vereinbarten Lohn. Diese Übernahmegarantie bzw. die Garantie, dass mich das Unternehmen dann zum Gehalt von 3700,-- Euro/brutto/Monat übernimmt, stand natürlich nicht in diesem Vertrag – das sei ja dann schließlich und ausschließlich Sache des auftraggebenden Unternehmens und nicht mehr der Personalberatung, die ja dann ihre Arbeit und Ihren Auftrag erledigt habe. Außerdem sollte für das erste Jahr das angesprochene Weihnachtsgeld um 50% gekürzt werden und das Urlaubsgeld auf 14 Tage reduziert werden, da mir natürlich im ersten Beschäftigungsjahr keine 30 Tage gewährt werden können, was ich bitte verstehen müsste. Es könne ja schließlich sein, dass sich die tariflichen Rahmenbedingungen bzw. Möglichkeiten des auftraggebenden Kunden ändern
>
7. Also sahnt hier die Unternehmensberatung XYZ auf den Arbeitnehmer bezogen mindestens wie folgt ab:
a) Vermittlungsgutschein der Arbeitsagentur         2500,-- Euro
b) 6 Gehälter um 40% reduziert á 1480,-- Euro =      8880,-- Euro
c) 6 Gehälter um 20% reduziert á   740,-- Euro =       4440,-- Euro
d) 1 Weihnachtsgeld 50% reduziert =                   1850,-- Euro
e) 1 Urlaubsgeld 50% von 50% reduziert=                  925,-- Euro
--------------------------------------------------------------------------------------
a)-e) ergibt dann für den Personalberater               18595,-- Euro
===============================================
die allein zusätzlich von 1 stellensuchenden Arbeitnehmer finanziert werden bzw. die sich die Personalberatung für insgesamt 5-10 Stunden Arbeitszeitaufwand in die Taschen stopft.

Dazu kommen ja dann schließlich noch die schöngerechneten und zusätzlichen Vermittlungs- und Fixkosten, die das auftraggebende Unternehmen im Rahmen seiner vertraglichen Vereinbarungen mit dem „leistungsstarken“ Personalberatungsunternehmen XYZ  vereinbart. Diese Summen kenne ich nicht, aber z. B. 19,95 Euro werden das auch nicht nur sein!

Leute, so verdient man Geld und verteuert künstlich die Arbeitskraft!
>
8. Habe angesichts dieser wirren Vertrags- und Zahlenwerke (beruflich habe ich nämlich 20 Jahre lang zig diverse Verträge selbst verfasst und vereinbart und bin daher noch nicht ganz bescheuert) um 1 Tag Bedenkzeit gebeten – zumal man mir ja diesen „Vertragsentwurf“ nicht einmal aushändigen wollte. Das war´s dann, trotzt etlicher Nachfragen nie mehr was von dieser Personalberatung gehört. Geblieben sind nur die Kosten: Bewerbungsunterlagen/Porto futsch und 3 An-/Abreisen auf eigene Kosten. (Den Beratungsgutschein vom AA habe ich dort nicht abgegeben.)
>
9. Was ich hierbei absolut nicht verstehe – mein Horizont ist da wohl etwas beschränkt:
- Wann merken endlich mal die Unternehmen, also die Arbeitgeber, dass private Personalberater/Personalvermittler kaum Leistung erbringen, die Arbeitskraft künstlich verteuern und, als alleroberstes Unternehmensziel, an´s massig Geld verdienen denken. Egal ob Festanstellung oder zeitlich befristete Bestellung: Diesen ganzen zusätzlichen Kostenapparat den die privaten Personalberater/Personalvermittler erzeugen, kann man doch sparen wenn man direkt mit den Bewerbern einen Anstellungsvertrag vereinbart.
- Wann merkt endlich mal die Bundesagentur für Arbeit und deren oberster Chefdenker H. Clement, mit welchen fast schon mafiösen Methoden hier Arbeitgeber, Arbeitnehmer und die BA abgezockt werden? Dabei ginge alles viel einfacher: Meldepflicht (bei der BA – wozu gibt´s die sonst?) mit Konditionen/Gehaltsangabe (nicht solche fadenscheinigen anonymen, ungeprüften Angebote mit Gehalt „ortsüblich“ oder „Ortstarif“ für alle zu besetzenden Stellen in Deutschland (und eventuell auch europ. Nachbarländern). Dann als ergänzende Maßnahme Abschaffung der jährlich rund 1.600.000.000 (1,6 Milliarden) bezahlten Überstunden – dadurch werden nämlich rund 870.000 normale Arbeitsplätze pro Jahr verhindert.
- Das alles würde deutlich mehr Neueinstellungen bringen, als dieses ganze „Dumping- und Niedriglohngehampel“, was oftmals durch diese privaten Personalberater inszeniert wird.

Milo_als_Gast

  • Gast
Deutschland stinkt - Nepper, Schlepper, Bauernfänger:
« Antwort #1 am: 15:44:48 Mi. 18.Februar 2004 »
... hat aber keiner der sich selbst überschätzenden "Regierenden" ernst genommen ...:

Arbeitgeber gegen Personal Service Agenturen
05. Aug 2003 07:08

Die BDA stellt sich einem Pressebericht zufolge gegen ein Kernstück der Hartz-Reformen: Die Arbeitgeber-Vereinigung fordert die Abschaffung der neuen Personal Service Agenturen (PSA).


Die Arbeitgeber setzen sich nach Informationen der «Berliner Zeitung» dafür ein, dass ein wichtiger Bestandteil der Hartz-Reformen wieder rückgängig gemacht wird. Demnach verlangt die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) die «zügige Abschaffung» der Personal Service Agenturen (PSA). Die Agenturen waren erst in diesem Jahr geschaffen worden, um die Arbeitsvermittlung zu verbessern.

Wie die Zeitung am Dienstag berichtet, forderte BDA-Hauptgeschäftsführer Reinhard Göhner die Abschaffung der PSA in einem Schreiben an Vertreter der führenden Zeitarbeitsfirmen und des Bundesverbandes Zeitarbeit (BZA).

Für den 12. August lud das Mitglied der Unions-Bundestagsfraktion die Adressaten seines Briefes zu Beratungen nach Berlin ein. Auf dem Treffen solle gegen die PSA Front gemacht werden, hieß es. Den Agenturen wird demnach vorgeworfen, mit Hilfe der von den Arbeitsämtern bereit gestellten Subventionen Preisdumping zu betreiben.

Subventionsmissbrauch vorgeworfen

Die Bundesanstalt für Arbeit will erreichen, dass die PSA bis Ende 2003 mindestens 50.000 Arbeitslose betreuen und möglichst rasch in dauerhafte Jobs vermitteln. Dafür erhalten die Agenturen für jeden Arbeitslosen durchschnittlich 1000 Euro im Monat. Die Hartz-Gesetze sehen vor, dass die PSA ähnlich arbeiten wie Zeitarbeitsfirmen. Unternehmen wie Randstad, Adecco und Manpower vermitteln Arbeitnehmer allerdings nur in zeitlich begrenzte Jobs und werden deshalb nicht bezuschusst.

Göhner hielt in dem Brief einzelnen PSA-Betreibern Subventionsmissbrauch vor. Die betreffenden Agenturen vermittelten Arbeitslose «zu weitaus geringeren Preisen (...), als dies Zeitarbeitsfirmen ohne Förderung möglich ist», berichtet die »Berliner Zeitung«. Der BDA-Hauptgeschäftsführer warnte davor, dass «gewachsene Strukturen mit Hilfe öffentlicher Gelder dauerhaft zerstört werden». Das PSA-Konzept sei «in seiner jetzigen Form zu stoppen und dringend neu auszurichten». (nz)

Quelle: netzeitung - 2003
http://www.netzeitung.de/arbeitundberuf/249856.html

milo

  • Gast
Deutschland stinkt - Nepper, Schlepper, Bauernfänger:
« Antwort #2 am: 16:10:47 Mi. 18.Februar 2004 »
oder aktueller von heute ...

Arbeitgeber bezweifeln Sinn der Verleihfirmen
Erfolgsquote in der Vermittlung zu gering


Thorsten Knuf und Matthias Loke
BERLIN, 17. Februar. Nach der Pleite von Maatwerk, dem größten Betreiber von Personal-Service-Agenturen (PSA) in Deutschland, haben die Arbeitgeber den Sinn solcher Vermittlungsagenturen grundsätzlich in Frage gestellt. "Derzeit funktionieren die Personal-Service-Agenturen nicht wie erwartet", sagte der Arbeitgebervertreter an der Spitze des Verwaltungsrates der Bundesagentur für Arbeit, Peter Clever, der Berliner Zeitung. Die entscheidende Frage sei, ob die PSA einen wirkungsvollen Beitrag zur Vermittlung von Arbeitslosen in den regulären Arbeitsmarkt leisteten: "Da überwiegen die Zweifel", sagte er. "Wenn sich keine deutlichen Integrationseffekte einstellen, müssen die PSA grundsätzlich in Frage gestellt werden." Darüber müsse im Vorstand der Bundesagentur gründlich diskutiert werden. Dagegen hieß es aus dem Bundeswirtschaftsministerium und der Bundesagentur, das Konzept der PSA stehe nicht zur Diskussion. Die Grünen forderten, die Ausschreibungspraxis für PSA zu überprüfen.

Kernstück der Hartz-Reform

Am Montag hatte das deutsche Tochterunternehmen des niederländischen Personaldienstleisters Maatwerk Insolvenz angemeldet. Maatwerk betreibt rund 200 von insgesamt 1 000 PSA. Von der Pleite betroffen sind rund 9 500 Beschäftigte. Die Agenturen sind ein Kernstück der so genannten Hartz-Reformen am Arbeitsmarkt. Sie verleihen Arbeitslose an Unternehmen. Bei dieser zeitlich befristeten Tätigkeit sollen sich die Arbeitslosen für eine Weiterbeschäftigung empfehlen können und ihre Qualifikation auffrischen. Die PSA erhalten für die Aufnahme von Arbeitslosen eine abgestufte Pauschale und bei der Vermittlung in einen festen Job eine weitere Prämie.

Clever betonte unter Verweis auf die aktuellen Zahlen, die Erwartungen an die Vermittlungsergebnisse der PSA seien schon von Anfang an nicht hoch gewesen, aber selbst die seien nicht erreicht worden. Laut Statistik der Bundesagentur für Arbeit beschäftigten die Personalagenturen Ende Januar 31 700 Mitarbeiter. Damit blieben die PSA deutlich unter den Prognosen. Die Bundesagentur hatte ursprünglich gehofft, dass die Agenturen bis Ende 2003 rund 50 000 Beschäftigte aufnehmen könnten.
Quelle: berlinonline - berliner zeitung
http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/politik/317272.html

Gast

  • Gast
Deutschland stinkt - Nepper, Schlepper, Bauernfänger:
« Antwort #3 am: 19:53:41 So. 29.Februar 2004 »
Ich selbst bin Personalberater/-vermittler in einer großen deutschen Zeitarbeitsfirma und das seit 10 Jahren.
Man sollte hier wirklich den Unterschied zwischen seriös und unseriös arbeitenden Unternhemen machen. Natürlich gibt es in der Zeitarbeit/Personalvermittlung schwarze Schafe, aber gibts die nicht überall? Du solltest hier nicht eine ganze Branche in den Dreck ziehen.
In meiner Zeit hatte ich schon mehrere ehemalige Mitarbeiter, die von einem Kunden eingestellt wurden und später wieder zu mir gekommen sind. Die Gründe, warum es bei den Kunden zu Ende war, sind dabei völlig unterschiedlich. Entscheidend ist eigentlich nur, daß diese Leute freiwillig wieder vor mir standen. Desweiteren habe ich im Moment die meisten Bewerber für eine Anstellung als Empfehlung von aktiven oder ehemaligen Mitarbeitern.

Würdest Du jemandem empfehlen, zu einer Firma oder auch nur in einen Laden zu gehen, wo Du beschissen worden bist oder wo es Dir nicht gefallen hat?????

  • Gast
Deutschland stinkt - Nepper, Schlepper, Bauernfänger:
« Antwort #4 am: 20:16:33 So. 29.Februar 2004 »
Zitat
Natürlich gibt es in der Zeitarbeit/Personalvermittlung schwarze Schafe, aber gibts die nicht überall? Du solltest hier nicht eine ganze Branche in den Dreck ziehen.


Doch! Es ist ein Unding, daß Menschen vermietet und verliehen werden! Die gesamte Zeitarbeitsbranche hat den Zweck Arbeitskräfte zu spalten (in Arbeiter 1. und 2. Wahl) und die Löhne zu drücken. Deshalb ist es nicht ausschlaggebend, wenn sich ein einzelner Arbeitsverleiher vielleicht bemüht korrekt zu sein.