Autor Thema: Die Renten - Die Zwangslage wird immer größer  (Gelesen 3964 mal)

Wilddieb Stuelpner

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Die Renten - Die Zwangslage wird immer größer
« am: 13:12:32 Fr. 11.November 2005 »
ARD/BR, Sendung "Plusminus": Die Renten - Die Zwangslage wird immer größer

BR, Dienstag, 8. November 2005

Deutschland im Jahr 2050 - das wird ein Land der Greise sein. Fast die Hälfte der Bevölkerung ist dann über 60. Und die Rente reicht kaum zum Leben. Düster - diese Prognose vieler Rentenexperten.

Hier in der kleinen Stadt Dietzenbach in Hessen bereiten sich die Bürger bereits auf die drohende künftige Wirklichkeit vor. Sie haben schon vor 10 Jahren eine so genannte Seniorenhilfe gegründet. Die 1.800 Mitglieder des Vereins helfen sich wie in einer Großfamilie: Fahrdienste, Besuche, Pflege, Reparaturen. Das Besondere: abgerechnet wird nicht in Euro, sondern in Punkten. Für jede Stunde Arbeit bekommen die Jüngeren zwei Punkte gutgeschrieben. Später, wenn sie selber alt und gebrechlich sind, können sie die Punkte wieder einlösen. Allerdings nur, wenn genügend Junge nachkommen und das ist wie im großen Rentensystem.

Eine Zusatzrente welcher Art auch immer - das könnten schon heute viele Senioren gut gebrauchen. Unter 1.200 Euro bekommt derzeit ein Standardrentner nach 45 Jahren Arbeit. Viele haben weniger. Nullrunden seit zwei Jahren und wohl auch in Zukunft verschärfen die Situation. Die Kaufkraft der Rentner sinkt. Und langfristig wird es noch schlimmer kommen, meint Prof. Meinhard Miegel vom Institut für Wirtschaft und Gesellschaft.

"Schon heute liegt ein Drittel der Renten unterhalb des Sozialhilfeniveaus, in etwas 30 Jahren werden es in etwa Zweidrittel auf oder unterhalb des Sozialhilfeniveaus sein, so dass nur noch eine Minderheit mehr als den heutigen Sozialhilfesatz bekommen wird."

Das Grundproblem: seit der Ära Adenauer ist unser Rentensystem umlageorientiert. Das heißt: wer arbeitet und in die Rentenkasse einzahlt, finanziert mit seinen Beiträgen die jeweilige Rentner-Generation. Es wird also nichts zurückgelegt, nichts gespart. Das System lebt von der Hand in den Mund. Doch damit es auch funktioniert bedarf es genügend Nachwuchs. Und genau das ist der Schwachpunkt. Denn die Deutschen bekommen seit Jahren zu wenig Kinder. Der Durchschnitt liegt gegenwärtig bei 1,4 Kindern. Ein Schnitt von 2,1 aber wäre nötig, um die fortschreitende Vergreisung zu stoppen und unser Rentensystem zu retten. Doch Besserung ist nicht in Sicht. Die Zukunft der Renten dürfte somit eher düster sein. Zumal alle Reserven aus früheren Jahren aufgebraucht sind. Nun soll der Bund seinen Zuschuss erhöhen, doch auch seine Kassen sind leer. Die Alternative: Beitragserhöhungen. Doch das ist Gift für Beitragszahler und Unternehmen.

Besuch bei der Firma Martin in Dietzenbach, einem Zulieferbetrieb für den Maschinenbau mit rund 100 Mitarbeitern. Von immer weiter steigenden Rentenbeiträgen hält man hier wenig. Nötige Investitionen müssen dann womöglich ausbleiben. Und das bedeutet: keine neuen Jobs. Längere Arbeitszeiten hingegen kann sich der Chef und auch so mancher Mitarbeiter durchaus vorstellen. Zumal in diesem Unternehmen auch ältere Mitarbeiter noch gefragt sind. Rund ein Drittel der Belegschaft ist über 50.

In der Tat führt an einem späteren Renteneintrittsalter kein Weg vorbei. Das sehen die Experten und inzwischen auch die Politik so. Längere Arbeitszeiten allein werden allerdings das Rentenproblem nicht lösen. Auch jeder einzelne muss handeln und so gut es geht privat vorsorgen.

Vor allem aber brauchen wir dringend mehr Wirtschaftswachstum. Damit wieder mehr Menschen arbeiten und in die Rentenkassen einzahlen können. Gelingt das nicht, sieht die Zukunft nur noch düster aus.

Bericht: Martina Schuster
Stand: Anfang November 2005

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Auf die Idee, die verantwortlichen Politiker und Unternehmer der letzten 30 Jahre materiell zur Verantwortung zu ziehen, indem man ihre Vermögen enteignet, die eine kinder- und familienfeindliche Unternehmenspolitik vorangetrieben haben und keine sozialpolitischen Maßnahmen vergleichsweise der DDR einführten, kommen sie nicht.

Gleichfalls fehlt der Wille für die Zukunft sozialpolitischen Maßnahmen und eine kinder- und familienfreundliche Unternehmenspolitik durchzusetzen, um für eine Zunahme des Kinderwunsches und künftige Beitrags- und Steuerzahler zu sorgen. Das ist typisch für egoistische Erziehungsmethoden und vergammelte, kapitalistische Sozialpolitik, wenn man nur die Wirtschaft mit Schmiermitteln versorgt und fürs Volk nichts übrig hat.

Troll

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Die Renten - Die Zwangslage wird immer größer
« Antwort #1 am: 20:49:55 So. 20.November 2005 »
Zitat
...und fürs Volk nichts übrig hat.

War das zu DDR-Zeiten anders?
Politik ist der Spielraum, den die Wirtschaft ihr lässt.
Dieter Hildebrandt
Es ist kein Zeichen geistiger Gesundheit, gut angepasst an eine kranke Gesellschaft zu sein.
Jiddu Krishnamurti

Wilddieb Stuelpner

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Die Renten - Die Zwangslage wird immer größer
« Antwort #2 am: 22:14:46 So. 20.November 2005 »
Die DDR hatte z.B. ein Volks- und Reihenröntgen aller 2 Jahre, ein ordentliches Impfwesen, (Impfwesen - wo sich bundesdeutsche Ärzte einscheißen und das Impfprinzip verteufeln), die Behandlungen waren in örtlichen oder betrieblichen Polikliniken häufig konzentriert, wo mehrere Fachärzte verschiedener Disziplinen zusammenarbeiteten und die Medinzin- und Labortechnik gemeinsam nutzen.

Jetzt kommt das durch die Hintertür mit bundesdeutschen Anstrich Ärztegemeinschaftshaus wieder hoch. Das die Idee aus dem Osten stammt und dort jahrelang erfolgreich praktiziert wurde, wird vorsätzlich verschwiegen.

Es gab ein Betriebsgesundheitswesen mit arbeits- und verkehrsmedizinischem Dienst.

Alle Behandlungen waren in der DDR kostenfrei. Die wurden aus Mitteln des Staatshaushalts bezahlt - die "zweite Lohntüte".

Hier im Westen halten geldgeile Pharmabetriebe, Apotheker und Ärzte schon beim Griff auf die Türklinke ihre raffenden Greifer auf und selektieren gemäß dem sozialen Status ihrer Patienten wie an der Rampe im KZ Ausschwitz in gute und schlechte Kranke. Nur das heute die Jungen und Kranken nicht sofort ins Gas müssen, wenn sie nach links umdirigiert werden.

Heute sind die guten die Privatpatienten, wo der behandelnde Arzt für die gleiche Diagnose und Therapie mehr abkassiert als bei einem Patienten der gesetzlichen Kasse.

Woher soll auch die Luxusvilla, die Yacht, die Nobelkarosse, das Rennpferd, die Internats- und Privatausbildung deren Nachwuchses, die standesgerechten Beziehungen herkommen?

Dafür rächt sich der Arzt mit der Verabreichung schlechterer Medikamente, Behandlungen und langen Wartezeiten beim Kassenpatienten. Die Gesundheit ist im Westen ein Handelsgut, weil der Profit und nicht der Mensch im Mittelpunkt des Geschehens steht.

In der DDR gab es eine außerunterrichtliche Freizeitbetreuung der Schulkinder in Horts und in Arbeitsgemeinschaften und eine berufstheoretische und -praktische Berufsvorbereitung in Patenbetrieben und -brigaden während der schulischen Ausbildung an den allgemeinbildenden polytechnischen und/oder erweiterten Oberschulen.

Das Arbeitsverhältnis und die Vergütung waren sicher und in jedem Fall tarifgebunden. Es gab keine Existenzgefährdung wie wir es hier und heute erleben. Sowohl vom Arbeitsverdienst als auch von der Rente konnte man in anständiger Weise leben

Arbeitsaufgaben waren alle mit Eingruppierungsunterlagen bewertet, und zwar mit den Methoden der analytischen Arbeitsklassifizierung und nicht mit der rückständigen summarischen Arbeitsklassifizierung, an der der Westen immer noch klebt.

In der DDR gab es das hoheitsweit einheitliche Arbeitsgesetzbuch, das für jeden verständlich und zugänglich war. Es war in der Umgangssprache und in keiner verkorfksten Kanzlei- und Beamtensprache abgefasst.

In der BRD ist das AGB ein Fremdwort. Die Pflicht zur Erstellung von Eingruppierungen lt. § 99 BetrVG wird häufig mißachtet und ignoriert. Aus Profitgründen will man Hungerlöhne.

Die Bürger der DDR waren durch den erweiterten Versicherungsschutz auch außerhalb des Arbeitsverhältnisses kranken- und unfallversichert, wenn sie Tätigkeiten verrichteten, die im gesellschaftlichen Interesse lagen, Hilfs-, Rettungsleistungen und Notwehrhandlungen ausübten. Auch bei Havariearbeiten war man sozialversichert.

Im Westen gibt es dieses Versicherungsschutz für ehrenamtliche Arbeiten und Einsätze bei Notfällen nicht.

Mimir

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Die Renten - Die Zwangslage wird immer größer
« Antwort #3 am: 13:19:10 Do. 24.November 2005 »
Ich möchte die positiven Aspekte ja gar nicht schmälern - NUR
die DDR hatte aber auch ein gut organisiertes Bespitzelungssystem. Angaben, die bei den Reihenuntersuchungen gemacht wurden, sind doch direkt weitergeleitet worden. Verdächtige Äußerungen wurden doch auch gemeldet.
Letztendlich mußten die ganzen Überwacher ja auch beschäftigt werden. :P

So etwas möchte ich eigentlich nicht erleben!

Warum nur habe ich den Eindruck, das wir bald das hier wieder haben werden?
Wenn die unten weggehen, fallen die oben tief.

Wilddieb Stuelpner

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Die Renten - Die Zwangslage wird immer größer
« Antwort #4 am: 14:33:45 Do. 24.November 2005 »
Zitat
Original von Mimir
Ich möchte die positiven Aspekte ja gar nicht schmälern - NUR
die DDR hatte aber auch ein gut organisiertes Bespitzelungssystem. Angaben, die bei den Reihenuntersuchungen gemacht wurden, sind doch direkt weitergeleitet worden. Verdächtige Äußerungen wurden doch auch gemeldet.
Letztendlich mußten die ganzen Überwacher ja auch beschäftigt werden. :P

So etwas möchte ich eigentlich nicht erleben!

Warum nur habe ich den Eindruck, das wir bald das hier wieder haben werden?

Aha! Es gab keine medizinische Schweigepflicht in der DDR. Deswegen sagt man wohl dem Volksreihen- und Lungenröntgen sowie den arbeitsmedizinischen Reihenuntersuchungen den Kampf an und unterbindet von vorherein selbige Untersuchungen heute noch in der BRD.

Es könnten ja noch ein paar Stasi- und KGB-Kundschafter in den Reihen vom BKA, BND, MAD, Verfassungsschutz, CIA, NSA, SIS, MI6, MI5, Mossad etc. tätig sein und Deine Berufs- und Krankenanamnese ausspionieren?

Wie schrecklich und menschenverachtend, gilt aber nur für die ehemaligen Ostspione. Die Westspione sind die unschuldigen Lämmer, die Eure beschissene, auf Privateigentum an Produktionsmitteln des Kapitals beruhende Freiheit schützen.

Ich finde, da ist der eine 5 Groschen und der andere einen Fuffzger wert.

Warum hat man in der BRD den Datenschutz erfunden?

Weil so in der BRD Verbrecher vor der Strafverfolgung besser geschützt werden als der Verbraucher vor den Kriminellen in Wirtschaft und Finanzwesen.

Schaut Euch doch um. Wer verfolgt denn die Briefkastenfirmen, die Kaffeefahrtenbetreiber, die Bau- und Immobilien- und Rüstungsspekulanten, die Steuerflüchtlinge und -hinterzieher?

Keiner! Weil man mit dem Datenschutz den Deckel drauf setzt und Friedhofsruhe ist. Das liegt auch am Filz zwischen Politik, Staatsanwaltschaften, Gerichten und Kapital.

Mir kommt das große Grausen vor der Falschheit, Verlogenheit, Großkotzigkeit, Bereicherungssucht und dem zum Himmel stinkenden Egoismus im Westen, egal ob Spießer oder Großkupferter.

Hüben wie drüben zahlt immer der Otto Normalverbraucher drauf und überall unterliegt er der Diktatur des Kapitals.

Mimir

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Die Renten - Die Zwangslage wird immer größer
« Antwort #5 am: 14:52:39 Do. 24.November 2005 »
Ich gebe dir vollkommen recht!

Den letzten Satz in meinem Beitrag hast du gelesen?
Wenn die unten weggehen, fallen die oben tief.

Zoe

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  • Die erste Freiheit der Presse besteht darin, kein
Die Renten - Die Zwangslage wird immer größer
« Antwort #6 am: 22:40:16 Do. 24.November 2005 »
@Mimir
"So etwas möchte ich eigentlich nicht erleben"

Du erlebst es doch gerade! Was meinst Du welchen Aufgaben der BND oder der Staatsschutz nachgehen? Jedes Land hat seine Stasi und Methoden sich die Unliebsamen vom Hals zu halten. Egal, DDR hin oder her, auch ich bin der Meinung, dass nicht alles nur marode und bekloppt war. Bildung, Kinderbetreuung, Gesundheitswesen waren durchaus übernehmenswert - aber warum sollte man - Das KOOOOOSTET ja  viel zu viel und bringt keinen Gewinn
Zoe
Die erste Freiheit der Presse besteht darin, kein Gewerbe zu sein

Wilddieb Stuelpner

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« Antwort #7 am: 00:58:14 Fr. 25.November 2005 »
Zitat
Original von Zoe
@Mimir
"So etwas möchte ich eigentlich nicht erleben"

Du erlebst es doch gerade! Was meinst Du welchen Aufgaben der BND oder der Staatsschutz nachgehen? Jedes Land hat seine Stasi und Methoden sich die Unliebsamen vom Hals zu halten. Egal, DDR hin oder her, auch ich bin der Meinung, dass nicht alles nur marode und bekloppt war. Bildung, Kinderbetreuung, Gesundheitswesen waren durchaus übernehmenswert - aber warum sollte man - Das KOOOOOSTET ja viel zu viel und bringt keinen Gewinn
Zoe

... und es würde, oh welch Graus, die Leistungen der ostdeutschen Beschäftigten auch noch würdigen, die in diesen Bereichen arbeiteten. Und das kann und darf ja nicht sein. Ossis müssen doch erst lernen die Ärmel hochzukrempeln.

40 Jahre unterschiedliche gesellschaftspolitische Prägungen der Menschen bekommt man nicht auf einen Fingerschnips weg.

Wie sagte die von DDR-Politikern geächtete Schriftstellerin Daniela Dahn in ihrer Rede zu 13 jahren Einheit so treffend:

Daniela Dahn in Ossietzky, 13 Jahre Einheit

"... Das Grundmißverständnis zwischen Ost und West besteht darin, daß eine Seite denkt, sie gibt ihr Letztes, während die andere meint, man nähme ihr das Letzte. ..."

Und so macher Wessi befaßt sich lieber mit dem Suhlen in der DDR-Vergangenheit, um sich bloß nicht mit seiner eigenen auseinandersetzen zu müssen.

Wir wären schon viel weiter, wenn wir voneinander lernen und uns achten würden und unsere Herren, wer sie auch immer seien, gemeinsam zum Teufel jagen.

In einem Interview von Günter Gaus mit Egon Bahr in der Sendereihe "Zur Person" kamen beide zu diesem Schluß:

"... Gaus: Verstand und Elite: Können Sie sagen, wie Sie sich eine Elite denken, an der Sie nicht Anstoß nehmen?

Bahr: Kann ich mir im Augenblick nicht denken. Das müssen Sie genauer beschreiben.

Gaus: Ich will es versuchen. Es muß ausgeschlossen sein, daß man durch Geburt hinein kommt. Es muß ausgeschlossen sein, daß man durch Vermögen hinein kommt. Das heißt, es muß gesichert sein, daß alle einen möglichst gleich harten – Unterschiede wird es immer geben, ich rede nicht von Begabung, sondern von der Startchance – Zugang zum Eingangstor zu dieser Elite haben. Sind wir da einen Schritt weiter gekommen in den letzten zehn Jahren, oder sind wir in die falsche Richtung abgekommen?

Bahr: In den letzten zehn Jahren hat sich in Westdeutschland nicht sehr viel verändert. Ich glaube, die Startchancen in Ostdeutschland sind total verändert worden. Sie sind schlechter als die in Westdeutschland. Insofern haben wir da einen großen Nachholebedarf.

Gaus: Können Sie sagen, was es an Grundfehlern der Arten, gar nicht im Detail, der Mentalitäten auf der Seite der Westdeutschen gegenüber dem ostdeutschen Teil gegeben hat?

Bahr: Der wichtigste Punkt ist, und ich nehme mich da nicht aus, daß wir das Problem der Mentalitätsunterschiede überhaupt nicht gesehen und erkannt haben. Es gibt zwei Klassiker: Von von Dohnányi ist das eine Buch »Das Wagnis« und das andere Buch »Der Einheitsvertrag« von Schäuble, in beiden kommt das Wort Mentalität gar nicht vor. Weiterhin glaube ich, daß die Westdeutschen nicht gesehen haben und auch nicht sehen, daß Deutschland für den verlorenen Krieg bezahlen muß. Und daß diese Bezahlung, weitgehend von der DDR übernommen, nun nachträglich mitbezahlt werden muß von Westdeutschland. ..."

Es gab in diesem Porträt von Egon Bahr eine Stelle, wo er sagte, daß man die innerdeutsche Nabelschau beenden sollle, weil man sich damit in der Weltöffentlichkeit lächerlich macht, wenn der deutsche Westen dem deutschen Osten ewig Vorhaltungen macht.

Es gibt wesentlich größere Aufgaben zu bewältigen:

So bestehe die Gefahr, daß sich die USA aus ihren Waffenbündnissen mit Europäern, Asiaten, Australiern etc. die poltischen, wirtschaftlichen und militärischen Rosinen rauspickt, die militärische Forschung mit Hinweis auf die Bündnistreue von ihren Bündnispartnern betreiben und bezahlen läßt und sich die Forschungsergebnisse unter den Nagel reißt.

Die Bündnisbeziehungen sind mittlerweile sehr einseitig ausgestaltet und die USA ist nur bestrebt, die finanziellen Lasten für ihre Kriege auf die Bündnispartner abzuwälzen. Kein Wunder, wenn dann für Soziales Ebbe in der Kasse ist. Die Bodenschätze anderer Länder, die strategische Kontrolle von Verkehrswegen u.a.m. ist für die USA von Interesse. Die Scherbenhaufen des Krieges können die Bündnispartner wegräumen und die Kriegszeche der USA bezahlen, so wie es im Golfkrieg I und II bereits war.

Es besteht auch die Gefahr, daß die Völker über die UNO nicht in friedlicher und diplomatischer Art ihre Konflikte beilegen, sondern sich diese Art der Funktion eines Friedensrichters, von der USA mißbrauchen lassen. Die USA erpreßt die UNO mit zurückgehaltenen Finanzmitteln in ihrem Interesse anderen Völkern ihren Willen aufzuzwingen. Da ist nichts von gegenseitiger Achtung und Anerkennung der staatlichen Souveränität anderer Länder zu spüren.

Und eine der dringenden Fragen ist die gerechte und gleichmäßige Verteilung von wirtschaftlichen, technischen Hilfen, von medizinischer und sozialer Betreuung, der Sicherung von Nahrungsmitteln, der Förderung der Völker in den Entwicklungsländern und Jungen Nationalstaaten, die Verhinderung von Aufrüstung und Kriegen, die weltweite positive Beeinflußung der Umwelt und des Klimas im Interesse der Erhaltung von Flora und Fauna, die Bekämpfung der Auswirkungen von Naturkatastrophen.

Statt sich mit der eigenen Vergangenheit zu befassen, sollte man sich mit den Problemlösungen der Völkergemeinschaft und nicht mit den Profitinteressen der Großkupferten befassen.