Autor Thema: Der Spiegel - ein geschwätziges Blatt  (Gelesen 28594 mal)

Klassenkampf

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Der Spiegel - ein geschwätziges Blatt
« am: 13:47:28 Mo. 14.November 2005 »
Franziska Augstein, Tochter Rudolfs, äußerte sich vergangene Woche kritisch zum Spiegel. Insbesondere Chefredakteur Aust mußte sich Kritik gefallen - der Fisch stinkt vom Kopf.
Dem aufmerksamen Leser ist der Ruck des Spiegels ins neoliberale Lager nicht verhüllt geblieben - schlimmer noch: Es war förmlich die neue Rolle des Magazines geifbar, welche der Öffentlichkeit präsentiert wurde. Der Spiegel "mutierte" regelrecht zum neoliberalen Hetzblatt - abhängig und parteilich.

Zitat
Auszug aus der Rede Franziska Augsteins:

"Man kann von dem Chefredakteur des „Spiegel“ halten, was man will. Die Berufsbeschreibung des Chefredakteurs und die des Heiligen decken sich nicht. Ein objektiver Befund ist aber, dass unter der Ägide des jetzigen „Spiegel“-Chefredakteurs das Blatt seinen Platz als Leitmedium verloren hat. (...) Der Akzent auf Wirtschaftsthemen, die Vernachlässigung politischer Entwicklungen und Probleme zugunsten der Personalisierung, die Verlagerung auf die so genannten weichen Themen: All dies kennzeichnet heutzutage den „Spiegel“ und hat das Magazin zu einem geschwätzigen Blatt unter anderen gemacht. Der Fisch stinkt vom Kopf. Sie kennen das Sprichwort. Wenn das Blatt, das bisher Standards setzte, diese Standards freiwillig aufgibt, haben andere Zeitungen und Magazine keinen Grund, sich mehr um Ernsthaftigkeit, Ausführlichkeit und Problemdurchdringung zu bemühen. Der Aufwand an Zeit und Geld lohnt sich nicht: Die Konkurrenz ist ja weggefallen. (...)"

Ob es zur Neuorientierung des Spiegels beitragen wird? - Daran darf gezweifelt werden, zu involviert ist man in die Machenschaften der Mythen, Lügen und Halbwahrheiten, zu abhängig von denen die das neue Weltbild prägen.
Um sich einen Platz an der Sonne zu gönnen, heißt es mitzuschwimmen...
„Diese Verhältnisse sind nicht die von Individuum zu Individuum, sondern die von Arbeiter zu Kapitalist... Streicht diese Verhältnisse, und ihr habt die ganze Gesellschaft aufgehoben.“
--- Karl Marx, "Das Elend der Philosophie" ---

Carsten König

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Der Spiegel - ein geschwätziges Blatt
« Antwort #1 am: 15:58:26 Mo. 14.November 2005 »
Der Spiegel - die Bildzeitung für die Intellektuellen, Zitat meines ehemaligen Latein- und Philosophielehrers - hat sich wieder als das entblößt, für was man ihn zu Recht hält: Das Kampfblatt neoliberaler Plattitüden.

Interessanterweise hat der Spiegel auf die Franziska-Augstein-Rede auch öffentlich reagiert:

Zitat
Ihre Hauptargumente zeigen, dass sie wenig versteht von dem, wie ein Nachrichtenmagazin im allgemeinen und der SPIEGEL im besonderen zu berichten hat.

Kritik wird vom hohen Rosse abgetan:

Zitat
Rudolf Augstein wollte, dass nach seinem Tod sein Anteil am SPIEGEL-Verlag nicht in vollem Umfang auf seine Kinder übergehen sollte. Rudolf Augsteins Absicht war, seinen Kindern keine publizistische Macht über den SPIEGEL zu vererben.

Quelle: http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,384466,00.html

Nicht dass man mich falsch versteht, auch ich lese den Spiegel, aber und vor allem unter dem Vorbehalt, eigenem kritischen Denkens. Er ist leider noch ein wesentlicher Meinungsmacher. Die zum Ausdruck gebrachte Meinung nehme man wahr, aber mache sie nicht zu eigen.

besorgter bürger

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Der Spiegel - ein geschwätziges Blatt
« Antwort #2 am: 16:00:35 Mo. 14.November 2005 »
Zitat
Der Spiegel "mutierte" regelrecht zum neoliberalen Hetzblatt - abhängig und parteilich.

und wie reagiert ein neoliberaler auf so eine kritik:

Zitat
...Im Anschluß erklärten die Ressortleiter des Spiegel am Freitag auf Spiegel-Online, das Magazin fahre immer noch »kontinuierlich üppige Millionengewinne« ein,
Viele Menschen würden eher sterben als denken. Und in der Tat: Sie tun es.

Carsten König

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Der Spiegel - ein geschwätziges Blatt
« Antwort #3 am: 16:44:11 Mo. 14.November 2005 »
... üppige Millionengewinne? Klar, gerade ein Preissteigerung von 3,00 auf 3,40 Euro, dann die Hälfte des Heftes eh nur elendig schlechte Werbung.

Aber die Horde der Spiegel-Leser-Wissen-Mehr-Menschen schaltet eben nur zwischen Christiansen und Spiegel hin und her.

Klassenkampf

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« Antwort #4 am: 17:14:21 Mo. 14.November 2005 »
Zitat
Aber die Horde der Spiegel-Leser-Wissen-Mehr-Menschen schaltet eben nur zwischen Christiansen und Spiegel hin und her.

Man mag mich Wiederholungstäter schimpfen, aber hier wird es doch erneut ersichtlich: Thesen, die uns Medien präsentieren, werden als verbindliche Wahrheit aufgenommen. Es muß wahr sein, wenn der Spiegel den Sozialabbau als einzigen Weg betrachtet; es muß wahr sein, wenn Christiansen immer gleiche Halbwahrheiten mit Politikerhilfe unter die Nase reibt; es muß wahr sein, wenn Magazine mit schwarzen Schmarotzerschafen aufwarten.

Freilich: Gezwungen wird niemand das Mediengepränge für bare Münze zu nehmen, doch dazu bereit sind viele.
Wie bequem es doch erscheint, Gedankengänge verlagern zu können - im Grund eine moderne Dienstleistungsnische, welche die Medien hier abdecken. Nach vollbrachten Tageswerk übernehmen Funk und Fernsehen, Tageszeitungen und Magazine die geistige Tätigkeit.
Warum also selbst noch sinnieren, wäre es doch nur verlorene Zeit den Aufwand der Medien nochmals zu überdenken - auch hier muß, ganz Zeitgeist, Effektivität herrschen.

Böse Ausführungen, könnte man meinen. Doch die Realität zeigt uns, daß viele Menschen ernsthaft glauben, das Berichten und die Vorgabe von Moral und Werten seien einzig und alleine mediengebunden.
Wie auch sonst könnten aus gespaltenen Ereignissen, eindeutige Bewertungen entstehen, die dann kollektiv in eine Richtung verarbeitet werden?

Das Urteil der Medien, bleibt in Augen der Betrachter Urteil. Vorurteil ist ihnen fremd und nur bei fadenscheinigen Medien, unter Hinweis, ein Begriff. Die nötige Neugier, getrieben durch vorurteilendes Bewerten, bleibt ihnen ein Rätsel, über Zweifel sind sie erhaben.
Das moralische Urteil über den Medienmenschen unserer Zeit, kann nur vernichtend sein: Kollektives Medienbewußtsein hat den Menschen aus dem Prozess des Denkens gelöst, ihn zum materiellen Zeitgenossen, ohne jegliche ethische Intelligenz gemacht.

Wie schön das es Dienstleister gibt:
Genieße - kontaktiere den Masseur; genese - konsultiere den Arzt; pflege Dich - besuche Friseur und Nagelstudio; sättige Dich - Restaurants stehen Dir offen; lebe - Umzugsfirmen erledigen körperliche Anstrengungen; denke - Medien übernehmen geistige Qualen...
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Der Spiegel - ein geschwätziges Blatt
« Antwort #5 am: 10:57:15 Di. 15.November 2005 »
Wahr ist es: Aust ist ein journalistischer Platzhirsch, doch ob er der Kopf des stinkenden Fisches (Zitat Franziska Augstein) ist, darf bezweifelt werden.
Mitleid mit einem Mitglied der verdrehenden Meinungsmacher ist fehl am Platze, aber als alleiniger Sündenbock ist das Aust'sche Haupt überfordert...

Flache Stories, unterirdische "Geschichtchen" und historische Banalabhandlungen sind das (Mit-)Werk dieses Mannes, sein Stil mit der Maschinenpistole interne Pressefreiheit zu "erzeugen" stellt ihn zudem ins dunkle Licht. Aber Aust als den Teufel des Spiegels darzustellen, als Alleinschuldigen ist zu einfach. Dahinter steckt mehr, aber das dürfte bekannt sein...

Zitat
Die Spieler beim "Spiegel"

Nach der Kritik von "Spiegel"-Erbin Franziska Augstein ("ein geschwätziges Blatt") eskaliert der Kampf um das Magazin. Aber wer will dort eigentlich was wie erreichen? Fünf Psychogramme.


Die Lage beim Spiegel wird unübersichtlich. Erst wollen Jakob Augstein und die Mitarbeiter KG mit dem Chefredakteur über die politische Ausrichtung des Blattes reden, und als Stefan Aust nicht mag und von einer Gefahr für die innere Pressefreiheit spricht, rudern sie zurück. Stattdessen steigt Franziska Augstein auf ein Podium und erklärt den Spiegel zu einem "geschwätzigen Blatt" unter vielen, das "vom Kopf her stinke". Am Mittwoch ist High Noon in der Gesellschafterversammlung. Vorher lohnt ein Blick auf die Kombattanten.

Stefan Aust

Was will er? Vor allem, dass ihm niemand reinredet - weder die Gesellschafter noch irgendwelche Redakteure, die sein Weltbild nicht teilen. Das dürfte aus restriktiver Innenpolitik bestehen, der Umwandlung von Ackerland in Pferdeweiden und der Bereitstellung eines Privatjets. Auch die teilweise Verschmelzung mit dem Springer Verlag ist möglich. Für Unmut bei den Gesellschaftern sorgt zudem immer wieder Austs Forderung nach einer Beteiligung an Spiegel TV.

Die Strategie: Stefan Aust spielt im Augenblick perfekt die Rolle der Unschuld vom Lande. Die Kritik an seiner Art des Blattmachens lenkte er geschickt auf die Redaktion um ("Die Leistung der Mitarbeiter ist hervorragend"). Dabei weiß jeder, dass beim Spiegel nur noch zwei Männer im politischen Bereich das Sagen haben: Aust und der Berliner Büroleiter Gabor Steingart. Dennoch gibt es plötzlich eine Solidarisierungswelle in der Redaktion, wie sie sonst nur Asterix im gallischen Dorf vergönnt ist. Zu Austs Verteidigungsstrategie gehört auch das exzessive Zitieren des toten Herausgebers, der ihn doch immer gewollt habe. Verschwiegen wird hierbei, dass Rudolf Augstein in seinen letzten Lebensjahren dafür kämpfte, dass eines seiner Kinder die Herausgeberrolle übernimmt.

Die Redaktion

Was will sie? Der Großteil würde sich wahrscheinlich wohler fühlen ohne Aust - schließlich ist die Herrenreiter-Art, wie krude Geschichten über Hitler und gegen Rot-Grün sowie die Einsicht, das der hohe CO2-Ausstoß Hurrikane auslöst, ins Blatt kommen, vielen nicht geheuer. "Bei uns wird jeden Montag die innere Pressefreiheit mit der Maschinenpistole herbeigeführt", heißt es in der Redaktion. Die ist schizophren wie immer. Einerseits hätte sie gern mehr Meinungspluralismus, andererseits ist sie zu feige, sich gegen den Chefredakteur zu stellen.

Die Strategie: Die Ressortleiter haben sich in einer Erklärung ("Eigentum verpflichtet") gegen die Kritik verwahrt. Absurderweise finden sich unter den Unterzeichnenden viele, die als dezidierte Aust-Kritiker gelten. Aber jeder, der diese Erklärung nicht unterschrieben hätte, wäre wahrscheinlich in einem halben Jahr kein Ressortleiter mehr. Denn wie heißt einer von Steingarts Lieblingssprüchen: Die Währung beim Spiegel ist Angst.

Die Erben
 
Was wollen Sie? Im Grunde einen neuen Chefredakteur - mit dem Unterschied, dass es bei Jakob Augstein auch der alte sein kann. Er vertraut auf die Selbstreinigungskräfte des Spiegel, während sich seine Schwester Franziska ein Blatt wie die Süddeutsche Zeitung, bei der sie Redakteurin ist, wünscht: Also weniger Kampagnen und kischpreiseliges Schwadronieren, stattdessen politische Analyse und intellektuellen Tiefgang.

Die Strategie: Sehr unterschiedlich. Während Jakob Augstein durchaus die Nähe zum Verlag sucht und schon mal ein wöchentliches Magazin dafür entwickelt, setzt Schwester Franziska auf Konfrontation und ist damit dem Vater am nächsten. Schon bei der Trauerfeier stellte sie Aust bloß, indem sie über Hasen sprach, die dem toten Löwen an der Mähne zuppeln. Nun hat sie öffentlich geäußert, dass der Spiegel Qualitätsstandards verletze. Ob sie damit Recht hat, wird derzeit nicht gefragt, weil ihr kämpferischer Ton sofort Abwehrreflexe erzeugt hat (s. o.).

Gruner+Jahr

Was wollen die? Vor allem Ruhe, eine gute Rendite und keine schlechte Presse. Das alles hat Aust bisher geliefert, auch wenn er die Verlagsleute vom Hamburger Baumwall (zu 25,5 Prozent am Spiegel beteiligt) zuweilen mit seinen Projekten und Geld-Forderungen nervt. Möglicherweise könnte sich Rolf Wickmann, der ehemalige Zeitschriftenvorstand, auch den Posten des Herausgebers vorstellen.

Die Strategie: Ebenfalls Ruhe bewahren. Schlechtes über Aust ("omnipotent") erfährt man nur hinter vorgehaltener Hand. Umso erstaunlicher, dass G+J nach Franziska Augsteins Vorwürfen eine Pressemitteilung herausgab, in der man sich hinter Aust stellte. Gruner+Jahr war es auch, denen an einer Diskussion über die Ausrichtung des Spiegel am wenigsten gelegen war. Macht doch gute Auflage, sagt man sich dort.

Die Mitarbeiter KG

Was will er? Der Vorsitzende der Mitarbeiter-KG Thomas Darnstädt dürfte den Tag herbeisehnen, an dem Aust und Steingart den Spiegel verlassen. Die wähnten ihn bereits entmachtet, da Darnstädt meistens im fernen Spanien weilt und in der Mitarbeiter KG mit Wirtschaftsressortleiter Armin Mahler mittlerweile einen treuen Aust-Mann als Gegenspieler hat.

Die Strategie: Volatil wie der Spiegel selbst. Einerseits ist Darnstädt einer der wenigen, die Kritik an Aust üben. So sprach er sich gegen ein gemeinsames Fernsehgeschäft mit Springer und Bauer Verlag aus, weil es "unspiegelig" sei. Andererseits ruderte er neulich nach einem Treffen mit Aust zurück und tat so, als hätte es nie Gesprächsbedarf gegeben. Dennoch kann Aust nicht länger ruhen, ehe Darnstädt in Madrid eine Bodega eröffnet.

Quelle
„Diese Verhältnisse sind nicht die von Individuum zu Individuum, sondern die von Arbeiter zu Kapitalist... Streicht diese Verhältnisse, und ihr habt die ganze Gesellschaft aufgehoben.“
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MichaHB64

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Der Spiegel - ein geschwätziges Blatt
« Antwort #6 am: 12:12:27 Do. 17.November 2005 »
Alle leicht zugänglichen Massenmedien (TV, Radio, Tageszeitungen) in der BRD verbreiten die neoliberale Ideologie.
  Man muß schon über Internet verfügen oder sonstiges, um an alternative, systemkritische Infos zu kommen.
    Beim nächsten Zeitschriftenhändler bekommt man sie nicht.

Kater

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Der Spiegel - ein geschwätziges Blatt
« Antwort #7 am: 03:35:55 So. 20.November 2005 »
Zitat
Heute, am 18.11.2005 wurde das Spiegel-Online-Forum „Hartz IV“ vom SpON-Sysop geschlossen mit der lapidaren Bemerkung:“ Kleine Pause .Neue Diskussion zum Thema folgt.“ http://forum.spiegel.de/showthread....2770#post132770

Das Hartz IV-Forum existiert seit dem 11.04.2004 mit insgesamt 11.490 Beiträgen und erfreute sich lebhaften Zuspruchs. So wurde das (neue) Forum seit dem 01.04.2005 alleine 264.930 Mal angeklickt.

Dieser Schließung vorausgegangen waren zahlreiche Zensurakte des Sysops durch Nichteinstellen von Beiträgen und dem Ausschluss von Usern.

Das Forum wurde seit Bestehen von Befürwortern der „Reform“ durch zahlreiche Versuche, auf Nebenschauplätzen auszuweichen wie VWL, BWL, Globalisierung, Lohnnebenkosten, Steuern, usw. dem Forenthema:
“ Hartz IV Ein vernünftiges Reformpaket? Harte soziale Einschnitte für die Betroffenen, Streitfall zwischen Bund und Ländern: …Ist die Reform wirklich der richtige, zukunftssichere Schritt? Wird Deutschland dadurch wirtschaftlich fitter? Oder wird an den falschen Stellen gekürzt und kassiert und der Sozialstaat langsam beerdigt?“ vollgemüllt.

Viele Poster, darunter auffallend viele „Unternehmer“, verbreiteten unter ihren Pseudonymen in bis zu 35 Beiträgen pro Tag jeweils unter häufiger Diffamierung der angeblich „Linken, Sozialromantiker, Manipulateure usw…“ neoklassisch-neoliberales Gedankengut, wogegen sich die Hartz-Gegner natürlich wehrten.

Diese Verletzung von GG Artikel 5 (1), die zeitgleich/ koinzidär mit der „F.Augstein-Affäre“ stattfindet, empört die ausgesperrten Foristen - wird doch der Eindruck erweckt, dass die kritische Kommentierung der weiteren Einschnitte/Kürzungen/Verschärfungen in SGB II/III und XII unerwünscht ist.

http://forum.ahfd.org/showthread.php?t=12969

Klassenkampf

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« Antwort #8 am: 10:24:13 So. 20.November 2005 »
Zitat
Heute, am 18.11.2005 wurde das Spiegel-Online-Forum „Hartz IV“...

Dieser Ausspruch läßt Metaphern Spielraum: Der Teufel im Talar, Weihwasser verspritzend, ein "Amen" auf den Lippen...
So in etwa dürfte man die aufklärerischen Absichten des Spiegels ,bezüglich Hartz IV, bezeichnen. Metaphorische Priester "treten dort auf", die das ungläubige Volk bekehren, ihnen den rechten Weg weisen sollen, notfalls auch den mahnenden Zeigefinger erheben.
"Geben ist seliger denn Nehmen", heißt es zwar, aber man könne nicht mehr geben, als vorhanden sei; als für vorhanden vorgegeben wird.

Im Schafsfell gehen intellektuelle Wölfe auf Jagd. Schwer ist es nicht, das gutmütige Schaf zu reißen. Einem Schaf aber Wolfsinstinkte zu vermitteln braucht Geduld - steter Tropfen höhlt den Stein.
Verständnisvoll, voller Mitgefühl und mit der Bereitschaft der Aufklärung gibt man sich, ködert somit Leser fern des eigentlichen Klientels. Natürlich hört man sich auch die Problemfälle an, um dann in gewohnter Manier darauf hinzuweisen: Eigeninitiative, Privatvorsorge, freier Markt seien die eigentliche Fairness - nicht jammern, sondern selbstversorgen.

"Man treibe sie uns in die Arme", mag der Spiegel sich dabei denken, "wir erziehen sie uns schon passend."
Wer also dieses Blatt nutzt, um sich seiner Misere aufklären zu lassen, dabei Freie Markt-Propaganda, Privatisierungs-Anstachelung, Schmarotzer-Berichte, Rentner- und Studenten-Verunglimpfungen, Sozialstaats-Aversion und Kapitalakkumulations-Gebaren ignoriert, dem kann nicht geholfen werden. Zu glauben, der Spiegel heutiger Prägung sei ein Magazin, welches klassenübergreifend informieren möchte, ist einer der größten Irrglauben entfesselter Informationspolitik.

Die BILD-Zeitung mag in vielerlei Hinsicht ein "Proletenblatt" sein, es verunglimpft direkter, nimmt kaum noch Schamesgrenzen wahr - der Spiegel versteckt sich hinter Intellekt, schießt seine Pfeilspitzen verdeckt ab. Erstere Schmierfinken allerdings sind für jedermann einzuschätzen, das Schmierfinkentum des zweiten Kampfblattes allerdings, ist nicht jeden zu enttarnen gegeben - darin liegt die Gefahr.
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Kater

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Der Spiegel - ein geschwätziges Blatt
« Antwort #9 am: 00:28:00 Mi. 23.November 2005 »
Zitat
Vom "Sturmgeschütz der Demokratie" zur "Spritzpistole der Angela Merkel"
Kurswechsel in der politischen Berichterstattung beim "Spiegel"
Von Jens P. Rosbach

Franziska Augstein, Tochter des verstorbenen "Spiegel"-Herausgebers Rudolf Augstein, klagte unlängst, das Magazin sei zu einem geschwätzigen Blatt unter vielen geworden. Andere Medienbeobachter schimpfen, der "Spiegel" ergreife immer häufiger Partei für die Konservativen. Doch wie kam es zu dem Kurswechsel des einstmals bei Linken so beliebten Blattes?

Oktober 2003. Der "Spiegel" will eine große Geschichte über Windkraft-Anlagen bringen. Ein Text wird geschrieben, der Ökoprojekte lobt und Energiekonzerne kritisiert. Doch die Chefredaktion verbietet den Artikel - so berichtet einer der beiden betroffenen Autoren. Stattdessen erscheint ein halbes Jahr später eine Titelstory, die Ökoprojekte kritisiert und Energiekonzerne lobt:

"Der Windmühlen-Wahn. Vom Traum umweltfreundlicher Energie zur hoch subventionierten Landschaftszerstörung"

Der "Spiegel" polemisiert gegen den Atomausstieg, regt sich über das Dosenpfand auf und klagt über die Vorsicht der Deutschen bei der Gentechnik. Ex- Redakteur Oliver Gehrs, Autor des Buches "Der Spiegel-Komplex", spricht von einem neoliberalen Trend.

Gehrs: Wenn man sich die letzten Jahre anschaut, da ist der "Spiegel" einfach mal von den Minderheiten weg gerückt oder von den sozial Schwächeren und ist auf die Seite der Wirtschaftskapitäne gerutscht. Und mir sagte ein Redakteur bei den Recherchen: Bei uns ist immer häufiger Goliath der Gute. Und das war früher mal anders.

Der "Spiegel" ergreift immer häufiger Partei für die Konservativen - schimpfen auch andere Medienbeobachter. Die "Süddeutsche Zeitung" berichtet dazu folgende Episode: Kurz vor der Bundespräsidenten-Wahl im vergangenen Jahr habe die SPD-Kandidatin Gesine Schwan einen nicht näher benannten Vize-Chefredakteur des "Spiegel" gefragt, warum das Magazin so viel über den Gegenkandidaten, den CDU-Mann Horst Köhler, schreibe - aber über sie so gut wie nichts. Die Antwort des "Spiegel"-Redakteurs: Rot-Grün müsse weg und da käme eine sozialdemokratische Bundespräsidentin eher ungelegen.

Gehrs: Das merken Sie auch wieder bei Joschka Fischer zum Beispiel, bei dieser Visa-Affäre. Mit welcher Verve sich der "Spiegel" da rein stürzt und gleich zwei Titelgeschichten darüber macht. Das ist sicherlich ein Skandal, aber mit so viel Schaum vor dem Mund ist ansonsten nur Frau Merkel oder Herr Stoiber unterwegs und das hat ein bisschen was mit der Glaubwürdigkeit zu tun, die darunter leidet.

Nicht nur Oliver Gehrs, viele andere Magazinleser konzentrieren ihren Zorn auf den Chef des "Spiegel"-Parlamentsbüros Gabor Steingart. Steingart hat das umstrittene Buch "Deutschland - der Abstieg eines Superstars" verfasst. Darin plädiert er für mehr Tariffreiheit und Sozialabbau.

Weitere Diskussionen löst der Redakteur durch einen Kommentar aus, den er kurz vor der Bundestagswahl im Wall Street Journal veröffentlicht - einen lobenden Kommentar über Angela Merkel, der von vielen als Aufruf zur Wahl der CDU-Politikerin verstanden wird. Taz-Mitbegründer Horst Schimmeck schreibt wütend:

Seine Lässigkeit Sir Steingart sorgt forsch dafür, dass der "Spiegel" heute dem neuen Mainstream vorantrötet und die letzten kulturpessimistischen Bedenkenträger endlich aus ihren Löchern treibt, all diese altlinken Multikulti-Sozialromantiker, Gewerkschafter und andere "Gutmenschen". Steingart hat geholfen, den "Spiegel", das einst so stolze "Sturmgeschütz der Demokratie", umzurüsten zur Spritzpistole der Angela Merkel.

Richtig unangenehm wird es für den "Spiegel", als er das Steuermodell Paul Kirchhofs verteidigt - und eine angebliche Modellrechnung abdruckt. Eine Rechnung, die belegen soll, wie viel Tausend Euro ein Manager künftig mehr zahlen soll - dank Kirchof. Doch schon kurz darauf muss das Medium gestehen: die Zahlen seien falsch, man habe einfach die Daten von Kirchhofs Institut übernommen. Das Antiglobalisierungsbündnis Attac, das die Berechnung als erstes überprüft hatte, empört sich in der "Frankfurter Rundschau":

In der Hochphase des Wahlkampfs stützt der "Spiegel" seine Recherchen zum zentralen Wahlkampfthema im Wesentlichen auf den derzeit wichtigsten CDU-Wahlkämpfer.

Kritik auch von Franziska Augstein. In der vergangenen Woche rechnet die "Spiegel"-Erbin auf einer Zeitungskonferenz in Berlin öffentlich mit "Spiegel"-Chefredakteur Stefan Aust ab. Der Akzent auf Wirtschaftsthemen und die Vernachlässigung politischer Probleme habe den "Spiegel" zu einem geschwätzigen Blatt unter anderen gemacht.

Ein objektiver Befund ist, dass unter der Ägide des jetzigen "Spiegel"-Chefredakteurs das Blatt seinen Platz als Leitmedium verloren hat.

http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/thema/438829/drucken/

force

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Der Spiegel - ein geschwätziges Blatt
« Antwort #10 am: 22:04:28 Mi. 14.Dezember 2005 »
der spiegel ist nur ein beispiel für die wundersame propagandamaschine, die doch so gar nicht existieren dürfte in unserer demokratischen gesellschaft.

ich frage mich schon seit einiger zeit woher das eigentlich kommt.

ich meine man betrachte sich doch nur mal die masse der sendungen über sozialschmarotzer im fernsehen... wie oft sieht man denn da sozialsherrifs auf ihrem gerechten feldzug gegen den abschaum der gesellschaft?

selbst die berüchtigten nachmittagstalkshows dienen doch teils schon irgendwie dazu den hässlichen "assozialen" (immer wieder gern.. arbeitsloser gegen empörten arbeitnehmer)  vorzuführen.

woran liegt das, dass in einer sogenannten demokratie die medien auf so breiter front versagen und im höchstmaß an der "unteren" hälfte der bevölkerung vorbei berichten?

vom regierungsapparat kann sowas ja eigentlich nicht gesteuert sein.. liegt es also an erfolgreicher lobbyarbeit der neoliberalen thinktanks, an machtkonzentrationen in der branche?

teils ist ja inzwischen die financial-times- deutschland sozialer eingestellt als etwa der spiegel...

ManOfConstantSorrow

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« Antwort #11 am: 01:08:36 Mo. 26.März 2007 »
Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!

Strombolli

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« Antwort #12 am: 11:55:46 Di. 27.März 2007 »
Nach meiner Einschätzung hat sich eine Eigendynamik entwickelt, die sich strikt am scheinbarem Mainstream orientiert. D.h. Journalisten kochen im eigenen Saft, leben in einem Umfeld von vorgefertigten Meinungen und sind auch aufgrund ihrer Ausbildung und Abhängigkeiten nicht mehr in der Lage, selbst vorurteilsfrei zu berichten. Unterschwellige Suggestionen schleichen sich in die Berichterstattung ein. Immer wieder werden Lebensvorgaben: So sollst Du wohnen, kochen, essen, hören.... zum Maßstab erhoben.
Wer davon abweicht, wird verspottet.

Ich rege mich auch immer fürchterlich über die Meinungsmache der Medien auf. Allein, es hat keinen Sinn.

Nach 50 Jahren BI** Zeitung ist die öffentliche Meinung so oberflächlich, kleinbürgerlich verbrämt, dass die Mehrheit der Bevölkerung entsprechend abgestumpft und verbildet ist.

Man sollte sich immer fragen: Wem nützt es?
Das hilft in der Einordnung, wessen Lied der Journalist singt.
Das Systemmotto: "Gib mir Dein Geld! - Jetzt, Du dreckiges Opfer !!!! - Und habe immer ANGST VOR DEM MORGEN !!!"

"Hört auf, Profite über Menschen zu stellen!" Occupy
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« Antwort #13 am: 17:11:27 Mi. 28.März 2007 »
Zitat
Original von Strombolli
Nach meiner Einschätzung hat sich eine Eigendynamik entwickelt, die sich strikt am scheinbarem Mainstream orientiert. D.h. Journalisten kochen im eigenen Saft, leben in einem Umfeld von vorgefertigten Meinungen und sind auch aufgrund ihrer Ausbildung und Abhängigkeiten nicht mehr in der Lage, selbst vorurteilsfrei zu berichten. Unterschwellige Suggestionen schleichen sich in die Berichterstattung ein. Immer wieder werden Lebensvorgaben: So sollst Du wohnen, kochen, essen, hören.... zum Maßstab erhoben.
Wer davon abweicht, wird verspottet.

Ich rege mich auch immer fürchterlich über die Meinungsmache der Medien auf. Allein, es hat keinen Sinn.

Nach 50 Jahren BI** Zeitung ist die öffentliche Meinung so oberflächlich, kleinbürgerlich verbrämt, dass die Mehrheit der Bevölkerung entsprechend abgestumpft und verbildet ist.

Man sollte sich immer fragen: Wem nützt es?
Das hilft in der Einordnung, wessen Lied der Journalist singt.

Das Brot der Werbe -und der Konsumgüterindustrie vieleicht?
Nichts im Universum ist ohne Wert, denn die Natur tut nichts vergeblich (Aristoteles)
Ein böses Wort ist wie ein Stein, der in einen Brunnen geworfen wird: die Wellen mögen sich glätten, doch der Stein bleibt. (Konfuzius)

Strombolli

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« Antwort #14 am: 17:53:45 Mi. 28.März 2007 »
In erster Linie wohl den Eigentümern des Wurstblattes, oder?
Das Publikationen wie SPIEGEL und Co. vorauseilenden Gehorsam gegenüber den Werbekunden üben, glaube ich nur zu (sagen wir) 40 Prozent.

Sinnvollerweise sind die Journalisten dann noch freiberuflich tätig und arbeiten auf eigenes Risiko um dem Auftraggeber die Abgabenlast abzunehmen.

Irgendwie werde ich schon wieder sauer, denn wenn man nicht gerade Oberfuzzi in D ist, hat man eh die A***karte.
 
Merkt aber keiner, vor Hartz IV.

Weiter so Mehdorn, Ackermann und Co. - ihr seid ja so etwas von Elite...

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Wir treffen uns alle vor dem Sozialamt. Morgen um 7.
Das Systemmotto: "Gib mir Dein Geld! - Jetzt, Du dreckiges Opfer !!!! - Und habe immer ANGST VOR DEM MORGEN !!!"

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