Autor Thema: Protestkundgebung Frankreich  (Gelesen 15915 mal)

ManOfConstantSorrow

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Protestkundgebung Frankreich
« Antwort #15 am: 21:01:49 Di. 28.März 2006 »
Zitat
Frankreich hält den Atem an. Präsident Jacques Chirac entfernt sich wegen der angespannten Krise nicht vom Elysée-Palast. Am Kiosk gibt es keine Zeitungen, auch das öffentliche Radio streikt. Nur wer seine Kinder in einer Privatschule hat, kann sicher sein, dass sie eine offene Tür vorfinden. Derweil hatten 4000 Polizisten Paris zu einer Festung gegen die Krawallmacher ausgebaut. Wenn sich in dem blockierten Sozialkonflikt nicht bald etwas bewegt, dann befürchten viele eine Radikalisierung, eins stärkeres Aufflammen von Gewalt.

http://www.stern.de/politik/ausland/:Frankreich-Schwarzer-Dienstag-Premier-Villepin/558461.html

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Zitat
Mehr als drei Millionen Menschen haben in Frankreich gegen Premier Villepin und seinen umstrittenen Ersteinstellungsvertrag demonstriert. In Paris randalierten Jugendliche, mehr als 100 wurde festgenommen. Fraglich ist, wie lange Präsident Chirac seinen Regierungschef noch halten kann.



Züge in den Depots, Flugzeuge in den Hangars, Staus auf den Straßen; bestreikte Postämter und Privatunternehmen, Aufruhr in zwei Drittel aller Universitäten und etwa tausend Schulen: Mit einem "übergreifenden Aktionstag" haben Frankreichs Gewerkschaften und die jugendlichen Gegner der Regierung Villepin ihre Forderung nach Rücknahme des umstrittenen "Ersteinstellungsvertrages" (CPE, Contract Premier Embauche) bekräftigt.

Der "schwarze Dienstag", so die Zeitung "Libération", brach die Rekorde der vorhergegangenen Kundgebungen; waren am 7. März 700.000 Franzosen den Aufrufen gefolgt und hatten am vorletzten Sonntag mehr als eine Million gegen den CPE demonstriert, so waren es bei den heutigen Protesten landesweit rund drei Millionen Menschen.

spiegel-online (Dreckspresse!)
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ManOfConstantSorrow

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Protestkundgebung Frankreich
« Antwort #16 am: 18:21:03 Mi. 29.März 2006 »
Auch wenn gestern in Frankreich landesweit so viel Menschen wie noch nie zuvor gegen die Arbeitsgesetze demonstrierten, ist der Erfolg weiterhin ungewiss...

http://www.heise.de/tp/r4/artikel/22/22349/1.html
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ManOfConstantSorrow

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Protestkundgebung Frankreich
« Antwort #17 am: 23:24:46 Mi. 29.März 2006 »
Auch einen Tag nach dem landesweiten Generalstreik in Frankreich, an dem bis zu drei Millionen Menschen beteiligt waren, wurden die Proteste gegen die Regierungspolitik mit Blockaden von Hochschulen fortgesetzt. Außerdem wurden erstmals Blockaden wichtiger Einfallstraßen in Rennes, Nantes, Brest und Lannion in der Bretagne organisiert. Es kam zu kilometerlangen Staus. Während der französische Innenminister Sarkozy sich für "echte Verhandlungen ohne Vorbehalte" ausspricht, will Premierminister Villepin hart bleiben.
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Carsten König

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Protestkundgebung Frankreich
« Antwort #18 am: 14:45:11 Do. 30.März 2006 »
Zitat
Arbeiter aus verschiedenen Industrien und Wirtschaftssektoren traten am Dienstag in den Streik. Ausfälle bei Bussen, Zügen und der Metro beeinträchtigten den öffentlichen Nahverkehr in Paris und 75 weiteren Städten und Gemeinden. Ein Drittel aller Flüge wurde gestrichen und alle anderen hatten Verspätung, da die Fluglotsen und viele Beschäftigte der Air France streikten. Im öffentlichen Sektor legten außerdem Lehrer, Krankenhauspersonal und Arbeiter und Angestellte in der Energieversorgung bei Gaz de France SA und Electricite de France SA ihre Arbeit nieder. Durch Druckerstreiks konnten die französischen Tageszeitungen nicht erscheinen und die öffentliche Rundfunkanstalt France-Info strahlte nur Aufzeichnungen aus.

Quelle: http://www.wsws.org/de/2006/mar2006/fran-m30.shtml

Von Frankreich lernen...

ManOfConstantSorrow

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Protestkundgebung Frankreich
« Antwort #19 am: 12:56:43 Fr. 31.März 2006 »
Bahnhofsblockade Gare de Lyon (Paris 30.3.06)



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Carsten König

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Protestkundgebung Frankreich
« Antwort #20 am: 20:13:02 Fr. 31.März 2006 »
Chirac hat den Schwanz eingezogen: 1 Jahr reduziert und man kann den Grund der Entlassung erfahren ... gerade die Rede gehört

ManOfConstantSorrow

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Protestkundgebung Frankreich
« Antwort #21 am: 12:52:18 Mi. 05.April 2006 »

Zitat
Das Manöver ist nicht aufgegangen. Die Fernsehansprache, die der französische Präsident Jacques Chirac am vorigen Freitag abend vor fast 21 Millionen Zuschauern (dies entspricht einer Einschaltquote von stolzen 92,5 Prozent) hielt, konnte die aufgewühlte soziale Situation nicht beruhigen. Die Mobilisierung auf den Straßen fiel am gestrigen Dienstag noch stärker aus, als vor 8 Tagen…“

http://www.labournet.de/internationales/fr/junge22.html


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ManOfConstantSorrow

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Protestkundgebung Frankreich
« Antwort #22 am: 17:22:27 Mi. 05.April 2006 »
Die Protestbewegung bleibt stark, in der Regierung kriselt es:

http://www.heise.de/tp/r4/artikel/22/22396/1.html
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Protestkundgebung Frankreich
« Antwort #23 am: 17:31:04 Mi. 05.April 2006 »
Habe gerade einen Degenhard Songtext gefunden, der ca. 35 Jahre alt ist...

Zitat
Nehm´ wir mal an,
ja, nehm´ wir mal an,
Frankreich läge östlich vom Rhein.
Nehm´ wir mal an,
ja, nehm´ wir mal an,
Frankreich würde Deutschland sein.
Dann wüßten die plötzlich gar nicht mehr,
wie so eine Barrikade aussieht,
daß da nur zwei Parteien sind und
eine davor, die andre dahinter steht.
Und daß die Strategen des "sowohl als auch"
als erste da liegen mit ´ner Kugel im Bauch.

Nehm´ wir mal an,
ja, nehm´ wir mal an,
Deutschland läge östlich vom Rhein.
Nehm´ wir mal an,
ja, nehm´ wir mal an,
Deutschland würde wieder einmal Deutschland sein.
Dann wäre sie plötzlich wieder da,
die ganz große Resignation.
Jeder zög sich mal wieder zurück
in die geschützte Privatbastion,
bejammerte mal wieder Deutschlands Schicksalsleid
und guckte nach Frankreich voller Neid.

Aber nehm´ wir mal an,
ja, nehm´ wir mal an,
Deutschland läge westlich vom Rhein.
Nehm´ wir mal an,
ja, nehm´ wir mal an,
Deutschland würde Frankreich sein.

. . . aber das wär leider - trotz des scheiß Gaullismus - viel zu schön um wahr zu sein!
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ManOfConstantSorrow

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Protestkundgebung Frankreich
« Antwort #24 am: 15:07:33 Sa. 08.April 2006 »
Die allerbeste Nachricht zuerst: Am Freitag Vormittag ist der 39jährige Gewerkschafter der linken Basisgewerkschaft SUD PTT und Personalvertreter bei der Télécom-Tochter Orange, Cyril Ferez, aus dem Koma erwacht…

Zitat
In Paris blockierten ab circa 09.20 Uhr Eisenbahn-Gewerkschafter und Studierende gemeinsam den Zugverkehr am Pariser Ostbahnhof. An diesem Vormittag fand an der Gare de l'Est (dem Ostbahnhof) die Einweihung der neuen Linie des Hochgeschwindigkeitszug TGV in Richtung Strasbourg statt. Diesen Anlass wollten linke Gewerkschafter, etwa von SUD Rail, nutzen und hatten dazu auch Studierende eingeladen. Anfänglich waren sie circa 50 Blockierer, wenig später am Nordbahnhof – die Gare du Nord ist nicht weit entfernt – rund 100. Später am Vormittag gingen sie dann auch an der Gare de Saint-Lazaire (dem Bahnhof für die Westflanke von Paris) blockieren. Daraufhin formierten die AktivistInnen sich zu einem Demozug, der bereits rund 2.000 Menschen umfasste. Am frühen Nachmittag kehrten sie in Richtung Gare du Nord zurück und blockierten dort ab circa 15.30 Uhr den Verkehr. Eine knappe Stunden später waren die Gleise geräumt, «ein halbes Dutzend Personen» (laut ‘Libération') waren leicht verletzt.Störungen des Eisenbahn- und auch Metroverkehrs hielten jedoch bis am frühen Abend an.  

Studierende und Protestierende demonstrierten auch auf den Zubringerstraßen zum südlichen Pariser Flughafen in Orly. Im ostfranzösischen Strasbourg blockierten AktivistInnen zwei Stunden lang erfolgreich die «Europabrücke», die den Übergang über den Rhein nach Süddeutschland bildet.

Im südfranzösischen Blagnac (in der Nähe von Toulouse) blockierten AktivistInnen der Protestbewegung von 01 Uhr bis 03 Uhr früh einen Transport von Bauteilen für das Airbus-Flugzeug aus der Zulieferfabrik. Schließlich wurden sie durch ein Einsatzkommando von «Gardes Mobiles» (ein Teil der Gendarmerie, letztere Polizeitruppe untersteht dem Pariser Verteidigungsministerium) abgeräumt.

In Nantes stürmten Protestierende eine Niederlassung der Arbeitsagentur ANPE. In Lorient in der Bretagne wurde der Handelshafen durch eine Gruppe von Studierenden blockiert, im benachbarten Quimper blockierten sie mit 40 Leuten das Verwaltungszentrum. In Caen (Normandie) blockierten immerhin 2.000 Personen den Bahnhof, die CRS antworteten auf Wurfgeschosse mit Knüppeleinsatz und Tränengas. Mindestens zwei Personen (eine Polizistin und ein Protestaktivist) wurden verletzt, zehn Personen festgenommen. Im westfranzösischen Limoges wurde ab 07.30 Uhr in der Frühe der Verkehr blockiert. Ebenso fanden auf den größeren Ausfallstraßen von Marseille Straßenblockaden statt.
http://www.labournet.de/internationales/fr/junge23.html


Zitat
FRANZÖSISCHE ARBEITSRECHTSREFORM

Nach langem Sterben endgültig tot

Sieg auf der ganzen Linie für die Demonstranten: Nach wochenlangen Protesten gegen die geplante Lockerung des Kündigungsschutzes für junge Leute ist nun endgültig Schluss mit der Reform. Die französische Regierung will das umkämpfte Gesetz "sofort" durch eine Neuregelung ersetzen.
http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,410357,00.html
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Protestkundgebung Frankreich
« Antwort #25 am: 10:24:45 Mo. 10.April 2006 »
Zitat
Die Regierung hat am Samstag erneut über das Gesetz beraten. Die Einführung der Norm, die eine Lockerung des Kündigungsschutzes für junge Arbeitnehmer vorsieht, hatte zu landesweiten Massenprotesten und einer politischen Krise geführt. Opposition und Studentengruppen fordern von der Regierung, das Gesetz zurückzunehmen. Andernfalls wollen sie die Proteste fortsetzen.

In der Stadt Rennes, einer der Hochburgen der Proteste, sollten sich am Samstag Vertreter der Opposition treffen. „Wenn bis Montag keine Entscheidung getroffen wurde, werden sich die Gewerkschaften treffen und zu Protesten aufrufen“, kündigte ein Mitglied der Sozialistischen Partei an.
http://www.handelsblatt.com/pshb?fn=tt&sfn=go&id=1222551

Zitat
Proteste in Frankreich gehen weiter

Die Studentenverbände bereiten für Dienstag den nächsten Aktionstag gegen das umstrittene Gesetz zum Ersteinstellungsvertrag vor, das die Probezeit für Berufsanfänger auf zwei Jahre ausdehnt. Mit dezentralen Aktionen wollen die Reformgegner auch über das Wochenende den Druck auf die Regierung aufrechterhalten.

Am Samstag wurde in Rennes das Postverteilzentrum von Studenten blockiert. Als die Polizei den Zugang räumte, legten die Beschäftigten das Zentrum stundenlang mit einem Streik lahm. In Toulouse zogen 200 Demonstranten mit Einkaufswagen Parolen rufend durch einen großen Supermarkt.
http://www.handelsblatt.com/pshb?fn=tt&sfn=go&id=1222442

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Protestkundgebung Frankreich
« Antwort #26 am: 12:53:13 Mi. 12.April 2006 »
Andauernde Proteste an Schulen und Unis. Kritik an weiteren »Reformen«

Nach der Rücknahme der Kündigungsschutzreform in Frankreich haben Schüler und Studenten den Druck auf die Regierung aufrechterhalten. Rund die Hälfte der Universitäten blieb am Dienstag blockiert; in mehreren Orten besetzten Demonstranten Verkehrswege. Teils wurde die Rücknahme weiterer »Reformen« von Premierminister Dominique de Villepin gefordert.
(...)
Am Morgen besetzten rund 150 Studenten für eine halbe Stunde die Start- und Landebahnen des Regionalflughafens im westfranzösischen Nantes. In Rouen in Nordfrankreich errichteten etwa 200 Studenten Straßensperren und verursachten einen Stau. In Dunkerque waren Eisenbahnschienen das Ziel einer Gruppe von Studenten, im südwestfranzösischen Toulouse ein Busdepot. In Bordeaux konnten Autofahrer dank der Proteste Mautstellen auf Autobahnen gratis passieren.

http://www.jungewelt.de/2006/04-12/008.php
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Protestkundgebung Frankreich
« Antwort #27 am: 17:32:46 Mi. 19.April 2006 »
Die Meldungen über die Auseinandersetzungen in Frankreich sind aus unseren Medien so gut wie verschwunden. Die Auseinandersetzung ist nicht vorbei und die Herrschende Klasse schlägt nun auf diejenigen ein, die es wagten sich zu wehren...

Zitat
Seit Anfang März wurden über 4.000 Festnahmen binnen weniger Woche verzeichnet. Nur in Paris waren es (laut ‘Libération' vom 15./16. April) 2.143 Festnahmen, zuzüglich 1.478 Personalienfeststellungen. 547 Personen wurden in Polizeigewahrsam gehalten. Damit ist zahlenmäßig beinahe das «Niveau» der Verhaftungen infolge der Riots in den Banlieues im Oktober/November 2005 erreicht: In ihrem Verlauf wurden insgesamt 4.700 Personen festgenommen, und später über 1.000 verurteilt, mehrheitlich zu Haftstrafen, von denen ein Teil ohne Bewährung verhängt wurde. Schon zu einem frühen Zeitpunkt der Anti-CPE-Bewegung, Ende Februar, hatte die studentische Streikkoordination ihre kollektive Amnestie bzw. Freilassung gefordert.
(...)
Auch die Justizmaschinerie arbeitet nämlich auf vollen Touren. Allein in der französischen Hauptstadt wurden bereits 85 Personen in Eilverfahren den Richtern vorgeführt (gemäß der Prozedur der ‘comparution immédiate', die bei Flagranti-Delikten angewandt wird und bei der die Angeklagten von der Verhaftung bis zum Urteilsspruch in den Händen der Justizpolizei bleiben). 128 andere Personen erhielten Vorladungen der Justiz für die kommenden Wochen und Monate. In ganz Frankreich laufen aktuell Strafverfahren gegen 1.270 Personen.

Schlechte Anklagedossiers und Haftstrafen ohnen Bewährung

Die Anklagen sind häufig offenkundig schlecht konstruiert, beruhen auf Aussagen von Polizeizeugen und enthalten mitunter flagrante Widersprüche: Der Angeklagte wird durch die Polizeizeugen in ihren Aussagen als Träger eines langen dunklen Mantels betrieben – wurde aber mit einer kurzen hellen Jacke aufgegriffen, die er auch im Gerichtssaal trägt ? Macht nichts, eine Verurteilung (seien wir großzügig, die Haftstrafe können wir ja zur Bewährung aussetzen) als «Warnung» kann doch nicht schaden. In einem anderen Fall kommt ein junger Angeklagter dagegen gerade noch davon, nachdem ein Polizist infolge seiner Festnahme steif und fest behauptete, er habe am 16. März, also drei Wochen vorher (!) Gegenstände geworfen : «Ich habe mir seine markanten Gesichtszüge gemerkt». Dumm gelaufen – der Angeklagte konnte beweisen, dass er sich am 16. März fernab der Pariser Demo aufhielt.

http://www.labournet.de/internationales/fr/junge27.html
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Protestkundgebung Frankreich
« Antwort #28 am: 11:57:48 Mo. 01.Mai 2006 »
Zitat
Vom 24. bis 28. April fand in der nordfranzösischen Stadt Lille der 48. Kongress des Gewerkschaftsverbandes CGT (Confédération générale du travail) statt. Rund 1.000 Delegierte diskutierten fünf Tage lang die Orientierung der Gewerkschaft für die kommenden drei Jahre und wählten eine neue Führung.

Zwei Wochen vor dem Kongress hatte die gaullistische Regierung von Dominique de Villepin unter dem Druck einer breiten Protestbewegung den so genannten "Ersteinstellungsvertrag" (CPE) zurückgezogen. Der Generalsekretär der CGT, Bernard Thibault, versuchte diesen Erfolg nun nach Kräften zu nutzen, um die Spannungen innerhalb seiner Organisation zu dämpfen und die Delegierten hinter dem rechten Kurs der Führung zu vereinen.

Er bezeichnete den Rückzug des CPE in seinem einleitenden Beitrag als "historischen" Sieg. Es handle sich "um eine schöne Seite in der Geschichte der französischen Gewerkschaftsbewegung", um einen "kollektiven Erfolg", der durch "die Einheit der Schüler, Studenten und Lohnabhängigen" und "die öffentlich kaum wahrgenommene Unterstützung der Gewerkschaften zahlreicher europäischer Länder" erreicht worden sei. Die "gemeinsame Mobilisierung der Lohnabhängigen und eines großen Teils der Jugend war entscheidend für diesen Sieg", fügte er hinzu. "Gemeinsam waren wir stärker."

Die eingeladenen Vertreter dreier Studenten- und Schülerverbände - Bruno Julliard (UNEF), Karl Stoeckel (UNL) und Tristan Rouquier (FIDL) - wurden von den Delegierten mit Rufen: "Alle gemeinsam, alle gemeinsam" und stehenden Ovationen gefeiert.

In Wirklichkeit war die Rücknahme des CPE alles andere als ein "historischer" Sieg. Die Regierung sah sich zwar nach achtwöchigen Demonstrationen und Streiks zu einem taktischen Rückzug gezwungen. Aber sie hat lediglich einen Aspekt ihres "Gesetzes für Chancengleichheit" zurückgezogenen, während alle anderen in Kraft bleiben. Ihren sozial- und wirtschaftpolitischen Kurs behält sie unverändert bei.

Quelle: http://www.wsws.org/de/2006/apr2006/cgt-a29.shtml

ManOfConstantSorrow

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Protestkundgebung Frankreich
« Antwort #29 am: 21:16:07 Mi. 28.Juni 2006 »
Massenproteste in Australien gegen Arbeitsgesetz

Heute demonstrierten in Australien rund 300.000 Menschen gegen das von der Regierung im Frühjahr gegen den Widerstand der Gewerkschaften durchgesetzte neue Arbeitsgesetz. Damit sollen Kündigungen erleichtert, die Arbeitsbedingungen verschlechtert und die Löhne gekürzt werden. Die größte Demonstration fand in Melbourne mit 150.000 Teilnehmern statt. (http://www.actu.asn.au).
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