Autor Thema: Die arbeitenden, ungekündigten Opfer  (Gelesen 2396 mal)

Klassenkampf

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Die arbeitenden, ungekündigten Opfer
« am: 18:03:37 So. 11.Dezember 2005 »
Arbeitslose, so umschreiben es Statistiken, sind häufiger krank als Arbeitende. Nun ist es müßig, die Gründe dafür zu analysieren - ist es die fehlende Aufgabe, schlechterer Lebenswandel oder einfach die Angst der Arbeitenden sich Kranktage zulasten legen zu lassen? Wohl ein Gemisch aus alldem, und noch einiges mehr.

Arbeitnehmer, so die Sueddeutsche, sind genauso befallen. Druck und Stress sind die Schlagwörter - die Zauberwörter des neoliberalen Umgestaltung. An jeder Alltagsfront ist Druck und Stress zu erzeugen, denn nur so - glauben die neoliberal befleckten Eliten -, ist Leistung zu erzielen.

Vielleicht sollte sich der neoliberale Wahnsinn fragen, ob nicht er die Hauptschuld angeblich explodierender Gesundheitskosten trägt.

Zitat
Die Last der Ungekündigten

Sie sind gereizt und gestresst, leiden unter Kopfschmerzen und Schlafstörungen: Wie sich Personalabbau auf die verbliebenen Beschäftigten eines Unternehmens auswirkt.

 
Angst um den Arbeitsplatz kann die Gesundheit schädigen. Die Furcht vor Arbeitslosigkeit begünstigt demnach vor allem psychische Beschwerden und Erkrankungen, wie eine Befragung von 2.000 Arbeitnehmern durch das Wissenschaftliche Institut der AOK ergab.

Der Umfrage zufolge zeigen sich Beschäftigte aus Betrieben, in denen bereits Arbeitsplätze abgebaut wurden, deutlich stärker belastet. So klagten 65,6 Prozent über Zeitdruck und 63 Prozent über Stress, während dies bei Betrieben ohne Entlassungen nur von 55,7 Prozent beziehungsweise 52 Prozent angegeben werde. Mit 48,4 Prozent zu 39,4 Prozent liegen auch die Aussagen über Nervosität und Reizbarkeit der Studie zufolge deutlich auseinander.

Über Lustlosigkeit und Ausgebranntsein klagten in Betrieben, die bereits Personal reduziert hatten, 45,3 Prozent, in der Vergleichsgruppe dagegen nur 35,6 Prozent. Auch Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Magen-Darm-Probleme und Herz-Kreislauf-Beschwerden wurden von "den Überlebenden" in Betrieben mit Personalabbau deutlich häufiger angeführt, wie das Institut mitteilte.

Zugleich aber fürchteten die Beschäftigten berufliche Nachteile bei Krankmeldungen: 22,6 Prozent der Befragten in Betrieben mit Personalabbau äußerten diese Besorgnis, nur 14,1 Prozent in Betrieben ohne Arbeitsplatzabbau.

Der jährliche Fehlzeiten-Report der AOK stellte für das Jahr 2004 den niedrigsten Krankenstand seit mehr als zehn Jahren fest. Zugleich sind die Fehlzeiten auf Grund psychischer Erkrankungen im Jahr 2004 um zehn Prozent gestiegen.

Quelle
„Diese Verhältnisse sind nicht die von Individuum zu Individuum, sondern die von Arbeiter zu Kapitalist... Streicht diese Verhältnisse, und ihr habt die ganze Gesellschaft aufgehoben.“
--- Karl Marx, "Das Elend der Philosophie" ---