Autor Thema: Klassenmedizin akut und chronisch  (Gelesen 2608 mal)

Carsten König

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Klassenmedizin akut und chronisch
« am: 16:07:52 Fr. 16.Dezember 2005 »
Zitat
Langes Warten  Was Kassenpatienten in deutschen Arztpraxen erleben  MDR, Dienstag, 13. Dezember 2005  


[plusminus will wissen, inwiefern gesetzlich und privat versicherte Patienten in den Arztpraxen unterschiedlich behandelt werden. Unsere Testpersonen wollen in denselben Praxen für dieselben Untersuchungen Termine vereinbaren. Unser Testtag ist der 7. Dezember 2005.  
Termin beim Augenarzt  Präpariert mit versteckter Kamera macht sich unsere Kassenpatientin zuerst auf den Weg. Sie braucht einen Termin beim Augenarzt. "Ich hätte gern einen Termin, da ich große Probleme mit dem Sehen habe." Die Praxisschwester fragt nach: "Bei welcher Krankenkasse sind Sie?" Unsere Testperson antwortet: "Ich bin bei der Techniker Krankenkasse.", Daraufhin wird ihr gesagt, dass sie frühestens im März kommen kann, da das Terminbuch voll sei.    
Nun versucht es die Privatpatientin in derselben Praxis - fünf Minuten später. Auch sie hört zuerst, dass vor März kein Termin möglich sei. "Vor März ist nichts? Ich bin aber Privatpatient." hakt unsere Testperson nach. "Nächten Dienstag, um Neun?" "Ja. Das ginge."

Quelle: http://www.daserste.de/plusminus/beitrag_dyn~uid,a48javv498d5y339~cm.asp

Wer hat es nicht schon gewußt???

force

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Klassenmedizin akut und chronisch
« Antwort #1 am: 23:00:14 Fr. 16.Dezember 2005 »
eigentlich müsste sowas doch illegal sein?

ManOfConstantSorrow

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Klassenmedizin akut und chronisch
« Antwort #2 am: 12:07:15 Sa. 15.Dezember 2007 »
Zitat
Alarmierende Studie
Private erhalten eher Spenderorgane

Bislang sind die Daten nur vorläufig, doch der Verdacht allein ist schon schrecklich: Laut einer Studie der Uni Köln haben Privatpatienten größere Chancen als gesetzlich Versicherte, ein lebensrettendes Spenderorgan zu erhalten.


Bei der Transplantation von Organen kommen Privatpatienten einer Studie zufolge deutlich häufiger zum Zug als gesetzliche Versicherte. Das geht aus einer Untersuchung des Instituts für Gesundheitsökonomie der Universität Köln hervor. Erfasst wurden die Berichte der 46 deutschen Transplantationszentren aus den Jahren 2004 und 2005. Der Anteil der Privatpatienten an der Gesamtbevölkerung lag 2005 bei 10,25 Prozent, sie erhielten aber 16,38 Prozent der im selben Jahr transplantierten Organe.

Laut dem SPD-Gesundheitsexperten und Direktor des Kölner Instituts, Karl Lauterbach, besteht der Verdacht, dass finanzielle Gründe hinter diesem Trend steckten. Privatversicherte werden laut Erhebung überdurchschnittlich häufig mit Dringlichkeitsstatus in die Wartelisten aufgenommen: "Sie werden dreimal so häufig als besonders dringliche Fälle eingestuft wie gesetzlich Versicherte - und mir fehlt die Fantasie, um dafür einen medizinischen Grund zu finden", sagte Lauterbach.

Daten unvollständig oder fehlerhaft
Es handele sich um vorläufige Zahlen, da die Daten einiger Transplantationszentren fehlerhaft, unvollständig und von "inakzeptabler Qualität" seien - und damit nicht auswertbar. "Schon das alleine ist Grund zur Sorge, denn die Zentren sind zur genauen Dokumentation verpflichtet."
 
Auch bei der Betrachtung von einzelnen Organbereichen zeigten sich deutliche Ungleichheiten zugunsten von Privatpatienten: Sie hatten auf den Wartelisten für Herzen nur einen Anteil von 10 Prozent, erhielten aber 21,5 Prozent der 2005 transplantierten Herzen. Ähnlich war das ermittelte Bild bei Nieren, Lungen und Leber.

2005 waren den Angaben zufolge insgesamt 3943 Transplantationen vorgenommen worden, davon 3297 bei gesetzlich Versicherten und 646 bei Privatversicherten (16,38 Prozent). Die zuständigen Behörden und das Gesundheitsministerium müssten dies weiter prüfen, verlangte der SPD-Politiker. Bei der Kölner Studie handele es sich um die erste, die die Tätigkeitsberichte der Zentren ausgewertet habe.
 
DPA

http://www.stern.de/wissenschaft/medizin/:Alarmierende-Studie-Private-Spenderorgane/605335.html
Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!

Schrubberbude

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Klassenmedizin akut und chronisch
« Antwort #3 am: 12:48:08 Sa. 15.Dezember 2007 »
Zitat
Private erhalten eher Spenderorgane
Verwundert mich nicht; ist ja schließlich ein auch nur ein Geschäft an dem alle, ausser der Ersatzteillieferant, dran verdienen.

Zitat
Privatversicherte werden laut Erhebung überdurchschnittlich häufig mit Dringlichkeitsstatus in die Wartelisten aufgenommen
Eine Spende an den Träger wirkt sich bestimmt auch positiv auf den Dringlichkeitsstatus aus.

Mit meinem Gewissen kann ich es nicht vereinbaren, daß ein Ausbeuter durch mein(e) Organ(e) oder Knochenmark weiter ausbeuten kann.


Gruss aus der Schrubberbude.
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Ratrace

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Klassenmedizin akut und chronisch
« Antwort #4 am: 13:50:58 Sa. 15.Dezember 2007 »
Zitat
Laut dem SPD-Gesundheitsexperten und Direktor des Kölner Instituts, Karl Lauterbach, besteht der Verdacht, dass finanzielle Gründe hinter diesem Trend steckten. Privatversicherte werden laut Erhebung überdurchschnittlich häufig mit Dringlichkeitsstatus in die Wartelisten aufgenommen: "Sie werden dreimal so häufig als besonders dringliche Fälle eingestuft wie gesetzlich Versicherte - und mir fehlt die Fantasie, um dafür einen medizinischen Grund zu finden", sagte Lauterbach.
Diese Vermutung hatte ich (allerdings aus dem hohlen Bauch heraus) schon länger. Und wenn ich mir die Erhebungen des Herrn Lauterbach ansehe, dann sehe ich das nicht mehr als Verdacht oder Vermutung, sondern als Tatsache. Das war und ist genau der Grund, warum ich mich seit Jahren scheue, mir einen Organspendeausweis zu besorgen. Gerne würde ich einen mit mir führen, aber der Gedanke, daß ein Bonze sich das Vorrecht vor einem Nichtbonzen erkauft, mein Organe zu bekommen und deshalb dieser Nichtbonze stirbt, schreckt mich ab. Und zwar nachhaltig. Das letzte, was ich will ist, mit meinem Tod auch noch das Klassensystem zu unterstützen.

Ein Scheißdilemma. Denn es gibt wahrlich einen Mangel an Spernderorganen. Aber hier kann man sehr gut erkennen, wie weit der Kapitalismus geht und wie wenig auch nur minimale ethische Erwägungen in diesem System zählen.
Das einzig Freie im Westen sind die Märkte.

Schrubberbude

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Klassenmedizin akut und chronisch
« Antwort #5 am: 14:24:51 Sa. 15.Dezember 2007 »
Zitat
Das letzte, was ich will ist, mit meinem Tod auch noch das Klassensystem zu unterstützen.
Diese Einstellung deckt sich mit meiner. Es fängt allerdings nicht mit dem Tod an. Ich war überzeugter DRK-Blutspender bevor ich hinter diesen dahinter steckenden Kommerz gekommen bin. Gegen eine Typisierung des Knochenmarks hätte ich auch nichts, wenn dahinter nicht Kommerz stecken würde. Alle verdienen dran, bloss der Spender geht, ausser einen warmen Händedruck, leer aus, und trägt sogar noch das Risiko. Das wäre unter Umständen ja auch noch OK - aber der Gedanke den Nährboden für den nächsten Sinn o. Hartz zu liefern ....

Bei Organspende sehe ich das "Risiko" noch, dass man ausgeweidet wird und die Teile an Uni-Kliniken verschachert werden; also in riesiges Geschäft, bei dem die Verwandten noch für das was übrig bleibt horrende Beerdigungskosten aufgebürdet bekommen.
 ...nicht mit dem Commander !



Gruss aus der Schrubberbude.
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