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[Sexarbeit] KN 22.1.03

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Kalle:
aus KN-Online:

Kampfansage an das Milieu
Kontrollen in einem Bordell richteten sich gegen Ausbeutung und illegale Beschäftigung
 

 
Es ist eine Kampfansage an das Rotlichtmilieu: Etwa 150 Beamte von Polizei, Bundesgrenzschutz, Arbeitsamt, Steuerfahndung und Ausländeramt durchkämmten gestern gleich zweimal ein Bordell an der Flämischen Straße. Es ist das erklärte Ziel der Aktion, die illegale Beschäftigung von Prostituierten und deren Ausbeutung zu verhindern. Um 13 Uhr riegelten die Beamten der Einsatzhundertschaft aus Eutin den "Innenhof" das erste Mal ab. Mit Sturmhauben maskierte und mit Panzerwesten ausgerüstete Polizisten öffneten die rund 60 Zimmer in dem Bordell und nahmen 30 Frauen vorläufig fest. Bei der Überprüfung stellte sich heraus, dass bei 19 Frauen der Verdacht vorliegt, dass sie sich illegal in Deutschland aufhalten. Die Polizei ermittelt bereits seit Jahren gegen die Betreiber der vier Bordelle im Dreieck zwischen Wall und Flämischer Straße. In nur zwei Jahren wurden 170 zumeist osteuropäische Frauen festgenommen, die ohne Arbeitserlaubnis in Deutschland "angeschafft" haben.
30 Frauen nahm die Polizei gestern Mittag im "Innenhof" fest. Bei 19 bestand der Verdacht, dass sie in Deutschland illegal als Prostituierte arbeiten.

Der Betreiber des "Innenhofes" soll ins Visier geraten sein, weil er auch ein Bordell in Rostock und in Grevenkrug betreibt. Das Haus nahe Bordesholm werde derzeit sogar ausgebaut. Aus der Polizei verlautete, dass dieser Betreiber verdächtigt werde, die illegalen Prostituierten zwischen seinen Bordellen hin und her zu schieben. Denn Frauen, die das erste Mal erwischt werden, werden nicht abgeschoben. Sie erhalten eine schriftliche Ausweisungsverfügung und müssen dann innerhalb von drei Tagen Deutschland verlassen. In der Praxis würden die Frauen aber nach dem Aufgriff von ihren Zuhältern nach Lübeck, Neumünster und Hamburg geschafft, um dort weiter zu arbeiten.

Damit das in Kiel möglichst selten geschieht, droht die Polizei mit Kontrollen rund um die Uhr. Gestern Abend schlugen die Beamten ein zweites Mal im "Innenhof" zu, um möglicherweise die "zweite Schicht" in dem Bordell auch noch zu erwischen. Und einige Stunden später war sogar noch eine Gruppe des 2. Polizeireviers im Einsatz, um den Kontrolldruck hoch zu halten. Schleuser, Zuhälter und Frauen sollen erkennen, hieß es gestern, dass stündlich mit Kontrollen zu rechnen sei und dass sich das Geschäft mit den Illegalen nicht mehr lohne.

In den vier Bordellen im Kieler Rotlichtmilieu gibt es zur Zeit rund 170 Betten. Die Betreiber verlangen nach KN-Informationen rund 100 Euro pro Tag und Zimmer - ergibt bei voller Belegung eines Tagesumsatz von 170000 Euro. Aus den Vernehmungen weiß die Polizei, dass zur Zeit vor allem viele Frauen aus Bulgarien von Landsleuten unter falschen Versprechungen nach Deutschland gelockt würden. Zwar wüssten sie oft, dass es sich um Prostitution handele - doch über die wahren Verdienstmöglichkeiten würden sie nicht aufgeklärt. Die Polizei spricht von Abhängigkeit und Ausbeutung, die Grenzen zur Zwangsprostitution sind fließend oder gar nicht mehr vorhanden.

Die Aktionen von gestern, die massiv weiter geführt werden sollen, wurden von der neuen Ermittlungsgruppe Milieu (wir berichteten) geplant und organisiert. Die Kontrollen richteten sich nicht gegen die Frauen oder die Prostitution an sich, betonte Kripochef und Einsatzleiter Torsten Steffens, sondern gegen ihre Ausbeutung und die zahlreichen Verstöße gegen das Ausländergesetz. Darum werde die "intensive Zusammenarbeit" mit der Beratungsstelle contra, die sich um Opfer des Frauenhandels kümmert, fortgesetzt.

Tim Holborn

Spiderman:
Welch übler Witz! Die Einsatzleitung behauptet vor der Presse die Razzia sei im Interesse der Frauen und dann erfährt der Leser, die Erstürmung mit Haßkappe und Panzerweste hätte 19 Festnahmen von Frauen und deren mögliche Ausweisung innerhalb von 3 Tagen zur Folge.

Daß sie kein Aufenthalts- und Arbeitsrecht hier haben ist nicht ihnen, sondern der Politik anzulasten. Kein Mensch ist illegal! Erst durch diesen Status können sie noch radikaler ausgebeutet werden als Frauen mit legalen Papieren. Wollte man etwas im Interesse der Frauen tun müßte man ihnen Alternativen anbieten, einen Broterwerb zu besseren Konditionen ermöglichen.

Bulleneinsätze gegen die Schwächsten in der Gesellschaft sind ja nichts neues. Aber das als Kampf gegen die Ausbeutung zu verkaufen, das ist wohl der Geist der heutigen Zeit.

Mike:
In Hamburg sind Polizeieinsätze gegen "illegal" arbeitende Prostituierte fast Alltag.

Jetzt versucht es wohl auch Kiel mit dem "SCHILL-Kurs" !?!

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Das Forum SEXARBEIT gehört zu den meistbesuchten bei Chefduzen. Man sollte hier Klartext reden und ein paar minimal-Forderungen gegen die Ausbeutung im "ältesten Gewerbe" formulieren!

-Keine Abschiebung von Frauen ohne Aufenthaltsgenehmigung!!!

-Anerkennung der Sexarbeit als Beruf mit allen Konsequenzen wie         Krankenversicherung, Recht auf Umschulung und Rentenzahlung.

-Möglichkeiten entwickeln, daß die Frauen in Selbstverwaltung ihrem Beruf nachgehen können ohne dem ausbeuterischen und gewalttätigen Ludenpack. (bei einem Wettbewerb zum Umbau der Bremer Bordellstraße haben Architekturstudenten ein solches Konzept vorgeschlagen).

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Schon wieder stürmten 50 Bullen Kieler Bordelle um die Papiere der Sexarbeiterinnen zu kontrollieren. Und die KN durfte zum Knipsen dabeisein!
Erst erklärt der Polizeipressesprecher, die Aktion würde sich nicht gegen die Frauen richten, dann wird lapidar erwähnt, daß eine Frau die Nacht in Polizeigewahrsam verbringen mußte um anschließend ans Ausländeramt übergeben zu werden...

Und weitere Bullenüberfälle wurden bereits angedroht.

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