Autor Thema: Nach Praxisgebühr: Neue Reformen braucht das Land...  (Gelesen 1609 mal)

Klassenkampf

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Nach Praxisgebühr: Neue Reformen braucht das Land...
« am: 16:27:32 So. 18.Dezember 2005 »
Wer der BILD glaubt, hat ernsthafte Diskussion verwirkt. Doch dies ist nicht der Grund des Zitierens, sondern die Tatsache, wie gezielt Panik gestreut wird.

Gerade zwei Jahre ist die letzte Gesundheitsreform her. Diese nahm keine Rücksicht mehr auf die finanzielle Lage des Patienten, sondern verurteile alle zur gleichen Abgabenlast, gleichgültig ob Banker, ob Arbeitsloser oder Rentner.
Was hat die Politik geschwelgt, was haben die Krankenkassen gelobt, plötzlich konnten am Quartalsende Gewinne, zur Begleichung der Schulden, vorgewiesen werden - es herrschte Sonnenschein im tristen Gesundheitswesen.

Zwei Jahre später:

Zitat
Jetzt droht 20-Milliarden-Defizit
 
Berlin – Den Krankenkassen droht ein Defizit in bisher nicht gekanntem Ausmaß: „Ohne eine Gesundheitsreform werden die Einnahmen der gesetzlichen Krankenkassen innerhalb der nächsten vier Jahre um über 20 Milliarden Euro einbrechen“, so SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach zu BamS. „Im Jahr 2007 würde das Defizit eine Erhöhung der Beiträge um ein Prozent erzwingen. Um das zu verhindern, müssen wir handeln.“

So bedeute die Mehrwertsteuer-Erhöhung ab 2007 jährliche Mehrkosten von 800 Millionen Euro durch höhere Medikamentenkosten. Lauterbach: „Die Rückführung der Zuschüsse aus der Tabaksteuer führt 2007 wahrscheinlich zu Mindereinnahmen von 2,7 Milliarden, ab 2008 von 4,2 Milliarden Euro.“

Weil Versicherte in Mini-Jobs oder Arbeitslosigkeit weniger Beiträge zahlten und weil Besserverdiener in die privaten Kassen abwanderten, entstünden den Kassen zusätzliche Einnahmeausfälle von etwa 10 Milliarden Euro. Lauterbach: „Um eine Steigerung der Beiträge zu verhindern, müssen mehr Menschen als bisher zur Finanzierung des Gesundheitswesens herangezogen werden. Und die beitragsfreie Mitversicherung von Kindern sollte künftig aus Steuermitteln geschehen.“

Alles steht vorm Zusammenbruch, es muß dringend reformiert, reformiert, reformiert werden. Der Wahnsinn grassiert, der Reformismus greift um sich.

Ein gelungenes Beispiel dafür, wie man der Masse Angst einjagt, sie zur Reformbereitschaft trimmt. Gefettet die Passagen, die dem Leser schnell und übersichtlich Panik bereiten sollen, Zitate eingefügt aus dem Lager der Reformer, die ökonomische Vernunft allerdings bekommt kein Forum.
Außerdem: Das stete Schlechtreden aller staatlichen Sozialsysteme, fördert den Willen zur Privatisierung. Private Versicherungsunternehmen sollen teilweise die marode gesetzliche Krankenversicherung übernehmen. Das bißchen Sozialstaatlichkeit, das dann noch bleibt, soll möglichst nicht paritätisch getragen werden, um Arbeitsplätze zu erhalten.

Müßte man die hartnäckigen Bestrebungen der Reformer in ein Bild fassen, so müßte man ein goldenes Kalb darstellen, um welches dithyrambisch, nackt und lasziv, in voller Trunkenheit, blind durch den Dunst des Opiats, Marktradikale tanzen. Sie verehren so ihren Gott - Mammon!

Quelle
„Diese Verhältnisse sind nicht die von Individuum zu Individuum, sondern die von Arbeiter zu Kapitalist... Streicht diese Verhältnisse, und ihr habt die ganze Gesellschaft aufgehoben.“
--- Karl Marx, "Das Elend der Philosophie" ---