Autor Thema: Um den Lohn geprellt  (Gelesen 24329 mal)

ManOfConstantSorrow

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Um den Lohn geprellt
« am: 18:38:38 Do. 23.Januar 2003 »
Verfasst am: So Jan 19, 2003 12:37 pm    Titel: Um den Lohn geprellt  

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Bei einem meiner sporadischen Schwarzjobs erzählte mir mein Chef, daß er für einen alten Bekannten ein Dach gedeckt hat und seinen Lohn (ein fetter Betrag, um die 6000DM) nie bekommen hat. Er sagte, den Betrag hätte er noch als Lebenserfahrung weggesteckt, scheißdrauf, aber noch nichteinmal entschuldigungen oder Versuche mit Kleinbeträgen die Schulden abzustottern. Da hat er, ehemaliger Kumpel hin, ehemaliger Kumpel her, ihn kräftig vermöbelt. Und mein Chef kann zulangen.

Das ganze erinnert mich an ein Jahre zurückliegendes Erlebnis meines Vaters. Er arbeitete schwarz als Elektriker auf dem Bau. Der Lohn blieb aus. Verschiedene Vertröstungen. Als die Arbeit abgeschlossen war und wieder nach Geld gefragt wurde grinste der Chef breit. Es war klar, er zahlt nicht. Die anderen Handwerker (Maurer, Maler, Fliesenleger) warfen ihr Werkzeug hin und sagten, es wird kein Handschlag getan solange mein Vater nicht seinen Lohn habe. Er wurde schlagartig in bar ausgezahlt.

Soweit ein Beispiel für praktische Solidarität und somit ein paar Anekdötchen für dieses Forum.
Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!

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Um den Lohn geprellt
« Antwort #1 am: 21:20:12 Di. 28.Januar 2003 »
Ein paar befreundete Maurer zögerten nicht lange, als sie merkten, daß sie nie ihr Geld kriegen würden und gingen wieder auf die Baustelle und traten die frisch gemauerten Wände (der Mörtel hatte noch nicht abgebunden) einfach um.  :lol:

Columbo

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Um den Lohn geprellt
« Antwort #2 am: 13:17:55 Mi. 12.Februar 2003 »
Tja, man kann als Schwarzarbeiter schlecht zum Arbeitsgericht. Ich kenne eine ähnliche Story aus dem Trockenbau. Als der Lohn ausblieb wurde in die frisch verschraubten und verspachtelten Rigipswände mit gezielten Tritten Löcher gekickt. Keine Platte wurde ausgelassen!

PAUL

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Um den Lohn geprellt
« Antwort #3 am: 17:36:36 Mo. 14.April 2003 »
Hier meine Lieblingsgeschichte zum Thema:

Ein Kumpel von mir fackelte nicht lange als der Lohn nicht rüberkam und brach im Werkzeugschuppen des Chefs ein. Dort kidnappte er ein wertvolles Gerät zur Vermessung und teilte es dem Chef mit. Der hat dann auch prompt überwiesen. Mein Kumpel hat das Meßgerät trotzdem verscherbelt. Der Chef hätte sich schließlich gleich korrekt verhalten können!

flipper

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Um den Lohn geprellt
« Antwort #4 am: 14:14:25 Sa. 14.Februar 2004 »
vielleicht solltet ihr euch mit den russen in eurem viertel besser vertragen, also ich hab immer "beauftragte für aussergerichtliche vergleiche" an der hand, die den herren "aussichten auf erweiterte perspektiven" vom nächsten hochhaus eröffnen können oder notfalls auch als stimmenerhöhungsdienst für 100e fungieren.
"Voting did not bring us further, so we're done voting" (The "Caprica Six" Cylon Model, BSG)

XHess

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Um den Lohn geprellt
« Antwort #5 am: 03:29:28 Di. 02.März 2004 »
Und wegen all den netten kumpels und Vätern die so nett schwarzarbeit betreiben gehen die kleinen Firmen die es besser machen wollen vor die Hunde weil sie Ihre loyal und mit Arbeitsvertag ausgestatteten Mitarbeiter nicht anbieten können.

Sorry Leute aber wegen so welchen bekommen andere die es wirklich nötig haben kein Geld mehr vom Staat weil die Wirtschaft pleite geht und keine Steuern mehr eingefahren werden.

Danke liebe Schwarzarbeiter!  :evil:

greetz XHess

ManOfConstantSorrow

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Um den Lohn geprellt
« Antwort #6 am: 14:12:38 Sa. 06.März 2004 »
Die Bildschirmarbeit hat Ich-AG-XHess im Kopf wohl kräftig verwirrt.

Ist ihm schonmal aufgefallen auf welche Seite er sich stellt? Die Änderungen der Steuergesetzgebung haben die Reichen überproportional entlastet, große Konzerne zahlen praktisch keine Steuern mehr.

Zur Zeit gibt es keine kämpferischen Gewerkschaften und keine nennenswerte Bewegung, die vernünftige Arbeitsbedingungen und soziale Absicherungen durchsetzt. Diejenigen zu verachten, die eh gesellschaftlich unten stehen, wenn sie sich das herausnehmen (vielleicht haben sie sogar keine Alternative) was für die Reichen normal ist, ist einfach ein Armutszeugnis.

Und wo ist das Problem wenn die Leute für ihre Arbeitsleistung auch einen Lohn haben wollen?
Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!

barney5

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Um den Lohn geprellt
« Antwort #7 am: 21:49:05 Sa. 06.März 2004 »
Ich hatte mal einen Geschäftspartner, der mir während einer Vertriebstätigkeit (übrigens keine Schwarzarbeit) zu verstehen gab, dass er mir die vereinbarte Provision doch nicht zahlen würde. Zu seinem Pech hat er mir das jedoch bereits mitgeteilt, als ich noch in Verhandlung mit den kaufinteressierten Kunden stand - von denen hat dann natürlich jeder vom Kauf Abstand genommen...

Niederer_sachse

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Um den Lohn geprellt
« Antwort #8 am: 05:42:35 Mo. 08.März 2004 »
Zitat
Original von XHess

... Sorry Leute aber wegen so welchen bekommen andere die es wirklich nötig haben kein Geld mehr vom Staat weil die Wirtschaft pleite geht und keine Steuern mehr eingefahren werden.

Der Staat nimmt immernoch hunderte Milliarden ein,
auch wenn er sich immer wieder selbst ein Bein stellt!

Könnte es vielleicht doch einfach nur eine Frage der Verteilung sein?
Grüße aus Niedersachsen

uwe g.

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Um den Lohn geprellt
« Antwort #9 am: 23:37:55 Di. 09.März 2004 »
Zitat
Könnte es vielleicht doch einfach nur eine Frage der Verteilung sein?


so ist es.  der link zeigt den weg zur ausführlichen antwort, damit xhess sieht, wo der feind steht.

http://www.st-georgen.uni-frankfurt.de/leseraum/knauer8.html

klowassertrinker

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Um den Lohn geprellt
« Antwort #10 am: 12:23:45 Di. 06.April 2004 »
und wenn das mit der Wirtschaftlichen Situation weiter geht dann werden die großen Firmen immer größer und kleinen immer kleiner oder kaufen sich gegenseitig wie die Verrückten auf. Und was hat der kleine Arbeiter ?Noch mehr Bedingungen die er sich anschließend gefallen lassen muß! Wo die meisten eh schon nicht mehr durchblicken. Also warum Ausbeuten lassen wenn mann für die gleiche Arbeit den Richtigen Lohn bekommt. Kein Wunder also wenn die Schwarzarbeit reißenden Absatz findet.

MfG klowassertrinker[/b]

backup

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Um den Lohn geprellt
« Antwort #11 am: 14:59:41 So. 05.Dezember 2004 »
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merlinxlm



Anmeldungsdatum: 07.03.2004
Beiträge: 11
Wohnort: In der Chefetage
 Verfasst am: 24.10.04 um 15:30    Titel: Schwarzarbeit, wirklich toll ?  

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Schwarzarbeit sollte jeder rigoros zur Anzeige bringen !

Alle jammern über Arbeitsplatzabbau, Insolvenzen und ähnliches, dabei ist doch wohl folgendes klar: kann ich mir etwas nicht leisten, muss ich es lassen und nicht irgendwen finden, der das zum Schaden der Allgemeinheit dann doch günstig macht ( Ist Hehlerei nicht auch eine Art von "Schwarzarbeit" aber anerkannt kriminell ?)

Ich hasse die ganzen Schwarzarbeitswichser, die hier rummachen und mit ALH und Schwarzarbeit deutlich mehr netto im Sack haben als gut bezahlte Angestellte brutto !

Schämt euch und haut euch nicht selbst auf die schultern.....
 
 
 
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ManOfConstantSorrow



Anmeldungsdatum: 17.01.2003
Beiträge: 453

 Verfasst am: 25.10.04 um 15:26    Titel:    

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 *schäm*schäm*schäm*
 

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Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!
 
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Jadzia



Anmeldungsdatum: 28.10.2004
Beiträge: 5

 Verfasst am: 30.10.04 um 17:28    Titel:    

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An alle Schwarzarbeit-Verfechter und Gutheißer,

Was mich nervt, ist die Tatsache, dass eine Tendenz zu beobachten ist, wonach die eigenen "Schandtaten" mit den noch "größeren Schandtaten" des/der anderen gerechtfertigt wird.

-> Bspl.: "Wenn die da oben Millionen die Steuer betrügen, was sind da die Paar €, die ich am Staat vorbei schmuggle".

Macht das die Welt/die Menschen/das gemeinschaftliche Verantwortungbewusstsein besser??

Ich oute mich ständig, dass ich Schwarzarbeit scheiße finde und stoße meist auf Unverständnis, da z. B. Schwarzarbeit u. Versicherungsbetrug heute als Kavaliersdelikt angesehen werden.

Ich verstehe auch z.T. die Argumentation, dass "die da oben" auch nicht besser sind, uns abzocken, wir die Dummen sind, die zahlen.

Nur, wenn niemand bei sich anfängt es zu ändern, sondern es deswegen genau so macht, darf er dann über die, denen er es nach macht schimpfen???

Ich habe z. T auch schon eine Doppelmoral bezüglich Schwarzarbeit bei mir entdeckt!! Wo hört Freunschaftsdienst gegen Aufwandsersatz auf und wo fängt Schwarzarbeit an? Gutes Beispiel Friseur!
Eine Haushaltshilfe z. B. kann man kostengünstig anmelden. Wer sich die leisten kann, kann meines Erachtens auch 2 % Lohnsteuer und ein bisschen KV + RV zahlen. Außerdem ist die Person dann auch gegen Berufsunfälle versichert!!

Dass es soziale Ungerechtigkeiten gibt und diese wohl kaum auszumerzen sind, dürfte klar sein. Man müsste, um dies annähernd vermeiden zu können, alles individuell entscheiden. Das kostet aber wiederum viel Geld, da die Gesetze entsprechend angepasst werden müssten und es ohnehin schon zu viele idiotische Klagen gibt (gartenzwerge & Co.).
Das Problem haben wir ja schon jetzt mit unserer Justiz - Unüberschaubarkeit, ob vieler individuell zu berücksichtigender Sonderfälle-.

Ich erinnere mich gerne an einen Indianerspruch, der sinngemäß bedeutete: Man solle erst Mal einige Tage in den Mokassins des Anderen gehen und dann seine Meinung überdenken.
Auch erinnere ich mich gerne an meine therapeutische Ausbldung mit jeder Menge Selbsterfahrungsprojekten, wie z. B. mal 3 Tage in einem Rollstuhl zu verbringen. Glaubt mir das bringt sehr viel.

Das gilt nicht nur für Politiker, sich in die Lage der "armen" zu versetzen, sondern auch umgekehrt. Ich weiß nicht, ob es so prickelnd ist, in der Haut eines Politikers zu stecken. Argumente wieviel Geld die dafür bekommen, ziehen bei mir nicht. Gemessen an unfähigen Managern ist das sooo viel nicht.

Kritisieren und schimpfen ist immer einfacher, als es besser zu machen.
Ohne die Politiker in Schutz nehmen zu wollen, aber teilweise sind denen doch auch die Hände gebunden. Die Grünen mussten auch erfahren, dass ihr Idealismus im Politikalltag nur schwer durchzusetzen ist.

schmonz

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Um den Lohn geprellt
« Antwort #12 am: 21:36:45 Mi. 08.Dezember 2004 »
Schwarzarbeit ist das Steuersparmodell des "kleinen Mannes", was kann er sonst ausrichten gegen die zunehmende Privatisierung von Gewinnen und Sozialisierung von Verlusten? Debattieren, Diskutieren und nachdenken macht einen praktisch gesehen vielleicht schlauer aber auch aelter, die Zeit muss genutzt werden. Es ist ja mitnichten so, dass er das unbedingt gerne macht. Schliesslich gehen ihm ja auch Rentenansprueche u.a. goodies eines ordentlich organisierten Jobs durch die Lappen. Das wird bei dem Gestoehne ueber die ach so tolen Hinzuverdienste gern vergessen. Daneben das Risiko, als Schwarzarbeiter vom Geruest zu fallen und einiges mehr.

So Ihr lieben Festangestellten: Möchtet Ihr tauschen?


schmonz

Mcruay

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Um den Lohn geprellt
« Antwort #13 am: 13:22:37 Mo. 13.Dezember 2004 »
ich bin jedenfalls verdammt froh, nicht schwarz arbeiten zu müssen. Lieber heute ein paar Euros weniger haben als im Rentenalter vom Amt leben zu müssen.
Und bei den Einschränken dahingehend, die ab 1.1.05 auf die Langzeitarbeitslosen und Sozialfälle zukommen, will ich nicht wissen, wie die Sozialrente in vierzig Jahren aussieht.
und Gott sprach es werde Licht, doch Jesus fand den Schalter nicht - und so sitzen wir seit zweitausend Jahren im Dunkeln!

Wilddieb Stuelpner

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Um den Lohn geprellt
« Antwort #14 am: 18:12:59 Mo. 13.Dezember 2004 »
Da braucht man nicht ein geprellter Schwarzarbeiter zu sein. Das geht auch bei ganz legalen Arbeitsverhältnissen zu.

Um in öffentlichen Ausschreibungsverfahren mit bieten zu könn, blieb mein AG formal im AG-Verband und war tarifgebunden. In Wirklichkeit schehrte er sich einen Dreck um die Einhaltung der Tarifbedingungen. Die Tarifbindung hatte nur eine Alibifunktion, da er sonst am Ausschreibungsverfahren nicht zugelassen worden wäre.

Keine der ausschreibenden Stellen hatte jemeils ernsthaft in Erwägung gezogen, unangemeldete Betriebsprüfungen durchzuführen und zu dem konkreten Auftrag die Entlohnungsbedingungen, die Tarif- und Arbeitsverträge, Lohnabrechnungen undf Überweisungslisten der Löhne und Gehälter des dazu eingeteilten Belegschaftsteils sich vorlegen lassen.

Außerdem wurden Überstunden vom AG angeordnet mit der Option der späteren Bezahlung oder Absetzung als Freizeit. Pustekuchen - die Stunden kamen auf Arbeitszeitkonten. So weit legal. Nur wollte man sie bezahlt haben oder absetzen, da gab's wieder ein Gezeter.

Weil man immer wieder versuchte seine Ansprüche durchzusetzen, kam der AG durch die Hintertür mit Abmahnungen, man hätte Arbeitspflichten verletzt. Die Beweise blieb er schuldig.

1. Und wenn auch, so hatte er nicht einmal für den farbigen Digitaldruck die einfachste Voraussetzung selbst erfüllt, die in jeder Druckerei üblich ist - mit einer Farbkalibrierungssoftware oder entsprechenden Meßgeräten die Bildschirme, Scanner, Drucker, Bildverarbeitungssofware zu eichen.

2. Damit die Bediener auch mit der Hard- wie Software korrekt umgehen konnten, boten Hersteller entsprechende Lehrgänge und Schulungen an. Auch darauf verzichtete der AG. Wir sollten mit eingekaufter Soft- und Hardware aus den Technikmärkten qualitativ hochwertige, professionelle Drucke fertigen, wo seriöse Druckereien Geschäftsbeziehungen zu Fachhändlern pflegen.

3. Auch die planmäßig vorbeugende Wartung und Pflege durch autorisierte Servicebetriebe schenkte er sich.

4. Er unterstellte mir, daß ich farbstichige Fehldrucke verursacht hätte. Ich hätte eine Farbfehlsichtigkeit und er wollte dies als Abmahnungs- und künftigen Entlassungsgrund mit medizinischen Befunden eines niedergelassenen Augenarztes untermauern. Keine Diskussion über seine technischen, organisatorischen und finanziell schlechten Voraussetzungen der betrieblichen Arbeitsorganisation. Diese Diskussionals wirkliche Ursache für Schlechtleistungen war tabu.

Dort angekommen, unterhielt ich mich vor der Untersuchung mit dem Augenarzt.

Ich sollte dieses Untersuchungsverlangen des AG mit einer Dauer von ca. 15 min. mit 90 DM persönlich bezahlen. Zum Spott sollte also noch ein finanzieller Schaden auf mich zu kommen. Der AG verlangte vom Augenarzt den Nachweis, daß ich die 3 Grundfarben und ca. 3.000 Farbnuanchen aus mehreren Industrie-Farbfächern wie Pantone, RGB, CMYK usw. zweifelsfrei mit genauer Treffsicherheit unterscheiden kann. Andernfalls wäre ich für diese Arbeitsaufgabe nicht tauglich und er hätte die Möglichkeit mich ohne große Probleme zu entlassen.

Der Augenarzt sagte mir, daß er diesen Nachweis mit dem ihm zur Verfügung stehenden Meßmitteln und -methoden nicht dem AG-Wunsch entsprechend nachweisen kann. Er kann bestenfalls das Farbkontrastsehen, das räumliche Sehen und Fehlsichtigkeiten für die Nähe oder Ferne ermitteln.

Außerdem war er für derartige arbeitsmediziniscvhen Tauglichkeits- und Reihenuntersuchungen nicht zugelassen. Also lehnte ich die Untersuchung ab und tischte meinem AG das Ergebnis am nächsten morgen auf.

4 Wochen später wiederholte sich das Procedere vor dem Arbeitsmedizinischen Dienst der Bauberufsgenossenschaft Bayern und Sachsen. Die Arbeitsmedizinierin kam zu den gleichen Untersuchungsergebnissen. Da sah mein AG alt aus.

Der Hintergrund:

Bei der Einstellung meiner Person (schwerbehinderter Arbeitsloser) bekam der AG vom Arbeitsamt Lohnzuschüsse und Eingliederungsbeihilfen für die Dauer von 3 Jahren vom Arbeits- und Integrationsamt. Zum Einstellungstag wurde ich keiner Einstellungs- und Tauglichkeitsuntersuchung unterzogen. Im Verlauf der Zeitspanne bauten die beiden Ämter allerdings immer wiederr die Fördermittel und Zuschüsse stückweise ab. Die Bezugsbasis war sowohl bei den Fördermitteln, den Zuschüssen und Beihilfen der Tarifvertrag und nicht das vom AG tatsächlich gezahlte Istgehalt. In der Realität erhielt ich aber kein Tarifgehalt, sondern ein Gehalt von monatlich 1.000 DM niedriger, wie sich hinterher im Arbeitsrechtsstreit herausstellte. Selbst der Betriebsrat wußte nicht über den Tarif Bescheid. Also hatte der AG durch unredliche Angabe der Bezugsbasis einen Extragewinn. Auch das Arbeits- wie das Integrationsamt kamen nie auf die Idee nachzuprüfen.

Duch das Abschmelzen der Fördermittel und Zuschüsse (staatlich subvenionierte Billigstjobs nach dem Kombiohnmodell) wurde ich für den profitgeilen AG immer unrentabler. Er brauchte personenbedingte Abmahnungsgründe (siehe oben angebliche Schlechtleistung und Farbfehlsichtigkeit), denn aus betriebsbedingten Gründen einen behinderten AN zu kündigen (besonderer Kündigungsschutz - nach eigenem Erleben eine einzige Witznummer, Nachweis der Sozialauswahl) ist schwerer als personenbedingt den AN loszuwerden.

Unter Umgehung der Anhörung des Betriebsrates kündigte der AG mir nach Ablauf der 3 Jahre. Es folgten Kündigungsschutz- und Lohnklagen mit Unterstützung durch die DGB Rechtsschutz GmbH. Mehrmals wurden die angesetzten Verhandlungen wegen Krankheit und dienstliche Verhinderung der Rechtsbeistände, wegen fortgesetzte Richterwechsel vertagt. Der DGB Rechtsschutz unternahm nichts um die Verfahren zügig zu bearbeiten. So spielte der AG und die Gerichte als Büttel der AG auf Zeit. Nach zweieinhalb Jahren hatte ich ein teilweise gewonnenes Kündigungsschutzverfahren und eine gerichtlich bestätigte Lohnforderung.

Fakt ist:

Überstunden auf Arbeitszeitkonten sind nicht vor dem Verlst geschützt, wenn der AN nicht durch eigene Aufzeichnungen und Zeugen nachweisen kann zu welchem Datum, Uhrzeit, Dauer, Anlaß (konkret zu benennender Arbeitsauftrag) der AG die Üerstunden anordnete, billigte oder duldete und der Betriebsrat seine Genehmigung dazu gab.

Überstunden sind überhaupt nicht insolvenzsicher.

Gewerkschaften tuen überhaupt nichts, um zügig Arbeits- und Sozialrechtsverfahren im Interesse ihrer klagenden Mitglieder abzuarbeiten.

AG und ihre Gerichts- und Justizbüttel spielen immer auf Zeit, so daß Ausschluß- und Verjährungsfristen oder die Insolvenz des Unternehmens droht. Richter, Rechtsanwälte und Gerichte sind Aasgeier, die sich am Elend der klagenden AN und Erwerbslosen gesundstoßen, denn jede weitere Sitzung bedeutet neues Honorar und Gerichtsgebühr oder eine weitere Schmälerung der Insolvenzmasse.

Warum ist das so?

Weil im gesetzgebenden Bundestag und -rat, in den Gewerkschaften und der Justiz kein Arbeiter und Angestellter die Interessen der AN und Erwerbslosen vertritt und durchsetzt. Wir finden in den Parlamenten ausschließlich Unternehmer, Beamte, Lehrer, und Juristen vor - alles Vertreter des Großbürgertums.

Von einer wirklichen Freiheit und Demokratie sind wir im Ausbeuterstaat BRD Lichtjahre entfernt. Da war das Arbeits- und Sozialrecht der DDR 10.000mal gerechter als die Macht- und Rechtsverhältnisse in diesem Schweinestaat.