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Streik Der Hafenarbeiter

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regenwurm:
11.01.2006 STREIK DER HAFENARBEITER
 
Nachmittags Demo in der City
Leichte Verkehrsbehinderungen
FRANK RESCHREITER, SWD

Eigentlich steht der Hafen niemals still. Doch das wird heute anders sein. Die Hafenarbeiter streiken seit gestern Abend, 23 Uhr. Bis heute Abend (23 Uhr) protestieren sie so gegen das Port Package II. Über die Richtlinie wird am 17. Januar das Europäische Parlament entscheiden. Daher bleiben heute europaweit Containerboxen auf den Pötten. Begleitet wird der Streik von einer Demonstration in der City.

Ab 16 Uhr müssen Autofahrer im Bereich Willy-Brandt-Straße mit Störungen rechnen. Im Verlauf der Demonstration wird es rund um die Mönckebergstraße und während der Abschlusskundgebung auf dem Carl-Legien-Platz zu kurzzeitigen Verkehrsbehinderungen kommen. Im Hafen muss mit Behinderungen durch sich stauende Lkw gerechnet werden, da sie ihre Ladung nicht loswerden oder keine erhalten.

Mit der Richtlinie Port Package II, die vom CDU-Abgeordneten Georg Jarzembowski vorangetrieben wird, sollen die Dienstleistungen im Hafen über Ausschreibungen neu geregelt werden. Die EU verspricht sich davon mehr Wettbewerb und Kostensenkungen. Hafenwirtschaft und Gewerkschaften befürchten, dass asiatische Konzerne die Herrschaft im Hafen übernehmen und im großen Stil Jobs abbauen könnten.

(MOPO vom 11.01.2006 / SEITE 10)

ManOfConstantSorrow:
11.01.06 - In zwölf europäischen Ländern beteiligten sich heute laut Ver.di rund 35.000 Hafenarbeiter an einer europaweiten Streikaktion gegen die geplante EU-Richtlinie über den "Marktzugang für Hafendienstleistungen" ("Port Package II"). In Rotterdam, dem größten Hafen Europas, wurde genauso gestreikt wie in Kopenhagen, Antwerpen, Liverpool, Marseille, Barcelona und Piräus. In Deutschland führten 4.500 Hafen-Beschäftigte in acht Häfen Streiks, Kundgebungen und Betriebsversammlungen durch. Die Beschäftigten der Hamburger Hafenbetriebe hatten bereits in der Nacht zum Mittwoch die Arbeit niedergelegt. Am Vormittag zogen rund 2.000 Arbeiter zur Kundgebung auf das Betriebsgelände der Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA) am Burchardkai. "Der Hamburger Hafen steht still", berichtete dort der Betriebsratsvorsitzende von HHLA. Vor allem bei der Lkw-Abfertigung kam es zu erheblichen Staus und empfindlichen Verzögerungen



In Bremerhaven legten am frühen Morgen rund 600 Arbeiter den Betrieb des Containerterminals lahm, 1.200 nahmen an einer Kundgebung teil. Weitere Aktionen gab es in Lübeck und Travemünde. Dort beteiligten sich ver.di-Angaben zufolge rund 300 Beschäftigte an kurzfristigen Arbeitsniederlegungen. In Rostock, Bremen, Nordenham, Brake und Emden protestierten ebenfalls Hafenarbeiter. Auch die Lotsenversetzer, die auf der Elbe und der Weser die Lotsen auf die Schiffe bringen, beteiligten sich an den Protesten. Dadurch wurde der gesamte Schiffsverkehr stark beeinträchtigt.

Die europaweiten Aktionen richten sich gegen den erneuten Versuch der EU-Kommission, im Auftrag der internationalen Monopole in den europäischen Häfen der Billiglohn-Konkurrenz Tür und Tor zu öffnen. Im Jahr 2003 war sie mit dem ersten Richtlinien-Entwurf ("Port Package I") bereits am erbitterten Widerstand der Hafenarbeiter und ersten europaweiten Aktionen gescheitert. "Port Package II" sieht nach Auffassung der Europäischen Transportarbeiter-Föderation, die zu der heutigen Protestaktion aufgerufen hatte, noch weitergehende Deregulierungen der geltenden Hafenbestimmungen vor. So ist vorgesehen, dass die meist in Niedriglohnländern angeheuerten Seeleute selbst Schiffe be- und entladen können. Auch die Abfertigung an Land soll durch von den Reedern angestelltes Personal und über ihre eigene Abfertigungsanlagen erfolgen. Um damit Druck auf die bestehenden Hafendienste auszuüben, sollen deren Konzessionen immer wieder neu ausgeschrieben und dann jeweils an die günstigsten Anbieter vergeben werden.

Die Folge wären nicht nur drastische Lohnsenkungen in diesem Bereich, sondern auch die Entlassung tausender zu geltenden Tarifen eingestellter Hafenarbeiter. "Egal, was die europäischen Institutionen beschließen mögen: Die Hafenarbeiter werden nicht tatenlos zusehen, wenn ihre Arbeitsplätze zerstört werden. (...) Deshalb muss der Entwurf zu Port Package II vom Tisch, genauso überigens wie der Entwurf zur sogenannten Bolkestein-Richtlinie", rief der ver.di-Vorsitzende Bsirske bei der heutigen Kundgebung im Hamburger Hafen. Ver.di kündigte weitere Protestaktionen für den Beginn der kommenden Woche an. Am 16. Januar wollen Hafenarbeiter aus zahlreichen europäischen Ländern in Straßburg demonstrieren, wo am folgenden Tag im Europäischen Parlament über "Port Package II" abgestimmt werden soll.

(rf-news)

regenwurm:
Frontalangriff auf die Arbeiter«
Hamburger EU-Abgeordneter will Richtlinie durchsetzen / Arbeiter demonstrieren gegen das »Port Package II«
SWANTJE DAKE

Kein Kran bewegt sich. Alle Brücken an den Terminals sind hochgeklappt. Kein Container verlässt die festgemachten Schiffe. Lkw-Fahrer werden ihre Last nicht los. Das Leben im Hamburger Hafen stand gestern still, ebenso in vielen anderen europäischen Häfen. Der Demonstrationszug mit 2300 Brückenfahrern und Laschern durch die City sorgte im Feierabendverkehr für kurzzeitige Behinderungen.
Die Hafenarbeiter protestierten gegen das Port Package II (Hafenpaket). Das Europäische Parlament wird in der kommenden Woche über die Richtlinie entscheiden. Die Hafenarbeiter und die Gewerkschaft Ver.di lehnen das Paket ab.

Was ist das Port Package II?

Mit der "Richtlinie über den Marktzugang für Hafendienstleistungen" will die EU den Wettbewerb zwischen und innerhalb der Häfen ankurbeln. Dienstleistungen, etwa das Abfertigen von Schiffen, soll über Ausschreibungen neu geregelt, der Betrieb effizienter und kostengünstiger werden. Konzessionen für das Lotsen, Schleppen und den Güterumschlag sollen laut Hafenpaket nur für eine begrenzte Zeit (maximal 46 Jahre) vergeben werden. Außerdem könnten die Besatzungen der Schiffe künftig das Be- und Entladen übernehmen. Bisher sind dafür die in den Häfen ansässigen Unternehmen, in Hamburg überwiegend HHLA und Eurogate, zuständig.


Quelle:

S.T.R.E.I.K

LinksDenker:
KwTm

Carsten König:

--- Zitat ---EU-Parlament stoppt Hafen-Liberalisierung    

Das Europa-Parlament hat das Paket zur Liberalisierung von Hafendienstleistungen abgelehnt. Eine Schlappe für die EU-Kommission - und ein Triumph für die Hafenarbeiter. Sie hatten in den vergangenen Tagen mit Demonstrationen gegen die Pläne mobil gemacht.
--- Ende Zitat ---

Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,395856,00.html

Ein kleiner Sieg? Man möchte es denken, jetzt noch weg mit der Bolkestein-Richtlinie.

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