Autor Thema: Unruhen in Bangladesch  (Gelesen 28377 mal)

Pinnswin

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Unruhen in Bangladesch
« Antwort #15 am: 08:12:59 So. 13.April 2008 »
Gewalttätige Proteste gegen Frauenrechte in Bangladesh

Zitat
In Bangladesh sind mindestens Hundert Menschen verletzt worden, bei einer Straßenschlacht zwischen radikalen Muslimen und der Polizei. Die Demonstranten wandten sich gegen ein Gesetzesprojekt, dass Frauen in dem streng-religiösen Land mehr Rechte geben will. Nach dem Freitagsgebet in der Baitul Mokarram-Moschee in der Hauptstadt Dhakka - dem größten Gotteshaus in Bangladesh - versammelten sich rund 5000 Gläubige vor den Toren, um gegen die Plände des Parlaments zu protestieren. In der Gesetztesvorlage, die die Abgeordneten dieser Tage debattieren, geht es vor allem um die Angleichung des Erbrechts von Frauen und Männer. Radikal-islamische Parteien, die im Parlament in der Minderheit sind, halten dies für einen Verstoß gegen den Koran.

Gesellschaftlich sind in Bangladesh die geringen Erabschaftsanteile ebenso akzeptiert wie Gewalt gegen Frauen. Vor zwei Jahren demonstrierten Aktivistinnen gegen Säureanschläge: Mehrere Hundert Frauen werden alljährlich durch Chemikalien im Gesicht verätzt, nachdem sie sich versucht hatten, sich gegen gewalttätige Ehemänner zu wehren. Die Täter gehen meist straffrei aus.
Das Ende Der Welt brach Anno Domini 1420 doch nicht herein.
Obwohl vieles darauf hin deutete, das es kaeme... A. Sapkowski

ManOfConstantSorrow

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Unruhen in Bangladesch
« Antwort #16 am: 13:27:08 Mo. 18.August 2008 »
Zitat
Bangladesch: Reallöhne um 46% gesunken

Vertreter der Textilarbeiterinnen in Bangladesch fordern umgehend Verhandlungen über eine neue Lohnberechnung für die Arbeiter und eine Teuerungszulage von 50 Prozent. Hintergrund ist, dass durch die explodierenden Preise die Reallöhne um rund 46 Prozent gesunken sind. Die derzeitigen Mindestlöhne liegen weit unter dem Existenzminimum.
http://www.rf-news.de/rfnews/aktuell/International/article_html/News_Item.2008-08-11.0547

Zitat
Erneut Streiks und Unruhen von Textilarbeiterinnen in Dhaka

Am letzten Wochenende traten Tausende von Textilarbeitern in Dhaka, der Hauptstadt von Bangladesch, in den Streik. Sie fordern mehr Lohn und wehren sich gegen die staatliche Unterdrückung. Dutzende von Fabriken wurden geschlossen. Die Arbeiter, hauptsächlich Frauen, griffen ein Lager der Ansar genannten Hilfspolizei an, die für ihre Übergriffe gegen die Arbeiter berüchtigt ist, und verlangten, dass es vom Werksgelände verschwindet.
LabourNet.de

Zitat
Bangladesh : Garment workers attack factories as thousands wildcat and riot
The ongoing unrest in the garment factories continues... Ein (englischer) Artikel von Ret Marut auf Libcom
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Kater

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Arbeiterin schuftet sich in Fabrik in Bangladesch zu Tode
« Antwort #17 am: 13:54:00 Mi. 13.Mai 2009 »
das weckt Erinnerungen an die nazistische Vernichtung durch Arbeit...

Zitat
Arbeiterin schuftet sich in Fabrik in Bangladesch zu Tode

In einer für den deutschen Handelskonzern Metro produzierenden Textilfabrik in Bangladesch hat sich eine junge Frau laut einer Hilfsorganisation unter dem Druck ihrer Chefs zu Tode geschuftet. Die 18-jährige Fatema Akter sei im Dezember während ihrer Schicht tot zusammengebrochen, berichtete die US-Organisation National Labor Committee (NCL). Demnach musste das Mädchen an sieben Tage in der Woche 13 bis 15 Stunden in der Textilfabrik in der Hafenstadt Chittagong arbeiten und pro Stunde bis zu hundert Jeanshosen reinigen.

Der 18-jährigen wurde dem zu Wochenbeginn veröffentlichten NLC-Bericht zufolge trotz Erschöpfung und Schmerzen in Brust und Armen ein freier Tag zur Erholung verweigert. Stattdessen habe der Vorgesetzte das Mädchen hart ins Gesicht geschlagen und ihr befohlen, ihre Arbeit fortzusetzen. Demnach waren für die Arbeiter in der Fabrik 14-Stunden-Schichten ohne Pause, erzwungene Überstunden und Schläge an der Tagesordnung.

Rund 80 Prozent der in der Fabrik hergestellten Textilien wurden laut NCL für den deutschen Handelsriesen Metro produziert. Der Konzern bedauerte den Todesfall der 18-Jährigen in einer Erklärung "zutiefst" und kündigte den Vertrag mit dem für die Fabrik verantwortlichen Hersteller in Bangladesch mit sofortiger Wirkung. Menschenrechtsgruppen hatten in der Vergangenheit wiederholt die Arbeitsbedingungen in Bangladesch kritisiert. In tausenden Textilfabriken in dem südasiatischen Land werden zu Billiglöhnen Waren für den Weltmarkt hergestellt.

http://de.news.yahoo.com/2/20090513/tde-arbeiterin-schuftet-sich-in-fabrik-i-a4484c6.html

ManOfConstantSorrow

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Fabriken brennen: "Das waren zu Viele und sie waren wild entschlossen..."
« Antwort #18 am: 10:55:06 Do. 02.Juli 2009 »
Mit diesen Worten begründete ein Polizeisprecher in Dhaka, warum es den Ordnungskräften trotz des Einsatzes von insgesamt beinahe 1.000 Polizisten nicht gelang, die - unangemeldeten - Proteste von über 50.000 TextilarbeiterInnen aus der wirtschaftlichen Sonderzone zu unterbinden. Die Empörung hatte solch massenhafte Formen angenommen, nachdem zunächst normale betriebliche Proteste wegen der bekannten unmenschlichen Arbeitsbedingungen einmal mehr mit Polizeigewalt unterdrückt worden waren, wobei auch zwei Arbeiter ermordet wurden. Jetzt war das Faß übergelaufen - es ging nicht mehr um die Verteidigung von Arbeitsplätzen und Arbeitssicherheit, sondern um die Verteidigung des Lebens gegen die Knochenmühlenbetreiber und ihre uniformierten Helfer. In rund 50 Fabriken der Sonderzone wurde Feuer gelegt. Einen ersten Überblick über die Kämpfe gibt der Bericht "Short fuse: 50,000 workers on the streets and 50 factories burning in Bangladesh" externer Link von Ret Marut am 30. Juni 2009 bei libcom.

http://libcom.org/news/short-fuse-50000-workers-streets-50-factories-burning-bangladesh-30062009
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ManOfConstantSorrow

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Re:Unruhen in Bangladesch
« Antwort #19 am: 19:38:50 Di. 02.Februar 2010 »
Machinists Against the Machine - Bangladeshi garment workers' struggles

Teil eins zeigt das Leben im Slum, die Fabrikarbeit und die massive Revolte im 2006, Teil zwei den Anstieg der Kämpfe in der im Textilbereich.



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ManOfConstantSorrow

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Re:Unruhen in Bangladesch
« Antwort #20 am: 20:24:19 Fr. 19.März 2010 »
Zitat
Bangladesch: Streik auf Fähren beendet

Rund 150.000 Arbeiter der Personen- und Frachtfähren auf den Flüssen in Bangladesch haben nach über drei Tagen Streik am Freitag wieder die Arbeit aufgenommen, nachdem sie ihre wesentlichen Forderung durchsetzen konnten. Es geht um die Einführung eines Mindestlohnes und eine andere Lohnstruktur. Der Streik hatte zu erheblichen Transportproblemen geführt, da der größte Teil der Güter über die Wasserwege transportiert wird. Es war bereits der zweite Streik in der vergangenen vier Monaten.
http://www.rf-news.de/2010/kw11/19.03.10-bangladesch-streik-auf-faehren-beendet
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ManOfConstantSorrow

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Re:Unruhen in Bangladesch
« Antwort #21 am: 21:07:11 Mi. 12.Mai 2010 »
Bangladesch: Blockade von Textilarbeitern

Am Montag blockierten rund 4.000 Textilarbeiter die Autobahn Dhaka-Sylhet und forderten die Zahlung ausstehender Löhne. Die Blockade brachte den Verkehr weitgehend zum Erliegen. Die Arbeiter beendeten die Blockade nach mehreren Stunden, nachdem die Fabrikbesitzer die Zahlung der ausstehenden Löhne bis Ende der Woche versprochen hatten.

http://www.rf-news.de/2010/kw19/11.05.10-bangladesch-textilarbeiter-blockieren-autobahn
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Sir Vival

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Re:Unruhen in Bangladesch
« Antwort #22 am: 21:42:50 Mi. 12.Mai 2010 »
KIK, der Textildiscount.........
Der Tod stellte seine Sense in die Ecke und bestieg den Mähdrescher, denn es ward Krieg!
Politiker sind wie Tauben. Sind sie unten, fressen sie dir aus der Hand. Sind sie oben, wirst du beschissen
Es gibt 2 Arten von Politikern:
- der eine kann nichts!
- der andere nichtmal das!

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Re:Unruhen in Bangladesch
« Antwort #23 am: 12:14:38 Mi. 23.Juni 2010 »
Zitat
Proteste von Textilarbeitern enden gewalttätig

Dhaka (RPO). In Bangladesch haben zehntausende Textilarbeiter am Montag erneut mit Gewalt gegen niedrige Löhne und schlechte Arbeitsbedingungen protestiert. Die Polizei feuerte nach eigenen Angaben Tränengas und Gummigeschosse in die Menge. Mehr als 100.000 Arbeiter versammelten sich demnach in Ashulia am Rande der Hauptstadt Dhaka und forderten höhere Löhne. Bereits am Samstag hatten 50.000 Textilarbeiter gewaltsam für Lohnerhöhungen demonstriert.
http://www.rp-online.de/public/kompakt/panorama/872008/Proteste-von-Textilarbeitern-enden-gewalttaetig.html

Zitat
Anarchie in Bangladesch

Dhaka - Nach den tagelangen und teilweise gewaltsamen Protesten von Arbeitern sind in Bangladesch rund 700 Textilfabriken geschlossen worden. Die Demonstrationen hätten zu 'Panik und Anarchie' geführt, sagte der Vizechef des Branchenverbandes BGMEA, Shafiul Islam Mohiuddin, am Dienstag. 'In drei Tagen wurden mehr als 50 Fabriken von Demonstranten angegriffen. Das macht es für die Produzenten unmöglich, Lieferfristen einzuhalten und hat zu Millionenschäden geführt'. Am Dienstag waren nach Polizeiangaben Tausende Arbeiter zu ihren Fabriken in Ashulia am Rande der Hauptstadt Dhaka gekommen. Als sie die Werke geschlossen vorfanden, hätten sie protestiert und Polizisten angegriffen, sagte Dhakas Polizeichef Iqbal Bahar. Die Arbeiter fordern eine Erhöhung ihres Monatslohns auf 5000 Taka (59 Euro). Mit derzeit 2000 Taka (24 Euro) pro Monat gehören die Textilarbeiter in Bangladesch nach Angaben einer internationalen Gewerkschaftsorganisation zu den am schlechtesten bezahlten der Welt. Die dort gefertigten Textilien werden vor allem nach Europa und in die USA exportiert.AFP
http://www.sueddeutsche.de/j5m38c/3409270/Anarchie-in-Bangladesch.html
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ManOfConstantSorrow

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Re:Unruhen in Bangladesch
« Antwort #24 am: 11:58:11 Sa. 03.Juli 2010 »
Zitat
Proteste gegen Hungerlöhne in Bangladesch dauern an

Die Polizei ging mit Tränengas und Wasserkanonen gegen Tausende protestierende Textilarbeiter vor.


In Bangladesch haben die Textilarbeiter ihren Protest gegen niedrige Löhne auf die Straßen der Hauptstadt Dhaka verlagert. Am Mittwoch blockierten rund 15.000 Demonstranten wichtige Straßen und Kreuzungen, wie die Polizei mitteilte. Die Polizisten setzten Wasserkanonen und Tränengas ein, um die Protestkundgebung aufzulösen. Demonstranten hätten Ziegelsteine auf die Beamten geschleudert, sagte der Vize-Polizeichef von Dhaka, Salim Jahangir. In der vergangenen Woche hatten die Textilarbeiter im Fabrikviertel Ashulia am Rande von Dhaka gewaltsam für höhere Löhne protestiert. Hunderte Fabriken mussten für einen Tag schließen.

Der Mindestlohn für Textilarbeiter liegt bei 1662,50 Taka im Monat, das sind umgerechnet 20 Euro. Damit ist Bangladesch weltweit eines der billigsten Länder für die Produktion von Kleidung. Die Arbeiter fordern eine Erhöhung auf 5000 Taka im Monat. Die Regierung will die Mindestlöhne für die mehr als 2,5 Millionen Beschäftigten in der Textilbranche Ende Juli anheben und hat die Arbeiter zur Geduld aufgerufen. Abnehmer der Kleidungsstücke im Westen wie Jeans-Hersteller Levi Strauss oder die französische Supermarktkette Carrefour hatten bereits im Jänner höhere Mindestlöhne gefordert, die über der Armutsgrenze liegen müssten.
http://www.wirtschaftsblatt.at/home/international/unternehmen/427340/index.do?_vl_pos=r.3.NT
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ManOfConstantSorrow

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Re:Unruhen in Bangladesch
« Antwort #25 am: 21:38:11 Mi. 04.August 2010 »
Zitat
Proteste in Bangladesch
Arbeiter wollen mehr Lohn
Nach einer Welle teils gewaltsamer Proteste in Bangladesch sagt die Regierung den Millionen Textilarbeitern mehr Geld zu. Die Proteste gehen aber trotzdem weiter.


In Bangladesch ist es trotz eines von der Regierung zugesagten höheren Mindestlohns erneut zu Massenprotesten tausender Textilarbeiter gekommen. Rund 5000 Arbeiter blockierten nach Polizeiangaben die wichtigste Verbindungsstraße in Dhaka und bewarfen dutzende nahegelegene Fabriken mit Steinen. Ebenfalls rund 5000 Menschen protestierten im Bezirk Gulshan in Dhaka, wo viele Diplomaten und ausländische Hilfsorganisationen ihre Büros haben. Einige Demonstranten hätten zudem Autos angezündet und Geschäfte geplündert, erklärte die Polizei. Demnach waren hunderte Beamte im Einsatz, die mit Tränengas und Schlagstöcken gegen die Menge vorgingen.

Die Regierung hatte am Dienstag nach Monaten teils gewaltsamer Proteste angekündigt, den Mindestlohn für die Arbeiter von knapp 1700 Taka (etwa 19 Euro) pro Monat auf 3000 Taka (etwa 34 Euro) anzuheben. Die Arbeiter hatten ursprünglich jedoch eine Erhöhung auf 5000 Taka im Monat verlangt. Die Gewerkschaften der Textilarbeiter wiesen den Mindestlohn am Freitag als zu niedrig zurück. In Bangladesch arbeiten rund 2,5 Mio. Menschen in den Textilfabriken. Wegen der vergleichsweise extrem niedrigen Löhne lassen dort auch zahlreiche internationale Bekleidungsfirmen produzieren. Abnehmer im Westen sind etwa der Jeans-Hersteller Levi Strauss und die Kette H&M.
http://www.n-tv.de/wirtschaft/Arbeiter-wollen-mehr-Lohn-article1169756.html
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Kuddel

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Re:Unruhen in Bangladesch
« Antwort #26 am: 14:24:46 So. 12.Dezember 2010 »
Drei Tote bei Protesten von Bangladeschs Textilarbeitern

Dhaka — Bei heftigen Protesten gegen die niedrigen Löhne der Textilarbeiter in Bangladesch sind mindestens drei Menschen getötet worden. Nach Angaben der Polizei wurden bei den Demonstrationen in der Hauptstadt Dhaka sowie in der südöstlichen Stadt Chittagong zudem zahlreiche Menschen verletzt. Die Polizei setzte Tränengas ein und gab Schüsse auf die Demonstranten ab. Zehntausende Menschen gingen auf die Straße.

Nach einer früheren Protestwelle hatte die Regierung im Juli einen Mindestlohn in Höhe von 3000 Taka (gut 32 Euro) für die Branche festgesetzt, der seit November gilt. Die Arbeiter protestierten nun dagegen, dass dieser Mindestlohn nicht umgesetzt werde. Am Samstag hatte bereits die südkoreanische Firma Youngone ihre 17 Fabriken in Bangladesch wegen der Proteste geschlossen.

In Bangladesch arbeiten rund 2,5 Millionen Menschen in den Textilfabriken. Wegen der extrem niedrigen Löhne lassen dort auch zahlreiche internationale Bekleidungsfirmen produzieren.

http://www.google.com/hostednews/afp/article/ALeqM5jOMMuU0hHqfYtpSltJ-6e2rylifQ?docId=CNG.137f878e1868656f4b0bf040b4a0483f.3e1

Kuddel

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Re:Unruhen in Bangladesch
« Antwort #27 am: 10:21:31 Mo. 13.Dezember 2010 »
Proteste von Textilarbeitern in Bangladesch weiten sich aus

Dhaka — Nach vier Toten bei gewaltsamen Zusammenstößen mit der Polizei haben sich in Bangladesch die Proteste von Textilarbeitern ausgeweitet. Mehr als 4000 Arbeiter aus Textilfabriken blockierten im nördlichen Bezirk Gazipur Straßen und hielten einen Sitzstreik ab, wie ein Polizeisprecher der Nachrichtenagentur AFP sagte. Am Sonntag waren bei Zusammenstößen mit der Polizei in der südöstlichen Hafenstadt Chittagong vier Menschen erschossen worden, dutzende Menschen wurden dort sowie in der Hauptstadt Dhaka verletzt.

In Bangladesch lassen wegen des extrem niedrigen Lohnniveaus auch zahlreiche westliche Firmen ihre Produkteherstellen. Die Arbeiter der rund 4500 Textilfabriken protestieren dagegen, dass ihre Arbeitgeber nicht den von der Regierung eingeführten Mindestlohn zahlen. Ältere Arbeiter sind zudem wütend, dass der neue Mindestlohn nicht für sie gelten soll. Seit November gilt eigentlich für die Branche eine Erhöhung des Mindestlohns auf 3000 Taka (gut 32 Euro). Die Regierung reagierte mit der 80-prozentigen Aufstockung auf eine vorherige Protestwelle.

http://www.google.com/hostednews/afp/article/ALeqM5ghNPfbHX1FA4597XCcrbCa6Kh32g?docId=CNG.19f5e80255321562ef2caa4ebbbcf4f6.01

Kuddel

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Re:Unruhen in Bangladesch
« Antwort #28 am: 10:51:00 Di. 14.Dezember 2010 »
Zitat
Aufstand der Weber


Gewaltsamer Protest. Bei den Unruhen in der Hafenstadt Chittagong in Bangladesch starben am Sonntag vier Menschen. - Foto: AFP

In Bangladesch protestieren die Textilarbeiter, weil ihnen der Mindestlohn verwehrt wird. Viele Fabrikbesitzer zahlen den höheren Lohn einfach nicht.

Berlin - Die Bilanz des Streiks ist erschreckend. Vier Arbeiter wurden getötet, als sie in der Hafenstadt Chittagong im Südosten von Bangladesch auf die Straße gingen, um für den Mindestlohn zu demonstrieren. Dutzende sollen verletzt worden sein, als die Polizei auf die Demonstranten schoss.

Dabei klagen die Textilarbeiter in Bangladesch etwas ein, was ihnen per Gesetz längst zusteht. Der Mindestlohn für die Näher wurde nach massiven Protesten im Sommer von 1660 auf 3000 Taka (rund 34 Euro) im Monat erhöht. Die Lohnerhöhung sollte im November in Kraft treten, Anfang Dezember hätten die Arbeiter das Geld ausbezahlt bekommen sollen. Weil viele Fabrikbesitzer den höheren Lohn nicht zahlen, sind die Proteste aufgeflammt. In Gazipur im Norden von Bangladesch blockierten rund 5000 Arbeiter die Hauptstraße in die Hauptstadt Dhaka, im Fabrikbezirk Ashulia, streikten weitere 5000 Arbeiter. In der Hauptstadt demonstrierten insgesamt rund 4000 Arbeiter – vor allem Frauen – und zündeten Autos an.

Bangladesch gilt als das Land mit den niedrigsten Löhnen für die Textilarbeiter weltweit. 2,5 Millionen Menschen arbeiten dort in 3500 Fabriken, um unter anderem Kleider für H & M und Gap, für die Discounter Kik und Lidl, aber auch so teure Markenhersteller wie Levi Strauss zu nähen. Im vergangenen Jahr wurden nach Angaben des Statistischen Bundesamtes Textilien im Wert von 47,6 Millionen Euro aus Bangladesch nach Deutschland importiert. Das ist nur ein Bruchteil der Gesamtsumme.2009 führte die Bundesrepublik Textilien im Wert von acht Milliarden Euro ein. China und die Türkei gehören dabei zu den Hauptlieferanten für Deutschland.

Die großen Textilketten geloben, sich für den Mindestlohn in Bangladesch einzusetzen. Der Discounter Kik, der wegen skandalöser Arbeitsbedingungen in seinen Fabriken schon mehrfach in die Kritik geriet, teilte auf Anfrage mit, dass er seine Lieferanten in Bangladesch dazu auffordere, „seit dem 1. November die Lohnerhöhungen ausnahmslos umzusetzen. Dies gilt ebenso für Sublieferanten, mit denen unsere Partner vor Ort gegebenenfalls zusammenarbeiten.“ Zudem kontrolliere man vor Ort die Umsetzung.

Auch H & M erklärte, dass das Unternehmen in allen 20 Lieferländern die Einhaltung der Mindestlöhne selbst kontrolliere. „Falls Fabriken sich langfristig weigern, Mindestlöhne zu zahlen, können die Lieferverhältnisse auch beendet werden“, sagt ein Sprecher der schwedischen Bekleidungskette. Anfang des Jahres wandte sich H & M zudem gemeinsam mit anderen Ketten wie Tchibo und Gap an die Regierung des Landes mit der Forderung, den Mindestlohn anzuheben und regelmäßig an die veränderten Lebenskosten anzupassen. Von den aktuellen Unruhen waren nach Unternehmensangaben vier H-&-M-Lieferanten betroffen, zwei Fabriken seien mittlerweile wieder geöffnet. Warum H & M nicht unabhängig vom Mindestlohn die Arbeiter besser bezahlt, begründet H & M damit, dass das zu schwer zu kontrollieren sei. „Die Fabriken arbeiten für viele verschiedene Unternehmen unter einem Dach“, erklärte der Sprecher. Das will die „Kampagne für Saubere Kleidung“ (CCC) nicht gelten lassen. „Wenn die Unternehmen wollten, könnten sie mehr zahlen und das auch vertraglich festlegen“, sagt Gisela Burckhardt von der CCC. Dass das nicht zu kontrollieren sei, hält Burckhardt für eine Ausrede. „Die Einkäufer drücken noch immer die Preise.“

Die Lohnerhöhung, für die die Arbeiter in Bangladesch gerade kämpfen, fällt nach Berechnungen des CCC immer noch viel zu gering aus. „Ein Lohn, mit dem eine vierköpfige Familie die Lebenshaltungskosten decken könnte, läge bei einer Wochenarbeitszeit von 48 Stunden bei 10 000 Taka, umgerechnet 100 Euro im Monat“, sagt Burckhardt. Die Gewerkschaften in Bangladesch hatten in ihren Verhandlungen 5000 Taka gefordert.

Die niedrigen Löhne sind nach Meinung vieler Hilfsorganisationen aber nur eines von viele Problemen in der Textilindustrie. Die Arbeiter, meist Frauen, müssen teils bis zu 100 Stunden pro Woche arbeiten und bekommen häufig im Krankheitsfall keinen Lohn. „Die Situation ist dramatisch“, sagt Burckhardt.
http://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/aufstand-der-weber/3621938.html

Kuddel

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Verhaftung der Gewerkschaftsführerin Mushrefa Mishu
« Antwort #29 am: 13:31:10 Do. 16.Dezember 2010 »
Zitat
Wie ihr sicherlich wisst, ist in den vergangenen Tagen die Polizei in Bangladesh gewaltsam gegen Proteste von Textilarbeiterinnen vorgegangen, die die Umsetzung des erhöhten Mindestlohns fordern. Dabei wurden drei Menschen getötet und Hunderte verletzt. Die Gewerkschaftsführerin Mushrefa Mishu wurde vorgestern von zivilen Polizisten von zu Hause abgeführt, obwohl kein Haftbefehl gegen sie vorlag. Gegen Mushrefa Mishu, Präsidentin der Textilarbeiterinnengewerkschaft GWUF (Garment Workers' Unity Forum), wurden bereits im letzten Jahr zahlreiche missbräuchliche Klagen eingereicht, im Juli 2010 musste sie zeitweise untertauchen, als sie während der Arbeiterinnenproteste von Polizei und Geheimdienst gesucht wurde und Morddrohungen erhielt. Es ist dringend, dass wir uns für die Freilassung von Mushrefa Mishu einsetzen. Ich schicke euch anbei einen Musterprotestbrief an die Botschaft von Bangladesh auf deutsch und englisch. Könntet ihr die Info zur Verhaftung und einen Aufruf für Protestbriefe über euer Netzwerk zirkulieren lassen?...
Mail an die Redaktion des LabourNet Germany vom 15.12.2010.

Siehe dazu: http://www.labournet.de/internationales/bd/protestbrief_dez2010.pdf