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1€ Jobs vs. Ehrenamt

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brettermeier:
Hab neulich in meiner Lokalzeitung einen Artikel gelesen, wo es um die Thematik 1€ Jobs und Ehrenamt ging.

Ging so in die Richtung, dass zumehmend 1€ Jobber auch für Tätigkeiten eingesetzt werden, die bislang ehrenamtlich wahrgenommen wurden und die Ehrenamtler jetzt natürlich ein Problem damit haben, dass die 1€ Kräfte Geld für Tätigkeiten erhalten, für die die Ehrenamtler nix bekommen.

Nun denke ich einfach mal, vielleicht wäre es gar nicht so schlecht, zumindestens teilweise die Ehrenamtler durch 1€ Kräfte zu ersetzen (oder auch Ehrenamtler zu 1€ Jobbern zu machen), oder ?

Spricht irgendwas grundsätzlich dagegen ?

All die vielen Ehrenamtler hierzulande machen fast alle Jobs, die sozial/gesellschaftlich sinnvoll sind (Suppenküchen, Drogenberatungen, Behindertenhilfe, Schuldnerberatung, usw...), für all diese Tätigkeiten ist kein Geld vorhanden, diese in normale Vollzeitjobs umzuwandeln.

Also wäre es doch (wenn es schonmal 1€ Jobs gibt, die sich wohl so leicht nicht wieder abschaffen lassen) sinnvoll, diese 1€ Jobs hauptsächlich in Bereichen zu schaffen, wo bislang ehrenamtlich gearbeitet wird, oder ?

Das würde auch den Trend etwas abmildern, dass zunehmend normale sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze schleichend durch 1€ Jobs vernichtet werden.

Es müsste halt nur eine Lösung für die derzeitig ehrenamtlich tätigen gefunden werden, die nicht benachteiligt werden sollten.

Auch für die 1€ Jobber selbst wäre es sicher nicht übel, in gesellschaftlich wichtigen Bereichen eingesetzt zu werden, bzw. sozial sinnvolle Tätigkeiten auszuführen, für die bislang kein Geld da war, anstatt den Job als Strafaktion (Laubfegen, Mülleimer leeren, etc.) zu erleben...

Kuddel:
Brettermeier,
Du bist doch nicht völlig blöd!
Aber warum machst Du Dir immer Gedanken darüber eine Schweinerei (wie Zeitarbeit, 1 € Job) zu verbessern, statt sie abzuschaffen?

Ebenso wie Folter und Todesstrafe indiskutabel sind (und man nicht darüber reden braucht wie man diese humaner gestaltet), sind die oben genannten entwürdigenden Arbeitsverhältnisse abzuschaffen und nicht zu verbessern!

Wenn jemand genug Zeit und Kraft irgendwas gutes zu tun, dann kann er das tun. Will man jemanden dazu zwingen, dann darf man diese Arbeit nicht symbolisch honorieren, sondern es bedarf dann einer echten Bezahlung.

Und komm´jetzt nicht mit dem Argument, es wäre kein Geld da. Produktivität und Profite sind ständig gestiegen, es wird mehr Reichtum erwirtschaftet als in den 70er oder 80er Jahren, in denen genug da war für soziale Projekte. Nur weil das Geld in den Taschen der Reichen verschwunden ist, muß man noch lange nicht die Politik unterstützen die Armen zu unter- oder unbezahlter Arbeit zu zwingen!

brettermeier:

--- Zitat ---Original von Kuddel
Brettermeier,
Du bist doch nicht völlig blöd!
Aber warum machst Du Dir immer Gedanken darüber eine Schweinerei (wie Zeitarbeit, 1 € Job) zu verbessern, statt sie abzuschaffen?

Ebenso wie Folter und Todesstrafe indiskutabel sind (und man nicht darüber reden braucht wie man diese humaner gestaltet), sind die oben genannten entwürdigenden Arbeitsverhältnisse abzuschaffen und nicht zu verbessern!

Wenn jemand genug Zeit und Kraft irgendwas gutes zu tun, dann kann er das tun. Will man jemanden dazu zwingen, dann darf man diese Arbeit nicht symbolisch honorieren, sondern es bedarf dann einer echten Bezahlung.

Und komm´jetzt nicht mit dem Argument, es wäre kein Geld da. Produktivität und Profite sind ständig gestiegen, es wird mehr Reichtum erwirtschaftet als in den 70er oder 80er Jahren, in denen genug da war für soziale Projekte. Nur weil das Geld in den Taschen der Reichen verschwunden ist, muß man noch lange nicht die Politik unterstützen die Armen zu unter- oder unbezahlter Arbeit zu zwingen!
--- Ende Zitat ---

Also bzgl. Zeitarbeit denke ich, dass es keine Chance gibt, sie abzuschaffen, da Zeitarbeit mit Globalisierung einhergeht und ein weltweiter Trend ist, den Du ebensowenig abschaffen kannst, wie damals die Industrialisierung oder die Globalisierung selbst.

Zeitarbeit ist IM PRINZIP auch nichts schlimmes, es müsste halt auch in Deutschland dafür gesorgt werden, dass es equal-pay gibt, durch equal-pay würde Zeitarbeit einen ganz anderen Stellenwert bekommen und viele Kritikpunkte wegfallen.

Ansonsten muss ich Dir leider DOCH mit dem 'kein-Geld-Argument' kommen.

Natürlich sind Produktivität und Profite stark gestiegen, allerdings nur in der Privatwirtschaft/bei den Konzernen.

Träger sozialer Projekte sind aber zu 99 Prozent der Staat, die Kirchen oder private Hilfsorganisationen und Vereine.

Bei DENEN ist nix gestiegen, der Staat ist megapleite, die Kirchen verlieren immer mehr Mitglieder/haben immer weniger Geld und die Hilfsorganisationen und kleine Vereine schwimmen ganz sicher auch nicht gerade in Geld.

Nach Deiner Argumentation müsstest Du einen Weg finden, dass sich die tatsächlich reichen Konzerne erheblich stärker in Deutschland sozial engagieren, was aber ein schweres Unterfangen und wohl auch ein langer Weg sein dürfte.

Soziale Dinge/Hilfen sind aber jetzt und sofort nötig und ich sehe rein pragmatisch die Dinge, die unter den gegebenen Umständen schnell und relativ problemlos machbar wären.

Von 'weitergehenden Visionen' habe ich mich grösstenteils verabschiedet, bzw. 'lasse die parallel laufen', da mich die bisherige Lebenserfahrung immer wieder gelehrt hat (manchmal auch schmerzlich), dass radikale Dinge/Veränderungen eigentlich nie 1 zu 1 durchsetzbar sind, und schon gar nicht schnell, sowas braucht immer sehr sehr lange, dauert mitunter Generationen und geht oft auch gar nicht.

Für 'schnelle Hilfe'/Lösungen muss man Abstriche machen und Kompromisse eingehen, 'das Beste aus den Gegebenheiten machen' und das ist es, was ich tue/versuche...

ManOfConstantSorrow:
Ehrenamtliches Engagement wird hierzulande systematisch gefördert, denn kostenlose Arbeit ist unverzichtbar.

Billig und willig.

Kater:
aktuell dazu kommt heute abend beim ZDF eine Dokumentation


--- Zitat ---Dienstag, den 18.07.2006
22.15 - 22.45  
 
  37º  
 
  Ehrenamt -   Engagement von Millionen  
 
  Dokumentationsreihe, Deutschland, 2006    
 
Mehr als 23 Millionen Menschen engagieren sich in Deutschland ehrenamtlich. In Sportvereinen, Bürgerinitiativen, Selbsthilfegruppen, im Rettungsdienst, Katastrophenschutz, in der Pflege - all das freiwillig und ohne Lohn. Ohne sie wären die anfallenden sozialen Aufgaben nicht mehr zu bewältigen. 37° fragt, warum sie das tun, woher sie die Zeit nehmen und was sie dabei geben.

Elisabeth Kreuz ist eine von ihnen. Seit 31 Jahren malt und bastelt die Kunsttherapeutin mit ihrer Gruppe von Multiple-Sklerose-Kranken im bayerischen Herrsching am Ammersee. Ihr Haus erinnert an ein Macke'sches Stilleben: Ein blühender, wilder Garten, aus dem die großen Stein- und Holzskulpturen aufragen, die sie und ihr inzwischen verstorbener Mann, ein Bildhauer, geschaffen haben. Eine Umgebung, die kreativ macht: "Zuerst trafen wir uns in einer Kammer in einer sozialen Einrichtung im benachbarten Tutzing", erzählt Elisabeth Kreuz, "aber dort war es so karg, dass ich die Gruppe jetzt einfach zu mir nach Hause geholt habe". In ihrem Wohnzimmer malen nun jeden Montag die behinderten Damen und Herren, und manchmal backt sie ihnen Kuchen. Elisabeth Kreuz ist 83 Jahre alt.

Yvonne Ellenberg ist 34. Ihr Gesicht ist voller Lachfältchen, doch heute ist sie sauer: Seit über acht Jahren trainiert sie ehrenamtlich die Mädchen-Handball-Mannschaft im thüringischen Ruhla, und in zwei Tagen stehen ihre 15- bis 17-jährigen Mädchen im Spiel um die thüringische Landesmeisterschaft. Soweit sind sie noch nie gekommen, doch jetzt, wo es soweit ist, sieht es so aus, als müssten sie in Unterzahl spielen. Eine Spielerin hat Grippe, eine andere Angina, eine dritte hat sich vor zwei Tagen einen Leberfleck wegoperieren lassen, ausgerechnet von ihrem Wurf-Arm. Yvonne Ellenberg findet das nicht so lustig, denn die Mannschaft aus Gera, gegen die sie antreten müssen, ist ohnedies rein körperlich überlegen. Eine Standpauke hagelt es und ein hartes Training für die fünf gesunden Spielerinnen. "Es geht ums Gewinnen, aber auch um Disziplin", sagt Yvonne Ellenberg und für manche der Mädchen bedeutet der Sport noch sehr viel mehr.

Wolfgang Gruben ist Vormann bei der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger. Er fährt aus, wenn auf einer der Halligen Not am Mann ist oder wenn es vor der Küste ein Unglück gegeben hat. Seemann war er lange und Kapitän auf größeren Schiffen, jetzt führt er ein neuneinhalb Meter langes Seenotrettungsboot mit zwei Mann Besatzung. Wenig Worte macht er um seine Arbeit, und doch haben er und die anderen Freiwilligen der DGzRS schon manches Mal ihr Leben aufs Spiel gesetzt.

37 Grad begleitet drei Ehrenamtliche, erzählt Geschichten von Engagement und Idealismus. Möglicherweise sind es auch Geschichten einer neuen Entwicklung in Deutschland: Forscher sprechen vom Trend zu mehr Sorge und Verantwortung für andere Menschen, der seit Ende der 90er zu beobachten sei, - und vom Abschied von der "Ich-Gesellschaft". Für diejenigen, die sich engagieren, bedeutet ihr Einsatz intensive, aufreibende und bereichernde Erlebnisse, die dieser Film zeigt.

Länge: 30 min

Regie: Ulrich Hansen
 
--- Ende Zitat ---

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