Autor Thema: Daimler: Milliarden-Gewinn, keine Gewerbesteuern und Arbeitsplatzabbau  (Gelesen 22075 mal)

Rappelkistenrebell

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Re:Daimler: Milliarden-Gewinn, keine Gewerbesteuern und Arbeitsplatzabbau
« Antwort #30 am: 18:23:35 So. 27.Dezember 2015 »
Kapital rein und von Daimler gemaßregelte Kolleginnen und Kollegen raus!

So lässt sich der Vor­gang kenn­zeich­nen, für den der IGM-Vor­stand ver­ant­wort­lich ist und der sich auf dem Ge­werk­schafts­tag der IGM in Frank­furt am Main am 23. Ok­to­ber 2015 er­eig­net hat. Während der IGM-Vor­stand (Wet­zel) be­reits bei der Eröff­nung des Ge­werk­schafts­ta­ges die Ge­werk­schafts­fein­de, die Ver­tre­ter der Ka­pi­ta­lis­ten­verbände, wie Ge­samt­me­tall, Stahl so­wie BDA und im wei­te­ren Ver­lauf die Präsi­den­ten von Ge­samt­me­tall, Rai­ner Dul­ger und Ingo Kra­mer, Präsi­dent vom Bun­des­ver­band Deut­scher Ar­beit­ge­ber BDA, un­ter Bei­fall begrüßte, hat er der De­le­ga­ti­on der vom Daim­ler-Ka­pi­tal in Bre­men we­gen ih­res Streiks ab­ge­mahn­ten 761 Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen den Zu­tritt ver­wei­gert. Ih­ren Wunsch, dem Ge­werk­schafts­tag ihre Aus­ein­an­der­set­zung mit dem Daim­ler-Ka­pi­tal zu schil­dern, ließ er durch sei­nen Büro­lei­ter Mi­cha­el Less­mann wie folgt be­ant­wor­ten: „Lie­ber Kol­le­ge Hei­ne, Dei­nem bzw. Eu­rem Wunsch auf dem Ge­werk­schafts­tag zu den De­le­gier­ten spre­chen zu können, wer­den wir nicht nach­kom­men. Wie Dir be­kannt sein soll­te, be­ra­ten und ent­schei­den die De­le­gier­ten über die Pro­gram­ma­tik und die Schwer­punkt­set­zung der IG Me­tall über die nächs­ten vier Jah­re. Dazu zählt Euer An­lie­gen nicht. Vor­sorg­lich möchte ich Dich dar­auf hin­wei­sen, dass aus­sch­ließlich ge­la­de­nen Gästen Zu­tritt gewährt wird. Wir bit­ten Dich, Dei­ne Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen darüber zu in­for­mie­ren, da­mit sie nicht ver­geb­lich ihre Rei­se nach Frank­furt an­tre­ten.“

Trotz ih­rer Aus­la­dung ha­ben die Bre­mer Daim­ler Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen am 23. Ok­to­ber 2015 im Ein­gangs­be­reich zum Ge­werk­schafts­tag mit der auf Trans­pa­ren­ten er­ho­be­nen For­de­rung nach ei­nem Ver­bot von Leih­ar­beit und Werk­verträgen so­wie der Fest­stel­lung, dass es bei ih­rer Aus­ein­an­der­set­zung mit dem Daim­ler-Ka­pi­tal ums Streik­recht für alle geht, de­mons­triert. Bei die­ser Ak­ti­on wur­den die De­le­gier­ten darüber auf­geklärt, dass die Bre­mer IGM-Ver­wal­tungs­stel­le, un­terstützt vom IGM-Vor­stand, be­reits seit Mo­na­ten 32 IGM-Mit­glie­dern, die vor dem Bre­mer Ar­beits­ge­richt ge­gen ihre Ab­mah­nung kla­gen, den Rechts­schutz mit der Begründung ver­wei­gert: Die IG Me­tall un­terstütze kei­nen Streik, zu dem sie nicht selbst auf­ge­ru­fen habe. Die­se Aus­sa­ge hat der Bre­mer IGM-Be­vollmäch­tig­te Stah­mann am 23.10. bekräftigt, in­dem er den Ge­werk­schafts­tag als Po­di­um ge­nutzt hat, um sich er­neut ge­gen den Streik und ge­gen die Gewährung von Rechts­schutz für die Ab­ge­mahn­ten aus­zu­sprech­en und zu ih­rer ge­gen die Ab­mah­nun­gen ge­rich­te­ten Kla­ge fest­zu­stel­len hat: „Aber auch po­li­tisch ha­ben wir als Orts­vor­stand in Bre­men mit die­ser Kla­ge ein Pro­blem. Denn im Ge­gen­satz zu un­se­rem An­trag 2.076 for­dert die Kla­ge ein Streik­recht, ein er­wei­ter­tes Streik­recht ohne Auf­ruf von Ge­werk­schaf­ten. Oder um es ein­mal mit den Wor­ten ei­nes Ver­trau­ens­man­nes der Voll­ver­samm­lung von Daim­ler zu sa­gen: Wenn die Ver­trau­ens­leute­voll­ver­samm­lung sagt, das passt uns nicht, und ei­nen Streik be­sch­ließt, dann soll das möglich sein. In der Tat un­terstützen wir eine sol­che Her­an­ge­hens­wei­se nicht. Wir un­terstützen die Um­set­zung der So­zi­al­char­ta, weil auch da das Streik­recht we­sent­lich wei­ter ge­fasst ist, als das, was wir zur­zeit in der Bun­des­re­pu­blik ha­ben. Wir ha­ben ja heu­te schon mehr­fach über das Streik­recht ge­spro­chen.“
Das „Arbeitskampfrecht“ in der BRD

Ganz of­fen­sicht­lich hat der Ge­werk­schafts­tag zu we­nig bzw. gar nicht darüber ge­spro­chen, was in der BRD als „Streik­recht“ gilt. Das wäre not­wen­dig ge­we­sen, um mit et­was Aufklärung den all­ge­mei­nen Wis­sens­stand darüber an­zu­he­ben. Viel­leicht wäre dann doch noch je­mand dar­auf ge­kom­men, dass es sich hier­bei aus­sch­ließlich um Richter­recht und im Ge­gen­satz dazu nicht um ein aus­drück­lich ge­setz­lich ge­re­gel­tes Streik­recht han­delt, auch wenn das mit Hin­weis auf Art. 9 des Grund­ge­set­zes im­mer wie­der als Grund- und Streik­recht re­kla­miert wird. Nur zur Er­in­ne­rung, die BRD-Ar­beits­rich­ter ha­ben un­ge­hin­dert von lästi­gen Ver­fas­sungs- und/​oder an­de­ren Ge­set­zes­vor­schrif­ten nach „all­ge­mei­nen Grundsätzen“ das „Ar­beits­kampf­recht“ ent­wi­ckelt. Da­bei ha­ben sie auf der Grund­la­ge von rich­ter­li­chen Nor­men und durch Ur­tei­le als „Streik­recht“ fest­ge­legt, wo­mit Ka­pi­tal und Re­gie­rung gut le­ben können. Dazu gehört die Über­prüfung, ob Streiks und ihre Be­tei­li­gung dar­an über­haupt „rechtmäßig“ sind. Um die­se „Rechtmäßig­keit“ zu erfüllen, „muss nach Auf­fas­sung des Bun­des­ar­beits­ge­rich­tes der Streik von der Ge­werk­schaft ge­tra­gen oder zu­min­dest nachträglich von ihr über­nom­men wer­den.” (BAG, AP Nr. 32 zu Art. 9 GG Ar­beits­kampf)

Grund:Die Ar­beits­nie­der­le­gung sei eine gefähr­li­che Waf­fe und könne des­halb nur In­stan­zen an­ver­traut wer­den, die sich die­ses Mit­tels in ver­ant­wort­li­cher Wei­se be­die­nen. Auch muss die Ge­werk­schaft nach ih­rer Sat­zung für den in Fra­ge ste­hen­den Be­trieb zuständig sein.“ (Ar­beits­recht, S. 61, Rd. 139 Wolf­gang Däubler, Bund-Ver­lag 2002)

Hin­zu kommt, dass die BRD-Ar­beits­rich­ter in ih­rem Wust von Ur­tei­len den Ge­werk­schaf­ten nur ein Streik­recht zur Durch­set­zung ta­rif­li­cher Zie­le zu­ge­ste­hen. Die­se Recht­spre­chung fällt weit hin­ter das zurück, was in der Wei­ma­rer Re­pu­blik galt. Auch ein nicht von der Ge­werk­schaft ge­tra­ge­ner Streik war rechtmäßig, wenn be­ste­hen­de Kündi­gungs­fris­ten ein­ge­hal­ten wur­den. Das gilt ähn­lich für das nach Ar­ti­kel 6 Zif­fer 4 der Eu­ropäischen So­zi­al­char­ta (ESC) ge­re­gel­te Streik­recht. Da­durch wird in all­ge­mei­ner Form das „Recht der Ar­beit­neh­mer ... auf kol­lek­ti­ve Maßnah­men ein­sch­ließlich des Streik­rechts im Fal­le von In­ter­es­sen­kon­flik­ten ...“ ga­ran­tiert. Der Sach­verständi­gen­aus­schuss des Eu­ro­pa­rats, der die Ein­hal­tung der So­zi­al­char­ta zu über­wa­chen hat, lei­tet dar­aus die Zulässig­keit von So­li­da­ritäts- und von Ge­werk­schaf­ten nicht ge­tra­ge­ner Streiks ab. 1998 wur­de die Bun­des­re­pu­blik vom Mi­nis­ter­ko­mi­tee des Eu­ro­pa­rats auf­ge­for­dert, ihr „Ar­beits­kampf­recht“ zu ändern, weil die BAG-Ur­tei­le zum Streik ein Ver­s­toß ge­gen die Streik­be­stim­mun­gen der ESC sind. Wenn die IGM-Ver­wal­tungs­stel­le Bre­men, wie oben vom Be­vollmäch­tig­ten fest­ge­stellt, für die Um­set­zung der ESC ein­tritt, dann müssen ihre Mit­glie­der – und wahr­schein­lich nicht nur sie – ihre „po­li­ti­schen Pro­ble­me“, die sie of­fen­sicht­lich mit den ei­ge­nen For­de­run­gen ha­ben, klären. Denn dann gilt, was Be­vollmäch­tig­ter Stah­mann oben als Fra­ge ei­nes Ver­trau­ens­man­nes for­mu­liert hat und was er und der IGM-Orts­vor­stand als „Her­an­ge­hens­wei­se“ nicht un­terstützen wol­len. Die Voll­ver­samm­lung der Ver­trau­ens­leu­te, aber auch die Be­leg­schaft kann im Fall ei­nes „In­ter­es­sen­kon­flikts“ mit dem Ka­pi­tal, ohne die zuständi­ge Ge­werk­schaft fra­gen oder auf ihr Kom­man­do war­ten zu müssen, zum Streik auf­ru­fen. Die Ba­sis dafür ist Ar­ti­kel 6 Ziff. 4 der ESC, die Rechts­grund­la­ge, auf der nicht nur un­se­re französi­schen Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen in Eu­ro­pa zum Streik und auch zum Mas­sen- und Ge­ne­ral­streik auf­ru­fen. Und da­bei gilt eben­so, für die Wahr­neh­mung ei­nes Rechts, kann bzw., wie im Fall der Daim­ler Kol­le­gen, darf nicht ab­ge­mahnt wer­den. Die 32 ge­gen ihre Ab­mah­nung kla­gen­den Bre­mer Daim­ler Kol­le­gen ha­ben vier Anwälte mit ih­rer Rechts­ver­tre­tung be­auf­tragt, weil die IGM-Führung ih­nen Rechts­schutz ver­wei­gert. Da­bei ha­ben die Anwälte an­gekündigt, dafür nöti­gen­falls bis zum Eu­ropäischen Ge­richts­hof zu ge­hen, um die Ab­mah­nun­gen als Ver­s­toß ge­gen Ar­ti­kel 6 Zif­fer 4 der ESC als rechts­ungültig – als Vor­stu­fe zur Ent­las­sung – aus der Welt zu schaf­fen. Da­mit über­neh­men pri­va­te Anwälte den Ver­such, die An­er­ken­nung der ESC in der BRD auf ju­ris­ti­schem Wege durch­zu­set­zen. Was dem Ge­werk­schafts­tag dazu ein­ge­fal­len ist, kann dafür kei­ne Un­terstützung sein. Da­bei wur­den aus zwei zum Streik­recht vor­lie­gen­den Anträgen der aus Aa­chen als Be­schluss­vor­la­ge her­an­ge­zo­gen und der oben erwähnte Bre­mer An­trag durch den fol­gen­den Be­schluss als er­le­digt erklärt: „Die IG Me­tall setzt sich für ein um­fas­sen­des Streik­recht gemäß Ar­ti­kel 6 Abs. 4 der Eu­ropäischen Men­schen­rechts- und So­zi­al­char­ta auf der Ba­sis des ILO-Übe­r­ein­kom­mens ein.“

Von die­sem Be­kennt­nis wer­den sich wie bis­her we­der die Re­gie­rung noch die Rich­ter am Lan­des- oder Bun­des­ar­beits­ge­richt be­ein­dru­cken las­sen. Das geht nur, in­dem die Ge­werk­schaf­ten ih­rer Auf­ga­be nach­kom­men und die Re­ge­lung des Streik­rechts durch „kol­lek­ti­ve Maßnah­men ein­sch­ließlich des Streiks“ sel­ber in die Hände neh­men und die ESC, die Eu­ropäische So­zi­al­char­ta kampf­wei­se in der BRD durch­set­zen.

Lud­wig Jost

Quelle

http://kaz-online.de/artikel/kapital-rein-und-von-daimler-gemassregelte-kolleginnen-und-kollegen-raus

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Re:Daimler: Milliarden-Gewinn, keine Gewerbesteuern und Arbeitsplatzabbau
« Antwort #31 am: 18:16:42 Mi. 17.Februar 2016 »
Daimler Bremen: Lehrstück in Klassenjustiz

Ein Blick in den brechend vollen Gerichtssaal (rf-foto)

Bremen (Korrespondenz), 17.02.16: Am 16. Februar fand vor dem Arbeitsgericht Bremen die Hauptverhandlung gegen die 761 Abmahnungen bei Daimler Bremen statt. Mit den 15 anwesenden Klägern hatten sich etwa 100 Kolleginnen und Kollegen vor dem Gerichtsgebäude versammelt. Darunter auch Kollegen aus Hamburg, Wörth und Kassel. Dazu wurden zahlreiche Solidaritätserklärungen aus aller Welt verlesen. In vielen wurde hervorgehoben, dass der mutige Kampf der 1.000 Nachtschichtkollegen im Dezember 2014 gegen Fremdvergabe, Leiharbeit, Werkverträge und grenzenlose Samstagsarbeit ein Kampf für alle Arbeiterinnen und Arbeiter ist - und erst Recht jetzt der Kampf für ein Streikrecht!

Wer meinte, im Gerichtsaal werde Recht gesprochen, sah sich bald bitter enttäuscht. Die junge Vorsitzende Richterin – außer Schule und Studium hat sie wohl noch nicht so viel erlebt – ließ von Anfang an keinen Zweifel aufkommen, auf wessen Seite sie steht: Sie lehne es ab, darüber zu entscheiden, ob das "zugegebenermaßen sehr restriktive deutsche Streikrecht" im Gegensatz zu Artikel 6 Absatz 4 der Europäischen Sozialcharta und den Menschenrechten stehe. Die Richterin: Ihr fehle bei den Streikenden eine "kollektive Verhandlungsführung" – so sei das nur eine "undefinierbare Masse" gewesen. Welch ein Hohn!

Als die Richterin nach einer halben Stunde Pause dann das Urteil verkündete: Die Klagen werden zurückgewiesen – die Kosten tragen die Kläger – Streitwert 63.000 Euro - gab es laute Pfuirufe, "Klassenjustiz", "Schandurteil" ...

Bei der anschließenden Pressekonferenz wurde über den Prozess diskutiert und beraten, wie es weiter geht. In allen Beiträgen wurde hervorgehoben, dass der Kampf damit nicht zu Ende ist und sowohl gerichtlich bis in die letzte Instanz gegangen, als auch durch Aktivitäten im Betrieb der Kampf weiter geführt wird.

Quelle

https://www.rf-news.de/2016/kw7/daimler-bremen-lehrstueck-in-klassenjustiz
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Re:Daimler: Milliarden-Gewinn, keine Gewerbesteuern und Arbeitsplatzabbau
« Antwort #32 am: 18:00:40 Fr. 01.April 2016 »
Wichtiger Punktsieg: Alle Abmahnungen bei Daimler in Bremen sind vom Tisch!


Arbeiter/-innen aus Sindelfingen solidarisch mit ihren Bremer Kollegen (rf-foto)

Bremen (Korrespondenz), 01.04.16: Alle 761 Abmahnungen, die Daimler im Dezember 2014 wegen des selbständigen Streiks der Nachtschicht ausgesprochen hatte, sind vom Tisch. Das ist ein Sieg der kämpferischen Belegschaft und der wachsenden bundesweiten und internationalen Solidarität.

Die Abmahnungen werden - trotz eines Skandalurteils des Arbeitsgerichts Bremen pro Daimler (siehe "rf-news" vom 17.02.16) - vorfristig nach 15 Monaten (statt nach möglichen 24 Monaten) aus den Personalakten gestrichen. Die interne Begründung des Personalchefs Niederhausen im Schreiben an seine Führungskräfte ist eine Bankrotterklärung und gleichzeitig eine Süßholz raspelnde Herausforderung: "Da wir als Unternehmungsleitung das Bedauern der großen Mehrheit der betroffenen Mitarbeiter wahrnehmen, möchten wir ein klares Zeichen des Vertrauensvorschußes setzen ...2016 und 2017 stehen im Zeichen von vielen Neuanläufen und hohen Stückzahlen. Daher wollen wir dazu beitragen, dass sich jede und jeder mit klarem Kopf und unbelastet auf die vor uns liegenden Aufgaben konzentrieren kann. Wir halten dies vor dem Hintergrund der aktuellen Herausforderungen im Werk für den richtigen Schritt."

Der Konzernvorstand hofft, mit diesem Zugeständnis die weitere Auslagerung von Stamm-Arbeitsplätzen, die Steigerung der Arbeitshetze, die Ausdehnung der Wochenendarbeit und andere Verschärfungen der Ausbeutung ohne massenhaften Widerstand über die Bühne ziehen zu können. Ob daraus etwas wird, ist allerdings sehr fraglich. Denn dieser Erfolg macht Mut und stärkt das Selbstbewusstsein der Kollegen. Und die Denkweise "wir können eh nichts reißen gegen die da oben" verliert an Wirkung!

Dieser einmalige politische Rückzug wurde in der Chefetage des Konzerns getroffen. Er ist auch im Interesse der deutschen Monopole und der Bundesregierung, die verhindern wollen, dass sich der Kampf um eine vollständiges und allseitiges gesetzliches Streikrecht ausweitet. Deshalb ist dieser Sieg ein kräftiger Ansporn, sich das Streikrecht zu nehmen und es politisch zu erkämpfen.

Quelle

https://www.rf-news.de/2016/kw13/wichtiger-punktsieg-alle-abmahnungen-bei-daimler-in-bremen-sind-vom-tisch

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dagobert

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Re:Daimler: Milliarden-Gewinn, keine Gewerbesteuern und Arbeitsplatzabbau
« Antwort #33 am: 18:07:46 Fr. 01.April 2016 »
Wichtiger Punktsieg: Alle Abmahnungen bei Daimler in Bremen sind vom Tisch!
Gratuliere!  :)

Kuddel

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Re:Daimler: Milliarden-Gewinn, keine Gewerbesteuern und Arbeitsplatzabbau
« Antwort #34 am: 18:24:49 Fr. 01.April 2016 »
Hätt' ich nicht erwartet.
Glückwunsch auch von mir.

Rappelkistenrebell

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Re:Daimler: Milliarden-Gewinn, keine Gewerbesteuern und Arbeitsplatzabbau
« Antwort #35 am: 19:39:15 Fr. 15.Juli 2016 »
Daimler Benz Bremen – 761 Abmahnungen aus der Personalakte genommen
Nicht Gnadenakt Daimlers, sondern Teilsieg der Kollegen

Wie wir be­reits in der KAZ 354 be­rich­tet ha­ben, hat das Bre­mer Ar­beits­ge­richt am 16. Fe­bru­ar 2016 ent­schie­den: Die we­gen Streik­teil­nah­me er­folg­ten Ab­mah­nun­gen des Daim­ler Ka­pi­tals sind ge­recht­fer­tigt und rechts­wirk­sam und die von 32 Be­leg­schafts­an­gehöri­gen da­ge­gen ge­rich­te­ten Kla­gen wer­den ab­ge­wie­sen. Im März, of­fen­sicht­lich in der Os­ter­wo­che, hat die Fir­men­lei­tung auf „gut Wet­ter“ ge­setzt und die Ab­mah­nun­gen aus den Per­so­nal­ak­ten ent­fernt. Im ent­spre­chen­den Schrei­ben an die Ab­ge­mahn­ten wird u. a. erklärt: „Da wir als Un­ter­neh­mens­lei­tung das Be­dau­ern der großen Mehr­heit der be­trof­fe­nen Mit­ar­bei­ter wahr­neh­men, möch­ten wir ein kla­res Zei­chen des Ver­trau­ens­vor­schus­ses set­zen…“ und wei­ter: „2016 und 2017 ste­hen im Zei­chen von vie­len Neu­anfängen und ho­hen Stück­zah­len. Da­her wol­len wir dazu bei­tra­gen, dass Sie sich mit kla­rem Kopf und un­be­las­tet auf die vor uns lie­gen­den Auf­ga­ben kon­zen­trie­ren können.“

Die Spre­cher der Kläger ha­ben zur Zurück­nah­me der Ab­mah­nun­gen in ei­ner Mit­tei­lung vom 1. April 2016 erklärt: „Mer­ce­des Bre­men nimmt die 761 Ab­mah­nun­gen aus der Per­so­nal­ak­te – Nicht Gna­den­akt Daim­lers, son­dern Teil­sieg der Kol­le­gen. Un­mit­tel­bar vor dem Os­ter­wo­chen­en­de hat Daim­ler zu­erst mit ei­nem Brief an die Führungs­kräfte, später dann per Post die 761 we­gen des Streiks ge­gen Fremd­ver­ga­be (De­zem­ber 2014) ab­ge­mahn­ten Ar­bei­ter da­von un­ter­rich­tet, dass die Ab­mah­nung nun – nach 15 Mo­na­ten vor­zei­tig aus der Per­so­nal­ak­te ent­fernt wer­de.

Die 4 Spre­cher der Kläger, die nicht nur ge­gen die Ab­mah­nun­gen, son­dern vor al­lem für das Streik­recht vor Ge­richt ge­gan­gen sind, stel­len dazu fest: Die vor­zei­ti­ge Her­aus­nah­me der Ab­mah­nung aus der Per­so­nal­ak­te ist ein Teil­sieg un­se­res Kamp­fes, der mit viel öffent­li­chem In­ter­es­se (Zei­tun­gen, Funk und Fern­se­hen, so­wie Ge­werk­schaf­ten und Persönlich­kei­ten im In- und Aus­land) be­glei­tet war und ist. Es han­delt sich hier nicht um ei­nen Gna­den­akt der Werk­lei­tung. Es ist auch nicht so, dass der Per­so­nal­chef plötz­lich sein Herz für die Ar­bei­ter ent­deckt hat. Das Un­ter­neh­men braucht die Fried­hofs­ru­he, um un­gestört wei­te­re An­grif­fe, wie Fremd­ver­ga­ben, ge­gen uns durch­zie­hen zu können. Wenn man das Ver­bre­chen Leih­ar­beit wei­ter aus­baut, statt es ab­zu­schaf­fen, kann man dazu kei­ne kri­ti­sche Öffent­lich­keit und schon gar kei­ne kri­ti­schen Kol­le­gen brau­chen. Die vor­zei­ti­ge Her­aus­nah­me der Ab­mah­nun­gen ist der schwa­che Ver­such des Un­ter­neh­mens, ei­nen Schluss­strich zu zie­hen und vor al­lem sich um die Klärung un­se­rer Fra­ge nach dem Streik­recht in Deutsch­land her­um zu mo­geln, also eine Klärung zu um­ge­hen. Es ist also kei­nes­falls ein Zei­chen der Stärke, son­dern, im Ge­gen­teil, ein Zei­chen der Schwäche, wenn der Per­so­nal­chef Herr Nie­der­hau­sen in sei­nem Schrei­ben an die Führungs­kräfte be­tont, dass dies ein Bei­trag sein soll, dass sich jede und je­der mit kla­rem Kopf und un­be­las­tet auf die vor uns lie­gen­den Auf­ga­ben kon­zen­trie­ren kann und pein­li­cher­wei­se sich ver­an­lasst sieht zu be­to­nen: ‚Die zeit­li­che Über­schnei­dung mit den ak­tu­ell mit dem Be­triebs­rat ver­ein­bar­ten Re­ge­lungs­umfängen ist da­bei rein zufällig.’ Ein Schelm, wer Böses da­bei denkt! Auch der Ver­such, die Nacht­schicht-Kol­le­gen zu spal­ten in eine große Mehr­heit, die an­geb­lich den Streik be­dau­ert und in eine klei­ne Grup­pe von nur 30 von 761 Kol­le­gen, die recht­lich ge­gen die Ab­mah­nung vor­ge­gan­gen sind, ist kin­disch. Denn ers­tens ha­ben rund 500 Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen Wi­der­spruch ge­gen ihre Ab­mah­nung ein­ge­legt und zwei­tens sitzt die große Mehr­heit der Be­daue­rer ver­mut­lich im Ma­nage­ment, ge­wiss nicht an den Bändern. Aus den ge­nann­ten Gründen und nach Rück­spra­che mit un­se­ren Anwälten sind wir der Auf­fas­sung, dass wir nicht auf hal­ber Stre­cke ste­hen blei­ben dürfen. Das sind wir uns und all’ de­nen, die uns ihre So­li­da­rität aus­ge­drückt ha­ben, schul­dig. Das sind wir auch schul­dig der Ar­bei­ter- und Ge­werk­schafts­be­we­gung, weil es um eine ih­rer exis­ten­zi­ells­ten Fra­gen geht: Das Recht auf Streik. Wir können in die­sem Kampf nicht ver­lie­ren; wir können nur ge­win­nen. Es ist un­ser Ver­dienst, dass sie die Ab­mah­nun­gen nun raus ge­nom­men ha­ben. Bre­men, 01. April 2016“
„Made in Bremen
Wir machen Solidarität erfahrbar
Ein starkes Team – eine starke Gewerkschaft“

Das wird den Le­sern auf der Web-Site der IGM-Geschäfts­stel­le Bre­men erklärt. Doch die hier an­ge­prie­se­ne „er­fahr­ba­re So­li­da­rität“ und „eine star­ke Ge­werk­schaft“ im Rücken gel­ten ganz of­fen­sicht­lich nur für die­je­ni­gen, die sich mit den Zie­len der IGM-Führung iden­ti­fi­zie­ren. Dazu zählen die we­gen Streik ab­ge­mahn­ten Daim­ler Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen of­fen­sicht­lich nicht. Sie ha­ben bei ih­rer Aus­ein­an­der­set­zung mit dem Daim­ler Ka­pi­tal und ih­ren Ar­beits­ge­richts­pro­zes­sen das ge­naue Ge­gen­teil die­ser So­li­da­rität er­fah­ren. Da­mit müssen sie auch beim Wei­ter­ma­chen ih­rer Anwälte im Kampf für „das Recht auf Streik“ rech­nen. Das be­weist die bis­he­ri­ge Vor­ge­schich­te mit den Erklärun­gen des Bre­mer Orts- und IGM-Vor­stan­des. Nur zur Er­in­ne­rung an die gan­zen Vorgänge und die Rol­le, die sie hier­bei ge­spielt ha­ben: Der „Stärks­te“ der „Star­ken“ aus dem Bre­mer „star­ken Team“, Be­vollmäch­tig­ter Stah­mann, ist den am Streik be­tei­lig­ten und des­we­gen gemaßre­gel­ten und von Kündi­gung be­droh­ten Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen ganz be­wusst in den Rücken ge­fal­len. Bei der Be­triebs­ver­samm­lung Ende 2014 hat er der Be­leg­schaft erklärt: Streik sei nicht das rich­ti­ge Mit­tel, um die Pro­ble­me zu lösen und er war­ne vor „französi­schen Verhält­nis­sen“. Und die IGM-Führung hat sein Ver­hal­ten mit der hartnäcki­gen Ver­wei­ge­rung des Rechts­schut­zes für die ge­gen die Ab­mah­nun­gen ein­ge­reich­ten 32 Kla­gen und der Fest­stel­lung ge­bil­ligt: „Die IG Me­tall un­terstützt kei­ne Streiks, zu wel­chen sie nicht sel­ber auf­ge­ru­fen hat“.
Das Recht auf Streik

In ei­ner Stel­lung­nah­me zu die­ser Aus­ein­an­der­set­zung ha­ben die Anwälte der Daim­ler-Kol­le­gen u. a. fest­ge­stellt: „Es geht dar­um, spon­ta­ne Streiks vom Ma­kel der Rechts­wid­rig­keit zu be­frei­en. Nur so können die Ri­si­ken für die­je­ni­gen vollständig aus­geräumt wer­den, die we­gen Be­tei­li­gung an sol­chen Ausständen mit ei­ner Ab­mah­nung über­zo­gen und mit Scha­den­er­satz be­droht wer­den. Das kann im Zwei­fel so­gar die Ge­werk­schaft selbst tref­fen, wenn sie sol­che Streiks un­terstützt, ohne dazu auf­zu­ru­fen. Da­her ist es ganz un­verständ­lich, dass die IG Me­tall im vor­lie­gen­den Rechts­streit ih­ren Mit­glie­dern kei­nen Rechts­schutz gewährt. In Zei­ten, in de­nen ein Ta­rif­ein­heits­ge­setz zur Ein­schränkung des Streik­rechts ver­ab­schie­det wird, und in de­nen von in­ter­es­sier­ter Sei­te be­reits wei­te­re dras­ti­sche Ein­schränkun­gen aus Gründen der Da­seins­vor­sor­ge ge­for­dert wer­den, ist es wich­tig, sich wie­der auf die Kern­be­stim­mung des Streik­rechts zu be­sin­nen: Es ist in­di­vi­du­el­les Frei­heits­recht der Ar­bei­te­rin­nen und Ar­bei­ter, vorüber­ge­hend Fremd­be­stim­mung und be­trieb­li­chen Ge­hor­sam auf­zukündi­gen und die Ar­beit nie­der­zu­le­gen, um ge­mein­sam die ei­ge­nen Be­lan­ge ver­tre­ten zu können.“

Als Mit­in­itia­tor des Ta­rif­ein­heits­ge­set­zes ist der IGM-Vor­stand ganz of­fen­sicht­lich an ei­ner ju­ris­ti­schen Klärung die­ser Fra­ge nicht in­ter­es­siert. Im Ge­gen­teil. Mit den o.g. Aus­sa­gen dis­tan­ziert er sich von den Streiks und er­kennt die we­gen Streik­teil­nah­me er­folg­ten Ab­mah­nun­gen und das ent­spre­chen­de Ar­beits­ge­richts­ur­teil fak­tisch als ge­recht­fer­tigt an. Das kommt dem Wunsch gleich: Mögen sie doch mit ih­rem Pro­zess kräftig auf die Schnau­ze fal­len!

Auch wenn das Daim­ler Ka­pi­tal zwi­schen­zeit­lich die 761 Ab­mah­nun­gen aus den Per­so­nal­ak­ten ent­fernt hat, ste­hen die Aus­sa­gen des Bre­mer Be­vollmäch­tig­ten und des IGM-Vor­stands so­wie ihre Hal­tung zur Fra­ge „des Rechts auf Streik“ nach wie vor zur Klärung in­ner­halb der IGM und der Ge­werk­schaf­ten im Raum. Mit der in ih­ren Aus­sa­gen ent­hal­te­nen Ab­leh­nung spon­ta­ner oder auch von Be­leg­schaf­ten ge­plan­ter Streiks ge­ben sie nicht nur die ei­ge­nen Po­si­tio­nen auf (sie­he Kas­ten „Sol­len die­se Po­si­tio­nen nicht mehr rich­tig sein?“), son­dern sie wen­den sich eben­so ein­deu­tig ge­gen das in der Eu­ropäischen So­zi­al­char­ta (ESC) ga­ran­tier­te Streik­recht der „Ar­beit­neh­mer“. „Um die wirk­sa­me Ausübung des Rechts auf Kol­lek­tiv­ver­hand­lun­gen zu gewähr­leis­ten, sieht Ar­ti­kel 6 Num­mer 4 ESC das Recht der abhängig Beschäftig­ten auf kol­lek­ti­ve Maßnah­men ein­sch­ließlich des Streik­rechts im Fall von In­ter­es­sen­kon­flik­ten vor. Nach der ESC ist das Streik­recht ein in­di­vi­du­el­les Recht, bei ar­beits­be­zo­ge­nen Strei­tig­kei­ten kol­lek­ti­ve Maßnah­men zu er­grei­fen. Dazu gehört auch die ge­mein­sa­me Ar­beits­nie­der­le­gung. Die ist auch ohne Auf­ruf ei­ner Ge­werk­schaft und ohne ein ta­rif­lich re­gel­ba­res Ziel möglich“ (Bre­mer Anwälte).

hier geht der Text weiter......

http://kaz-online.de/artikel/nicht-gnadenakt-daimlers-sondern-teilsieg-der-kollegen
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Re:Daimler: Milliarden-Gewinn, keine Gewerbesteuern und Arbeitsplatzabbau
« Antwort #36 am: 20:03:46 Sa. 18.Februar 2017 »
Gemeinsames Flugblatt " Daimler: Angriffe auf die Belegschaft"

Daimler: Angriffe auf die Belegschaft


Über die Zeitung erfuhren es die Kolleg/innen bei Daimler, was sie schon lange befürchtet hatten:
Am Samstag, dem 4.2.17, berichteten mehrere Zeitungen, dass Daimler einen massiven Stellenabbau plane. Ohne genaue
Zahlen zu nennen, kündigte Daimler-Chef Zetsche an, dass mit dem Bau von Elektroautos zahlreiche Stellen überflüssig würden.
 Deshalb beginne man bereits jetzt damit, Stellen abzubauen, natürlich ohne Entlassungen.
Dadurch dass Zetsche keine konkreten Zahlen nennt, schürt er natürlich die Angst bei den Kolleg/innen. Er hofft wohl
darauf, dass diese die Angst lähmt. Doch man muss kein Prophet sein, um zu schlussfolgern, dass der Abbau ähnliche Dimensionen wie bei VW annimmt, wo 30.000 Stellen gestrichen werden sollen.
Betriebsratsvorsitzender spielt den „besseren“ Kapitalisten.

Bedauerlich ist, dass Michael Brecht, der Betriebsratsvorsitzende von Daimler sich öffentlich als der bessere Manager des
Kapitals präsentiert. In einem Interview der Stuttgarter Zeitung vom 6.2.17 stellt er gar nicht in Frage, dass es zum Stellenabbau kommen muss.
Er sagt: „Aber: Selbst wenn wir alles am Elektromotor selbst bauen und das Wachstum weiter anhalten würde, hätten wir am Ende wahrscheinich doch weniger Beschäftigung.“Er gibt damit zu, dass er schon länger weiß, dass es zu Stellenabbau kommt.
Seine  Antwort  darauf  lautet  einfach: Heiliger St. Florian verschon mein Haus, zünd‘s andere an. Er fordert nämlich, Teilfertigung von den Zulieferern in die
Daimler-Werke zurückzuholen. Und das sagt er noch nicht einmal offen, sondern umschreibt es, man müsse über das Thema Fertigungstiefe“
reden. Das bedeutet: Entlasst doch andere, dann sind wir ruhig.
Er „regt an“, zu überlegen, ob man ein Werk in Polen, wo bereits viele Kolleg/innen arbeiten, wieder schließt. Auch hier sein „geniales“ Rezept: Entlasst doch andere, dann mucken wir nicht auf.
Dass der Vorstand nun aus Kostengründen  mehr  Fahrzeugkomponenten bei Zulieferern einkaufen möchte, um so den Profit zu erhöhen, sieht er betriebs
wirtschaftlich: Niemand produziert so günstig und qualitativ so hochwertig wie wir selbst.“
Und wenn es doch woanders mit  geringeren  Löhnen  und  verschärfter Arbeitshetze  billiger  geht?  Dann  stehen solche Co-Manager hilflos da!
Verärgert ist er nur, dass er die Anküdigung des Stellenabbaus aus der Zeitung
erfahren hat, während er noch verhandeln wollte.

Als Bittsteller auftreten oder kämpfen?


Für  den  Betriebsratsvorsitzenden,Michael Brecht, sind die Arbeiter und Angestellten bei Daimler Bittsteller, die beweisen müssen, dass sie billiger und besser arbeiten.  Für  den  Konzernchef  Zetsche sind  sie  Kostenfaktoren,  die  abgebaut werden müssen. Billiger werden die Autos von Daimler ja nicht, wenn weniger Arbeitszeit  für  ihre  Herstellung  notwendig ist. Also geht es um mehr Profit!
Dass all die Werte, um die es hier geht, von der Arbeiterklasse und vielen Angestellten  geschaffen  werden,  taucht  in den  Überlegungen  des  Betriebsratsvor
sitzenden nicht auf. Dass alle Räder still stehen, wenn die Arbeiter und Angestellten es wollen, ebenso nicht. Dass viele Arbeitsplätze verschwinden, weil die
Produktivität ungeheuer steigt und ständig weiter steigt, wird mit keinem Wort erwähnt.  Arbeitszeitverkürzung  als  Antwort auf den ungeheuren Fortschritt in der Produktion?
So etwas sucht man vergeblich  in  den  Überlegungen  eines  solchen Co-Managers. Es geht für ihn ja darum, billiger und besser zu sein als in Polen.
Mehr Konkurrenz, mehr schuften, Kosten senken – das ist die Denkweise eines Co-Managers.
 Brecht sagt selbst: „Wir fahren gerade fast überall Sonderschichten, wir drücken an Autos raus, was nur geht.“
 Da ist er aktiv beteiligt, dass die Kolleg/innen Knochenarbeit bis zum Umfallen leisten. Hat er schon mal was von Streik gehört?
Gerade jetzt, wo es brummt, hat man noch Macht. Das kann sich schnell ändern.

Die Befreiung der Arbeiter muss das Werk der Arbeiter sein!

Betteln  hilft  nicht!  Und  Co-Manager heizen  die  Konkurrenz  um  Billiglohn, Mehrarbeit, stärkere Arbeitshetze an. Auf solche Leute kann man nicht bauen. Die Arbeiter  und  Angestellten  müssen  ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen. Sie schaffen die Werte. Nur aus ihrer Arbeit
wird der Profit gesaugt. Wie es aussieht, ist gerade in der Umbruchphase, wo Daimler konventionelle und Elektro-Autos parallel bauen muss, dringend Mehrarbeit nötig.
Das gibt den Arbeitern und Angestellten ein Machtmittel in die Hand: Streik! Verweigerung von Überstunden und Mehrarbeit!
Wenn der Betriebsrat das nicht will, dann darf man solche Leute nicht mehr wählen. Was die Arbeiter und Angestellten bei Daimler jetzt brauchen sind
Kämpfer und nicht Bittsteller und Buchhalter!
Aber was sie vor allem brauchen, ist eigener Kampfeswille. Denn Einzelkämpfer können nicht gewinnen. Nur gemeinsam
sind wir stark! Ohne die Bereitschaft zum Kampf in der Belegschaft geht gar nichts.
Ohne Armee kann man nicht siegen!

Es müssen jetzt klare Forderungen gestellt werden:

Kein Arbeitsplatzabbau!

30-Stundenwoche bei vollem Lohnausgleich!

Kein Werk, egal wo es ist, darf geschlossen werden!

Solidarität und gemeinsamer Kampf machen stark!

Keine Überstunden und keine Mehrarbeit bis zur Erfüllung aller Forderungen!


Gemeinsame Erklärung von:

Kommunistische Initiative (Gera 2010)
kigera2010-kig@yahoo.de

Organisation für den Aufbau einer Kommunistischen Arbeiterpartei
www.arbeit-zukunft.de

Kommunistische Partei Deutschlands
www.k-p-d-online.de

Revolutionärer Freundschaftsbund e. V. (RFB)
www.rfb-online.org



Quelle

http://www.k-p-d-online.de/index.php/aktuell/inland/545-daimler-angriffe-auf-die-belegschaft
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Re:Daimler: Milliarden-Gewinn, keine Gewerbesteuern und Arbeitsplatzabbau
« Antwort #37 am: 15:20:33 Di. 07.März 2017 »
Aus: Ausgabe vom 06.03.2017, Seite 8 / Inland

»Kammer muss sich zu diesem Punkt äußern«
Daimler-Beschäftigte gehen in zweite Instanz: Ist Abmahnung nach »wildem« Streik gerechtfertigt? Gespräch mit Gerhard Kupfer
Interview: Claudia Wrobel



Hier mit Unterstützung der Gewerkschaft: Vertrauensleute des Bremer Mercedes-Benz-Werks protestieren am 24. September 2015 gegen Werkverträge bei dem Automobilbauer
Foto: Joerg Sarbach/dpa-Bildfunk

Die Verhandlungen zu den Arbeitsniederlegungen bei Daimler Bremen am 11. Dezember 2015 gehen am Donnerstag in die zweite Instanz. Bevor wir uns über das Verfahren unterhalten, würde ich Sie bitten, uns in Erinnerung zu rufen, wie der Streik damals abgelaufen ist.

Vor zwei Jahren wurde die Fremdvergabe in einem größeren Bereich bekanntgegeben, in der Logistik. Deshalb gab es in den folgenden Monaten mehrere Streiks, insgesamt acht. Die Nachtschicht, über die wir hier reden, hat sich dann selbständig entschlossen, in einen Streik zu treten. Sie sind durch die Hallen gezogen, um die Kolleginnen und Kollegen zu informieren, haben auf der Kreuzung vor dem Werk eine Kundgebung abgehalten, und danach sind fast alle nach Hause gegangen.

»Selbständig entschlossen« heißt in dem Fall: ohne dass es einen Streikaufruf der IG Metall gegeben hatte.

Genau, den gab es nicht. Insofern war es für den Arbeitgeber auch kein legitimer Streik, der ja in Deutschland rechtlich definiert ist und wo die Teilnehmer auch rechtlich geschützt sind. Der Arbeitgeber hat deshalb 761 Abmahnungen ausgesprochen. Den Kollegen war bewusst, dass dies folgen kann. Die Abmahnungen an sich waren also kein großer Schock, aber was uns alle wirklich schockiert hat, war, dass die IG Metall sich von dem Streik faktisch distanziert hat. Sie hätte diesen spontanen Streik hinterher übernehmen können oder den Kollegen über den Rechtsschutz zumindest den Rücken stärken können. Aber nichts davon haben sie gemacht – ganz im Gegenteil.

Hat sich diese Haltung der IG Metall bis heute durchgezogen, oder erfahren Sie mittlerweile irgendeine Art von Unterstützung bei der gerichtlichen Auseinandersetzung?

Das zieht sich durch. Von seiten der Gewerkschaft herrschte die ganze Zeit über eisigstes Schweigen. Wir haben das Gespräch gesucht und beispielsweise eine Podiumsdiskussion organisiert, zu der wir den Bezirksvorstand, die Ortsverwaltung und der Vorstand der IG Metall eingeladen haben. Aber diese drei Plätze mussten auf dem Podium leer bleiben. Wir konnten nur auf die Namensschilder der Herren blicken. Die haben die ganze Sache totgeschwiegen oder es zumindest versucht. Der Erste Bevollmächtigte in Bremen hat sich irgendwann dann sogar genötigt gesehen, öffentlich regelrecht gegen uns zu schießen. Ich denke, nachdem die Lokalpresse so hinter der Sache her war. Er hat dann beispielsweise gesagt, er halte nichts von französischen Verhältnissen und so weiter.

Mit welcher Begründung wurden die Kolleginnen und Kollegen abgemahnt?

Im Endeffekt ging es um »unerlaubtes Entfernen vom Arbeitsplatz«.

In der ersten Instanz sind die Abmahnungen für rechtmäßig erklärt worden. Die zweite Instanz wird also auf Ihre Initiative hin eingeleitet. Warum erwarten Sie ein anderes Ergebnis?

Genau, es gab einen Widerspruch von uns. In der ersten Instanz hat sich die Richterin regelrecht verweigert, die generellen Punkte des Streikrechts auch nur anzupacken. In dieser Frage hat es seit etwa 40 Jahren keine Verhandlungen mehr gegeben. Und die Vorsitzende Richterin wollte nicht an der Frage rühren, ob ein Aufruf der Gewerkschaften für eine Arbeitsniederlegung notwendig ist oder nicht. Da wird jetzt das Landesarbeitsgericht aber nicht drumherum kommen.

Warum sind Sie da so optimistisch?

Die Situation ist, ehrlich gesagt, dadurch verkompliziert, dass Daimler aufgrund der großen Öffentlichkeit die Abmahnungen im vergangenen Sommer aus den Akten entfernt hat. Der Konzern hat wahrscheinlich gehofft, damit sei die Sache nun erledigt. Trotzdem muss das Landesarbeitsgericht jetzt über die Entscheidung der ersten Instanz befinden. Dabei kann es sich aber der Frage, ob die Arbeitsniederlegung gerechtfertigt war, diesmal nicht entziehen. Diese Kammer muss sich schlicht zu diesem Punkt auch äußern.

Gerhard Kupfer gehört zum Sprecherkreis der Klägerinnen und Kläger gegen Daimler Bremen

Quelle

https://www.jungewelt.de/artikel/306597.kammer-muss-sich-zu-diesem-punkt-%C3%A4u%C3%9Fern.html
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