Autor Thema: Kämpfe in der Automobilindustrie  (Gelesen 92783 mal)

Kuddel

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Re: Kämpfe in der Automobilindustrie
« Antwort #285 am: 08:54:09 Sa. 28.September 2019 »
Indien

Zitat
Arbeiter von Maruti-Suzuki unterstützen amerikanischen GM-Streik

Im Folgenden veröffentlichen wir eine Grußadresse an den General Motors-Streik in den USA. Das Statement hat uns Jitender Dhankhar im Namen des Provisorischen Komitees der Maruti Suzuki Workers Union (MSWU) aus Nordindien zugeschickt.

Jitender wurde zusammen mit mehreren anderen Arbeitern Opfer einer Verschwörung, die den erbitterten, jahrelangen Kampf der Arbeiter im Maruti-Suzuki Werk Manesar beenden sollte. Er ist Mitglied des Provisorischen Komitees der MSWU, das die Arbeiter gründeten, nachdem die MSWU-Führung im Juli und August 2012 verhaftet wurde, und als das Unternehmen mit staatlicher Unterstützung alle 2.400 Arbeiter im Werk Manesar im nordindischen Bundesstaat Haryana entlassen hatte.
https://www.wsws.org/de/articles/2019/09/28/maru-s28.html

ManOfConstantSorrow

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Re: Kämpfe in der Automobilindustrie
« Antwort #286 am: 16:13:17 So. 13.Oktober 2019 »
Zitat
Streiks kosten General Motors über 1 Milliarde Dollar
Sparkurs wird für GM nun richtig teuer



Es waren Szenen wie aus längst vergangen geglaubten Zeiten, die sich am 15. September vor mehreren US-Autofabriken abspielten: Da marschierten tausende, Transparente schwingende Arbeiter vor den Werken des Autoriesen General Motors (GM) auf - und begaben sich in einen von der US-Autogewerkschaft United Auto Workers (UAW) organisierten Streik. Es war die erste landesweite Arbeitsniederlegung für GM seit 2007, also der erste Großstreik seit zwölf Jahren. Laut Gewerkschaftsangaben betraf der Streik 48.000 auf Stundenbasis beschäftigte GM-Arbeitnehmer.

Vier Wochen später ist die Situation noch brenzliger geworden: Nun betrifft der Ausstand laut "Financial Times" bereits 60.000 Arbeitnehmer, denen General Motors temporär gekündigt hat. Vergangenes Wochenende sind Tarifgespräche zwischen Gewerkschaft und Management gescheitert, GM hat nun auch vorübergehend Arbeiter in zwei mexikanischen Werken freigesetzt. Und auch in Kanada sind 4500 GM-Zeitarbeiter vorübergehend außer Dienst gestellt.
https://www.manager-magazin.de/unternehmen/autoindustrie/general-motors-us-streik-auch-wg-sparkurs-kostet-gm-ueber-1-mrd-dollar-a-1290590.html
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Fritz Linow

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Re: Kämpfe in der Automobilindustrie
« Antwort #287 am: 18:38:44 Do. 17.Oktober 2019 »
Die neuesten Meldungen von den Zulieferern:

Benteler beginnt mit dem Stellenabbau
https://www.westfalen-blatt.de/Ueberregional/Nachrichten/Wirtschaft/3999218-Paderborner-Autozulieferer-bietet-Mitarbeitern-Abfindungen-an-Benteler-beginnt-mit-dem-Stellenabbau

Allgaier Group streicht viele Jobs in Uhingen – Laichingen wohl nicht betroffen
https://www.swp.de/wirtschaft/stellenabbau-allgaier-uhingen-allgaier-group-streicht-stellen-in-uhingen-39210667.html

Kurzarbeit bei Rexroth in Lohr: Ab November 14 Prozent betroffen
https://www.mainpost.de/regional/main-spessart/Kurzarbeit-bei-Rexroth-in-Lohr-Ab-November-14-Prozent-betroffen;art129810,10333877

Autozulieferer Brose baut 2000 Arbeitsplätze ab
https://www.kurier.de/inhalt.auch-in-oberfranken-autozulieferer-brose-baut-2000-arbeitsplaetze-ab.4eec962c-ad52-4a38-8d0a-208aa8934d34.html


Ähnliche Medungen häufen sich in letzter Zeit. Das läuft alles ziemlich ruhig ab. Man hört kaum etwas von Protest oder Gegenwehr.



Kuddel

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Re: Kämpfe in der Automobilindustrie
« Antwort #288 am: 18:28:17 Fr. 18.Oktober 2019 »
Zitat
GM-Streik kostet Faurecia Millionen

Wenn bei Autoherstellern gestreikt wird, schlägt sich das auch auf das Geschäft der Zulieferer nieder. Die Zahlen des französischen Branchenriesen Faurecia für das abgelaufene dritte Quartal sind der Beweis. Die Analystenerwartungen werden verfehlt, die Anleger sind unzufrieden.


Das Geschäft des französischen Autozulieferers Faurecia ist im abgelaufenen dritten Quartal von einem Streik beim Kunden General Motors negativ beeinflusst worden. Faurecia setzte nach eigenen Angaben von Juli bis September 4,185 Milliarden Euro um. Das entspricht einem Plus zum Vorjahreszeitraum von 4,3 Prozent. Wechselkursbereinigt und ohne die Übernahme von Clarion sind die Erlöse aber 3,7 Prozent gefallen.

Der Ausstand bei GM habe Faurecia bisher 23 Millionen Euro gekostet, sagte Finanzvorstand Michel Favre.  Bis Ende Oktober könne der Schaden dann bei 40 Millionen bis 45 Millionen Euro liegen. Bei General Motors befinden sich seit Mitte September Mitarbeiter im Ausstand. Eine vorläufige Einigung mit der Gewerkschaft UAW steht, ist aber noch nicht von den Mitgliedern abgesegnet. Die Streiks dauern deshalb an. Analysten zufolge hat der Ausstand GM bereits rund zwei Milliarden Dollar gekostet.
https://www.finanzen.net/nachricht/aktien/gm-streik-kostet-faurecia-millionen-8114078

ManOfConstantSorrow

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Re: Kämpfe in der Automobilindustrie
« Antwort #289 am: 19:13:35 Do. 24.Oktober 2019 »
Zitat
GM-Streik: Widerstand gegen Gewerkschafts-Deal mit Unternehmensführung

Seit 39 Tagen streiken die ArbeiterInnen beim US-Autobauer Generalmotors – Es ist der längste Streik in der US-Geschichte seit Jahrzehnten. Diese Woche stimmen sie über einen ausgehandelten Deal zwischen Gewerkschaftsführung und Unternehmenschefs ab. Doch viele ArbeiterInnen sind unzufrieden.


Noch bis Freitag sollen die MitarbeiterInnen des amerikanischen Konzerns General Motors darüber abstimmen, ob sie die vorläufige Einigung akzeptieren wollen, die UAW-Gewerkschaftsführung und General Motors in dieser Woche erzielt haben. Der Streik geht während der Abstimmung weiter.

Die ArbeiterInnen könnten jedoch dem Beispiel streikender LehrerInnen in West Virginia folgen, die 2017 den ersten Deal der Gewerkschaftsführung ablehnten. Sie schickten diese zurück an den Verhandlungstisch, um ein besseres Abkommen herauszuschlagen.

Viele Forderungen nicht erfüllt


An der bislang ausgehandelten Vereinbarung gibt es viel Kritik:
  • Die derzeitige Einigung umfasst eine Gehaltserhöhung zwischen drei und vier Prozent alle zwei Jahre, ohne dass mehr für die Gesundheitsfürsorge gezahlt werden muss. Das gleicht jedoch gerade einmal die Inflation aus.
  • Die Schließung des Montagewerks in Lordstown und von drei weiteren Fabriken wird akzeptiert.
  • Der Vorschlag behält zudem das verhasste zweistufige Lohn- und Leistungssystem bei, auch wenn es die Zeit vom Übergang einer Stufe in die andere verkürzt.
  • Zudem eröffnet die Vereinbarung GM die Möglichkeit, eine unbegrenzte Anzahl von LeiharbeiterInnen zu beschäftigen. Jede Einstellung muss allerdings von der UAW „genehmigt“ werden.
  • Ebenfalls bleiben die von GM versprochenen Milliardeninvestitionen in US-Standorte sowie die Einstellung zusätzlicher ArbeiterInnen aus.
   
In der GM-Fabrik in Tennessee hat bereits die Mehrheit der Arbeiterinnen knapp mit 1.673 zu 1666 Stimmen den Vertrag abgelehnt.

Auch unter den Zulieferern gibt es eine breite Ablehnung: „Der Vertrag ist wertlos“, sagte David Brown, der Kommissar von UAW Local 730, der im GMCH-Werk in Grand Rapids, Michigan, arbeitet. „Ich versuche nicht, diese Scheiße an meine Mitglieder zu verkaufen … [die UAW] kann meinen Arsch küssen.“, so der Arbeiter gegenüber Paydayreport.

Doch derzeit scheint sich Mehrheit für ein Ende des Streiks auszusprechen, bei dem die ArbeiterInnen mit 250 Dollar Streikgeld pro Woche auskommen müssen. Eine von UAW-AktivistInnen erstellte Liste spricht von 6454 „Ja“-Stimmen bei „4157“ „Nein“-Stimmen. Doch über 35.000 Stimmen stehen noch aus. Es bleibt also abzuwarten, wie sich die ArbeiterInnen entscheiden werden.
https://perspektive-online.net/2019/10/gm-streik-widerstand-gegen-gewerkschafts-deal-mit-unternehmensfuehrung/
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Kuddel

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Re: Kämpfe in der Automobilindustrie
« Antwort #290 am: 12:17:12 Do. 19.Dezember 2019 »
Zitat
Spontankundgebung vor Opel Warehousing GmbH
Solidaritätskreis prangerte die versuchte Spaltung der Belegschaften von Opel und Neovia und die Arbeitshetze öffentlich an


Vor einigen Tagen berichtete ich über den Solidaritätskreis der kämpfenden Opelaner, der aus aktuellem Anlass wieder aktiv geworden ist. Einer Beschäftigten von Neovia wurde ihr befristeter Arbeitsvertrag nicht verlängert, weil sie sich weigerte, "freiwillige" Überstunden zu machen und sich außerdem gegen die Arbeitshetze wehrte sowie gewerkschaftliche Arbeit betrieb. Leiharbeiter, die sich für die gekündigte Beschäftigte einsetzten, wurden von der Geschäftsführung von Neovia abgemeldet.

Im Zentrallager der Opel Warehousing arbeiten unter einem Dach zwei selbständige Unternehmen, die Neovia und die Opel Warehousing GmbH. Für beide Unternehmen gelten jedoch trotz der identischen Tätigkeiten wie Lagerhaltung, Expedition usw. unterschiedliche Tarifverträge, wobei die Beschäftigten von Neovia schlechter bezahlt werden. Außerdem sind noch mehrere Leiharbeiter für beide Unternehmen tätig.

Die von der Kündigung bzw. Nichtverlängerung des Arbeitsvertrages betroffene Beschäftigte und die Sympathisanten brachten die Missstände bei Opel Warehousing durch eine Spontankundgebung bei Schichtwechsel um 14.00 Uhr vor dem Werkstor des Zentrallagers I an die Öffentlichkeit und sammelten Unterstützungsunterschriften für die von Kündigung betroffene Mitarbeiterin. Ich beteiligte mich an dieser Kundgebung.

Viele Beschäftigte suchten das Gespräch mit den Demonstranten und gaben auch ihre Unterschrift. Eine Frau bemerkte: " Ich unterschreibe, aber im Betrieb wird sich nichts ändern. Da muss die Regierung etwas unternehmen wie Hartz IV abschaffen. Man ist gezwungen, fast jede Arbeit anzunehmen, wenn man ALG II bekommt, außerdem sanken die Löhne seit Hartz IV". Vollkommen zu Recht, denn die Montagsdemobewegung fordert immer wieder die Abschaffung von Hartz IV und stattdessen die Weiterzahlung des ALG I (bei entsprechender Erhöhung, wenn das ALG I nicht zum Leben ausreicht) für die Dauer der Erwerbslosigkeit).

Auf der Kundgebung gab es auch ein offenes Mikrofon. Ein Mitglied des Betriebsrats bei Opel Warehousing rief die Beschäftigten auf, sich nicht von der Geschäftsführung einschüchtern zu lassen: "Wir machen die gleiche Arbeit und sind daher eine Belegschaft, egal ob von Neovia, Opel oder Leiharbeit. Daher müssen wir zusammenstehen und dürfen uns nicht von der Geschäftsführung spalten bzw. einschüchtern lassen. Wer hier das Betriebsklima stört, sind nicht die Kollegen, die sich gegen die Arbeitshetze und Mehrarbeit wehren, sondern nur die Geschäftsleitungen beider Unternehmen". Ein von der Frühschicht kommender Mitarbeiter bedankte sich für den Einsatz des Solidaritätskreises: "Wir müssen uns gegen die Zustände hier im Zentrallager gemeinsam wehren und kämpfen. Es kann nicht sein, dass Opel-Kollegen nicht mit den Kollegen von Neovia sprechen dürfen und auch keine Solidaritätsunterschriften für von Schikane und Kündigung leisten dürfen. Sie müssen ruhig sein - sonst fliegen sie raus!" Ein Rentner, der Delegierter der IG Metall Bochum-Herne ist, äußerte sich: "Ihr dürft keine Angst vor der Einschüchterung durch die Geschäftsleitung haben, denn wenn ihr zusammenhaltet und gegen die Arbeitsbedingungen in eurem Unternehmen kämpft, wird die Geschäftsleitung ihren Einfluss verlieren. Ausbeutung und Mobbing gibt es in vielen Betrieben, nicht nur bei Opel, dagegen muss sich die Arbeiterklasse zusammenschließen und mit allen Mitteln wehren".

Die von dem nicht entfristeten Arbeitsvertrag und dem Hausverbot betroffene Kollegin bedankte sich für die Unterstützung durch den Solikreis und rief alle zur Mitarbeit im diesem Kreis auf. "Nur so konnten die miserablen Zustände im Zentrallager wie Arbeitshetze und damit verbunden die Zunahme der Betriebsunfälle öffentlich gemacht werden".

Der Solikreis trifft sich voraussichtlich 8.1.2020 in Bochum-Langendreer wieder. Genauere Informationen folgen noch.
https://www.lokalkompass.de/bochum/c-politik/solidaritaetskreis-prangerte-die-versuchte-spaltung-der-belegschaften-von-opel-und-neovia-und-die-arbeitshetze-oeffentlich-an_a1270878

Kuddel

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Re: Kämpfe in der Automobilindustrie
« Antwort #291 am: 09:18:14 Sa. 08.Februar 2020 »
Zitat
Südafrika
Selbständiger Streik bei Toyota Durban


Ende Januar waren im Toyota-Werk in Durban, Südafrika, knapp 3000 Arbeiter in den Streik getreten, weil sie ihre Bonuszahlung nicht erhalten hatten. Darauf kündigte Toyota die Entlassung der Streikenden an, da der Streik illegal sei. Anfang dieser Woche wurde der Streik beendet und Toyota nahm die Entlassungen zurück, nachdem die Gewerkschaft Numsa interveniert hatte. Die Frage der Bonuszahlung ist weiterhin offen.
https://www.rf-news.de/2020/kw06/selbstaendiger-streik-bei-toyota-durban

ManOfConstantSorrow

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Re: Kämpfe in der Automobilindustrie
« Antwort #292 am: 12:45:54 Do. 30.April 2020 »
Vorbereitung auf Massenentlassungen:

Zitat
Daimler schult Führungskräfte für Rausschmiss von Arbeitern

Der Stuttgarter Autobauer Daimler nutzt die Corona-Krise, um Massenentlassungen auszuweiten und zu beschleunigen. Der bereits vor Monaten angekündigte Abbau von 10.000 Arbeitsplätzen soll ausgeweitet und beschleunigt werden. Das Handelsblatt berichtet jetzt von geplanten 15.000 Entlassungen.

Um den zu erwartenden Widerstand der Belegschaft zu unterdrücken, werden Abteilungsleiter und andere Führungskräfte darin geschult, Arbeiter derart unter Druck zu setzen, dass sie einen Aufhebungsvertrag unterzeichnen, oder – wie es offiziell heißt – den Stellenabbau „möglichst souverän umzusetzen“.
https://www.wsws.org/de/articles/2020/04/30/daim-a30.html
Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!