Autor Thema: Kämpfe in der Automobilindustrie  (Gelesen 90097 mal)

ManOfConstantSorrow

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Kämpfe in der Automobilindustrie
« Antwort #30 am: 23:40:55 Mi. 07.März 2007 »
Am Vorabend des angekündigten Streikbeginns im polnischen Bielsko-Biala am Sonntag, dem 4. März 2007, hat General-Motors-Powertrain nachgegeben: man einigte sich auf eine Lohnerhöhung von 85 €, was auch 85% der Forderung entspricht (15% mehr Lohn), weiterhin werden 372 Arbeitsverträge meist junger Kolleginnen und Kollegen entfristet (70% der Befristeten). Das sei ein großer Erfolg, die bisher beste je erreichte Lohnsteigerung. (Bericht eines Kollegen der Gewerkschaft Solidarnosc vom 05.03.2007)
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ManOfConstantSorrow

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Kämpfe in der Automobilindustrie
« Antwort #31 am: 20:50:17 Do. 22.März 2007 »
Nein, ich habe keine weiteren Berichte. Auch das LabourNet hat sich auf den selben Artikel bei rf-news berufen.

Es wird aber wohl noch weitergestreikt:
http://www.rf-news.de/rfnews/aktuell/Betrieb_und_Gewerkschaft/article_html/News_Item.2007-03-21.5308
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Troll

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Kämpfe in der Automobilindustrie
« Antwort #32 am: 09:20:49 Sa. 24.März 2007 »
- Es sind ca. 500 Arbeiter die Streiken.
- Der PSA-Konzern will Streikbrecher einsetzen.
- Vier Gewerkschaften  (CGT, CFDT, SUD, UNSA) haben Klage gegen die Direktion eingereicht, wegen illegalem Einsatz von Streikbrechern.

Für Französisch sprechende:
Paroles de grévistes
Arlette et Olivier à PSA Aulnay

Alle Angaben ohne Gewähr, da ich mich der Übersetzungsmaschinen bedienen muß. Wer französisch versteht kann ja aus den Videos eventuell Neuigkeiten raushören und berichten.
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koko

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Kämpfe in der Automobilindustrie
« Antwort #33 am: 20:46:24 Sa. 24.März 2007 »
Zitat
Original von Troll
- Es sind ca. 500 Arbeiter die Streiken.
- Der PSA-Konzern will Streikbrecher einsetzen.
- Vier Gewerkschaften  (CGT, CFDT, SUD, UNSA) haben Klage gegen die Direktion eingereicht, wegen illegalem Einsatz von Streikbrechern.

Dürfen in Frankreich Leiharbeitnehmer mit den Festangestellten streiken wie in Deutschland, gem. §11, Abs. (5) AÜG?

Anlage:
§11, Abs. (5) AÜG:
1. Der Leiharbeitnehmer ist nicht verpflichtet, bei einem Entleiher tätig zu sein, soweit dieser durch einen Arbeitskampf unmittelbar betroffen ist. 2. In den Fällen eines Arbeitskampfs nach Satz 1 hat der Verleiher den Leiharbeitnehmer auf das Recht, die Arbeitsleistung zu verweigern, hinzuweisen.

Troll

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Kämpfe in der Automobilindustrie
« Antwort #34 am: 08:52:37 Do. 05.April 2007 »
Das Gericht von Bobigny verurteilt PSA für den Angriff auf das Streikrecht.

Quellen: Forum Unitaire und Le Monde
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ManOfConstantSorrow

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Kämpfe in der Automobilindustrie
« Antwort #35 am: 19:06:47 Fr. 13.April 2007 »
PSA: Nach sechs Wochen Streik stolz an die Arbeitsplätze zurück

Paris, 13.04.07: Am Mittwoch, 11. April, haben die PSA-Arbeiter im Citroen-Werk bei Paris genau nach sechs Wochen ihren Streik beendet. Sie kehrten hoch erhobenen Hauptes mit einem Demonstrationszug durchs ganze Werk, unter Applaus und kämpferischen Slogans, an ihre Arbeitsplätze zurück! In ihrer letzten Streikzeitung schreiben sie:

"Während unseres Streiks haben  wir die ganze Zeit laut und selbstbewusst unsere Forderungen vorgebracht: für höhere Löhne (300 Euro pro Monat und 1500 Euro netto als Mindestlohn), für die Festeinstellung der Leiharbeiter und für die Rente unserer Kollegen über 55 Jahre. Mit der Dauer unseres Streiks haben wir gezeigt, dass unsere Forderungen berechtigt sind und unabdingbar für alle Arbeiter. Heute kann in unserem Land keiner mehr sagen, dass wir in der Autoindustrie zu gut bezahlt werden.

Natürlich haben wir gegenwärtig nicht in unseren Hauptforderungen gewonnen. Weil unser Kampf auf 500 Streikende begrenzt blieb, war es kaum möglich, PSA zu einer Lohnerhöhung zu zwingen. Wir wissen hingegen, dass unsere Forderungen alle Beschäftigten betreffen. Viele haben uns das gesagt oder uns das durch eine brüderliche Haltung zu verstehen gegeben, ohne dass sie derzeit bereit waren, unserem Beispiel zu folgen.

Wir haben gezeigt, dass es möglich ist, sich zu organisieren und mit mehreren hundert Streikenden zusammen lange zu kämpfen. Wozu wir selbst fähig waren, dazu sind andere Arbeiter in anderen Werken ebenso fähig. Davon sind wir überzeugt. Und wenn die Direktion sagt, die Probleme bestünden konzernweit, so schlussfolgern wir, dass beim nächsten Mal ein Kampf Schulter an Schulter mit anderen Beschäftigten anderer Werke zu führen ist. Unser Streik ist deshalb ein erster Schritt…

In unserem Streik haben wir uns gestärkt.
- Unser Streik und die Forderungen, für die wir gekämpft haben, sind breit bekannt geworden und haben umso mehr Chancen, von anderen aufgegriffen zu werden.
- Alles was wir gelernt haben, wird uns in künftigen Kämpfen dienen.
- Dank der Solidarität und des entstandenen Vertrauens sind wir jetzt in einer besseren Position, um uns zu verteidigen und uns gegen die Direktion zu verteidigen."

Es gab einige Zugeständnisse der Geschäftsleitung von PSA, aber für die Streikenden zählen die längerfristigen Erfolge viel mehr und damit haben sie vollständig Recht! Der  Kampf ist eine hervorragende Grundlage für zukünftige Siege. Seine Schlussfolgerungen müssen breit bekannt werden und wenn Ihr mehr wissen wollt, dann kommt zum Automobilarbeiterratschlag in Stuttgart vom 18. bis 20. Mai. Die PSA-Arbeiter sind dabei!

(rf-news)
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ManOfConstantSorrow

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Kämpfe in der Automobilindustrie
« Antwort #36 am: 19:42:38 Di. 17.April 2007 »
Von wegen pflegeichte billige Arbeiter im Osten...
Die Arbeiter bei der tschechischen VW-Tochter Skoda sind heute morgen in einen unbefristeten Streik für höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen getreten. Letzte Woche hatte die Skoda-Geschäftsleitung eine Erhöhung von 10 Prozent beim Grundgehalt angeboten, das war aber vor allem den Arbeitern am Band entschieden zu wenig. Die Gewerkschaft fordert insgesamt 24 Prozent mehr Lohn. Bei Skoda arbeiten derzeit 26.000 Menschen.
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Strombolli

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Kämpfe in der Automobilindustrie
« Antwort #37 am: 15:38:26 Mi. 18.April 2007 »
Das unterstreicht meine Auffassung, dass das Kapital investieren kann, wo es will, irgendwann kommt immer der Punkz, wo sich die Arbeiter das nicht mehr bieten lassen.

Mögen auch alle neo-liberalen Kapitalismus-Jünger aus allen Röhren ihre Meinung tröten: Weder die Polen, noch die Russen oder Ungarn, Inder oder Chinesen lassen sich Ausbeutung auf Dauer bieten.

Je aggressiver das Kapital, desto schneller kommt Unzufriedenheit.
Mag Ludwig Ehrhardt gewesen sein wie er will, aber die Erkenntnis, wenn die Arbeiter ein bischen Wohlstand haben (mehr als im damaligen Osten), dann halten sie ihre Klappe (verbunden mit Billig Gastarbeitern aus der Türkei und Italien), die war schon richtig.

Nur geht das eben in der heutigen Zeit nicht mehr so einfach.
Mit den Gastarbeitern hat es sich sozial ausgehustet und mittlerweile haben wir Folgekosten über den Hals, die keiner richtig tragen will.

Und das bischen Wohlstandsvorsprung gegenüber dem nicht mehr existierenden Osten, ist nicht mehr nötig, weil  das Kapital ja mit Gang nach Osten droht.

Aber wie sagte doch kürzlich ein genialer Kabarettist?
"Wenn man lange genug nach Osten gegangen ist, kommt man wieder hier an!"

Hinter sich lassend: Eine verbrannte Erde der kapitalistischen Gier.

Ich bin gespannt, welches Gedankenmodell gewinnt. Die zügellose Ausbreitung des Kapitalismus oder dessen Ende durch "schneller aufwachende" Ausgebeutete in den Schwellenländern.
Das Systemmotto: "Gib mir Dein Geld! - Jetzt, Du dreckiges Opfer !!!! - Und habe immer ANGST VOR DEM MORGEN !!!"

"Hört auf, Profite über Menschen zu stellen!" Occupy
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ManOfConstantSorrow

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Kämpfe in der Automobilindustrie
« Antwort #38 am: 12:05:47 Fr. 04.Mai 2007 »
Opel: Europaweiter Streik gegen Stellenabbau

03.05.2007(DiePresse.com)

In ganz Europa standen am Donnerstag die Förderbänder in den Opel-Werken still. Die Arbeiter protestieren gegen das Aus der Astra-Produktion in Belgien.

Rund 6000 Mitarbeiter verließen allein im Opel-Stammwerk in Rüsselsheim die Werkshallen, um gegen das Management des Mutterkonzerns General Motors zu protestieren. Der Konzern betreibt an den westeuropäischen Standorten zunehmend den Abbau von Produktionsstätten und somit auch Arbeitsplätzen. Auch an anderen deutschen Opel-Standorten sowie in Großbritannien, Spanien, Österreich und Ungarn waren Streiks geplant.

Solidarität mit Opel-Werk in Belgien

Der Autokonzern will die Astra-Produktion im belgischen Antwerpen beenden. Der Chef von General Motors Europa, Carl-Peter Forster, hat angekündigt, dass die Montage des Kompaktwagens dort im Frühjahr 2010 auslaufen soll. Stattdessen sollen nach Angaben des Betriebsrats in Antwerpen künftig pro Jahr 80.000 Fahrzeuge vom Typ Chevrolet gebaut werden. Dies hätte nach Schätzungen der Arbeitnehmervertreter zur Folge, dass zwei Drittel der Belegschaft gekündigt werden müsste. Schon im laufenden Jahr will General Motors in dem belgischen Opel-Werk 1.400 Stellen streichen.

Die Beschäftigten in Antwerpen streiken bereits seit einer Woche gegen diese Pläne. Der Vorsitzende des Opel-Gesamtbetriebsrats, Klaus Franz, sagte, die Arbeitnehmervertreter würden einer Werksschließung in Europa nicht zustimmen. Allerdings versuche General Motors, die westeuropäischen Standorte durch Aus- und Verlagerungen immer weiter zu schwächen. Notwendig sei daher ein Zukunftsvertrag, der alle europäischen Werke bis 2016 absichere. Der schleichende Personalabbau müsse gestoppt werden. (APA/Red.)
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ManOfConstantSorrow

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« Antwort #39 am: 11:14:58 Fr. 11.Mai 2007 »
10.05.07  
Die Opel-Arbeiter im belgischen Antwerpen setzten ihren am 26. April begonnenen Streik auch gestern fort. Die Arbeiter trauen dem Management nicht, trotz der auf zwei Modelle und 120.000 Einheiten erhöhten Zusagen. Heute soll über die Fortsetzung des Streiks oder seine Beendigung abgestimmt werden. Auch bei VW in Brüssel standen die Bänder wegen eines Streiks bei dem Zulieferer Arvin Meritor, der Türen anliefert.
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nikeen

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Kämpfe in der Automobilindustrie
« Antwort #40 am: 12:19:16 Fr. 11.Mai 2007 »
Zitat
Original von Staat bescheissen
besonders interessant finde ich,
dass OPEL als americanische Tochter des "GM" Konzerns
in den USA "gebannt" wurde.

d.h. OPEL darf schon seit Jahren -vielen vielen Jahren-
keine Autos mehr in die USA verkaufen, und zwar wegen
erhebl. Mängel.

GM verkauft Opel  da unter dem Namen Saturn, aktuell aber glaub nur den GT. Der Astra soll aber demnächst folgen.

ManOfConstantSorrow

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Kämpfe in der Automobilindustrie
« Antwort #41 am: 13:12:57 Mi. 27.Juni 2007 »
Die moderne "Just in Time Produktion" macht das System sehr empfindlich und angreifbar:

Zitat
Streik legt VW-Touran-Produktion lahm

26.06.2007
Wolfsburg - Ein Arbeitskampf bei dem spanischen Autozulieferer GDX Automotive hat die Produktion des VW-Modells Touran bei der VW-Tochter Auto 5000 vorläufig lahmgelegt. Wegen fehlender Tür- und Fensterdichtungen seien die Nachtschicht am Montagabend und die Früh- und Spätschicht am Dienstag ausgefallen, sagte VW-Sprecher Andreas Meurer der "Wolfsburger Allgemeinen Zeitung".

"Uns fehlen die Autoteile, deshalb mussten wir drei Schichten absagen." Die Produktion von mehr als 800 Autos sei betroffen. Dem VW-Sprecher zufolge soll die Produktion am Mittwoch wieder anlaufen, da der Streik in Spanien offenbar befristet sei. (mit dpa)
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UnchainedRage

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Kämpfe in der Automobilindustrie
« Antwort #42 am: 15:00:36 Mi. 27.Juni 2007 »
jo, auch die streiks globalisieren sich  :D

Kater

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Kämpfe in der Automobilindustrie
« Antwort #43 am: 11:01:26 Do. 02.August 2007 »
Zitat
Russische Behörden drohen Gewerkschaften
Streik im Werk des größten Autoherstellers Avtovaz

Rund 12.000 Mitarbeiter beschäftigt Russlands größter Autohersteller Avtovaz. In dem Werk nahe der Wolga war ein Streik geplant, um der Forderung nach Lohnerhöhung Nachdruck zu verleihen. Dieser Streik war von einer kleineren Gewerkschaft organisiert, die weder der Regierung noch der Werksleitung nahe steht - und schon werden Gewerkschaftler festgenommen. Unser Korrespondent Robert Baag:

Die Moskauer Rentnerin Tamara Aleksandrova gibt sich kämpferisch. Ja, von dem Streik bei AvtoVAZ in Togliatti an der Volga habe sie gehört. Und sie ist voller Sympathie:

"Was soll man denn sonst machen? Wenn es Leute gibt, die vor Hunger sterben? Wenn man den Menschen alle Ersparnisse geraubt hat? Wenn die Preise steigen? - Die Arbeiter dort bei AvtoVAZ sollten in das Verwaltungsgebäude gehen, die dort gefangen nehmen und das ihnen Zustehende einfordern! ICH würde gehen..."

So radikal gestimmt sind sicher die wenigsten. Aber auch der Student Pawel, der darauf angewiesen ist, sich etwas dazuzuverdienen, hält die Aktion der Automobilarbeiter in Südrussland für legitim:

"Die Preise steigen überall. Im Gegensatz zu den Löhnen. Da wird man schon was in Richtung Streik machen müssen. Sonst geht das doch so weiter! "

Seit Wochenbeginn macht die kleine unabhängige Gewerkschaft "Jedinstvo" von sich reden. Bei AvtoVAZ, immer noch ein Megakoloss, der knapp 12.000 Menschen im Gebiet Samara Arbeit gibt, sind die Monteure sauer. Derzeit verdienen sie im Schichtbetrieb umgerechnet knapp dreihundert Euro. Jetzt fordern 25.000 Rubel, etwas über 700 Euro. Zu viel?

Immerhin: Die Lebensmittelpreise nähern sich bei vielen Produkten dem deutschen Niveau an. Da wäre selbst dieser Lohn bei einer vierköpfigen Familie nicht gerade exorbitant hoch - denn auch die Miete will ja noch bezahlt sein.

Jedinstvo-Sprecher Pjotr Solotarjov im unabhängigen Radiosender Echo Moskvy, der übrigens als einzige Station landesweit über das Streikgeschehen gut tausend Kilometer entfernt berichtet:

"Die Menschen beklagen sich über die Geschäftsleitung, die es so weit hat kommen lasen, dass die Arbeiter eines derart wichtigen und mächtigen Unternehmens inzwischen in solch ärmlichen Verhältnissen leben müssen."

Sicher das Werk, das den berühmten, manche sagen "berüchtigten" russischen Lada produziert, ist in Schwierigkeiten. Nicht zuletzt Missmanagement noch aus sowjetischen Zeiten gilt als Grund.

Aber es erstaunt doch, dass die so genannten unabhängigen Gewerkschaften mit ihrem regierungsnahen Sitz im fernen Moskau sich beeilen, der Firmenleitung den Rücken zu stärken. Sie kritisieren die rund 500 Arbeiter, die jetzt erstmals während einer Vormittagsschicht zu streiken begonnen haben. Vladimir Korneev, der Vorsitzende der staatsnahen, formell aber eigenständigen Gewerkschaft FNP am Telefon:

"Wir können diese Aktion nicht unterstützen. AvtoVAZ befindet sich doch in einer Umstrukturierungs- und Reform-Phase... Dieser Streik, der ja wohl illegal und unvorschriftsmäßig organisiert worden ist, kann noch schmerzhaft auf das Werktätigen-Kollektiv zurückschlagen!"

Wie schmerzhaft, hat noch am Wochenende der Jedinstvo-Aktivist Anton Vetschichin erleben müssen. Die Miliz von Togliatti fing ihn vor den Werkstoren ab und nahm ihn für drei Tage in Polizeigewahrsam. Einem andern Jedinstvo-Mitglied konfiszierte die Miliz Flugblätter. Deren Inhalt wird jetzt auf - wie es heißt: - "extremistischen Inhalt" geprüft. Und: Nach einem neuen, rasch vor der Duma-Wahl im Dezember verabschiedeten Gesetz kann darauf sogar Gefängnisstrafe stehen - wobei der Begriff "extremistisch" selber extrem dehnbar sei, wie der Volkshumor spottet.

Für Jewgenij Jassin, einst marktliberaler Wirtschaftsminister unter Präsident Jelzin, markieren die Vorgänge in Togliatti einen Zeitenwechsel:

"Immer mehr normale, nicht sowjet-ähnliche, der Staatsmacht hörige Gewerkschaften werden auftauchen. Aus einem ganz einfachen Grund: Weil die Marktwirtschaft funktioniert. Denn Gewerkschaften sind ein Element der Marktwirtschaft - mitsamt unabhängigen Vertretern!"
- "Sicher: Die heutige Situation", so Jassin, "erlaube es noch, diese Bewegung an die Kandare zu nehmen! Wie es einmal weitergehen werde? - Das", so Jasin, "hängt von den Arbeitern ab!"

http://www.dradio.de/dlf/sendungen/europaheute/653322/

Kuddel

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Kämpfe in der Automobilindustrie
« Antwort #44 am: 20:49:33 Mo. 24.September 2007 »
24. September 2007,  NZZ Online
 

Streik bei General Motors

Tarifverhandlungen gescheitert

Beim Opel-Mutterkonzern General Motors wird seit Montag gestreikt. Die Beschäftigten hätten nach Ablauf einer von der Gewerkschaft gesetzten Frist die Arbeit niedergelegt, sagte GM-Sprecher Dan Flores. Rund 73.000 Mitglieder der US-Autoarbeitergewerkschaft UAW arbeiten für General Motors. ...

 
Beim US-Autokonzern General Motors (GM) wird seit Montag gestreikt. Die Arbeiter der Werke in mehreren Gliedstaaten legten die Arbeit nieder, weil sich beide Seiten nicht auf einen neuen Tarifvertrag einigen konnten.

(ap) Beim Opel-Mutterkonzern General Motors wird seit Montag gestreikt. Die Beschäftigten hätten nach Ablauf einer von der Gewerkschaft gesetzten Frist die Arbeit niedergelegt, sagte GM-Sprecher Dan Flores. Rund 73.000 Mitglieder der US-Autoarbeitergewerkschaft UAW arbeiten für General Motors.

Der Autobauer zeigte sich enttäuscht von dem Streik. Man wolle jedoch weiterhin mit der Gewerkschaft zusammenarbeiten, um gemeinsam Lösungen für die Herausforderungen zu finden, sagte Flores. GM hatte sich in den Verhandlungen für einen Gesundheitsfonds eingesetzt, um rund 51 Milliarden Dollar an Kosten für die Gesundheitsfürsorge von ehemaligen Mitarbeitern aus den Büchern zu tilgen. Der Konzern muss fast 339.000 Rentner und überlebende Angehörige von ehemaligen Mitarbeitern versorgen.

Der Tarifvertrag war bereits am 14. September abgelaufen; die UAW verlängert ihn seitdem auf stündlicher Basis. UAW-Präsident Ron Gettelfinger zeigte sich nach den 20-tägigen bisher ergebnislosen Verhandlungen verärgert: «Wir sind enttäuscht und schockiert, dass GM nicht anerkennt, was die Gewerkschaftsmitglieder in den vergangenen vier Jahren zu der Unternehmensentwicklung beigetragen haben». Gettelfinger machte keine Angaben zu den Forderungen der Arbeitnehmervertretung. Allgemein wird davon ausgegangen, dass die UAW Produktionsgarantien für die US-Werke fordert.
Unternehmen missachtet die Beschäftigten

UAW-Verhandlungsführer Cal Rapson kritisierte, das GM-Topmanagement habe sich auch in diesem Jahr wieder Bonuszahlungen genehmigt, von den Beschäftigten werde dagegen erwartet, dass sie einen Rückgang beim Lebensstandard hinnähmen. «Die Missachtung der Interessen der Beschäftigten durch das Unternehmen hat unsere Verhandlungskommission zu dem harten Vorgehen gezwungen», erklärte Rapson.