Autor Thema: Talk2move?  (Gelesen 33033 mal)

Toyota2710

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Talk2move?
« am: 15:14:47 Do. 22.Juni 2006 »
Hallo,

hat hier jemand schon Erfahrung mit talk2move? Von den Stellenbeschreibungen erinnert mich das sehr an Wesser.
Ist das eine ähnliche Agentur?

Gruß
Toyota

ichwardabei

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Talk2move?
« Antwort #1 am: 11:29:20 Mo. 03.Juli 2006 »
Hallo.. ich hab mitgemacht bei talk2move. habe erst 3 Woche gemacht, dann nochmal 2 und reise im august wieder an.
Ganz ehrlich, der job macht super viel spaß und ist aber auch das anstrengenste,was ich je gemacht habe..
mit der bezahlung läuft alles ganz normal und ich hatte keine schwierigkeiten. aber ich hatte die gleichen bedenken wie jeder andere auch und war super skeptisch.
Dann war ich bei nem infotermin und dadurch wurde ich etwas lockerer und habe meine skepsis ein wenig verloren.
Logisch,  ich sollte am Tag auch meine 5 neuen Förderer bringen aber die leute waren darauf jetzt nicht so verbissen. wenn es mal nicht geklappt hat, war das jetzt nicht so tragisch..
Im allgemeinen denke ich, war und ist es eine gute erfahrung.. ;)
Aber jeder sollte sich halt selbst sein bild machen.
Gruß

aian19

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Talk2move?
« Antwort #2 am: 14:09:27 Mo. 03.Juli 2006 »
Tsts...

Zitat
Logisch, ich sollte am Tag auch meine 5 neuen Förderer bringen....

Wieso kommt mir das so bekannt vor ????? :rolleyes: :rolleyes: :rolleyes:
"Wer kämpft, kann verlieren, wer nicht kämpft, hat schon verloren"

"Wenn Unrecht zu Gesetz wird, ist der Gesetzlose der einzige, der noch rechtmäßig handelt."

Mene mene tekel upharsin

Wilddieb Stuelpner

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Talk2move?
« Antwort #3 am: 14:18:23 Mo. 03.Juli 2006 »
aian 19,

Denkst Du an Schneeball- und Pyramidenspiele mit großartigen Köderveranstaltungen, wo alle auf Befehl aufspringen und ihrem Führer Tschakka zu schreien? Das soll sich nur rentieren, wenn immer neue Kandidaten aus dem eigenen Bekannten- und Verwandtenkreis nachrücken. Natürlich verlangt der Eintritt in diese Firma ein Eintrittsgeld oder den Besuch von Bildungsseminare zwischen 4 bis 6.000 Euro pro Person.

Das Strickmuster z.B. von PPV. Es ist das Spiel mit dem Kugelschreibermontieren, nur auf etwas höhere und elegantere Ebene und mit höheren Spieleinsätzen - Pokern in ungeahnten Größenordnungen.

andy19

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Talk2move?
« Antwort #4 am: 21:10:52 Di. 04.Juli 2006 »
Das klingt nicht mehr nach schneeball ,sondern eher nach ganzen Eisbergen die ins rollen gebracht werden. Und die Pyramiden stehen Kopf damit das Geld besser zur Spitze rutschen kann.
Meine unmaßgebliche Meinung =Finger weg!!!!


Gruß aus Leipzig

aian19

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Talk2move?
« Antwort #5 am: 13:10:46 Mi. 05.Juli 2006 »
@joachimkuehnel

Jupp, Joachim, genau daran hab ich gedacht. Und wenn die´s nicht so eng sehen, wie der Verfasser schreibt, hat sich dieser Laden ganz schnell wieder erledigt. Im anderen Fall hast die gleich Soße wieder.... :(
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ichwardabei

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Talk2move?
« Antwort #6 am: 15:36:46 Di. 11.Juli 2006 »
hallo nochmal,

mal abgesehen davon, dass ich der größte skeptiker bin, den es wohl auf der welt gibt,( wie schon erwähnt ;)  ) habe ich gute erfahrung mit talk2move gemacht..
Und ich denke, dass es doch ein wenig unfair ist, jemanden zu verurteilen, wenn man keine ahnung davon hat...
Ich weiß, dass dieses Forum dazu dient, wirkliche Idioten ausfindig zu machen und auch diese ganzen Drückerkolonnen..

Aber, ich war dabei und lebe noch, habe mein geld bekommen, hatte spaß und auch wenn ich keinen neuen Förder gefunden hatte, wurde mir nicht der kopf abgerissen..

Also, es sind nicht alle gleich

Powerlusche

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Talk2move?
« Antwort #7 am: 14:15:53 Mi. 12.Juli 2006 »
Zitat
Original von ichwardabei
hallo nochmal,

mal abgesehen davon, dass ich der größte skeptiker bin, den es wohl auf der welt gibt,( wie schon erwähnt ;)  ) habe ich gute erfahrung mit talk2move gemacht..
Und ich denke, dass es doch ein wenig unfair ist, jemanden zu verurteilen, wenn man keine ahnung davon hat...
Ich weiß, dass dieses Forum dazu dient, wirkliche Idioten ausfindig zu machen und auch diese ganzen Drückerkolonnen..

Aber, ich war dabei und lebe noch, habe mein geld bekommen, hatte spaß und auch wenn ich keinen neuen Förder gefunden hatte, wurde mir nicht der kopf abgerissen..

Also, es sind nicht alle gleich


Und ich bin der Kaiser von China.

reden wir so in 1-3 Jahren noch mal darüber jenachdem deine aufassungsgabe beschaffen ist.
Wer Peanuts bezahlt muss Affen einstellen.

VenDeTa

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Talk2move?
« Antwort #8 am: 17:23:06 Sa. 02.September 2006 »
die schnellballsystem basierenden Direktvertriebe tun sich doch alle nix , ich zu meinem Teil hab seit Ranger diem Schnauze voll davon
H I S

und stolz darauf :-)
[/COLOR][/SIZE]

regenwurm

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Talk2move?
« Antwort #9 am: 18:05:11 Sa. 02.September 2006 »
***Powerlusche*** meißelte in die Tastatur
Zitat
Und ich bin der Kaiser von China.

reden wir so in 1-3 Jahren noch mal darüber je
nachdem deine aufassungsgabe beschaffen ist.

das ist der Griff ins Klo? ...


mal ein paar Infos gesammelt, ein Glück das ich NIE Geschäfte an so einem Stand machen, ich geh' da immer vorbei und denke scheiß Abzocker.

Dickes Fragezeichen ? Weil Geenpeace und Amnesty arbeiten mit so ein Drecks Sammel Geld System

Firmenvorstellung:

talk2move ist eine der erfolgreichsten Fundraisingagenturen Österreichs und expandiert nun auch nach Deutschland. Umwelt-, Tierschutz- und Menschenrechtsorganisationen, wie etwa amnesty international, VIER PFOTEN, Greenpeace, World Vision gehören zu unseren zufriedenen Partnern in Österreich. Auf Deutschlands Strassen findest du uns für den WDCS im Einsatz.

Dein Studenten- bzw. Überbrückungsjob - bundesweite Tour 2006

Du bist eine richtige Quasselstrippe, bist reiselustig und bist auf der Suche nach einem Job, bei dem du nicht nur Geld verdienst, sondern auch Spaß haben kannst? Für die Tätigkeit als face2face Fundraiser brauchst du mindestens 3 Wochen durchgehend Zeit, Spaß am Reisen, ein selbstbewusstes Auftreten und viel Überzeugungskraft. Außerdem solltest du gerne im Team arbeiten, perfekte Deutschkenntnisse haben und zwischen 18 und 27 Jahre alt sein.
+++++++++++++++++++
heißt übersetzt Du sollst die Leute vollquatschen können...
du sollst Umsatz machen
Jobprofil:

Du arbeitest, eingebunden in ein Team von 4 - 7 Personen. Dabei informierst du Passanten über Projekte und Ziele unserer Partner und trittst in ein erfolgsorientiertes Verkaufsgespräch. Der ideale Job für überzeugende und kommunikative Studenten, Absolventen und Freiberufler. Das ganze Jahr über oder in den Ferien.


++++++++++++++++++
Das System macht keine Fehler, es ist der Fehler.

FroschohneNamen

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Talk2move?
« Antwort #10 am: 10:02:29 Di. 16.Oktober 2007 »
Tagchen!

Interessiere mich auch für talk2move, habe allerdings wenig Ahnung, wie so etwas funktioniert.

Weiter oben stand, man müsse jeden Tag mind. 5 Förderer finden. Stimmt das? Was ist, wenn man das nicht schafft?

Außerdem war hier von einem "Eintrittsgeld" die Rede. Das bezog sich - wenn ich das richtig verstanden hab - nicht auf talk2move, oder?

An alle, die schonmal dabei waren: Konntet ihr euer Pensum erfüllen? Wie lange ward ihr dabei, und wieviel habt ihr verdient?

Gibt es vielleicht bessere Alternativen zu talk2move (im Raum Berlin)?

Im Voraus danke fürs Antworten.

dumm

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Talk2move?
« Antwort #11 am: 20:14:53 Di. 16.Oktober 2007 »
:wallbash>
sag mal bist du der deutschen sprache nicht gewachsen?es steht doch schon alles auf seite 1......

Ichwarauchdabei

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Talk2move?
« Antwort #12 am: 18:58:58 Sa. 30.August 2008 »
Hey,
ich war auch dabei. und ich kann aus eigener erfahrung sagen, dass dieser verein die totale ausbeuterei ist! bei meinem teamchef war es sogar so, dass wir manchmal unsere erste pause erst um 17 uhr hatten!
also die projekte von aktion weltkinderhilfe u.a. sind echt cool, aber die arbeitsbedingungen sind mies.

ich würde es mir zweimal überlegen, und weiterempfehlen kann ich es niemandem.

zuwenige pausen, zu hohe ansprüche, zuviel druck.

matten

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Talk2move?
« Antwort #13 am: 17:18:28 So. 31.August 2008 »
moin moin...

mein Tipp..Finger weg.. von seinem Müll

ganz üble Abzocke...

mfg
matten

Kevin Brutschin

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Re:Talk2move?
« Antwort #14 am: 10:34:11 Fr. 06.Februar 2015 »
Hier meine zwei Hintergrundberichte zur immer umstritteneren Zusammenarbeit zwischen Non-Profit-Organisationen & solchen Spendesammelfirmen wie eben Wesser, Dialogdirect, talk2move, Corris etc. vom November 2014. Am Anfang wird auf die Situation in der Schweiz eingegangen, danach erfolgt Ausweitung auf die Situation in Deutschland & Österreich (ich selbst habe übrigens selbst im Hilfsorganisationsbereich gearbeitet, konnte mich aber mit den dortigen missbräuchlichen Tendenzen nicht mehr abfinden). Grüessli aus der Schweiz, Kevin Brutschin  :)

1. HILFSWERKE & SPENDENFIRMEN: BIS ZUM ZUSAMMENBRUCH
Ob Norddeutscher Rundfunk oder renommierte BBC: Wo Spendensammelnde profitorientierter Fundraisingagenturen auftauchen, wird Kritik laut. Folge: Wachsender Unmut, d.h. zunehmende allgemeine Spendenverweigerung, was wiederum die Budgets der Non-Profit-Organisationen (NPO) unter Druck setzt. Dieser wird dann über die Agenturen an die Sammelnden weitergegeben (und in Form immer unlauterer Sammelmethoden auch an die Spenderschaft – wie z.B. die Weltwoche vom 4.4.2013 deutlich macht). Wie soll das enden?
 
Letztes Jahr sorgte der Kassensturz (12.2.2013) für Aufruhr: Sammelnde der Firma Corris ständen unter heftigstem Druck. Von falschen Lohnversprechungen war die Rede, gar von Ausbeutung. Die auftraggebende & laut Zewo-Reglement (“Die Verantwortung für eine Aktion kann nicht abgetreten werden.”) verantwortliche NPO Helvetas darauf: Das höre man zum 1. Mal. Ja? SonntagsZeitung vom 21.3.2004: “(Corris) setzt seine… Sammler massiv unter Druck”. NZZ vom 21.12.2005 (ein Ex-Sammler zum Lohn): “Finanziell sah das Angebot… sehr lukrativ aus, aber das stimmte nicht mit der Realität überein.” Die deutsche taz vom 29.8.2014 nahm sich nun der Agentur DialogDirect an: Eine Ex-Sammlerin fühlt sich ausgebeutet; gewaltiger Druck sei auf sie ausgeübt worden: Bis zum Zusammenbruch! Damit kommt Amnesty International in Erklärungsnot (wenn taz-Vorwürfe, denen Amnesty Deutschland widerspricht, stimmen): Amnesty CH ist bei Corris, Amnesty DE bei DialogDirect. Amnesty CH hätte vor einer Wiederholung des Skandals warnen müssen (Corris-Besitzer Gerhard Friesacher ist DialogDirect-Mitgründer! Friesacher & DialogDirect-Boss Franz Wissmann haben das Sammelsystem einst sogar zusammen aufgebaut, in der CH laut K-Tipp vom 26.3.1997 unter dem Namen “Wissmann, Friesacher & Co.”)! Amnesty Österreich wiederum hat schon vor einigen Jahren auf Eigendurchführung der Aktionen umgestellt. Auf die Frage nach dem Grund teilt Amnesty CH Folgendes mit: “Dies lag aber nicht daran, dass… Amnesty mit der Arbeit der Agenturen oder deren Arbeitsbedingungen für die Dialoger unzufrieden war, sondern dass es eine Änderung des Arbeitsrechts in Österreich gab, so dass diese Agenturen den Betrieb eingestellt haben.” Nachforschungen deuten allerdings schwer auf eine andere Ursache hin: Die betroffene Agentur, talk2move, war nämlich ebenfalls unter Maximal-Beschuss, sowohl der Medien (z.B. von “Die Presse” vom 19.8.2006) als auch eines durch einen vielbeachteten Blog verursachten “Shitstorms”! Der österreichische “Standard” schrieb am 3.3.2011 sinngemäss: “Mittlerweile sind die meisten Agenturen nach Deutschland abgewandert – wegen der Beschwerden über die schlechten Arbeitsbedingungen, vermuten die hiesigen Fundraiser. Die Agenturen selbst wollen sich dazu nicht äußern.” Der Ex-Arbeitgeber von talk2move-Boss Robert Hatwagner übrigens: Wissmann & Friesacher…


2. CORRIS & CO.: ÖFFENTLICHES SPENDENSAMMELN VOR DEM AUS?
 
Profit mit Non-Profit: Absurd

Sie kommen nicht aus der Kritik: Gewinnorientierte Fundraisingagenturen wie Corris, Wesser, Imis, Ten Fe oder Lecho, welche für Hilfswerke wie z.B. den WWF, Amnesty International, Pro Infirmis, Helvetas, das Rote Kreuz, Pro Natura, Gesellschaft für bedrohte Völker oder Terre des femmes auf der Strasse oder vor Haustüren auf Spendenfang gehen. Die (künstlich-) sympathischen bis militanten “Dialoger” – in den anderen deutschsprachigen Ländern nennt man sie auch “Keiler” oder “Drücker(-kolonnen)” – sind meist jugendliche Mitarbeitende, oft Studierende, die im Schnellverfahren ausgebildet werden und bei Corris im Schnitt mickrige drei Wochen bleiben. Nachdem letztes Jahr vor allem der Kassensturz und die Weltwoche unter anderem haarsträubende Arbeitsbedingungen und eine Vielzahl unlauterer Vorgehensweisen beim Sammeln, aufgedeckt haben, hat’s dieses Jahr in der Romandie “gekracht”: Im August berichteten gleich mehrere westschweizer Medien über interessanterweise aufkeimende Zweifel eines Hilfswerks am betreffenden Sammelsystem. Vielleicht scheint die Einsicht gereift, dass eine zu starke Kommerzialisierung, sprich: Die Auslagerung gewisser, zentraler Tätigkeiten von einer “gemeinnützigen Non-Profit-Organisation” (NPO) an eine “eigennützige Profit-Organisation” – was ja schon per Definition einen Widerspruch in sich darstellt (siehe dazu auch Februar-Newsletter auf www.gemeinschaften.ch/Analysen,/4. Beitrag) – womöglich prinzipiell nicht aufgeht.
 
Sieben bis acht Abschlüsse pro Tag (laut Corris-Kommunikationschef im Bund): Tatsächlich?

Amnesty International signalisierte in diesem Sinne, dass die Zusammenarbeit mit Corris “nicht in Stein gemeisselt” sei.  Der Menschenrechtsorganisation geht es jedoch kaum ausschliesslich um ethische, sondern auch um knallharte wirtschaftliche Gesichtspunkte. Die Ausgaben stehen nämlich schon lange in keinem vernünftigen Verhältnis mehr zu den Einnahmen. So verlangt Corris satte 850 Franken (ca. 700 Euro) pro sammelnde Person und Tag, während diese Person jedoch immer weniger neue Spendende findet. 1997 deutete Corris-Gründer und -Inhaber Gerhard Friesacher in einem K-Tipp-Artikel noch an, dass 50 Abschlüsse pro Woche, d.h. zehn pro Tag, absolut machbar seien. In der NZZ vom Dezember 2012 tönt es bei Tom Hofer, Chef Fundraising beim Gehörlosenbund, nun aber ganz anders: “Vor einigen Jahren habe man noch von sieben bis acht Abschlüssen pro Dialoger und Tag ausgehen können… Heute seien fünf neue Spender bereits ein guter(!) Wert”. Fazit: Die Anzahl Abschlüsse pro Tag sind von acht bis zehn (um 1997) auf heute knapp(!) vier zurückgegangen.
 Der Grund für diesen Rückgang liegt einerseits darin, dass der heutige Hilfswerkbereich komplett überdimensioniert, d.h. der Spendenmarkt übersättigt ist. Andrerseits sind aber auch immer mehr Leute einfach über die zweifelhafte Zusammenarbeit im Bilde und verzichten deshalb auf eine Spende. Und schlussendlich ist zu allem Übel auch noch die durchschnittliche Spendendauer deutlich gesunken, was den NPO zusätzliche Einbussen beschert.
 
Schmerzhafte Kurskorrektur mit Stellenabbau unausweichlich

Der schweizer NPO-Sektor befindet sich zweifellos am Beginn einer äusserst schmerzhaften “Kurskorrektur” inkl. Stellenabbau. Und die NPO-Managements tragen fraglos eine enorme Verantwortung für diese in den letzten 15-20 Jahren stattgefundene “Fehlentwicklung”. Speziell, indem sie die Hilfwerk-Kontrollstelle Zewo zu einer Art “Hilfswerk-Lobbyorganisation” umfunktioniert haben: Vor allem mit der Einsetzung der bis heute amtierenden Geschäftsführerin Martina Ziegerer im Jahr 2003 (Frau Ziegerer ist inzwischen sogar noch zusätzlich aktuelle Präsidentin des International Committee on Fundraising Organizations ICFO, wo auch die Zewo-Pendants DZI, bzw. das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen sowie das Österreichische Spendengütesiegel dazugehören). Seither ist nämlich eine zunehmende Duldung des “Systems Corris” zu konstantieren. Ein unabhängig zustandegekommener Meinungswandel? Mitnichten: Bereits 2011 deckte die Handelszeitung eine brisante Beziehung zwischen der Zewo-Geschäftsführerin und dem Kommunikationschef der Caritas, Odilo Noti auf. Dieser ist nämlich ihr Mann! Und Caritas ist heute Kunde von Corris! (Auf weitere hochheikle Verstrickungen weist der Dezember-Newsletter auf www.gemeinschaften.ch/Analysen,/3. Beitrag hin.). 1997, am Anfang der Verbreitung dieses Sammelsystems, verurteilte die Zewo die dabei angewendeten Methoden – heute gang und gäbe – noch aufs Schärfste:
 •Spendensammeln sollte niemals aufdringlich sein. Erfolgsbeteiligungen fördern dies aber geradezu.
 •Die ausgelagerten Sammelaktionen erwecken einen falschen Eindruck. Man meine, dass es sich um Hilfswerk-Leute handle. Dabei sind es jobbende Studenten.
 •Wenn man das LSV langjährigen Mitgliedern anbietet, ist das in Ordnung. Aber wildfremde Leute schnell, schnell auf der Strasse zu überreden, ist nicht fair.
In einer SonntagsBlick-Ausgabe aus demselben Jahr, wo kritisch über die Zusammenarbeit zwischen Rotem Kreuz und der Corris-Konkurrenzfirma Wesser berichtet wird, bezeichnete die Zewo das System sogar als “Witz”!
 
Wir werden von anderen Aktionen schon genug beansprucht. (Amnesty International im Tagesanzeiger)
 
Es stellt sich i.d.S. die Frage, warum in der Folge, bzw. vor allem in der ersten Hälfte der Nullerjahre überhaupt so viele NPO auf den “Corris-Zug” aufgesprungen sind, denn ursprünglich hatten selbst viele NPO erhebliche Zweifel an diesem Sammelsystem. Erstens: Bereits vor zehn und mehr Jahren war eine Sättigung im Spendenmarkt eingetreten, was herkömmliche Fundraisingmethoden anbelangt (z.B. Spendenbrief), d.h. viele NPO kamen unter “Budgetdruck”. Zweitens: Die Aktionen liefen in den Anfangsjahren vielversprechend (wobei ja aber auch erst für einzelne Organisationen so angeworben wurde, und auch erst wenigen Menschen klar war, dass es sich bei den Sammelnden weder um NPO-Mitarbeitende noch Freiwillige handelt). Drittens: Bei den NPO machte sich eine gewisse “Überheblichkeit” breit, wie z.B. eine vergangene Lohnstudie des Instituts für Verbandsmanagement der Uni Fribourg zeigt (zwischen 1999 und 2005 stiegen die Löhne um zwei bis drei Prozent – jährlich). Noch bedenklicher aber ist eine ein paar Jahre später gemachte Aussage von Amnesty International im Tagesanzeiger: Sie würden von anderen Aktionen schon genug beansprucht. Tatsächlich bedeutet dies, dass das Sammeln – entgegen der vielfach gehörten Beteuerungen der NPO, dass die Beziehung zur Spenderschaft absolut zentral sei und ihr besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden müsse – in Wahrheit von den NPO als zweitrangig eingestuft wird. (Im selben Artikel wird übrigens auch Greenpeace erwähnt, das sich inzwischen – im Gegensatz zu Amnesty – nicht zu schade ist, selbst auf die Strasse zu gehen: Das komme nicht nur billiger, sondern es werde auch viel weniger reklamiert.)
 
Ökonomisierung verdrängt ethische Grundwerte
 
Nichtsdestotrotz: Vieles war auch gut gemeint, bewirkte langfristig jedoch genau das Gegenteil der erwünschten Wirkung. Auch das Entgegenkommen der Zewo bei der Zusammenarbeit mit Agenturen gehört im Prinzip dazu: Man wollte einfach günstige Rahmenbedingungen für die ja grundsätzlich “sinnvolle” Hilfswerkarbeit mitschaffen helfen. Übersehen wurde allerdings dabei, dass die dem gemeinnützigen Bereich zugrundeliegenden ethischen Grundwerte wie z.B. der Selbstlosigkeitsgedanke oder die aufrichtige Kommunikation gegenüber der Spenderschaft zu Gunsten einer immer stärkeren Ökonomisierung – die Hilfswerke reden in diesem Zs-hang manchmal auch von “Professionalisierung” – aufgeweicht wurden (Radio RaBe). Das Problem dabei: Diese Grundwerte machen ja erst das “Sinnvolle” an Hilfswerkarbeit mit aus! Sowohl NPO wie auch die Zewo haben ethisches Feingefühl vermissen lassen, und letztere hat auch ganz einfach ihre Rolle falsch interpretiert. Und als sie noch “halb-unabhängig” war, fehlte es ihr an Durchsetzungsvermögen gegenüber der damals immer mächtiger werdenden “Hilfswerklobby” (inzwischen ist die Zewo ja sowieso praktisch Teil davon).
 
Aber auch die Spenderschaft hat viel zu lange gutgläubig zugesehen – trotz wiederkehrenden, sauber recherchierten, kritischen Medienberichten zu den Missständen. Im NPO-Sektor der Schweiz müsste sich, zs-gefasst, einiges ändern, sofern dieser seine Glaubwürdigkeit wiedererlangen will:
 1.Rückbesinnung auf ethische Grundwerte
 2.Redimensionierung
 3.Re-Installation unabhängiger Kontrollstellen
 4.Zurückstufung der Löhne
 5.Begrenzung des Lobbyings
 
Die “Wohltätigkeits-Strassenräuber” haben bereits grösstenteils ausgesammelt
 
In der Angelegenheit um Corris & Co. empfiehlt es schliesslich, auch einen Blick ins Ausland zu werfen. Speziell nach England, wo die Sammelnden ganz trocken «chuggers» genannt werden. (Wortspiel: “charity”=Wohltätigkeit und “mugger”=Strassenräuber). In England ist die Fehlentwicklung im NPO-Sektor noch prekärer. Viele der fragwürdigen, “modernen” Fundraisingmethoden werden einfach aus Amerika oder eben England übernommen. Besonders der “Telegraph” hat in der jüngeren Vergangenheit das Thema beleuchtet:
 •Anfang letzten Jahres ist eine der ehemals grössten Fundraisingagenturen Englands, Tag Campaigns, nach einem verheerenden Bericht des Telegraph “kollabiert” – und fast gleichzeitig dazu sogar grösstenteils das (über Agenturen ablaufende) Sammelsystem als Ganzes(!); laut der Public Fundraising Regulatory Association (PFRA) wurde 2012/2013 nämlich bereits die Mehrheit aller auf der Strasse gefundenen Neuspendenden von “In-House”-Teams, bzw. von den NPO selbst, rekrutiert.
 •Die ehemals zum weltweiten Agenturnetzwerk Dialoging Group zählende Agentur DialogueDirect United Kingdom, ist gemäss dem englischen Magazin Thirdsector sogar bereits 2009 in Konkurs gegangen. DialogDirect ist 2004 von Corris-Besitzer Gerhard Friesacher und dem Geschäftsführer von DialogDirect Deutschland & Österreich, Franz Wissmann, gegründet und später zu einem eigentlichen “Agentur-Imperium” mit Ablegern in England & Irland, Italien, den USA sowie Australien & Neuseeland ausgebaut worden (Frankreich und die Niederlande wurden Corris zugeteilt).
 •Da “Street-Fundraising” immer stärker unter Druck kommt, weichen die Anbieter in England vermehrt auf die “Door-to-door”-Methode aus (man spricht die Leute direkt vor der Haustüre an). Da diese Methode aber auf viele noch penetranter als “Street-Fundraising” wirkt, haben sich die Reklamationen 2012 über solch “Hausierende”gegenüber dem Vorjahr verdoppelt.
 •Lohnexzesse: In den letzten drei Jahren ist die Zahl der Hilfswerk-Manager, die über 100‘000 Pfund verdienen, laut Telegraph von 19 auf 30 gestiegen – trotz rückläufigen Spendeneinnahmen. Einer Umfrage zufolge halten rund 78 Prozent der Leserschaft NPO-Chefsaläre von 100‘000 Pfund (circa 150‘000 Franken) für inakzeptabel. Laut der Schweiz am Sonntag verdienen die Chefs/Chefinnen der bekanntesten Non-Profit-Organisationen hierzulande momentan im Schnitt jährlich 189‘000 Franken.
 
Schlussanmerkung: Sehens- und lesenswürdige Medienberichte AUS DEN ANDEREN DEUTSCHSPRACHIGEN LÄNDERN; “Miese Tricks: Mitgliederfang bei DRK & Co.” (Norddeutscher Rundfunk), “Licht ins Dunkel” (Progress – Magazin der österreichischen HochschülerInnenschaft). Weitere “brisante Verflechtungen” zwischen der Schweiz, Österreich & Deutschland bzgl. dieses Sammelsystems sind ausserdem im November-Newsletter auf www.gemeinschaften.ch unter Analysen (“herunterscrollen”) zu finden. In dieser Angelegenheit besonders interessant: Das DZI hatte die Wohltätigkeits-Strassenräuber ursprünglich ähnlich kritisch wie die Zewo als “Pest” betitelt – siehe “Die Welt” vom 25.11.1997 – und selbst 2010 auf dem Portal rettungsdienst.de noch relativ klare Worte dafür gefunden – “…Viele der Spender glauben, sie hätten es mit haupt- bzw. ehrenamtlichen Mitarbeitern (der Hilfsorganisation) zu tun. «Allein das ist schon ein Verstoß gegen den eigenen Verhaltenskodex zur Mitgliedergewinnung», kritisiert das DZI…”. Heute gibt sich die deutsche Kontrollstelle stattdessen bzgl. womöglicher Missstände bei bestimmten Agenturen plötzlich “mindestens verdächtig” ahnungslos, bzw. zurückhaltend (auf die Vorwürfe der taz vom 29.8.2014. meinte DZI-Leiter Burkhard Wilke, dass DialogDirect bisher nicht auffällig geworden sei). Ist zumindest die Frage erlaubt, ob das DZI die Haltung der inzwischen im ICFO den Vorsitz haltenden, aber komplett voreingenommenen Zewo übernommen hat?