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Hermes

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Kuddel:

--- Zitat ---Ohne Überstunden reicht es nicht
Leiharbeit und Lohndumping bei Versandzentrum Hermes an der Tagesordnung
Von Susan Bonath

Das weltweit größte Versandhandelsunternehmen OTTO hat in den 90ern dringend benötigte Arbeitsplätze in die sachsen-anhaltische 19000-Einwohner-Stadt Haldensleben gebracht. Mittlerweile sind es rund 3000 Stellen. Allerdings gliederte der Konzern das Haldenslebener Versandzentrum zwischenzeitlich in seine Logistik-Tochter »Hermes Fulfilment« aus und senkte damit die Löhne drastisch. Zudem läßt Hermes heute einen großen Teil der Arbeit von Zeitarbeitern erledigen. Neues Personal, vorrangig für die Kommissionierung im Schichtbetrieb, aber auch für die Führungsaufgaben, wird fast ausschließlich über das Zeitarbeitsunternehmen »Randstad« rekrutiert. Die Löhne der Leiharbeiter sind so niedrig, daß viele sie vom Jobcenter aufstocken lassen müssen. Zusätzlich kursiert das Gerücht, daß Hermes 120 bis 150 polnische Leiharbeiter in die Hallen holen will, weil die Zeitarbeitsfirma zu wenig Arbeitskräfte zu Verfügung hat.

Die Jobs im Versandzentrum waren früher beliebt, aber das hat sich gründlich geändert. Eine langjährige Mitarbeiterin, die in der Warenkommissionierung arbeitet, berichtet: »Heute nimmt der Streß überhand.« Sechs-Tage-Wochen seien nicht selten. »Die Arbeit ist mehr geworden, der Lohn allerdings nicht.« Sie habe zwar einen Vertrag über 130 Stunden im Monat, arbeite aber meist Vollzeit. Bei den vielen Leiharbeitern »kriegt man Angst um den eigenen Job«, sagt sie. Ständig seien neue Leute da. Wundern tut sie das nicht: »Für den Hungerlohn würde ich diese Arbeit auch nicht machen.«

Der 22jährige Sebastian K. (Name von der Redaktion geändert) ist seit einem halben Jahr einer dieser Hungerlöhner. Für seine Arbeit in der Kommissionierung erhalte er durchschnittlich 750 bis 850 Euro netto von »Randstad«. Sein Stundenlohn lag anfangs bei 6,65 Euro. Seit dem 1. Mai bekommt er 6,89 Euro. Auch er ist für 130 Stunden eingestellt und schiebt regelmäßig Acht-Stunden-Schichten, oft auch sonnabends. Das sei aber auch nötig: »Sonst käme ich vielleicht auf 500 Euro, davon kann ich ja nicht leben.« Die ersten Monate sei er kaum klargekommen, da die Überstunden zunächst auf ein Zeitkonto geflossen und nicht ausbezahlt worden seien.

Hermes-Pressesprecher Martin Frommhold hielt sich auf Nachfrage von junge Welt bedeckt. »Über die Zusammensetzung der Belegschaft vor Ort sowie Unternehmen, mit denen wir kooperieren beziehungsweise Vertragsbeziehungen unterhalten, machen wir grundsätzlich keine Angaben. Selbstverständlich arbeiten wir aber immer wieder auch mit Leiharbeitsfirmen zusammen, um zusätzliche Kräfte bei Auftragsspitzen einsetzen zu können«, teilte er schriftlich mit. Zur Frage, wieviel Prozent der Leiharbeiter denn auf eine Übernahme durch das Unternehmen hoffen können, machte er keinerlei Angaben. Auch der Frage nach dem im Unternehmen kursierenden Gerücht, daß Hermes plane, polnische Leiharbeiter zu beschäftigen, wich er aus. Er schrieb: »Im Versandzentrum Haldensleben sind keine Leiharbeitskräfte einer Zeitarbeitsfirma aus Polen tätig. Wenn Hermes Fulfilment zur Abfederung von Auftragsspitzen auf Leiharbeiter zurückgreift, dann werden diese von spezialisierten Leiharbeitsfirmen aus der Region vermittelt. Die Bezahlung erfolgt nach dem Tarif, auf den sich der Bundesverband Zeitarbeit mit den Gewerkschaften geeinigt hat.«
--- Ende Zitat ---
http://www.jungewelt.de/2011/05-09/043.php

Eivisskat:
Gestern in der ARD, ganz schlimm: http://www.daserste.de/doku/beitrag_dyn~uid,l8vm4f69tijmjbea~cm.asp

Video in Mediathek


--- Zitat ---Zwei deutsche Existenzen: Der Hermes-Paketbote Peter und der Milliardär Michael Otto.
Peter arbeitet für 60 Cent pro Paket, nach einem 10 Stunden Tag hat er etwa 60 Euro verdient. Fast die Hälfte davon geht für Sprit und Auto drauf.

Der andere ist einer der reichsten Männer Deutschlands: der Milliardär Michael Otto, Mehrheitsaktionär und langjähriger Vorstandsvorsitzender der Otto Group und bis heute deren Aufsichtsratsvorsitzender. Otto ist ein Vorzeigeunternehmer, hoch gelobt für sein soziales und ökologisches Engagement, für seine Bereitschaft, "gesamt-gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen". Dafür bekam er sogar das Große Bundesverdienstkreuz mit Stern.
--- Ende Zitat ---

O-Ton Auslieferer "Lieber 3 €/Std. als auf der Couch mit H4"

Na denn, schön blöd und politisch fatal... ::)

Judy:
Dass man als Hartzer auch andere Sachen tun kann, als auf der Couch zu liegen, ist wohl noch nicht so ganz angekommen, beim deutschen Michel. Zum Beispiel sich zu engagieren, um diese Mißstände abzuschaffen usw.
Ebenso ist beim deutschen Michel immer noch nicht wirklich angekommen, dass sie es sind, die solchen widerlichen Ausbeutern einen Teil der Löhne für ihre unterbezahlten Mitarbeiter über ihre Steuern blechen müssen. Die zahlen das doch aus ihrer eigenen Tasche mit, wenn Leuten nur Hungerlöhne gezahlt werden, die noch aufgestockt werden müssen.

Bei DHL soll es ja wohl ähnlich sein, da wird glaub ich auch nur nach Stückzahl bezahlt, was die Hektik der Leute erklärt (keine Zeit mehr fürs Schwätzchen) und auch die Tatsache, dass so viele Sachen einfach im Treppenhaus abgelegt werden.

Alex22:
Hauptsache Arbeit!


Judy:
Im Umkehrschluß heißt das aber auch, dass es in etwa doppelt so hohe Porto-Gebühren wären, wenn vernünftige Löhne bezahlt würden...

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