Autor Thema: ohne Krankenversicherung  (Gelesen 4081 mal)

ManOfConstantSorrow

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ohne Krankenversicherung
« am: 13:57:36 Mo. 03.Februar 2003 »
Ich glaubte mal, man wäre immer automatisch krankenversichert, über die Eltern, über das Sozial-oder Arbeitsamt oder vom Arbeitgeber.

Inzwischen weiß ich von einigen meiner Bekannten, daß sie nicht Krankenversichert sind. Einige von denen haben sich "Selbstständig" gemacht und können sich jetzt die Versicherungsbeiträge nicht leisten.

In den USA ist jeder 5.(!) nicht Krankenversichert.
Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!

Lukas

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ohne Krankenversicherung
« Antwort #1 am: 11:16:48 Sa. 15.März 2003 »
Hier soll´s auch richtig rundgehen. Krankenscheingebühren für diejenigen, die von zuzahlungen befreit sind. Gebühren für Arztbesuche. Private Krankengeldversicherung. Höhere Eigenbeteiligungen.

Es wird immermehr Leute geben, die es sich verkneifen zum Arzt zu gehen.

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ohne Krankenversicherung
« Antwort #2 am: 00:07:09 Mi. 29.Oktober 2003 »
Privatsache
 

USA: Top-Gesundheitswesen für Reiche. Millionen Armen bleibt die Wohlfahrt oder gar nichts
 
Vierzehn Prozent ihres immens hohen Sozialprodukts, mehr als jedes andere Land der Welt, geben die USA für die Ware »Gesundheit« aus. Dort forschen, lehren und heilen ein Großteil der weltweit besten Ärzte. Berühmte Krankenkäuser, wie das der Johns-Hopkins-Universität von Baltimore, begründeten den Ruf eines Top-Gesundheitswesens. Aber Spitze ist die medizinische Versorgung in den USA nur für Leute, die sich das auch leisten können. Rund 44 Millionen US-Bürger jedoch haben keine Krankenversicherung und sind nicht in der Lage, im Krankheitsfall Arzt und Medikamente zu bezahlen. Eine Untersuchung des New England Journal of Medicine kommt zum Ergebnis, daß an die 100000 Menschen jedes Jahr deshalb sterben, dreimal mehr als an AIDS. Rund zwei Drittel der US-Bürger sind von ihren »Arbeitgeber« krankenversichert. Das bedeutet konkret: Wo es - wie in der Stahlindustrie - starke Gewerkschaften gibt, verfügen die Beschäftigten über eine gute Krankenversicherung für sich und ihre Familien. Die Angestellten in den Zehntausenden Supermärkten hingegen haben, weil sie kaum gewerkschaftlich organisiert sind, nur eine schlechte bzw. gar keine. Der wichtigste Aspekt dieses Systems ist, wie der Medizinsoziologe Vicente Navarro betont, die totale Abhängigkeit: »Wenn deine Krankenversicherung auf dem Job beruht, dann verlierst du bei deiner Entlassung nicht nur das Einkommen, sondern auch den Versicherungsschutz für dich und deine Familie. Deshalb überlegen es sich die Arbeiter zweimal, bevor sie Ärger machen.«

Seit 1965 gibt es, erkämpft von den Gewerkschaften und der Bürgerrechtsbewegung, zwei staatliche Gesundheitsprogramme: Etwa 45 Millionen einkommensschwache US-Bürger bekommen Unterstützung durch »Medicaid« und 40 Millionen Alte und Behinderte durch »Medicare«. Aber schon in den siebziger Jahren wurde begonnen, diese Wohlfahrtsprogramme zu kürzen. Der unter Präsident William Clinton 1996 verabschiedete »Personal Opportunity and Work Responsibility Act« ist der Triumph dieses dreißigjährigen Roll back. Mit ihm lebt die Bush-Administration so gut, daß »Reformen« nicht notwendig sind. Aber auch außerhalb der USA hat Clintons Gesetz seine Wirkung entfaltet. Es diente Tony Blair als Vorbild beim »Umbau« der britischen Sozialfürsorge und ist die ideologische Basis der »Fördern-und-Fordern«-Politik von Schröder, Clement & Co.

Das auf diesem Gesetz basierende Workfare-Programm hat ein unmittelbares und ein strategisches Ziel. Weil New York
30000 Fürsorgeempfänger zu kommunalen Arbeiten verpflichten konnte, hat die Stadt 20000 (d. h. zehn Prozent) ihrer Angestellten entlassen.

Workfare dient, wie Tony Platt, Professor für Sozialarbeit in Sacramento, sagt, »in erster Linie als Arbeitsmarktregulator für Hunderttausende arme Frauen, die in einen bereits gesättigten Niedriglohnsektor gedrückt werden, und dort ein weiteres Absinken der Löhne hervorrufen. Ähnlich wie die Armenhäuser in der Vergangenheit, die Arbeit und Inhaftierung kombinierten, findet heute eine Arbeitsteilung zwischen Wohlfahrt und Justiz statt. In den Gefängnissen sitzen die arbeitslosen Männer, und die Wohlfahrt kümmert sich um die arbeitslosen Frauen und deren Kinder.«

Der Angriff der Clinton-Regierung auf den Sozialstaat war vom Wunsch der Demokraten motiviert, die Macht im Weißen Haus langfristig zu behalten. Dafür schien es notwendig, sich von der (sozial)liberalen Vergangenheit der Partei zu trennen und sich als Anwalt des »dritten Weges« zu positionieren. Die expandierende Wirtschaft verhinderte, daß die Auswirkungen des Kurswechsels noch unter Clinton sichtbar wurden. Viele Sozialhilfeempfänger (ca. 60 Prozent) fanden Jobs im Niedriglohnsektor. Und die meisten Bundesstaaten waren infolge der konjunkturbedingten Steuermehreinnahmen in der Lage, ihre Wohlfahrtsprogramme trotz der Mittelkürzungen durch Washington aufrechtzuerhalten. Aber es veränderte sich das öffentliche Meinungsklima, und deshalb konnte das Ergebnis der demokratischen Politik nur ein Machtzuwachs für die Republikaner sein. Und auf deren ideologischer Agenda hat das Fürsorgewesen seit Reagan einen bedeutenden Platz. »Der Diskurs über öffentliche Wohlfahrt spielt«, so Tony Platt, »eine wichtige Rolle bei der Formulierung kultureller Botschaften über Rasse und Geschlecht. Ganz besonders aber dient er zur Rechtfertigung der Überlegenheit der freien Marktwirtschaft und zur Warnung vor den Gefahren der "Abhängigkeit" und des "Klassenkampfes".« Während Präsident Bush Medicaid so drastisch beschneiden will, daß demnächst weiter 15 Millionen Menschen jeglichen Versicherungsschutz verlieren, ist er gleichzeitig bereit, die staatlichen Zuschüsse für die religiösen Organisationen zu erhöhen und den Trend zur Privatisierung der Fürsorge durch Steuervergünstigungen für wohltätige Zwecke zu beschleunigen. Seine Sozialpolitik ist, die endgültige Verschmelzung des neoliberalen Anspruchs zu privatisieren und des der harten Rechten zu moralisieren.

ManOfConstantSorrow

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ohne Krankenversicherung
« Antwort #3 am: 22:11:35 Mo. 23.Februar 2004 »
Im fünften Monat Streik und Aussperrung: Autos verkauft, Mietrückstände...

Wer die kalifornischen Verhältnisse im Nahverkehr kennt, weiss, was es gerade dort bedeutet, kein Auto zur Verfügung zu haben. Dutzende streikender Beschäftigter der Supermärkte haben bereits ihre Autos verkauft, um durchzuhalten in einer Auseinandersetzung, die immer mehr zu einem grundlegenden Kampf um Krankenversicherung wird.
Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!