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Die Antideutschen

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Kater:

--- Zitat ---Die Antideutschen
Sie gehören zu einer rätselhaften politischen Subkultur, und sie irritieren nicht nur die Linke im Land - junge Autonome, die US-Fahnen schwenken und für Israel demonstrieren
Frank Nordhausen

BERLIN. Der Berliner Rechtsprofessor Uwe Wesel ist ein Alt-Achtundsechziger, er hat schon einige Wirrnisse erlebt. "Dass ich aber einmal zusammen mit Anarchisten hinter einer amerikanischen Fahne laufen würde, hätte ich nie für möglich gehalten", sagt er. Er lacht. "Das ist skurril. Aber es geht ja um die Sache. Es geht um Israel."

Es sind 600 meist junge Leute, viele mit schwarzen Brillen, schwarzen Baseballkappen und schwarzen Kapuzenshirts verkleidet, die an diesem Sonntag vor zwei Wochen durch die Spandauer Vorstadt im Berliner Bezirk Mitte ziehen. Die dabei den Davidstern und das Sternenbanner schwenken und Transparente tragen, auf denen "Kein Friede mit den Feinden Israels" steht, und darunter "Antifaschistische Aktion". Die lauthals rufen: "Gegen jeden Antisemitismus, nieder mit Deutschland, für den Kommunismus!"

Etwas weiter hinten hat sich Lea Rosh eingereiht, die Initiatorin des Berliner Holocaust-Mahnmals. Sie hat rein akustisch nichts verstanden. "Wie bitte?", fragt sie, "Was brüllen die?" Sie atmet durch. "Also - das müssen Wirrköpfe sein."

Zwei Wochen zuvor wurden solche jungen Leute in einem ähnlichen Aufzug in der West-Berliner City gesichtet. Allerdings waren sie da nicht in der Mehrheit. Die meisten der mehr als tausend Demonstranten, die für Israel zur Gedächtniskirche liefen, waren nicht schwarz gekleidet, nicht vermummt. Viele gehörten zur jüdischen Gemeinde oder zur CDU. Zum Abschluss sprachen die CDU-Politiker Michel Friedman und Eckart von Klaeden. Zahlreiche Teilnehmer glaubten, die jüdische Gemeinde habe die Demonstration veranstaltet - was nur bedingt zutrifft. Die Gemeinde war unter Zugzwang geraten und hatte sozusagen in letzter Sekunde das Kommando übernommen. Denn angemeldet wurde auch dieser Aufzug von Linksradikalen. Von jungen Deutschen, die sich Antideutsche nennen. Deren Slogan lautet: "Bedingungslose Solidarität mit Israel".

Aus Überzeugung

Mit ihrer unbedingten Solidarität drängen sie sich der jüdischen Gemeinde seit einiger Zeit auf. "Ich denke, wir werden mal ernsthaft mit denen reden müssen", sagt der Berliner Gemeindevorsteher Gideon Joffe. Denn da sind sie nun mal.

"Ich bin für Israel. Ich bin Kommunist. Und aus Überzeugung antideutsch", sagt Thomas Sayinski.

Die Antideutschen sind die wahrscheinlich rätselhafteste politische Subkultur in Deutschland. Die politische Bewegung geht auf die Wende von 1989 zurück, als das Motto "Nie wieder Deutschland!" Tausende gegen die Wiedervereinigung auf die Straße brachte. Aus Furcht vor einem "Vierten Reich".

So sagt es Thomas Sayinski, der eigentlich nicht so heißt. Aber seinen echten Namen möchte er nicht genannt haben. Sayinski ist 27 Jahre alt, groß und schlaksig. Er trägt einen Dreitagebart, auf dem Kopf sitzt die Baseballkappe. Ein Autonomer, und einer jener Antideutschen, die die Linke auf ihren Demonstrationen zur Zeit nachhaltig irritieren. Schon während des Irakkrieges wurden Antideutsche von Versammlungen ausgeschlossen, weil sie sich für den Krieg gegen Saddam Hussein aussprachen und die Nahostpolitik von George W. Bush unterstützten. Sie fielen in Dresden auf, wo sie auf Kundgebungen zum Jahrestag der Bombardierung Transparente zeigten, auf denen "Bomber Harris, do it again" stand.

Doch dann gelang den Antideutschen in diesem Sommer ein ganz erstaunlicher Coup. Zu ihren gemeinsamen Kundgebungen mit jüdischen Organisationen gegen den iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad kamen im Juni, anlässlich der WM-Spiele des Irans, mehr als dreitausend Menschen; in Nürnberg sprach neben Claudia Roth von den Grünen auch der bayerische CSU-Innenminister Günther Beckstein. Die Antideutschen zeigten Transparente mit dem Slogan "Für die Freiheit - Viva Israel". Thomas Sayinski muss ein bisschen lächeln. "Viele haben nicht kapiert, wie das zusammen geht, wir und Beckstein." Doch wenn man das gleiche Ziel verfolge, seien eben ungewöhnliche Bündnisse möglich. Aber mit Günther Beckstein, der für linke Extremisten schon Vorbeugehaft forderte? "Ich fand es in Ordnung, dass er sprach", sagt Sayinski.

Auf zwei- bis dreitausend Menschen schätzt Sayinski die Zahl der Antideutschen im Land - ihr Einfluss aber dürfte inzwischen deutlich stärker sein. Frühere antideutsche Vordenker schreiben für große Medien wie Spiegel Online oder die Tageszeitung Die Welt. Es sind die Antideutschen, die immer wieder von einem linken deutschen Antisemitismus sprechen, von jenem "gutmenschelnden Judenhass", wie ihn der Publizist Henryk M. Broder nennt. Publizistischer Frontmann der Antideutschen ist Hermann Gremliza, der altlinke Herausgeber des Magazins Konkret. Er hatte früher noch geschrieben, es handle sich bei Israel um "das staatsförmige Eingreifkommando der USA im Nahen Osten". Nun stellt er fest: "Der Antisemit, sagt Sartre, will den Tod der Juden. Der arabische Antisemit will ihn hier und jetzt."

Koalition des Unvereinbaren

Der Verfassungsschutz urteilt in seinen Berichten, die Antideutschen hielten alle Deutschen für latent faschismusanfällig und wollten Deutschland "abschaffen". Deshalb seien sie auch strikt gegen deutsche Truppen in aller Welt. Und dass Israel nun deutsche Truppen wünscht? "Es steht uns nicht an, Israel zu kritisieren", sagt Sayinski dann. Den Widerspruch bemerkt er kaum.

Und nun? Linksradikale für George Bush? Solidarität mit der CDU? Eine Umwertung aller Werte? "Das deutsche Links-rechts-Schema lässt sich nicht einfach auf Israel übertragen", weicht Sayinski aus. Deshalb bereitet es ihm auch nur wenig Bauchschmerzen, dass derzeit die seltsamsten Koalitionen eigentlich unvereinbarer Gruppen stattfinden: Autonome, CDUler, jüdische Gemeindevorsteher vereint hinter dem Davidstern.
--- Ende Zitat ---

http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/print/seite_3/579221.html

Carsten König:

--- Zitat ---Und nun? Linksradikale für George Bush?
--- Ende Zitat ---

Es geht einfach um die Überlegung, dass der "normale, westliche" Imperialismus - bei aller Abscheulichkeit und Ausbeutung - doch im Vergleich zu seiner blutsorientierten, völkisch-germanischen Variante nur das kleinere Übel darstellt.

Wenn man nicht in der "besten aller Welten" (Leibniz) leben kann, so darf es auch nicht die "schlechteste aller denkbaren Welten" sein. Dies ist - und die Geschichte liefert dazu Anschauungsmaterial - die Welt des Totalitarismus, ob roter oder brauner Farbe, so ändert sich der Kern der Unfreiheit nicht.

Der bürgerlich-imperialistische Staat muß wenigstens formal die Freiheit anerkennen und setzt sich daher von germanischen Räubereien ab. An diese formale Freiheit kann angeknüpft werden, sie perpetuiert den Gedanken der Freiheit. Die innere Dialektik der bürgerlichen Widersprüche treibt die Geschichte weiter: Es gibt in der bürgerlichen Welt eine Entwicklung.

Die totalitären Staaten KONNTEN nur VERNICHTET werden oder UNTERGEHEN. Dort gab es keine Evolution. Der Grund, warum von einer Wende zu sprechen, sich in der DDR/SBZ eigentlich verbat.

An Deutschland ist etwas furchtbares. All das liebenswerte, strahlend der Deutsche Idealismus, war per se kosmopolitisch.

Anti-Deutsch: ist ANALYTISCH zu kurz gefaßt, es geht darum, das Deutsche zu überwinden, POLITISCH-POLEMISCH kann man freilich so formulieren.

Kater:
die Antideutschen und die Arbeitswelt (nicht ganz aktuell...)

http://kf.x-berg.de/forum/thread.php?threadid=915

admin:
In diesem Forum gibt es zahlreiche Postings, die ich für politisch falsch und kontraproduktiv halte. Sie bleiben im Forum in der Hoffnung, daß sich politische Fehler in der Diskussion klären lassen.

Faschistische und antideutsche Propaganda werden in diesem Forum nicht toleriert. Diese Grundlage des Betriebs von chefduzen.de ist nicht verhandelbar.

Meine politischen Aktivitäten begannen nicht mit dem Start dieses Forums, sie reichen zurück bis in die 70er Jahre. In den letzten Jahren war ich oft gezwungen, mich mit dem Wirken der Antideutschen auseinanderzusetzen. Ich konnte beobachten, wie die "Mitarbeit" von Leuten aus dieser Szene zu einer Handlungsunfähigkeit politischer und kultureller Initiativen führte und oft deren Ende bedeutete.

Ich habe niemals Nazis und Antideutsche gleichgesetzt. Ihr Gut-Böse-Schema in der Beurteileung von Menschen verschiedener Nationalitäten ist entgegengesetzt. Doch hat ein Gut-Böse-Schema an Hand von Nationalitäten auf einer Plattform der Ausgebeuteten nichts verloren. Die Spaltungslinien anhand von Nationalitität, Ethnie, Religionszugehörigkeit (und ähnliches) gilt es zu überwinden.

Ich halte die Propaganda der Antideutschen für nicht tolerierbar, eine krude Mischung aus marxistischem Vokabular, Islamophobie, Ausrichting an nationolen Kategorien und heimlicher Krieglüsternheit.

Letzteres ist in meinen Augen am unerträglichsten. Diese beginnt mit der Glorifizierung des Kriegsverbrechers Arthur Harris, in der antideutschen Parole: "Do it again, Bomber Harris!"


--- Zitat ---Harris trat 1919 in die Kgl. Luftwaffe ein und diente unter anderem in Britisch-Indien, im Irak und im Iran. Von 1930 an war er im Luftstab für den Nahen Osten tätig, wo er an der blutigen Niederschlagung verschiedener Aufstände der dortigen Bevölkerung gegen die britische Kolonialherrschaft beteiligt war. Dabei setzte er Streubomben, Tretminen und Giftgas gegen die Zivilbevölkerung ein. Er begründete dies damit, dass seiner Ansicht nach Araber und Kurden nur eine Politik der harten Hand verstünden.
--- Ende Zitat ---
(Wikipedia)

Grundsätzlich wird versucht, Kriegsführung als legitimes Mittel in der Durchsetzung politischer Interessen, zu rehabiltieren. Der 2. Weltkrieg wird als Beleg für die Richtigkeit dieser These angeführt, denn dieser habe ja den Faschismus beendet.

Ich möchte an dieser Stelle die Lektüre der aktuellen (Dez. 2008) Sonderausgabe der Gruppe Arbeiterpolitik "Bombenkrieg und Klassenkampf" empfehlen. Da über 60 Jahre nach dem 2. Weltkireg ein US Politiker die verheerenden Luftangriffe auf Deutschland und Japan als Vorbild für heutige Luftangriffe anführt, "Offensichtlich haben wir die Iraker nicht genug schockert. Anders als Deutschland und Japan nach dem 2. Weltkrieg war der Irak nicht ausreichend traumatisiert."(Richard Armitage, Ex-US-Vizeaußenminister) macht man sich daran, dieses Thema aus linker Position zu analysieren. Es wird hier belegt, daß dieser Krieg weniger gegen den Faschismus geführt wurde, denn gegen das Proletariat. Statt Industrieanlangen und mitärische Ziele zu bombadieren, wählte man Wohngebiete.


--- Zitat ---Die historische wie rechtliche Qualifizierung der alliierten Luftkriegsstrategie und damit der Position Harris' bleibt umstritten. Nach sachlichen oder militärischen Kriterien war die gezielte Zerstörung von Wohngebieten und Innenstädten zweifelhaft. Die Angriffe waren formal ein schwerwiegender Verstoß gegen das Kriegsrecht.
--- Ende Zitat ---
(Wikipedia)
Wenn das Heft im politischen Buchhandel nicht erhältlich sein sollte, kann man es über die Herausgeber beziehen: www.arbeiterpolitik.de

Es ist nun auch wenig verwunderlich, daß die Antideutschen den "Krieg gegen den Terror" mit all seinen Konsequenzen unterstützen, sei es seitens der USA oder Israels.





alfred:
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