Autor Thema: "Tschüs-AG statt Ich-AG"  (Gelesen 3404 mal)

regenwurm

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"Tschüs-AG statt Ich-AG"
« am: 13:28:38 Sa. 26.August 2006 »
Bye, bye Germany - die große Flucht
vor Hartz IV und blanker Not


Hauptsache Arbeit, egal wo, egal wie, jedoch weit weg von einer staatlichen Verfolgungsbetreuung und Hartz-IV-Schnüfflern - so denken immer mehr Deutsche. Seit dem Krieg, sind nicht mehr so viele Menschen ausgewandert wie zu hartzigen Zeiten. Ihr neues Zuhause kennen sie oft nur aus dem Urlaub, sofern es Urlaub jemals gab, da sich viele keinen mehr leisten konnten. Egal, Hauptsache weg aus Deutschland.

145.000 Deutsche wanderten dem Statistischen Bundesamt zufolge aus - und das sind nur die, die sich ordnungsgemäß abgemeldet haben. Wie viele pendeln oder ihren deutschen Wohnsitz formal behalten, darüber lasse sich nur spekulieren, sagen Fachleute. Viele treibt die pure Not ins Ausland. Eine konkrete Not, die diese Regierung nicht erkennen will und die auch von den Arbeitslosenverwaltungen monatlich schön geredet und mit den präsentierten Erfolgszahlen zugekleistert wird - obwohl sich bereits Experten den Kopf zerbrechen, wohin diese Menschen wohl geflohen sind, wenn sie nicht mehr in der Statistik auftauchen.
Quelle
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Mr.Tom

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"Tschüs-AG statt Ich-AG"
« Antwort #1 am: 11:18:26 So. 27.August 2006 »
YEP... und es werden mehr.

CubanNecktie

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"Tschüs-AG statt Ich-AG"
« Antwort #2 am: 14:55:36 So. 27.August 2006 »
Tja, würde auch gern auswandern, Aber manchmal ist es im Ausland genauso mies wie bei uns oder noch mieser.

Zitat
Vom Auswanderer zum Sozialfall
Nicht für alle Deutschen ist Mallorca das Rentnerparadies

 

Palma de Mallorca. Zögerlich bestellt Willy Meyer in einer Strandbar in Arenal eine Tasse Kaffee und beobachtet die Menschen. Am Nachbartisch lässt sich gerade eine deutsche Familie Fisch und Rotwein schmecken. Am Strand vergnügen sich Urlauber im türkisblauen Wasser. Der 72-jährige Rentner aus Oberhausen holt tief Luft und sagt mit leiser Stimme: "Manchmal weiß ich nicht mehr weiter, ich kann gerade einmal meinen Kaffee bezahlen."

Der gebürtige Breslauer lebt schon seit acht Jahren auf Mallorca. Früher verbrachte er häufig seinen Urlaub auf der Baleareninsel, und als er wegen Herzproblemen in Frührente gehen musste, kauften er und seine Frau sich eine kleine Wohnung auf Mallorca. Aber der erträumte Lebensabend unter Palmen ging in Luft auf und Willy Meyer lebt heute als Sozialfall im Altenheim Safari. Und auch das kann er kaum bezahlen.

Als seine Frau vor einem Jahr starb, geriet Meyer in finanzielle Nöte. Er selbst hat kaum Geld, und die hohe Rente seiner Frau steht ihm nicht zu. Nach Ableistung aller Verpflichtungen bleiben ihm knapp 100 Euro im Monat. "Ich kaufe mir nur das Nötigste zum Waschen und vielleicht jedes halbe Jahr etwas Neues zum Anziehen", erzählt er leise. Die Heimleitung schraubte sogar die eigentlich schon günstige Miete herunter, damit er überhaupt noch dort wohnen bleiben kann.

Das traurige Schicksal von Meyer ist leider kein Einzelfall. "Wir wissen von rund 300 deutschen Rentnern auf Mallorca, die in akuter finanzieller Not leben", erklärt Jose Rodriguez vom Deutschen Sozial- und Kulturverein. Der Verein hat sich zur Aufgabe gemacht, Not leidenden Deutschen zu helfen. Wer in Spanien gemeldet ist und deutsche Rente bezieht, verliert sonst anrechenbare Ersatzzeiten für Studium oder Wehrdienst sowie andere Zusatzrenten.

Und es werden immer mehr Deutsche, die in Not geraten. "Ich habe fast wöchentlich einen neuen Rentner, den ich betreuen muss", sagt der vom Erzbistum Köln nach Mallorca entsandte Pfarrer Robert Kramer. "Die Menschen werden immer älter und vereinsamen; viele werden zu Pflegefällen, um die ich mich gemeinsam mit dem evangelischen Pfarrer und Jose Rodriguez kümmern muss", erzählt Kramer. Er arbeitet seit zwei Jahren auf den Balearen ist auch im Vorstand der Vereinigung Asistencia Mallorca, die Geld für Notleidende bei deutschen Unternehmen und Institutionen sammelt.

Doch ist es vor allem der Leiter des Kulturvereins, der spanische Pensionär Rodriguez, der in Armut geratenen deutschen Rentner auf der Insel hilft. Deren Situation sei auf Mallorca nämlich noch schwieriger als in Deutschland, sagt der Ingenieur, der über 30 Jahre lang in Hamburg gearbeitet hat. Rodriguez geht mit den Deutschen zu Behörden, übersetzt Papiere, begleitet sie bei Arztbesuchen und spricht ihnen Mut zu. Allein auf Mallorca fehlen rund 2.500 öffentliche Altenheimplätze.

Aber nicht Rentner werden auf Mallorca immer häufiger zu Sozialfällen. Auch immer mehr junge Menschen scheitern auf der Trauminsel und treiben sich als Bettler und Tagelöhner an der Playa de Palma herum. Rund 40 obdachlose Deutsche betteln hier in Restaurants um Essen und schnorren von Touristen Geld für Zigaretten und Alkohol. Sie warten vor Supermärkten und schieben Einkaufswagen, helfen beim Einparken oder klappern Telefonzellen auf der Suche nach Kleingeld ab. Zum Frühstücken gehen sie zur Caritas. Manchmal bekommen sie auch im Gästehaus Sankt Michael von Pfarrer Kramer ein warmes Abendessen, Kleidung oder für eine Nacht ein Dach überm Kopf. "Aber wir können so nur wenigen helfen", meint der Priester resigniert.

Manuel Meyer
(aus: KNA-ID, Nr. 36, 3. Sept. 2003)

Quelle: http://www.kath.de/kasdbk/miteinan/Dezember2003/mt031207.htm
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